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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Saint-Simon-Vallade - Saint Vincent (Insel)
Leroux wurde ein namhaftes Blatt, der "61od6",
für die neue Lehre gewonnen, der 19. Jan. 1831
zum erstenmal als "^oui-nai äe 1a äoctriiie äs
8aint-8iin0ii" erschien. Die Schule, die bereits
Verzweigungen in zahlreichen Provinzialstädten be-
saß, nahm nun auch eine gesellschaftliche Organi-
sation an, und Enfantin trat als "I'örs", als geist-
liches Oberhaupt und Papst der Saint-Simonistischen
Zukunftskirche an ihre Spitze. Seine Lehre von der
Weibergemeinfchaft führte zunächst zu dem Austritt
Bazards und dann im Nov. 1831 zu einer allge-
meinen Spaltung. Alle ernsten Männer zogen
sich zurück, und das Vertrauen des Publikums
erlosch schneller, als es gewonnen war. Die Ab-
nahme der freiwilligen Beitrüge, die Kosten, welche
die Herausgabe des "diode" verursachte, zogen
Ende 1831 ein ziemliches Deficit in der Kasse nach
sich. Rodrigues mußte dem Schatze durch eine An-
leihe auf Aktien aufzuhelfen suchen. Ein harter
Schlag traf die Schule im Febr. 1832, als sich zum
erstenmal die Polizei in das Treiben mischte. End-
lich verließ auch Nodrigues die "Familie" und legte
Beschlag auf das Vermögen derfelben, um die kon-
trahierte Anleihe zu decken. Enfantin indessen
machte im Sommer 1832 einen letzten Versuch. Er
zog sich mit 42 Getreuen auf sein Landgut in der
Vorstadt Menilmontant zurück, um in klösterlicher
Einsamkeit die Zukunft zu erwarten. Man ver-
teilte sich zur Arbeit in Gruppen, bebaute das Gut,
erfand eine sonderbare Kleidung und hielt öffent-
liche Mahlzeiten. Die Regierung schritt endlich
gegen die Gesellschaft ein und ließ die Häupter En-
santin, Chevalier, Duveyrier, Varrault vor die As-
sisen fordern. Sämtliche Mitglieder, 38 an der
Zahl, erschienen in Prozession im Iustizpalast.
Trotz einer langen Verteidigung wurden die Ange-
klagten 27. Aug. 1832 verurteilt. Die Familie zer-
streute sich nun vollends, und auch die Schulen in
den Provinzen lösten sich auf. (S. Socialismus.)
Der Titel des Hauptwerkes der Schule ist "voctrins
äs 3aint-8iiQ0n. ^xpoLition" (Bd. 1, 1828 - 29'.
Bd. 2, 1830; neue Ausg. 1854). Auch haben
Neybaud, I^tuäeä 8ur 1L8 lelorraHteurZ (2 Bde.,
Par. 1841 u. ö.), Stein und Villenave, llistoire
äu 8aiiit-8ini0iii8iu6 (ebd. 1847), die Lehre dar-
gestellt. Ferner vgl. Carove', Der S. und die neuere
franz. Philosophie (Lpz. 1831); Bretschneider, Der
S. und das Christentum (ebd. 1832); Anton
Menger, Das Necht auf den vollen Arbeitsertrag
(2. Aufl., Stuttg. 1891); Warschauer, Eaint-Simon
und der S. (Lpz. 1892); Weisengrün, Die social-
wissenschaftlichen Ideen Samt-Simons (Bas. 1895).
Saint-Simon-Vallade, preuß. Diplomat,
s. Brassier de Saint-Simon-Vallade.
Saint Thomas (spr. hent tommes), Stadt in
der canad. Provinz Ontario, Eisenbahnknotenpunkt
an der Linie Detroit-Vuffalo, unweit des Eriesees,
hat (1891) 10 370 E., Industrie und Handel mit
landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Saint Tyomas the Apostle (spr. ßent tommes
the äppossl), Stadt in der engl. Grafschaft Devon,
rechts vom Flusse Exe, an Exeter anstoßend, hat
(1891) 8240 E. ^s. Sanct Truyen.
Saint Trond (spr. ßäng trong), belg. Stadt,
Saint Tropez (spr. ßäng tröpäs'), Hafenstadt
im Arrondissement Draguignan des franz. Depart.
