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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sachsen, Königreich (Oberflächengestaltung. Bewässerung. Klima. Mineralreich)
fast in der Mitte Deutschlands zwischen 50° 10' und 51° 29' nördl. Br. und 11° 52' und 15° 2' östl. L. von Greenwich, grenzt im N. an die preuß. Provinzen Sachsen und Schlesien, im NO. und O. an Schlesien, im SO. und S. an Böhmen (Reichsgrenze), im SW. an Bayern, im W. an reuß. und Weimar. Gebiet, Sachsen-Altenburg und die preuß. Provinz Sachsen. Seiner Gestalt nach bildet das Land ungefähr ein rechtwinkliges Dreieck, dessen längste Seite gegen SO., dessen kürzeste gegen W. gerichtet ist. Die größte Länge des Landes beträgt von O. nach W. 210 km, die größte Breite von S. nach N. 150 km und der Flächenraum 14992,94 qkm. Der Umfang seiner Grenzen beträgt 1226 km. Der westlichste Punkt liegt westlich von Mühltroff, der östlichste östlich von Hirschfelde; der südlichste ist der Kapellenberg, der nördlichste liegt nördlich von den Hohburger Bergen in der Nähe von Würzen. (Hierzu die Karten: Sachsen [Königreich]. I. Südlicher Teil und II. Östlicher Teil, sowie Königreich Sachsen, Provinz Sachsen [südlicher Teil] und Thüringische Staaten.)
Oberflächengestaltung. Die orographischen Verhältnisse des Landes beherrscht das 150 km lange Erzgebirge (s. d.) und Elstergebirge, das sich entlang der böhm. Grenze etwa von der Nollendorfer Höhe in der Richtung von NO. nach SW. bis ins Vogtland hinzieht. Der sanfte nördl. Abfall verläuft nach Leipzig zu in eine große Ebene. In fast paralleler Richtung zieht eine zweite, minder ausgedehnte, aber deutlich ausgesprochene Gebirgserhebung (das Sächsische Mittelgebirge), die von Glauchau und Hohenstein bis über Döbeln reicht. Zwischen beiden liegt das Erzgebirgische Becken, das sich von Werdau über Zwickau und Chemnitz bis Hainichen erstreckt. Weiter gegen N. folgt ein dritter, noch schwächerer, nur im Kollmberg bei Oschatz (314 m) deutlich aufragender Höhenzug. Am östl. Fuß des Erzgebirges breitet sich auf beiden Seiten der Elbe von der böhm. Grenze bis nach Pirna das Elbsandsteingebirge, die sog. Sächsische Schweiz, aus und lagert im NO. unmittelbar auf dem Granit des Lausitzer Gebirges, das sich weiterhin an das Iser- und Riesengebirge anschließt. Im Elbsandsteingebirge steigen die größten Gipfel, der Große Winterberg und Zschirnstein, nicht höher als 556 in und 561 in auf; im Oberlausitzer Gebirge ist die Lausche (796 m) der höchste Berg, und im Erzgebirge bilden der Scheibenberg (805 m), der Pöhlberg (831 m), der Bärenstein bei Annaberg (898 m) und der Auersberg bei Eibenstock (1022 m), sowie im Vogtland der Rammelsberg bei Schöneck (996 m) die hervorragendsten Spitzen, welche indes sämtlich vom Fichtelberg (1204 m) bei Oberwiesenthal, dem höchsten Berge S.s, überragt werden. Der niedrigste Punkt des Landes (80 in über dem Spiegel der Nordsee) liegt an dem Austritt der Elbe in das preuß. Gebiet zwischen Strehla und Mühlberg.
Bewässerung. Von den Gewässern bildet die das Sandsteingebirge an der böhm. Grenze durchbrechende Elbe (s. d.) den Hauptfluh, zu dessen Stromgebiete alle Flüsse des Landes gehören, mit Ausnahme des südlichsten Teils der Oberlausitz, deren Gewässer durch die Neisse in das Odergebiet fallen. Die Elbe bildet auf ihrem 120 km langen Lauf durch S. die einzige Wasserstraße des Landes, mit einem Gefall von 32 m, und nimmt im Lande selbst nur kleinere Flüsse und Bäche auf, während mehrere ihrer größern Nebenflüsse, obgleich meist in S. entspringend, erst außerhalb des Königreichs sich mit ihr vereinigen. Dahin gehören die Schwarze Elster (in S. 31 km lang), die Spree (93 km), die Freiberger Mulde (120 km), die Zwickauer Mulde (168 km) und die vereinigte Mulde (46 km) und die Weihe Elster mit der Pleiße. Landseen hat S. nicht; unter den Teichen sind die bei Mutzschen (Horstsee), Frohburg, Kamenz und Moritzburg am bedeutendsten.
