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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Saint Martin - Saint Maurice (Vorort von Paris)
redsamkeit. Früchte zweier Reisen nach Deutschland
waren die Berichte "De I'ii^ti-uction int^möäikii^
äkw8 16 miäi äs i'^iiLinÄFns" (2 Tle., 1835, 1838)
und "Kotic63 p0Uti<in63 6t 1itt6i-air63 8N1- 1'^1i6-
m^zn0" (1834). S. G. wurde Professor der franz.
Litteratur an der Sorbonne und schrieb die leitenden
polit. Artikel im "^oui-nai äo8 D^d^tL", wclcbes
während der Iulirnonarchie an ihm den schlagfertig-
sten Polemiker und den stärksten Gegner der dynasti-
schen und demokratischen Opposition besaß. Seine
parlamentarische Lanfbahn als Deputierter des De-
part. Haute-Vienne (1834-48) war obne Bedeutung.
1840 wurde er Mitglied der Französischen Akademie.
Als litterar. Kritiker und akademischer Lehrer befolgte
er streng orthodoxe Grundsätze und moralisierende
Tendenzen. In der Politik von sehr gemäßigter Tcn-
tungsart, behielt er unter dem zweiten Kaiserreich seine
Amtsstellung als Professor an der Sorbonne und
hoher Untcrrichtsrat. Im Febr. 1871 in die National-
versammlung gewühlt, schloß er sich daselbst dem
rechten Centrum an. Er starb 11. April 1873 in Mor-
sang-sur-Seine bei Paris. Von seinen Schriften sind
noch zu nennen: "^33^13 äs 1itt6i-Htui-6 et ä6
moi-al6" (2 Bde., Par. 1845; 2. Aufl. 1863), "1)6
1'in8ti-uctiou inteimöäiaii'e 6ii ^>Änc6" (ebd. 1846),
<(v6 1'u8"36 ä68 Pll88i0n8 äaii81e (1i-5liii6", bekannter
unter dem Namen "(^01.11-8 ä6 1itt6i5ltui-6 ära-
mlltiliu6", sein Hauptwerk (ebd. 1843; 7. Aufl.,
5 Bde., 1868), "8ouv6iiii'3 6t i-eüexioi^ politihu^
d'un ^0M'iiÄii8t6" (ebd. 1859), "^. ^s. 1^ouL36au.
83. V16 6t 868 ouvi-a^68" (2 Bde., 1875). Einen Teil
seiner sehr beliebten Vorlesungen veröffentlichte er
in dem "^0ui'8 ä6 Iitt6lÄtui'6 ärainHtiHU6" (Par.
1843; 7. Ausg., 4 Bde., 1860).
SaintMartin (spr. häng martäng), eine seit 1648
zwischen den Franzosen und Niederländern geteilte
Insel in Westindien, eine der nördlichsten der Inseln
unter dem Winde, bat 98,5? hkm; davon entfallen
51,7? <ikiu mit 3641 E. und der Ort Marigot auf den
franz., 46,80 ykin mit 4431 C. und Pbilipsburg auf
den Holland. Anteil. Die Weißen bilden den vier-
ten Tell der Bevölkerung. S. M. ist gebirgig, dock
waldlos, steigt im Mont-Paradis bis 420 m an und
hat gesundes Klima, aber wenig kultivierten Boden.
Zur Ausfuhr gelangen Rum,Zucker und Lagunensal;.
Samt-Martin (spr. ßäng martäng), Louis
Claude, Marquis de, franz. Theosoph, genannt
1.6 z)1iil08oi)1i6 incoimu, geb. 18. Jan. 1743 zu
Amboise, nahm Kriegsdienste, widmete aber seine
Muhe dem Studium alter und neuer Sprachen und
religiös - philos. Betrachtungen. Swedenborg und
die Lektüre der Werke Jak. Vöhmes führten ihn so-
dann ganz der mystischen Theosophie zu. Er erlernte
das Deutsche, um die Schriften des deutschen My-
stikers zu studieren, und übersetzte die "Aurora" des-
selben (1800) ins Französische. Schon früher hatte
er den Militärdienst verlassen, Deutschland, die
Schweiz, England und Italien durchreist, hielt sich
dann an verschiedenen Orten auf, zuletzt in Paris.
Er starb 13. Okt. 1803 zu Aunai bei Chatillon.
Als seine vorzüglichsten Schriften sind zu nennen:
"V68 6i-l6Ul8 6t ä6 Ia V6lit6" (Lyon 1775 u. ö.;
deutsch u. d. T. "Irrtum und Wahrheiten" von
Claudius, Hamb. 1782), "1al)i6iiii n3.tui-6i ä63
rai)I)0I-t8 , hui 6X13t6Nt 6Ntl-6 V16U, 1'k0ININ6 6t
1'univ6i-8" (2 Bde., Edinb. und Lyon 1782), "^c<?6
Iioilio, 16 N0UV61 I10INIU6" (1796), "D6 1'63Z)I-it ä68
cll0868" (2 Bde., 1800; deutsch von Schubert u. d. T.
