Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

38

Russisch-Deutsch-Französischer Krieg von 1812 bis 1815

oder die Große Armee zu einer Schlacht zu bewegen. Als Bennigsen hinter der Schlesischen Armee unbemerkt nach Böhmen gelangt war, wandte sich Blücher durch einen geschickt verdeckten Marsch rechts und erzwang durch das Treffen bei Wartenburg (s. d.) 3. Okt. den Elbübergang. Auch die Nordarmee überschritt 4. und 5. Okt. diesen Fluß, während die Hauptarmee aus Böhmen westwärts ab über das Erzgebirge nach Sachsen marschierte. Im Rücken der Franzosen streiften schon einzelne Korps: so namentlich Tschernytschew (s. d.), der 1. Okt. dem Königreich Westfalen ein Ende machte. Napoleon hatte Murat mit einem Teil des Heers entsendet, um den Marsch der Hauptarmee der Verbündeten aufzuhalten; er selbst verließ Dresden 7. Okt. mit den übrigen Streitkräften und unternahm einen Vorstoß bis Düben, um die Schlesische Armee anzufallen, kehrte jedoch schnell um, als diese auswich, und wandte sich nach Leipzig, wo er von den drei vereinigten Armeen 16. bis 18. Okt. eine so entscheidende Niederlage erlitt (s. Leipzig, Bd. 11, S. 66), daß er sich zu schleunigem Rückzug aus Deutschland gezwungen sah. Schon vorher hatte sich Bayern 8. Okt. im Vertrage von Ried Österreich angeschlossen; der ganze Rheinbund löste sich auf; die vertriebenen Fürsten kehrten in ihre Länder zurück; der König von Sachsen wurde als Kriegsgefangener nach Berlin geführt. Eine energische Verfolgung des Sieges hätte dem Kriege vielleicht schon jetzt ein Ende gemacht; aber die Verbündeten irrten über den Weg, den Napoleon eingeschlagen hatte, und folgten ihm auf einem andern. Napoleon setzte seinen Rückzug ohne Aufenthalt fort und schlug die Bayern unter Wrede bei Hanau (s. d.) 30. Okt. Kaum 90000 Mann brachte er über den Rhein zurück. Die Garnisonen der noch von den Franzosen besetzten Festungen mußten nach und nach kapitulieren. Während die Hauptarmee und die Schlesische Armee an den Rhein rückten, wurde von der Nordarmee, die sich gegen Hamburg und die Dänen wandte, das preuß. 3. Korps (Bülow) zur Befreiung Hollands entsendet. Dänemark schloß nach der Niederlage von Sehestedt, 10. Dez., den Frieden zu Kiel 14. Jan. 1814 und trat Norwegen gegen Schwedisch-Pommern ab.

