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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rußland (Zeitungswesen)

neues Universitätsstatut erlassen, das die Selbstverwaltung beseitigte.

R. hat mit Einschluß von Finland folgende zehn Universitäten:

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Universitäten Zahl der Fakultäten Zahl der Docenten Zahl der Studenten Zahl der Hörer

Charkow 4 109 1062 54

Helsingfors 5 98 1716 41*

Dorpat (Jurjew) 5 80 1670 7

Kasan 4 101 737 25

Kiew 4 166 2179 121

Moskau 4 192 3447 202

Odessa 3 63 517 25

Petersburg 4 184 2306 45

Tomsk 2 18 289 13

Warschau 4 73 1189 13

Zusammen 1084 15112 546

* Weibliche.

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Von der Gesamtzahl der Studenten (außer Helsingfors) kamen (1893-94) auf die theol. Fakultät 256, auf die historisch-philologische 774, auf die physiko-mathematische 2424, auf die juristische 3877, auf die medizinische 2520 und auf orient. Sprachen 25. Den Universitäten gleichgestellt sind zwei histor.-philolog. Institute (in Petersburg und Njeshin), das Lasarewsche Institut für orient. Sprachen (in Moskau), die Lehranstalt für orient. Sprachen beim Asiatischen Departement (s. d.), 2 kaiserl. Lyceen, eine Rechtsschule, das Konstantinowsche Feldmesserinstitut und das Demidowsche Rechtslyceum (letzteres in Jaroslawl). Außerdem giebt es 1 Berg-, 2 technische, 1 Forst-, 2 Ingenieur-, 2 polytechnische, 1 archäol., 1 landwirtschaftliches Institut. Unter dem Militärdepartement stehen 5 höhere Lehranstalten, darunter 3 specifisch militär. Akademien (des Hauptstabes, der Artillerie und der Ingenieure), die militärjuridische und die militärmediz. Akademie, zusammen mit 1257 studierenden Offizieren; ferner die See-Akademie Nikolaus' I. Zu den höhern geistlichen Unterrichtsanstalten gehören 6 theol. Akademien, darunter 4 orthodoxe (in Petersburg, Moskau, Kiew und Kasan) mit 839 Studenten, 1 römisch-katholische (in Petersburg) und 1 armenische (in Etschmiadzin). Zu den Mittelschulen gehören: 180 Gymnasien und 59 Progymnasien mit 4942 Lehrern und 68680 Schülern; 95 Realschulen mit 19249 Schülern; 55 Geistliche Seminarien mit 17250 Schülern; 188 Geistliche Schulen mit 29829 Schülern; 27 Militärgymnasien mit allgemeinen und speciellen Kursen, 2 Militärschulen mit allgemeinen Bildungskursen; 14 Junkerschulen mit 3474 Schülern. An Fachschulen giebt es: 3 mit Mittelschulcharakter (für Topographie, Artillerie und Ingenieurwesen) bei zwei Militärakademien; 10 Feldscherschulen, 16 Handelsschulen, 2 kaiserl. Konservatorien (in Petersburg und Moskau), 1 musikalisches Institut (in Warschau), 1 Hofsängerkapelle (in Petersburg), 27 Musik-, 3 Theater- und musikalisch-dramatische, 1 Opernschule, 1 kaiserl. Kunstakademie mit Kunstschule, 8 Zeichenschulen und Zeichenklassen, 1 elektrotechnisches Institut, 56 technische und Gewerbeschulen, 16 Schulen für Obst-, Gartenbau und Bienenzucht, 21 Schulen für Land- und Forstwirtschaft, 55 Ackerbauschulen; 40 mediz., klinische und Veterinärinstitute und Schulen; 1 seetechnische Schule und 46 andere Seeschulen und Schifferklassen. Für den höhern und mittlern weiblichen Unterricht bestehen 9 (meist pädagogische) Anstalten, 26 weibliche Institute der Kaiserin Marie, 149 Staatsgymnasien und 196 Progymnasien, 28 mediz., Hebammen- und Feldscher-, 2 Hauswirtschaftsschulen, 2 Fröbelkurse u. s. w. Endlich sind vorhanden 40589 niedere und Elementarschulen mit 2240329 Schülern, darunter 1870399 Knaben. Die gesamten Ausgaben der Regierung für die Volksbildung betragen jährlich gegen 40 Mill. Rubel; 1894 kamen auf Hochschulen 7294473, auf Mittelschulen 19576208, auf niedere Schulen 7403612, auf Bibliotheken, gelehrte Gesellschaften u. s. w. 1694916 Rubel.

