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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Salisb. - Salisbury (Adelstitel)
1815 als Infanteriehauptmann in die niederländ.
Armee. 1840 in die Heimat zurückgekehrt, schloß er
sich der streng konservativen Partei an und übernahm,
obwohl Protestant, 1847 den Oberbefehl über die
Armee des Sondcrbundes, zeigte sich jedoch seinem
Gegner, dem eidgenössischen General Dufour, nicht
gewachsen und muhte nach dem Treffen von Gis-
likon (23. Nov.), indem er verwundet wurde, die
Waffen niederlegen. Nach längerm Aufenthalte im
Auslande starb er 17. April 1871 zu Chur. Das
berühmteste Mitglied der Familie ist der Dickter
Ealis-Seewis (s. d.). - Vgl. Salis-Soglio, Die
Familie von S. (Lindau 1891); ders., Die Kon-
vertiten der Familie von S. (Luzern 1892).
H^iisb., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung
für N. A. M a r k h a m Salisbury (spr. ßähls-
börri), geb. 1761 in Lecds, gest. 1829 in London.
Saiisdurla. ^m., Pflanzengattung, s. Gingko-
bäum.
Salisbury (spr.ßahlsbörrl),Hauptstadtder engl.
Grafschaft Wiltshire, Municipal- und Parlaments-
borough, in einem lieblichen Thal zwischen dem
Avon und seinem linken Nebenfluß Bourne am
Westende des Ealisbury-Southampton-Kanals, in
lveiter, an Denkmalen reicher Ebene und an der
London and South-Western- und der Grcat-Western-
bahn gelegen, ist Bischofssitz und ungeachtet ihres
Alters freundlich gebaut mit regelmäßigen Straßen-
zügen. S. hat (1891) 15 980 E.; Mcssersckmiede-
Warenfabrikation, Wollspinnerei, Spitzenfabrikation,
Getreide- und Viehhandel. Die 1220 begonnene
und 1258 vollendete Kathedrale, das einheitlichste
Beispiel frühengl. Stils, bildet ein doppelarmiges
Kreuz und steht mit dem anstoßenden Kreuzgang
und Kapitelhause auf einem weiten Wiefengrunde.
Bei einer Länge von 131 m, einer Breite von 70 in
im Querschiff und einer höhe von 28 in bat die Kircke
12 Thüren, 365 Fenster (in drei Reihen überein-
ander) und 8766 Pfeiler und Säulen. Der 121 in
bohe, reich verzierte Mittelturm nebst der Westfacade
wurde erst 1350 vollendet. Das Innere enthält
zahlreiche Grabdenkmäler. Die Glasmalereien stam-
men aus neuerer Zeit. S. hat eine Lateinschule,
ein Lehrerinnenfcminar im sog. King's House
(15. Jahrh.), anglikan. Priesterseminar, ein natur-
wissenschaftliches Museum, ein Denkmal Fawcetts
und einen hübsch gelegenen Vischofspalast. Nördlick
von S., auf einer von Verfchanzungcn umgebenen
Anhöhe, liegen die Trümmer des Rotten-Vorough
O ld-Sarum, einst röm. Kastell, fpäter angclsächs.
Stadt, von welcher aus unter Heinrich II. im
12. Jahrh, das jetzige S., das deshalb in früherer
Zeit auch New-Sarum hieß, gegründet wurde.
HDld-Sarum, das Zorliioclnnuni der Nomer, das
angelsächs. Searobyrig, mittellat. sariz^erm, war
oft Sitz von Reichsversammlungen, wie 1086 und
1328. 15 kin nördlich von S. das Baudenkmal
Stoneheuge (s. d.), 5 kin südöstlich am Avon Long-
-ford-Castle. Schloß (1591) des Grafen von Rad-
nor, mit Gemäldegalerie.