B. Der Feldzug in Frankreich von 1814. Die Verbündeten begannen den Winterfeldzug mit über 300000 Mann, denen Napoleon nicht entfernt soviel entgegenzusetzen hatte. Nach dem Operationsplan sollte die verbündete Hauptarmee durch die Schweiz in Frankreich einrücken, die Richtung auf Paris nehmen und ein Korps unter Bubna gegen Lyon entsenden, um später Verbindung mit Wellington zu suchen, der nach der Schlacht bei Vittoria in Frankreich eingedrungen war. Die Schlesische Armee sollte vom Mittelrhein her vorrücken und sich mit jener zwischen Seine und Marne vereinigen, um gemeinschaftlich gegen Paris zu operieren. Seit dem 21. Dez. 1813 geschah der Rheinübergang der Hauptarmee bei Basel, in der Neujahrsnacht 1814 der Blüchers bei Caub und Mannheim. Marmont und Macdonald, die am Mittel- und Niederrhein die Grenze besetzt gehalten hatten, zogen sich zurück, auch Mortier, nachdem er bei Bar-sur-Aube 24. Jan. gegen einen Teil der Hauptarmee gefochten hatte. Napoleon hatte gegen 60000 Mann bei Châlons-sur-Marne zusammengezogen und sich 25. Jan. dorthin begeben, um zunächst Blücher anzugreifen. Er erlangte zwar 29. Jan. bei Brienne einigen Vorteil; aber Blücher, aus der Hauptarmee verstärkt, schlug ihn 1. Febr. bei La Rothière (s. d.), worauf Napoleon nach Troyes zurückging. Die Verbündeten, anstatt ihn energisch zu verfolgen, trennten sich nun. Blücher wandte sich gegen die Marne, Châlons wurde genommen und der Marsch auf Paris angetreten, während Schwarzenberg gleichzeitig längs der Seine vorgehen sollte. Aber dieser verzögerte seinen Vormarsch, und so konnte sich Napoleon, der bereits seinem Gesandten auf dem Friedenskongreß zu Châtillon-sur-Seine (s. Chatillon 2) alle Vollmacht gegeben hatte, mit ganzer Macht auf die getrennt marschierende Schlesische Armee werfen, die er 10. bis 14. Febr. in einer Reihe von Gefechten bei Champaubert, Montmirail, Château-Thierry und Etoges (s. d.) schlug und zum Rückzüge nach Châlons nötigte, wo sich die Korps der Schlesischen Armee am 17. nach einem Verluste von 14000 Mann und 30 Geschützen wieder vereinigten. Jetzt wandte sich Napoleon gegen die Hauptarmee, die unter Gefechten mit Oudinot und Victor langsam vorgerückt war, schlug Wittgenstein 17. Febr. bei Nangis, den Kronprinzen von Württemberg am 18. bei Montereau und zwang auch sie zum Rückzuge. Derselbe wurde auf Troyes unternommen, um wieder mit Blücher Verbindung zu suchen. Die Verbündeten schlossen 1. März eine engere Allianz zu Chaumont (s. d.), nachdem Blücher schon wieder, rechts abmarschierend, die Offensive ergriffen und dadurch den Erfolg des ganzen Feldzugs gerettet hatte. Er hatte Marmont und Mortier schon 27. Febr. wieder über die Marne gedrängt, ließ aber von deren Verfolgung ab, als er Napoleons Anmarsch erfuhr, und wich diesem über die Aisne aus, um sich mit Bülow und Wintzingerode zu vereinigen. Diese hatten 2. März Soissons genommen und stießen am 4. zu Blücher. Napoleon warf zwar am 7. Sacken bei Craonne zurück, wurde jedoch 9. und 10. März bei Laon von Blücher geschlagen. Wiederum ließ er Marmont und Mortier gegen diesen stehen und warf sich abermals auf die Marschlinie der Hauptarmee, die nach dem Gefecht bei Bar-sur-Aube 27. Febr. ungefähr wieder so weit wie vier Wochen vorher vorgerückt war. Unterwegs zersprengte er bei Reims 13. März das Korps des russ. Generals Saint-Priest, wurde aber in der Schlacht bei Arcis-sur-Aube am 20. von Schwarzenberg zurückgeschlagen und faßte nun den Plan, die rückwärtigen Verbindungen der feindlichen Heere nach dem Rhein zu unterbrechen, um deren Vordringen auf Paris aufzuhalten. Die Verbündeten, denen ein aufgefangener Brief Napoleons an die Kaiserin seinen Plan enthüllt hatte, sandten ihm indes nur 5000 Pferde unter Wintzingerode nach, der ihn einige Tage mit Geschick täuschte, und setzten ihren Marsch auf Paris fort. Bei La Fère Champenoise wurden 25. März die Marschälle Napoleons geschlagen, und die Schlacht von Paris (s. d., Bd. 12, S. 906 a) 30. März zwang die Hauptstadt zur Kapitulation. Napoleon eilte herbei, doch zu spät. Der Senat hatte ihn bereits 2. April für abgesetzt erklärt, seine Marschälle sagten sich von ihm los, und so verzichtete er am 11. auf den Thron. Er erhielt als Souverän die Insel Elba, wo er 4. Mai landete. In Italien hatte sich zwar der Vicekönig behauptet, aber Lyon war von Bubna und Bordeaux von Wellington besetzt worden, der noch 10. April Soults festes Lager bei Toulouse erstürmte. Ein Waffenstillstand wurde geschlossen, und Ludwig XVIII. zog 4. Mai in Paris ein. Der erste Pariser Friede (s. d.) wurde 30. Mai unterzeichnet.