Klima. Seit 1864 werden an mindestens 20 (1887: 30) Stationen, die über das ganze Land verteilt sind, regelmäßige Beobachtungen gemacht. Nord- und Mittelsachsen bis zu einer Höhe von ungefähr 250 m haben eine mittlere Jahreswärme von 8 bis 8,5° C.; nur der Wermsdorfer Wald weicht auf 7,9° C. zurück. Am wärmsten ist das Elbthal, wo Schandau 8,8° C. und Meißen 9,1° C. mittlere Temperatur besitzen. Bei einer Höhe von 380 m erreicht man die Isotherme von 7°, bei 650 m die von 6° C. Der Kamm des Erzgebirges bis herab zu einer Höhe von 700 in hat eine Mitteltemperatur von unter 5° C. Eine mittlere Landestemperatur von 7,36° C. entspräche etwa einer Höhenlage von 350 m. Oberwiesenthal, die höchstgelegene Station (927 m), ist trotzdem noch etwas wärmer als Reitzenhain (778 m). Im Sommer erwärmen sich die Gebirge relativ stärker als die Ebene, im Winter erkalten sie intensiver. Im Gebirge füllt bei 450 m Seehöhe der letzte Schnee im Mittel auf den 5. Mai (schwankend zwischen 23. März und 8. Juni), der erste Schnee auf 20. Okt. (schwankend zwischen 15. Sept. und 25. Nov.), auf dem Kamm (778 m Seehöhe) sind die Durchschnittstage 21. Mai und 14. Okt.
Die regenreichsten Monate sind Juni, Juli, August. Es fallen im Sächsischen Tieflande in diesen Monaten 35,8 Proz., im Oberlausitzer Berglande 33,2, im Erzgebirge 32,1 Proz. Die Niederschlage wachsen mit zunehmender Höhe, auf 100-200 m Höhe entfallen 571, auf 200-300 m 626, auf 300-400 m 733, auf 400-700 m 753 und auf 700-900 in 937 mm Niederschläge. Die kleinste mittlere Niederschlagshöhe des Jahres zeigt Riesa mit 412 mm, die größte Oberwiesenthal mit 995 mm. Außer dem Kamm des Erzgebirges, der den meisten Regen erhält, erstreckt sich noch zwischen der Zwickauer Mulde und der Zschopau ein Höhenzug nach Norden, der mehr als 600 mm empfangt; dagegen fallen die geringsten Regen im Elbthal.
Mineralreich. E. ist außerordentlich reich an Mineralien. Die Hauptmasse der Gebirge bilden in den Urformationen Gneis, Thonschiefer, Glimmerschiefer und in den neuesten Gliedern Grauwacke und Grauwackeschiefer. Diese Züge werden von Syenit und vorzüglich von mannigfachen Graniten (Obererzgebirge) unterbrochen und enthalten Lagen von Schiefer, Quarz und Kalkstein sowie unregelmäßige Einlagerungen von Diorit, Hornblendegestein und Serpentin. Basalt- und Phonolithkegel finden sich auf dem Erzgebirge zerstreut und zahlreicher in der Nähe der Elbe bei Cotta, Stolpen u. a. Den besten Marmor findet man bei Maxen, Grünhain, Crottendorf und Wildenfels; Sandsteine im Elbgebirge bei Pirna und in der Gegend um Zittau; vorzügliche Porzellanerde bei Aue und bei Niederzwönitz im Erzgebirge sowie bei Meißen; vorzüglichen Serpentinstein, der gedreht und geschliffen wird, bei Zöblitz. Steinkohlen kommen in großer Mächtigkeit im Plauenschen Grund (s. d.) und bei Zwickau vor, Braunkohlen bei Zittau, Colditz und Rochlitz. Von