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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rußland (Industrie und Gewerbe)

Metallen 157000, vom Salz 474000, vom Naphtha 10658000 Rubel.

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Ein- und Ausfuhr der Erzeugnisse des Bergbaues im J. 1893:

Bergbauprodukte Einfuhr Pud Rubel Ausfuhr Pud Rubel

Steinkohle 94008000 10840500 834700 88200

Koks 12292250 1614700 - -

Gußeisen 8132800 5277400 8200 7650

Eisen und Stahl 6790100 14671400 314700 743800

Blei 1399900 3400500 - -

Schwefel 1153400 1028000 - -

Salz 1052300 289700 456100 75500

Zink 329800 1255000 3300 6200

Kupfer 256700 2960200 5300 73200

Zinn 161000 1653500 - -

Naphtha u. Produkte 29400 106400 48089300 27637000

Quecksilber 358 12000 13850 642900

Bergwachs 184100 87000 - -

Manganerz - - 8602300 3348000

Andere Metalle - - 7200 32900

Platin - - 207 1115600

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Industrie und Gewerbe. In R. findet sich von alters her eine bedeutende Hausindustrie (kustarnyj promysl), die von der bäuerlichen Bevölkerung neben der Landwirtschaft betrieben wird, doch ist stellenweise (in den Gouvernements Nishnij Nowgorod, Wladimir, Kaluga, Tula u. a.) auch schon die landwirtschaftliche Thätigkeit zurückgetreten und die gewerbliche fast ausschließlich geblieben. Die Zahl der in der Hausindustrie beschäftigten Personen wird auf 7½ Mill. geschätzt, der Wert ihrer Produkte auf 1½ Milliarden Rubel. Die letztern umfassen namentlich die Leder-, Holz-, Metall-, Thon-, Rauchwarenbranche, besonders aber die Textilindustrie, die neben Gegenständen des gewöhnlichen Gebrauchs auch die feinsten Teppiche und Spitzen liefert. Die Fabrikindustrie hat sich erst seit etwa 1870 entwickelt, obgleich ihre Anfänge schon ins 17. Jahrh. reichen. Ohne Bergwerke und Accise zahlende Fabriken (Tabak-, Zündhölzchenfabriken, Branntweinbrennereien u. a.) gab es 1865: 14257 Fabriken mit 392718 Arbeitern und 296 Mill. Rubel Produktion; 1880: 16564 Fabriken mit 616925 Arbeitern und 731 Mill. Produktion; 1. Jan. 1892: 29439 Fabriken mit 939882 Arbeitern und 1393 Mill. Rubel Produktion, sowie daneben noch 103400 kleine Betriebe mit weniger als 1000 Rubel jährlichem Umsatz.

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Verteilung der Industrie 1892:

Gebiete Zahl der Fabriken Beschäftigte Arbeiter Produktion in 1000 Rubel

Europ. Rußland 16770 738146 1108779

Polen 3548 115631 188331

Finland 6770 61302 43907

Kaukasien 1336 14036 32189

Sibirien 613 7455 9468

Centralasien 402 3312 10334

Zusammen 29439 939882 1393008

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Die Verteilung der industriellen Anlagen nach Art und Zahl der Motoren und der Arbeiter in den Hauptgebieten im J. 1891 zeigt Tabelle A auf S. 76; Tabelle B giebt eine Übersicht über die Hauptzweige der Fabrikthätigkeit, Tabelle C einen Vergleich der Produktion von 1891 mit der von 1887.

Unter den Fabrikarbeitern sind 24 Proz. Frauen und 3 Proz. Kinder. Arbeitstage sind 288, jeder zu 12 Stunden; der Lohn beträgt im Durchschnitt 201, im Maximum 600, im Minimum 120 Rubel jährlich. Von 23500 Fabrikleitern waren 21874 Russen (darunter 20804 ohne technische Vorbildung) und 1626 Ausländer (1201 ohne technische Vorbildung).