Var in der Provence, auf der Nordseite der Halb-
insel, die den weiten Golf von S. T. bildet, durch
Dampftrambahn mit La Foux an der Linie Hyeres-
Freius(-Nizza) der Mittelmeerbahn verbunden, hat
(1891) 3089, als Gemeinde 3533 E., eine Citadelle,
Leuchtturm, Handelsgericht, Fischerei und Schieds-
gericht dafür, Küstenschiffahrt, Seebäder; Fabrika-
tion von Korken, Filzhüten, Tauen, Branntweinen,
Schiffbau, Fischereiausrüstung und Handel mit Ge-
treide, Wein, Olivenöl, Wachs und Südfrüchten.
Saint Ubes (spr. ßent juhbs), portug. Stadt,
s. Setubal.
Saint Vaast-la-Hougue (spr. ßäng, uhg'),
Hafenstadt im Arrondissement Valognes des franz.
Depart. Manche in der Normandie, an der Ostseite
der Halbinsel von Cherbourg und an der Lokalbahn
Valognes-Barfleur, hat (1891) 2477, als Gemeinde
2713 E., zwei Forts auf den Fclseninseln Talisou
und La Hougue, Leuchtturm; Schiffbau, Austernzucht,
Makrelenfang, Fischsalzerei und Handel, besonders
Holzeinfuhr. Dabei die besuchten Seebäder B euze-
val und Houlgate.
Saint Valery-en-Caux (spr. ßäng walerih ang
koh), Hafenstadt im Arrondissement Dvetot des franz.
Depart. Seine-Inferieure in der Normandie, am
Kanal und der Linie (Nouen-)Motteville-S. V.
(32 km) der Westbahn, hat (1891) 3805, als
Gemeinde 4014 E., Handelsgericht, Leuchtturm;
Austernbank, Seebäder, Fischerei und Salzerei,
Schiffbau und Schiffsausrüstung und Fabrikation
von Soda, Seegras, Ziegeln und Segeltuch. 8 kia
östlich das Seebad Veules mit 964 E.
Saint Valery-sur-Somme (spr. häng walerib
siür homm), Hafenstadt im Arrondissement Abbeville
des franz. Depart. Eomme, an der Mündungsbai
der Somme (gegenüber Le Crotov mit Leuchtturm
und 2041 E.) und dem Kanal von Abbeville, an der
Linie (Abbeville-)Noyelles-S. V. (6 km, über die
Bai auf Dämmen und 1367 ni langem Pfahlwerk)
der Nordbahn und der Lokalbahn S. V.-Cayeur-sur-
Mer (12 km), hat (1891) 3290, als Gemeindg 3541
E., Handelsgericht, Konsulate, sehr besuchte Bäder,
Kasino: Schiffbau, Handel mit Getreide, Mehl,
Wein, Branntwein, Seilerwaren, Eisen und Holz-
cinfuhr. Die moderne Unterstadt heißt La Ferte',
die Oberstadt auf einem Hügel hat die Kirche St.
Martin (15. Jahrh.) und Mauern des Schlosses S. V.
Saint Vallier (spr. ßäng wallleh), Stadt im Ar-
rondissement Valence des franz. Depart. Dröme in
der Dauphins, an der Mündung der Galaure in die
Nhöne und der Linie Lyon-Valence(-Marseille) der
Mittelmeerbahn sowie der die Galaure hinauf gehen-
den Schmalspurbahn nach Le Grand Serre (27 km),
hat (1891) 3526, als Gemeinde 3856 E., Seiden-
spinnerei, Baumschulen, Fabrikation von chem. Pro-
dukten, Steingut und Öl sowie Mühlen, Bauholz
und Handel mit Getreide, Eisen, Wein und Seiden-
waren. Das wiederhergestellte got. Schloß von
Chabrillan gehörte einst der Diana von Portiers.
Saint Vincent (spr. hent winnßent), eine der
Kleinen Antillen in Westindien, zwischen Sta. Lucia
und Grenada, zum brit. Generalgouvernement Bar-
bados gehörig, zählt auf 381 hkm (1892) 42600 E.,
darunter 32000 Schwarze. Ein durchaus vulkani-
sches Gebirge durchzieht die Insel von Süden gegen
Norden. Dasselbe ist von gut bewässerten und meist
sehr fruchtbaren Ebenen umgeben. Der Krater des
1220 in hohen Vulkans Morne-Garou bildet eine
berühmte Solfatara. Ein zweiter sehr großer und
150 in tiefer Krater entstand wahrscheinlich erst 1812,
als eine Eruption fast die ganze Insel mit vulkani-
schen Massen bedeckte. Erdbeben sind häufig. Haupt-