Salisbury (fpr. ßählsbörrl), engl. Adelstitel,
der ursprünglich von den Besitzern der Stadt und
des Schlosses dieses Namens geführt wurde. Patri-
cius von Evrcux, Statthalter von Aauitanien, ein
Anhänger von Heinrichs I. Tockter Mathilde (s. d.),
erhielt von dieser das Schloß S. mit der Grafen-
würde. Seine Enkelin Ela heiratete William Lang-
schwert, einen natürlichen Sohn Heinrichs II., der
init den Besitzungen seiner Frau auch den Titel eines
Grafen von S. überkam. Er war ein großer
Kriegsheld, focht als treuer Anhänger Johanns bei
Bouvines und starb nach 1226. Auch sein Sohn
William, Graf von S., hielt zu Heinrich III.,
er siel auf dem Krcuzzug Ludwigs IX. von Frank-
reick vor Mansurab in Ägypten 1250. Seine Enke-
lin Margarete, Gattin des Grafen Lincoln, trug
als einzige Erbin den Titel einer Gräfin von S.;
von ihr kam er an den Gatten ihrer Tochter Alice,
den Grafen Thomas von Lancaster, das
Haupt der adligen Gegner Eduards II., der 1322
gefangen genommen und hingerichtet wurde. Das
Schloß S. erhielt William von Montacute,
den Eduard 111. zum Grafen von E. erhob; seine
Gcmablin gab, der Sage nach, die Veranlassung zur
Entstehung des Hosenbandordens (s.d.). Sein Neffe
John, dritter Graf von S., kam bei der ersten
Erhebung für Richard II. gegen Heinrich IV. 1400
um, jedoch erhielt sein Sohn Thomas, vierter
Graf vonS., Titel und Würden zurück. Er galt
als einer der tüchtigsten Kriegsführer und fiel vor
Orleans 1428. Die Würde ging 1442 über auf
den Gatten seiner einzigen Tochter Alice. Dieser,
Richard Neville, Graf von S., ergriff indem
Rofenkrieg die Partei Richards von Jork, wurde
in der Schlacht von Wakefield (24. Dez. 1460), die
diesem das Leben kostete, gefangen genommen und
zu Pontefract hingerichtet. Sein Sohn war der be-
rühmte Graf Warwick (s. d.), der "Königsmacher",
der auch den Titel eines Grafen von S. trug.
Der Gatte von dessen Tochter Isabclla, Eduards IV.
Bruder, Herzog George von Clarence, erhielt
1472 ebenfalls die Würden eines Grafen von War-
wick und S.; seine Tochter Margarete, die letzte
Plantagenet und Gattin Sir Richard Poles, erbob
Heinrich VIII. 1513 zur Gräfin von S., aber
trotz ihrer 70 Jahre lieh der König sie 1541 aus
Argwobn hinrichten.
Die neuere Linie der Grafen von S. geht zurück
auf den großen Staatsmann unter Elifabeth, Wil-
liam Cecil (s. d.), Lord Vurleigh (gest. 1598), dessen
Sotm Robert Cecil Jakob I. 1605 zum Grafen
von S. erhob. Er war wahrfcheinlich 1563 geboren.
Nachdem er in Cambridge die Universität besucht
und seit 1584 mehrere Jahre in Frankreich verlebt
batte, wurde er mehrfach in Staatsgeschäften ver-
wendet. Elisabeth machte ihn nach dem Tode seines
Vaters (1598) zu dessen Nachfolger, und wenn er
diefem auch an staatsmännischer Begabung nach-
stand, so war er doch in seiner polit. Schule groß
geworden und hielt England, solange er lebte, selbst
gegenüber dem widerstrebenden Jakob I., in den
alten Bahnen. Die Empörung des Grafen Esfer
(s. d.) bezweckte zum guten Teil die Beseitigung
seines Einflusses. Er stand schon vor Elisabeths
Tod mit deren Nachfolger Jakob von Schottland in
gebeimem Einverständnis und war dessen Gunst
bei dem Thronwechsel (1603) gewiß. Jakob erbob
ihn 1603 zum Baron Cecil von Essingden, 1604
zum Viscount Cranborne und 1605 endlich zum
Grafen von S. Obgleich er dem König, zumal
bei seiner Verschwendung in der Finanzverwaltung,
unentbehrlich war, so ertrug dieser seine Herrschaft
doch nur widerwillig, und gleich nach seinem Tode
24. Mai 1612 trat ein völliger Systemwechsel ein.
Sein Nackkomme James Cecil, siebenter
Graf vonS. (gest. 1823), wurde 1789 zum Mar-
quis von S. erhoben; dessen Enkel ist der bekannte
engl. Staatsmann Robert Arthur Taidot Gas-