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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Russische Schwarzes-Meer Dampfschifffahrt; Russische Sekten; Russisches Heerwesen

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Russische Schwarzes-Meer-Dampfschiffahrt - Russisches Heerwesen

Druckschrift Schreibschrift Umschreibung u. Aussprache

A a A a a

B b B b b

B b B b v, v

C c C c g

^[Abb russ. Alphabet]

gehenden Konsonanten; l' ist mouilliertes franz. l, ł wird ungefähr wie das polnische sog. gutturale (harte) ł ausgesprochen.

Russische Schwarzes-Meer Dampfschifffahrt, Reederei in Odessa, deren Betrieb sich vornehmlich auf das Schwarze Meer erstreckt; doch gehen auch Schiffe ohne Regelmäßigkeit nach Wladiwostock und Nikolajewsk am Amur. Die Dampfer (1894: 66) sind an Größe sehr verschieden; die beiden größten Queen Olga und Tchiatchoff hatten je 4065 Registertonnen, während die Babushka nur zu 188 Registertons vermessen ist. Die Gesamtgröße der Flotte beträgt nur 71121 Registertons. Die vom Fürsten Gagarin begründete Russische Schwarzes-Meer- und Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft in Odessa hat 5 kleine Paketboote, 5 Schlepper und zahlreiche Barken, auch für Petroleumtransport.

Russische Sekten, diejenigen Sekten in der russ. Kirche, bei denen es sich nicht wie bei den Raskolniken (s. d.) nur um verdorbene Texte, Auslegung gewisser Bibelstellen oder einzelne Ceremonien handelt, sondern um Anschauungen, die auf ganz besonderer Deutung der Heiligen Schrift überhaupt beruhen. Dahin gehören vor allem die Duchoborzen (s. d.), aus denen die Molokanen (s. d.) hervorgegangen sind. Abzweigungen von den letztern sind die Obschtschije, die Gütergemeinschaft durchführten, aber wieder fast ganz verschwunden sind, und die Subbotniki, die den Sonnabend statt des Sonntags feiern und einige jüd. Gebräuche angenommen haben. Es entstehen häufig noch neue Sekten, fast alle rationalistischer Art, so die Nemoljaken (Nichtbeter) und Wosdychanzy (die Seufzenden), ferner die Nenaschi (Nicht-Unsere) und Moltschaniki (Schweigende); sie sind förmliche Atheïsten. Merkwürdig sind die Žiwyje Pokojniki (lebend zur Ruhe Gelangte), deren verworrene Lehre sich sogar auf G. Sands "Consuelo" und auf das "Buch Cotta" stützt. Wichtig für die Gestaltung der russ. Kirche können die Stundisten (s. d.) werden. 1874 wurden durch ein Gesetz für alle Sekten, die keine staatlich anerkannten Priester oder überhaupt keine Priester haben, Civilstandsregister eingeführt; doch gilt das Gesetz natürlich nur für solche Sekten, die die Ehe überhaupt nicht verwerfen. - Vgl. Gerbel-Embach, Russ. Sektierer (Heilbr. 1883).

Russisches Heerwesen. I. Landheer. Die Grundlage der Heeresverfassung bildet die Organisation Peters d. Gr. Dieser fand ein Heer von 200000 Mann vor, welches aus 60000 Mann "russ. Ordnung", 60000 Kosaken und 80000 Mann "ausländischer Ordnung" bestand, aber mangelhaft ausgebildet war. Die Truppen russ. Ordnung bestanden aus Fußvolk (darunter 22 Regimenter Strjälzen zu je 1000 Mann) und Reiterei (Bojarensöhne mit Gefolge, einige berittene Strjälzenregimenter, tatar. Hilfstruppen); das Fuhrwesen wurde von den Dörfern gestellt. Die Strjälzen thaten im Frieden nur Polizeidienst, wohnten in besondern Vorstädten, erhielten Sold und Ländereien vom Staat und besaßen große Vorrechte (Abgabenfreiheit u. s. w.); sie durften Handel treiben und waren fast ohne militär. Ausbildung. Im Kriege führte jedes Regiment 8 leichte Geschütze mit. Einige Regimenter Stadtkosaken (nach russ. Städten geflüchtete Kosaken) gehörten ebenfalls zum Fußvolk russ. Ordnung. Die Regimenter ausländischer Ordnung (25 berittene und 75 zu Fuß) bestanden aus Deutschen, Polen und Litauern unter deutschen, franz. und schott. Offizieren, darunter viele Abenteurer. Die Kosaken (donische und kleinrussische) waren lehnspflichtig, doch war auf ihre Dienste nicht immer mit Sicherheit zu rechnen. Peter I. schuf aus seinen Potjäschnyje (Spielgefährten) die Stämme der Leibgarderegimenter Preobrashensk und Ssemenow und reorganisierte das Heer 1699 nach seiner Heimkehr aus Westeuropa. Er löste die Strjälzen auf und ließ im Nov. 1699 zum erstenmal Rekruten ausheben (1 Mann von 25 bis 30 Höfen). Die Wehrpflicht war allgemein, und erst Katharina II. befreite den Adel davon. Sehr rasch wurden 29 Infanterie- und 2 Dragonerregimenter nach westeurop. Muster aufgestellt, deren Offiziere meist Ausländer waren. Dieses Heer schlug sich 1700 bei Narwa schlecht, doch ließ sich der Zar durch diesen Mißerfolg nicht beirren, hob Mannschaften aus, errichtete 10 neue Dragonerregimenter und eine Artillerie von 300 Geschützen sowie eine Gewehrfabrik bei Moskau und hatte 1712 schon 42 Feld- und 43 Garnisonregimenter Infanterie, 33 Kavallerieregimenter, 1 Bombardier- und 6 Kanoniercompagnien, nebst einem Stab von Ingenieur- und Artillerieoffizieren. Peter III. führte Bekleidung und Reglements nach preuß. Muster ein.

Katharina II. vermehrte den Generalstab, errichtete ein Jägerkorps und die Chevaliergarde, teilte die Truppen in Territorialdivisionen, stellte Infanterie- und Kavalleriebrigaden (je 2 Regimenter) zusammen, löste die kleinruss. Kosaken auf und siedelte einen Teil derselben im Kaukasus und am Schwarzen Meer an. 1812 wurden drei Aushebun-^[folgende Seite]