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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Saint Denis (auf Reunion) - Sainte-Beuve
Papier, sowie Brauerei, Färberei, Lohgerberei und
Handel mit Holz, Getreide, Wolle, Eisen, Öl, Kohlen,
Branntwein und Wein.
S. D. entstand um die von Dagobert I. 630 zu
Ehren des heil. Dionysius gegründete Benediktiner-
abtei, deren Abte oft eine polit. Rolle spielten, wie
Suger u. a.; im 12. Jahrh, weilte Abälard hier', am
10. Nov. 1567 kämpften in der Schlacht von S. D.
Hugenotten mit Katholiken, wobei Montmorency
fiel; von den Deutschen wurde es vom 21. bis
26. Jan. 1871 beschossen. - Vgl. Madame d'Ayzac,
Hi8toii-6 äs I'adda^s äs 8. v. (2 Bde., Par.1861);
d'Heilly, 1^68 t0mdo8 ro^a,Is8 äs 8. D. (St. Denis
1872); A. Martin, 8t. DsniL-^uiäs (ebd. 1889).
Samt Denis (spr. häng denih), Hauptstadt auf
Reunion (s. d.).
Saint Diö (spr. ßäng) oder Sankt Diez.
1) Arrondissement des franz. Depart. Vosges in
Lothringen, hat auf 1177,13 (iicm (1891) 108028 E.,
8 Kantone und 91 Gemeinden. - 2) Hauptstadt
des Arrondissements S. D., 312 m ü. d. M., an der
Meurthe zwischen Vorbergen der Vogesen (im NO.
die Montagne d'Ormont, im Sapin See 890 m hoch,
im W. die ruinenförmigen Felfen der Cöte St. Mar-
tin, 730 m) herrlich gelegen, an den Seitenlinien
Luneville-S. D. (51 Km) und S. D.-Laveline (25 km,
nach Epinal) der Ostbahn, besteht aus dem nach dem
großen Brande 1757 von Stanislaus Leszczynski
regelmäßig angelegten und dem alten, schlecht ge-
bauten Teile, ist Sitz des Kommandos der 2. Vogesen-
Infanteriebrigade, eines Bischofs, Gerichtshofs
erster Instanz, Schiedsgerichts, Gewerbe- und Acker-
baukammer, Zoll- und Forstinspektion und hat (1891)
14081, als Gemeinde 18136 E., in Garmson Teile
des 3. und10.Iägerbataillons zu Fuß; ein Großes
Seminar, College, Hospital, Theater, Gefängnis und
an der Meurthe den Park und 3 Kni östlich die Pro-
menade du Gratin mit Aussicht. S. D. besitzt eine aus
rotem Sandstein erbaute Kathedrale, durch schönen
got. Kreuzgang (15. Jahrh.) mit der roman. Kleinen
Kirche aus dem 9. Jahrh. (1892 restauriert) ver-
bunden, die Kirche St. Martin mit merkwürdigem
Turm, das Rathaus mit Arkaden, einem hauptsäch-
lich naturhistor. Museum und einer wichtigen Biblio-
thek (12000 Bände); ferner bedeutende Fabrikation
von Musselin, Tüll, Kirchenschmuck, Leinwand,
Strumpfwarcn sowie Brauerei, Lohgerberei und
Handel mit Holz, Vieh, Getreide, Eisen und Käse.
Saint Dizier (spr. ßäng disieh), Stadt im
Arrondissement Wassy des franz. Depart. Haute-
Marne, an der Marne und dem Marnekanal, an
den Linien (Paris-)Vlesme-Chaumont(-Dizon),
S. D.-Revigny (28 km, nach Verdun), Troyes-
S. D. (94kin) und S. D.-Wassy-Doulevant le
Chäteau (43 kni) der Ostbahn, hat (1891) 9176, als
Gemeinde 13 372 E., einen Gerichtshof erster In-
stanz, ein College, Spital für Alte, Irrenasyl, eine
Arbeitsanstalt; bedeutende Hochöfen und Hütten-
werke, Flößerei, Schiffbau, Brauerei, Lohgerberei,
Korbmacherei und Handel mit Holz, Getreide,
Brettern, Eisen, Leinwand, Mehl und Wein. -
S. D. war bedeutende Festung, die 1514 Karl V.
sechs Wochen lang widerstand; 25. Jan. 1814 be-
siegten die Russen unter Tscherbatow hier die Fran-
zosen, zwei Tage darauf schlugen diese unter Milhaud
den Grafen Lanskoi aus der Stadt; darauf entrissen
sie die Preußen unter Jork 30. Jan. der franz. Di-
vision Lagrange, bis 26. März Oudinot nach Be-
siegung Witzingerodes die Stadt erstürmte.
