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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sachsen-Teschen - Sachsen-Weimar-Eisenach
giebt fast 200 Handschriften des Landrechts (dar-
unter mehrere mit Erläuterungen und Bildern); es
wurde ins Holländische, Polnische, dreimal ins La-
teinische übertragen; der altmärkische Adlige Joh.
von Buch versah es noch 1325 mit fortlaufender
niederdeutscher Glosse und verfaßte um 1335 den
"Richtsteig Landrechts", dem später ein "Nichtsteig
Lehnrechts" folgte. Gregor XI. erklärte 1374 durch
eine Verdammungsbulle 14 Artikel als ketzerisch.
Der S. bildet die Grundlage des sächs. oder magde-
burgischen "Weichbildes", der "Magdeburger Fra-
gen", des Görlitzer Nechtsbuches, des "Rechtsbuches
nach Distinktionen", auch "Vermehrter S." genannt,
des eisenachschen Nechtsbuches und der vom Eise-
nach er Stadtschreiber Purgold verfaßten Abhand-
lung, ingleichen des livländ. "Ritterrechts" und des
1356 vollendeten Landrechts des Fürstentums Bres-
lau (Schles.Landrechts); vor allem aber beruhen aus
ihm bis zu wörtlicher Überfetzung sogar wichtige
suddeutsche Rechtsbücher, der um 1257 zu Augsburg
verfaßte "Deutfchenspiegel" und der 1275 vollendete
sog. "Schwabenspiegel". Die beste Ausgabe des
S. ist noch immer die große kritische von ^"omeyer
(3 Bde., Verl. 1835-44), die das Landrccht (3. Aufl.
1861), das Lehnrecht, den "Nichtsteig Lehnrechts", den
"^uctor vsw3 äo dknktieiiL", das Görlitzer Nechts-
buch und ein System des Lehnrechts umfaßt. Eine
Handausgabe des mitteldeutschen Textes vom Land-
recht besorgteWeiske(6. Aufl. vonHildebrand, 1882);
die Ausgabe des Landrechts von Sachße enthält
auch eine neuhochdeutsche Übersetzung (Heidelb.1848).
- Vgl. Homeyer, Die Stellung des S. zum Schwa-
benspiegel (Berl. 1853); Ficker, über die Entstehungs-
zeit des S. (Innsbr. 1859); Stobbe, Geschichte der
deutschen Rechtsquellen, Bd. 1 (Vraunschw. 1864),
S. 288 fg. Md. 1, S. 338 a).
Sachsen-Teschen, Herzog von, s. Albrecht
Sachsenwald, ein Wald im Kreis Herzogtum
Lauenburg des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, um-
faßt 70 hkni, war früher landesherrlich und wurde
24. Juni 1871 vom Kaiser Wilhelm dem Reichs-
kanzler Fürsten von Bismarck geschenkt, dessen Be-
sitzung Friedrichsruh (s. d.) er umschließt.
Sachscn-Weimar-Gisenach, ein zum Deut
schen Reiche gehöriges Großherzogtum, dem Flüchen-
inhalt nach der 11., der Einwohnerzahl nach der
13. Bundesstaat, besteht aus drei größeren und eini-
gen kleinern Landesteilen, die von den preuß. Pro-
vinzen Sachsen und Hessen-Nassau, Bayern, dem
Königreich Sachsen, den sächs. Herzogtümern und
den Fürstentümern Schwarzburg und Reuh begrenzt
sind, und hat einen Flächenraum von 3594,86 ^m.
Das Land breitet sich über einen Teil des Thüringer
Waldes, über die nördl. Gehänge des Vogtland. Ge-
birges (der Ncustädtische Kreis) und die Ausläufer
des Rhöngebirges (das Eiseuachische Oberland) aus
und streift mit der Exklave Amt Allstedt bis in die
südl. Abdachung des Harzes. Hauptflüsse sind Saale,
Ilm, Werra, Ünstrut und Elster. (Vgl. die Karte:
Königreich Sachsen, Provinz Sachsen
südlicher Teil) und Thüringische Staa
ten, beim Artikel Sachsen, Königreich.)
Bevölkerung. S. hatte 1885: 313 940, 1890:
326 091 (157 905 männl., 168186 weibl.) E., d. i.
91 E. auf 1 hkm und eine Zunahme 1885-90
von 3,8? Proz., darunter 11641 Katholiken und
1252 IsracMcn. Im ganzen Lande bestehen 31
Städte, 22 Marktflecken, 586 Dörfer und 106 Höfe;
die Zahl sämtlicher Gemeinden beträgt 625.
Das Grohherzogtum zerfällt in fünf Verwaltungs-
bezirke:
Verwaltungs-




w.anf !
ange-lsche
W

bezirke

K'^


Z""