Unter den wissenschaftlichen Anstalten nimmt den ersten Rang ein die kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Petersburg, mit der die Sternwarte in Pulkowa und das Meteorologische Institut in Petersburg und Pawlowsk verbunden ist. Daran schließen sich die Archäologische Kommission, das Geologische Komitee, viele kaiserl. Gesellschaften und Privatgesellschaften der verschiedensten Art sowie zahlreiche reich ausgestattete Museen. Unter den Bibliotheken ist die bedeutendste die kaiserl. Öffentliche Bibliothek in Petersburg. (S. auch die Artikel Petersburg, Moskau, Odessa u. s. w.)

Litterarische Produktion. In R. (außer Finland) wurden 1893: 10242 Werke in 33875201 Exemplaren gedruckt, davon in russ. Sprache 7782 in 27224903 Exemplaren, in ausländischen Sprachen und in den Sprachen der russ. Fremdvölker 2460 in 6650298 Exemplaren. Die russ. Werke zerfielen ihrem Inhalt nach in: theologische 1058, Nachschlagebücher 701, Schulbücher 675, schönwissenschaftliche 629, medizinische 618, geschichtliche 307, rechtswissenschaftliche 254, Kinderschriften 241, landwirtschaftliche 238, dramatische 229, statistische 209; 6 Gruppen (darunter Technik, Naturwissenschaften, Militaria, Pädagogik) weisen je 100-200 Werke auf, 7 Gruppen (Geographie, Astronomie, Philosophie u. a.) je 50-100, 11 Gruppen (Handel, Finanzen, Mathematik, Sprachwissenschaft u. s. w.) je 2-50. Es gab (1893) in 152 Städten 656 Buchdruckereien und in 222 Städten 619 Buchhandlungen. Über den russ. Buchhandel s. Buchhandel (Bd. 3, S. 673 b), über die russ. Preßverhältnisse s. Preßgesetzgebung (Bd. 13, S. 380 a).

Zeitungswesen. Die erste russische Zeitung wurde 1703 von Peter d. Gr. gegründet: die "Vědomosti" (Nachrichten) in Moskau, aus denen die "Sanktpeterburgskija Vědomosti" hervorgingen, die seit 1714 ununterbrochen erscheinen und das Organ der Petersburger Akademie der Wissenschaften sind. Die "Moskovskija Vědomosti" wurden 1756 begründet als Organ der Moskauer Universität. 1769-74 erschien eine Anzahl satir. Journale, wie "Vsjakaja Vsjačina" (Buntes Allerlei), an dem die Kaiserin (Katharina II.) mitwirkte. Der hauptsächlichste Journalist jener Zeit war aber Nowikow (s. d.). Karamsin gab schon 1791-92 das "Moskovskij Žurnal" heraus, wichtiger wurde aber der von ihm 1802 gegründete "Věstnik Evropy" (s. Europäischer Bote). Der Krieg mit Frankreich rief hervor Glinkas patriotischen "Russkij Věstnik" (1808-21). Weitere Zeitungen von Bedeutung waren: Gretschs "Syn Otečestva" (Sohn des Vaterlandes, 1812 fg.), "Russkij Invalid" (1813 fg.), Polewojs "Moskovskij Telegraf" (1825-34), Gretsch und Bulgarins "Sěvernaja Pčela" (Nordische Biene; reaktionär). Eine freiere Bewegung der Presse trat während des Krim-^[folgende Seite]