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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Saarunion - Saavedra (Angel de, Herzog von Rivas)
Telegraph, eine kath. und eine evang. Kirche' !
Eisengießerei, bedeutende Gerberei, Tapetenfabrik, ^
Dampfmahl- und Sägemühle, Brauerei, Stein-
brüche und Sandgruben.
Saarunion, Hauptstadt des Kantons S. (13 732
E.) im Kreis Zabcrn des Bezirks Unterelsaß, an der
Saar und der Linie Saarburg-Saargemünd der
Elaß-.Lothr. Eisenbahnen, Sitz eines Ämtsgerichts
(Landgericht saargemünd), Steueramtes, katb. De-
kanats und Konsistoriums der Kirche angsburgischen
Bekenntnisses, hat (1890) 3102 E., darunter 1414
Katholiken und 235 Israeliten, Postamt zweiter
Klasse, Telegraph, kath. Pfarrkirche, eine spätgot.
dreischiffige Basilika, Synagoge, Gemeindehaus
(1684); Fabrikation von Palnl- und Panamahütcn,
Seilerwaren (die größte Seilfabrik der Neichslandc),
seidenen Haarnetzen und Handschuhen, Getreide- und
Viehmärkte. - S. ist 1793 ans' den Orten Neu-
Saarwerden, ehemals zu Nassau-Weilburg bez.
Nassau-Saarbrücken, und Vockenhcim, ehemals zu
Lothringen gehörig, entstanden.
Saarweine, die im Saarthal wachsenden Weine.
Die S. aus Deutsch-Lothringen kommen aus den
Bezirken Saaralbe, Saargemünd, Saarbrücken und
sind sehr gute Tischweine. Die S. aus dem preuß.
Neg.-Vez. Trier stammen aus Saarbrücken, Saar-
louis, Merzig, Saarburg bei Trier. Hervorzuheben
sind aus dem letztern Bezirk die Conzer, Filzener,
Cosel und Mertesdorfer, die auch schon Moselweine
(s. d.) genannt werden. Berühmt sind aus der
Gegend von Trier folgende S.: Scharzbofbcrger,
Aocksteiner, Wawen-Hcrrcnberger, Thiergarten,
Obcrwig mit dem Neuberger und der Kartbäuser
Hofbergcr und Eitelsbacher. Hier stoßen die Mosel-
und Saarweinegebiete zusammen und werden von
den einen zu den Moselweinen, von den andern zu
den S. gerechnet.
Saarwerden, Dorf im Kanton Saarunion,
Kreis Zabern des Bezirks Untcrclsaß, an der Saar
und der Linie Eaarburg-Saargemünd der Elsaß-
Lothr. Eisenbahnen, hat (1890) 542 E., darunter
152 Evangelische, Schloß der Grafen von Nassau-
Saarwerden-Mörs, denen die Herrschaft S. gehörte,
1670 vom Marschall de Crequi zerstört. Nach
neuerer Forschung soll die "Gräfin von Saverne"
in Schillers Gedicht "Der Gang nach dem Eisen-
bammer" auf eine Gräfin Kunigunde von Mors-
Eaarwerden zurückzuführen sein. - Vgl. D. Fischer,
1Ü8toii'6 äe 1'anci6n conit" ä6 3. (Mülh. 1877).
Saasgrat, Zweigkette der Pcnninischen Alpen,
. s. Mischabelhörner.
Saasthal, s. Visp.
Saat, s. Säen.
Saaterländischer Westkanal, s. Karte und
Tabelle zum Artikel Fehn- und Moorkolonien (Bd. 6,
S. 629 u. 630).
Saatfurchen, s. Furche.
Saatgans (^näsr 86^6tum /^/,Fi.), eine im
Norden Europas und Asiens, in Island, Lapp-
land und Sibirien brütende Wildgans von 85 ^in
Länge und 180 ein Klafterbreite, mit größtenteils
graubrauuem Gefieder und mit weißen, halbmond-
förmigen Fedcrsieckchen an der Schnabelwurzel oben !
und an jeder Seite. Der Schnabel ist wie die Beine
orangerot, an der Wurzel schwarz und an der Spitze
mit schwarzer Nagelkuppe Die S. zieht in großen
Gesellschaften schon Mitte September nach Mittel-
europa und bei größerer Kälte weiter südlich bis
nach Nordasrika und kehrt Anfang Mai nach ihren
Vrüteplätzcn zurück.