W
Weimar . .
969,76
14613
20 686
91001
94
89 644>1180
100
Apolda. . .
797,24
14178
21123
93 763
118
92 00?
1394
120
Eisenach. .
557,24
7 707
11121
53 314
96
52 269
571
403
Dermbach .
641,82
6 945
8 021
37 915
59
29 122
8168
622
Neustadt








a. Orla .
628.79
8 056
11560
50 098
80
49 696
328
7
Land- und Forstwirtschaft, Bergbau. Der wich-
tigste Erwerbszwcig ist die Landwirtschaft. Hin-
sichtlich der Vodendeschaffenheit zeigen die Landes-
teile große Verschiedenheit, indem in Weimar und
Apolda das Ackerland, in Eisenach und Dermbach
die Waldungen, in Neustadt die Wiesen den ver-
hältnismäßig größten Umfang einnebmen. Von
der Gefamtfläche waren (1893) 200263 Ka Acker-
und Gartenland, 31579 Wiesen, 7391 Weiden
und Hutungen, 6814 Öd- und Unland, 92567
Waldungen, 4552 Zaus- und Hofräume, 17 501 kg.
Wegeland und Gewässer u. s. w. Von der Ernbe-
fläche waren (1893) bestellt mit Roggen 30 995 lia,
Weizen 22340, Gerste 25481, Kartoffeln 21337,
Hafer 31954 und Wiefenheu 31579 Ka. Geerntet
wurden 40909 t Roggen, 25421 Weizen, 26493
Gerste, 241223 Kartoffeln, 17 446 Hafer und
37 917 t Wiefenheu. Obst wird besonders im
Weimar. Bezirk, Wein im Saalegebiet gebaut. Die
Viehzucht ist in gutem Zustaude. Am 1. Dez. 1892
wurden gezählt 19121 Pferde, 119720 Stück Rind-
vieh, 113208 Schafe, 122974 Schweine, 46405
Ziegen und 16999 Bienenstöcke.
Von den Waldungen sind 43 753 ka Domanial-
besitz. Außer dem Holz (Rotbuche, Kiefer, Fichte,
befondcrs auf dem Thüringer Walde) kommen auch
Wacholderbeeren zur Ausfuhr. Die Mineralproduk-
tion ist unbedeutend. Gewonnen werden Stein-
kohlen, Braunkohlen und Manganerze, Salz in
Luisenhall bei Stotternheim.
Industrie, Verkehrswesen. Bedeutend ist die Spin-
nerei und Weberei. Die Fabriken liefern baumwol-
leneund halbbaumwollene Stoffe,Strumpfwaren (be-
deutende Fabrikation und Hausindustrie in Apolda),
wollene und halbwollene Stoffe (Neustadt a. O.,
Weida u. s. w.), ferner Porzellan-, Glas-, Spielwaren
aller Art, Tabak, Rübenzucker, Kork, Meerschaum-
waren und Pfeifenbefchläge (Ruhla), Papier, Leder
(Neustadt a. O., Ostheim, Geisa, Triptis und Vacha),
endlich Peitschenstiele, Holzstiele, Mulden u.s. w. in
einzelnen Gegenden des Landes. Hauptverkehrsplätze
sind Weimar, Eisenach und Apolda. Das Land
durchschneiden die Thüringer und die Werrabahn,
die Gera-Eichichter, die Wcimar-Geraer, die Saal-
bahn, die Saal-Unstrutbahu, die Linien Gera-Greiz-
Plauen, Weimar-Berka, Weimar-Rastenberg, II-
menau-Grohbreitenbach, neben zum Teil noch pro-
jektierten Zweigbahnen; im Eiscnacher Obcrlande
giebt es nur eine schmalspurige Bahn (die Feldabahn).
Die Gefamtlänge der Eisenbahnen betrug (1892/93)
317,3 kui, darunter 99,5 kui Nebenbahnen.
Unterrichts- und Bildungswesen. Neben der ge-
meinschaftlichen Universität zu Jena (s. d.) bestehen
Gymnasien in Weimar, Eisenach und Jena, Real-
gymnasien in Weimar und Eisenach, Realschulen in
Eisenach, Apolda und Neustadt a. O., Schullehrer-
seminare in Weimar und Eisenach, ein Forstlehr-