In Bezug auf die Fabrik- und industrielle Thätigkeit überhaupt wird R. in 14 Industriebezirke eingeteilt: der moskauische und baltisch-petersburgische Bezirk (5404 Fabriken mit 702 Mill. Rubel Produktion) liefern hauptsächlich Manufakturen, Metall- und andere Waren; Finland (4884, 46 Mill.) Holzwaren; der nördl. Bezirk (198, 8 Mill.) Bauholz und Flachs; der östl. Bezirk (1901, 114 Mill.) Metallwaren und Getreide; Sibirien (686, 48 Mill.) Gold, Silber, Kupfer, Eisen und tierische Produkte; der Weichselbezirk (Polen; 2354, 210 Mill.) Manufakturen und Metallwaren; der nordwestl. Bezirk (1214, 39 Mill.) Holzwaren; der kleinruss. Bezirk (767, 50 Mill.) Getreide und Zucker; der mittlere Schwarzerdebezirk (4330, 135 Mill.) Getreide und Sprit; Mittelasien (389, 14 Mill.) Baumwolle, Seide, tierische Produkte; der Kaukasus (919, 55 Mill.) Wein, Naphtha, Honig, Getreide; der südl. Bezirk (2559, 120 Mill.) Steinkohlen, Getreideprodukte; der südwestl. Bezirk (1002, 58 Mill.) Zucker, Früchte, Getreide.

Gold-, Silber- und Juwelierwaren werden hauptsächlich in den Großstädten hergestellt, aber auch in der Hausindustrie einiger Dörfer in den Gouvernements Kostroma (700000 Rubel jährlich), Kasan, Wladimir und Moskau (200000 Rubel). Die Herstellung von Blattgold und Blattsilber ist besonders entwickelt in den Gouvernements Moskau und Kaluga (500000 Rubel), die größten Fabriken sind aber in Moskau. Die Einfuhr von Gold- und Silberwaren betrug (1892) 809000, die Ausfuhr 282000 Rubel.

Die Herstellung von Kupferwaren (aus Kupfer und Kupferlegierungen) gehört teils der Fabrik-, teils der Hausindustrie an. Besonders berühmt ist der Glockenguß (Waldaj im Gouvernement Nowgorod) mit jährlich 950000 Rubel Produktion. Kupfergefäße liefern besonders die Gouvernements Tula (Samoware), Wladimir (Mörser und Samoware) und Petersburg (Samoware und Kasserolle). Der Gesamtwert der Fabrik- und Hausindustrie beträgt 7-8 Mill. Rubel jährlich. An Waren aus Bronze, Messingblech, überhaupt aus Kupfer-Zinklegierungen (Lampen, Kronleuchter u. s. w.) werden jährlich etwa für 2 Mill. Rubel hergestellt, für (1893) 1,9 Mill. ein- und für 285000 Rubel ausgeführt. Die Herstellung von Zink-, Zinn- und Bleiwaren beträgt 8,5 Mill., die Einfuhr 350000 Rubel.

Eisenwaren. In den Gouvernements Nishnij Nowgorod und Wjatka werden Ketten und Anker geschmiedet, im Gouvernement Perm Trinkgefäße, Eimer, Becken, Schaufeln u. a., im Gouvernement Twer Nägel gefertigt. Der Gesamtwert aller Schmiedewaren aus Flacheisen und Blech erreicht jährlich 27500000, die Einfuhr 1511000 Rubel; der Gußeisen- und Stahlwaren 21 Mill., die Einfuhr 199000 Rubel; die Herstellung von Messern, Sensen, Sicheln, Instrumenten u. a. 3 Mill., die Einfuhr 3 Mill. Rubel; beschlagener Waren 37,5 Mill. Rubel. Der Maschinenbau hat gegen Anfang des 18. Jahrh. begonnen. An Maschinenfabriken giebt es (1894) 339 mit 43326 Arbeitern und 46 Mill. Produktion; die Einfuhr von Maschinen beträgt 21 Mill. Rubel.