"über den Geist und das Wesen der Dinge", 2 Bde.,
LpZ. 1811 -12), "^Iini8t6r6 ä6 1'Ii0MM6-63PI-it"
(1802), "I.'1winm6 ä6 ä68ir" (2 Bde., Lyon 1790'
neue Aufl., Metz 1802; deutsch von Wagner u.d.T.
"Des Menschen Sehnen und Ahnen", Lpz. 1813).
S. bekämpfte den Senfualismus und Materialismus
und stellte in einer unklaren Sprache und ohne
pbilos. Schürse den Menschen als Schlüssel aller
Rätsel und das Bild aller Wahrheit hin. Der Körper
des Menscken ist ihm Urbild alles Sichtbaren, sein
Geist Vorbild alles Unsichtbaren, Gott selbst aber
Prototypus des Menschen, indem der Mensch nur
ein Gedanke Gottes ist. Die "(llnvi-68 p08tlnim68 äs
Nr. ä6 8." sind in 2 Bänden Tours 1807 erschie-
nen, der 1. Band wurde übersetzt von Schickedanz
(Münster 1833). - Vgl. Caro, I^83ai 8ui- 1a vw
6t IH ä0ctrw6 ä6 8. (Par. 1852); Matter, 8. 1s
pi2ii080i)ii6 inconini (ebd. 1862); Claassen, Ludwig
von S., sein Leben und seine theosophischen Werke
in geordnetem Auszuge (Stuttg. 1891).
Samt Martin de Rö (spr. ßäng martäng),
Hauptstadt der franz. Insel M (s. d.).
Samt Mary (spr. ßent mähn), Fälle von,
s. Oberer See.
SaintMary-Ehurch(spr.ßentmähntschörtsch),
Stadt in der engl. Graffchaft Devon, im N. von
Torquay, nüt (1891) 6653 E.; Marmorschleiferei
und Thonwarenindustrie.
Samt Mary's River (spr. ßent mährls riww'r),
Ivluß im nordamcrik. Staate Georgia, bildet auf
seinem 160 kin langen Laufe die Südgrenze gegen
Florida und mündet in den Atlantischen Ocean.
Samt Maurice (spr. ßäng morihß). 1) Bezirk im
sckweiz. Kanton Wallis, hat 260 ^m und (1888)
6538 (5., darunter 60 Evangelische, in 9 Gemeinden.
- 2) Hauptstadt des Bezirks S. M., auf dem linken
Ufer der Nhöne, in 420 m Höhe, in der engen Thal-
pforte des Wallis zwischen der Dent-du-Midi und
der Tcnt-de-Morcles, an d^n Linien Genf-Vrig und
Vonveret'S. M. der Iura-^implonbahn, hat (1888)
1666 E., darunter 42 Evangelische, Post, Telegraph,
düstere und unregelmäßige Straßen, einige Befesti-
gungen, Abteikirche, Pfarrkirche, Rathaus, alte
Brücke (1482) mit einem Bogen. S. M. ist das
röm. ^aunuiu im Lande der Nantuaten und ver-
dankt seinen Namen der altberühmten Abtei S. M.,
die der Sage nach 360 vom heil. Theodor gegründet
und dem heil. Mauritius gewidmet wurde, der 302
mit der tbebaischen Legion unweit S. M. den Mär-
tyrertod erlitten haben soll. Vom 6. bis 10. Jahrh,
eine der wichtigsten Kulturstätten in Westhelvetien,
ist S. M. jetzt noch ein sehr angesehenes Kloster,
welckes alte Kunstwerke enthält. Der Abt führt den
Titel eines Grafen und Bischofs von Bethlehem und
genießt bischöfl. Rechte; die Konventualen sind regu-
lierte Chorherren des Augustinerordens. Bemer-
kenswerte Punkte in der Umgebung von S. M. sind
die Felscncinsiedelei Notre-Dame-du-Ser (Sar-Fels)
und die Tropfsteinhöhle Grotte-aux-fses in einer
Felsenwand, das Dorf und Bad Lavey (420 m)
am rechten Rböneufer, mit einer schwefel- und koch-
salzhaltigen Quelle (37° (ü.), und das 5 km süd-
lich von S.M. gelegene Dorf Evionnaz (633 kath.
E.) an der Stelle der 563 durch einen Schlammstrom
zerstörten Stadt Epaunum, in welcher 517 ein
großes Konzil abgehalten wurde.
Saint Maurice (spr. ßäng morihß), südöstl. Vor-
ort von Paris im Arrondissement Eceaux des franz.
Depart. Seine, rechts an der Marne bei deren
Mündung, liegt östlich von Charenton-le-Pont, am