Samte (frz., spr. hängt), weibliche Form zu
Saint, heilig. Zusammensetzungen mit S., die man
hier vermißt, sind unter dem Hauptnamen zu suchen;
s. auch Saint, San, Sankt, Santa, Säo.
Sainte Anne (spr. ßängt ann), Wallfahrtsort
bei Auray (s. d.).
3a.ints-Va.rbs (spr. ßängt barb), die Pulver-
kammer auf franz.Kriegsschiffen (s. Barbara, Heilige).
Sainte Baume (spr. ßüngt bohm), Chaine
de la, Bergkette bei Saint Marimin (s. d.).
Sainte-Beuve (spr. hängt böhw), Charles
Augustin, franz. Kritiker und Dichter, geb. 23. Dez.
1804 zu Voulogne-sur-Mer, besuchte das dortige
College und studierte in Paris Medizin, gab aber
dieses Studium auf und wurde 1827 infolge einer
Besprechung von V. Hugos Oden und Balladen im
"^lods" in den Kreis der Nomantiker aufgenommen.
Bald darauf erschien sein "I'adisa.n 1ii8toi'ihn6 et
criti^us äs 1a poöäis lrÄN9ai86 st än t1i6Ü.trs
lran^iZ au 16° Liöcie" (2 Bde., Par. 1828; 2. Aufl.
1876), die erste gründliche und unbefangene geschicht-
liche Schilderung einer damals fast unbekannten
Epoche der franz. Litteratur. Als Dichter trat er zu-
gleich hervor mit dem Pseudonymen, von Werther-
stimmungen erfüllten Buch "Vis, P068168 st psusssZ
äs ^086p1i Oslorms" (1829), dem die etwas manie-
rierten, von Bewunderung V. Hugos überfließenden
"60Q80iHti0N8" (1830; 2. Aufl. 1834), die realistischen
"?6N8668 ä'aoüt" und der weiche, psychologisch-feine
katholisierende Noman "Volupts" (1834) folgten.
Von nun an widmete er sich vorzugsweise der litterar.
Kritik. Seine ersten Aussätze, meist in der "Rsvus
äs8 vsux HIonäs8" veröffentlicht, lassen da, wo er
gleichzeitige Schriftsteller behandelt, noch vielfach
ein durch Begeisterung und persönliche Beziehungen
beeinflußtes Urteil erkennen; sie sind gesammelt in
den "?0i'ti^it8 iittsi-mi-63" (2 Bde., 1844; 2. Aufl.,
3 Bde., 1864) und in den " ?0i'ti'Äit8 contsinpo-
rain8" (2 Bde., 1846; 2. Aufl., 3 Bde., 1855).
Aus 1837 in Lausanne gehaltenen Vorlesungen
ging dann seine bedeutende "Il^toirs äs ?oi-t-
K072.I" (5 Bde., 1840-60) hervor, eine durch feine
Charakteristiken fesselnde Geschichte der Iansenisten.
Zu dieser Zeit löste sich S.s Verhältnis zu den
Romantikern; politisch schloß er sich dem rechten
Centrum an, nachdem er sich früher für die Ideen
Saint-Simons begeistert, dann sich an Lamcnnais
und später an Carrel, für dessen "^tion^i" er ar-
beitete, angeschlossen hatte. Als Freund der Ma-
dame d'Arbouville faßte er auch in den vornehmen
Cirkeln des Faubourg St. Germain Fuß und wurde
1845 an Delavignes Stelle Mitglied der Akademie.
Als seine Freundin gestorben war und nach 1848 sein
Kreis sich zerstreut hatte, wurde er ein Anhänger
des Kaisers, ein vertrauter Gast der Prinzessin
Mathilde und 1865 kaiserl. Senator; als solcher
fand er Gelegenheit, durch mannhaftes Eintreten
für die Freiheit der Presse seine Unabhängigkeit zu
bewähren. Napoleon III. hatte S. auch zum Pro-
fessor der lat. Poesie am ^oiis^s äs Granes er-
nannt; als aber die Studenten dem Negierungs-
freunde in ungebührlicher Weise ihr Mißfallen
zeigten, hörten seine Vorlesungen bald wieder auf.
Er hatte seit 1848 für den "OonZtitutioimsi", seit
1852 für den "Nouitsui" Kritiken zu schreiben be-
gonnen, die später gesammelt wurden als "(^u-
L6i'i63 äu wnäi" (15 Bde., 1857-62) und "^ou-
vsaux 1unäi3" (13 Bde., 1863-72). In seinen
Untersuchungen spürt S. hier der Entwicklung des