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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rust - Rustige
lich wirken können. Die Blätter, die von ihnen be-
fallen sind, zeigen auch in der Regel noch lange Zeit
unter dem schwarzen Überzuge eine normale Fär-
bung und Gestalt, erst nach längerer Zeit werden
sie mißsarbig, weil die Assimilationsthätigkeit der-
selben infolge der dunkeln, wenig Licht durchlassen-
den Haut bedeutend verringert wird.
Die meisten dieser rein epiphytisch lebenden Pilze
gehören zu der Gattung I^uinl^o ^il?., die sich durch
die Mannigfaltigkeit ihrer Conidienfruktifikation
auszeichnet. Auf den häutigen Mycelien bildet sich
außer den krugförmigen Perithecien, in denen die
Ascosporen entwickelt werden, eine ganze Reihe von
Fortpflanzungsorganen(f. Tafel: PilzeIII,Fig.5a
und d), die unter verschiedenen Bezeichnungen zn-
sammengefaßt werden. Sehr häusig treten ketten-
artig aneinander gereihte Sporen (Torulaform)
auf, und mit diefen znsammen finden sich Zell-
körper, sog. G e m men, die gleichfalls keimfähig sind;
ferner entwickeln sich kurze Conioienträger, die an
ihrer Spitze Sporen abschnüren und als (^ladospo
1-ium bezeichnet werden; derartige Conidienträger
treten auch häufig zu Büscheln vereinigt auf, und
schließlich bilden sich noch Conidienfrüchte oder Sper-
mogonien von schlauchförmiger Gestalt, die in ihrem
Innern Sporen erzeugen. Alle diese Sporen sind im
stände zu keimen und den Pilz fortzupflanzen, wo-
durch seine schnelle Verbreitung bei günstigen Be-
dingungen erklärlich wird. Die bekannteste Art ist
I>imüFo 8Äiicina I^. (Taf. III, Fig. 5), die auf sehr
verschiedenen Pflanzen auftritt, besonders auf dem
Hopfen und hier die als N. oder schwarzer Brand
des Hopfens bezeichnete Kranlheitserscheinung her-
vorruft. Obwohl kein echter Parasit, kann dieser
Pilz doch durch seine Ausbreitung für die Hopfen-
pflanzungen sehr schädlich werden. Von andern
Arten seien noch erwähnt der N. der Orangen-
bäume, I^uinHFo Oiti-i ^e?'F., der sich auf den Blät-
tern der Citrusarten findet, sowie der N. des Kaffee-
baums, dessen Pilz jedenfalls auch zur Gattung
I'umllFo zu rechnen ist.
Die andere Gruppe der Rusitaupilze, die nicht bloß
epiphytisch, sondern auch im Innern der Gewebe
vorkommen und deshalb als wirkliche Parasiten zu
betrachten sind, gehören besonders der Gattung
?i608i)0i-a an. In den Fruktifikationsverhältnissen
stimmen dieselben mit den Arten von ^umg^o in-
sofern überein, als sie gleichfalls verschiedene Co-
nidienfrüchte besitzen. Die einzelnen Formen werden
zum Teil unter den obenerwähnten Namen be-
schrieben, zum Teil auch als 8poi'iä68mwm, ^ol^-
(163MU8 u. a. Zu dieser Gruppe gehören mehrere
wichtige Krankheitserreger, so die auf verschiedenen
Pflanzen lebende ?iL08i)0i'H Iierlmrnm 1^7., die
sich zwar gewöhnlich nur auf abgestorbenen Teilen
findet, die aber doch auch besonders auf Getreide-
Pflanzen schon an jungen Exemplaren ihre Mycelien
entwickelt; ferner I'ieos^oi'Ä ii^cintlii F^-., die als
Ursache des schwarzen Rotzes der Hyacinthen-
zwiebeln angesehen wird, sowie der als Raps Ver-
derb er bezeichnete Pilz spoi-iä^niwm exitiosum
/^"/i)l oder 1^o1^ä68inu8 6xitio8U8 Moni., der sür
Raps- und Nübsenpflanzungen sehr nachteilig wer-
den kann. Zu derselben Gruppe wie der letztere
gehört auch der die Herz faule der Runkelrübe
hervorrufende Pilz ßpoi-iäLLinium putrolacienk
^itc/c. Die von ihm befallenen Organe werden
schwarz und verfallen vollständig.