Saatgut, s. Säen.
Saatkamp, zur Erziehuug von Forstkulturpflan-
zen aus Samen bestimmte Fläche, die zu diesem
Zwecke einigemal, oft einmal benutzt wird. (E. auch
Pflanzkamp.)
Saatkrähe, s. Krähe (Bd. 10, S. 073 d).
Saatschnellkäfer (^i-iot68 Iin6^w8 /^.), ein
8 -10 min langer Schnellkäfer von
brauner Farbe, mit zarter grauer Be-
haarung und zwei schwachen, dunklern
Lüngsbinden auf den Flügeldecken. (S.
die beistcbende vergrößerte Abbildung.)
Das in Europa sehr häufige Tier lebt
als Larve (Drahtwurm) von den Wur-
zeln der Getreidearten, namentlich des
Hafers, und wird dadurch oft schädlich.
Saatzig, Kreis im preuß. Reg.-Bez. Stettin, hat
1219,75 hkm und (1890) 68035 (33574 münnl.,
34461 weibl.) E., 5 Städte, 85 Landgemeinden und
89 Gutsbezirke. Sitz des Landratsamtes ist Star-
gard in Pommern.
Saavedra, Angel de, Herzog von Rivas, svan.
Tickter und Staatsmann, geb. 10. März 1791
zu Cordoba als der zweite Sohn eines Granden,
war für die militür. Laufbahn bestimmt, beteiligte
sich eifrig am Unabhängigkeitskriege und erhielt
nach desien Ende ein Kavallerieregiment. Sein
Votum für die Suspension des Königs zwang ihn,
1823 nach England zu fliehen; die Rücksicht auf
das Klima und zufällige Verhältnisse führten ihn
dann nach Malta. Seine Gedichte ("1i!n8^08 poe-
ticoz", 1813; "?068iH8", 2 Bde., 1820-21) und
Tragödien ("^tkullo", "Xliatkr", "Dona Bianca",
"I^nu^k" u. a.) waren bis dahin in den traditio-
nellen Formen gehalten. In Malta lernte er die
Engländer kennen; Frankreich, wo er dann 1830
- 34 in Orleans, Paris und Tours lebte, fand er
mitten in der litterar. Umwälzung. Hier vollendete
er 1833 sein Epos "1^1 moro 6xp08ito", dessen
Vorrede von Alcalä Galiano eine Art Manifest der
neuen Richtung war. 1834 rief ihn der Tod des
Königs nach Spanien zurück, wo er von feinem
ältern Bruder Titel und Güter der Familie erbte.
1835 bezeichnet seine Schicksalstragödie "Don ^1-
vai-o" den Sieg der Romantik auf der Bühne. 1836
gehörte er zu dem kurzdauernden Ministerium Istu-
riz, floh bei dessen Sturz auf ein Jahr nach Portugal
und zog sich dann wieder bei der Vertreibung der
Königin Christine 1840-43 nach Sevilla zurück.
Hier entstanden die Komödien "30lace8 äs un pri-
Lionoro", "I^k mc)i'i8ck ä6 ^I^u^r", "151 eri8o1 60
I3. Isalwä", "^1 pHrHäor äs Zailön" und das tief-
sinnige Drama "^1 ä686NFHüo 6n un 8N6Ü0". 1844
-50 war er Gesandter in Neapel, 1854 Mitglied
des kurzlebigen konservativen Ministeriums, später
noch Gesandter in Paris und 1860 in Florenz. Er
starb 22. Inni 1865 zu Madrid als Präsident des
Staatsrats und Direktor der Akademie. Außer
den angeführten Dichtungen sind noch seine "Ilo-
inance8 Ki8t0i'ico8" (1841), die lyrische Sammlung
"1^1 crep^culo äs 1a taräs" (1851), die Legenden
"I^a axnceng. inii3Fi'08H", "NNiclonHäo" und "Nl
aniv6i'8ai-i0" zu nennen, ferner die Sittenbilder
"1^03 ^8PÄI10l68 pintaäOZ POl 81 HN8N108" (1839)
und der histor. Versuch "ändiovacion ä6 Nä^ol^k"
(1848; neue Aufl. 1881). Eine Gesamtausgabe seiner
Werke erschien in Madrid 1853-55 in 5 Bänden.