Nust, Stadt in Ungarn, s. Ruszt.
Ruft, Wilh., Musiker, Enkel des anhält. Hof-
musikdirektors Friedrich Wilhelm R. (gcb.S.Iuli
1739 in Wörlitz, gest. 28. Febr. 1796 in Dessau),
geb. 15. Aug. 1822 zu Dessau, war Schüler von
Friedr. Schneider und ließ sich 1849 als Musik-
lehrer in Berlin nieder. 1861 wurde er Organist
an der Lukaskirche daselbst, war 1862-74 Dirigent
des dortigen Bach-Vereins, wurde 1864 zum königl.
Musikdirektor ernannt, 1870 Lehrer am Stcrnschen
Konservatorium. 1878' siedelte er nach Leipzig über,
wurde daselbst Organist, 1880 Kantor an der Tho-
masschule, außerdem Lehrer am dortigen Konser-
vatorium. Er starb 2. Mai 1892. R. machte sich
verdient um die von der Bach-Gesellschaft unter-
nommene Herausgabe der Werke I. S. Bachs, deren
Hauptredacteur er über 25 Jahre war. An eigenen
Kompositionen veröffentlichte R. 48 Werke für Kla-
vier, Orgel, geistlichen und weltlichen Gesang.
Rustak, Handelsplatz in Vadachschan (s. d.).
Rüstbäume, s. Gerüste.
Rüsten, hölzerne starke Planken oder bei Eisen-
schiffen eiserne Platten, die in der Höhe des Ober-
decks an der Außenseite der Schiffswand horizontal
liegend querab von jedem Mäste befestigt sind. Sie
dienen dazu, den Unterwanten (s. Wanten) und den
Pardunen (s. d.) mehr Spreizung zu geben, als
diese erhalten könnten, wenn man sie auf dem Ober-
deck straff setzen wollte. Sie tragen die Jungfern
(s. d.). Je nach den zugehörigen Masten heißen die
R., von vorn an gerechnet, Fock-, Groß- und Ve-
sansrüstcn. In den Fockrüsten liegen die beiden
schwersten Anker des Schiffs, die Rü stank er, in
einer Fallvorrichtung, von der man sie von innen-
bords aus durch einen Hebel fallen lassen kann.
Rüster, s. Ulme. Weine.
Rüster Ausbruch, s. Nnszt und Ungarische
Rüsterfalter, s. Fuchs (Schmetterling).
Nüstholz (Nüstbäume), die zu Gerüsten (s. d.)
nötigen Hölzer. ^Vossenwerk (s. d.).
Nustioa. (ital., Bäuerisch Werk), soviel wie
Nusticitä't ilat.), bäurisches Benehmen.
Rüstige, Heinr. von, Maler, geb. 12. April
1810 zu Wcrl in Westfalen, widmete sich auf der
Düsseldorfer Akademie unter Schadows Leitung
der Kunst und erlangte bereits 1821 durch Dar-
stellungen aus dem Genregebict von der Berliner
Akademie einen Preis. Unter den zahlreichen fol-
genden Bildern ist Das Gebet beim Gewitter (1836;
Berliner Nationalgalerie) hervorzuheben. Mit Rethel
und andern Künstlern der Düsseldorfer Schule sie-
delte R. 1836 nach Frankfurt a. M. über und wirkte
dort als Lehrer am Städelschen Institut. Unter
den Bildern dieser Periode sind zu nennen: Die
junge Witwe, Die Überschwemmung (National-
galcrie in Berlin). Einer Reise durch Ungarn und
Deutschland schloß sich ein Studienaufenthalt in
Paris, Brüssel, Antwerpen, Italien und England
an, worauf R. 1844 als Professor an die Kunst-
schule in Stuttgart berufen wurde. Damals ent-
standen: Das wiedergefundene Kind (König von
Württemberg), Die Genesende (Prinzessin Mathilde
in Paris), Soldatenlager (im Besitz des Kaisers
von Rußland), Die unterbrochene Mahlzeit (Galerie
zu Karlsruhe). Die Staatsgalerie in Stuttgart be-
sitzt von ihm: Herzog Alba im Schloß zu Rudol-
stadt (1861), Kaiser Otto I. nach Vcsiegung der
Dänen den Speer ins Meer schleudernd; die'Stet-
tiner städtische Galerie: Kaiser Ottos III. Leichen-
zug. Als Dichter trat N. 1845 mit "Gedichten"