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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Samendrüsen - Samenpatronen
Das Entflügelndes Samens, d.h. die Entfernung
der an ihm haftenden Flügel, geschieht in Säcken
durch Beklopfen: die Reinigung desselben erfolgt
durch Würfen, Sieben oder in einer Getreidereini-
gungsmaschine, ähnlich wie die Zapfen der Fichten
und Kiefern können die der Erle behandelt werden.
Lärchenzapfen kann man nicht vollständig aus-
klengcn, sie müssen auf mcchan. Wege zerstoßen
oder zerrieben werden, denn auf den Korden in er-
wärmter Luft öffnen sie sich nur teilweise. Das
Zerreißen derselben erfolgt in Metallcylindern mit
Zahnrädern oder ähnlichen Vorrichtungen. Die
Zapfen der Tannen braucht man nicht auszuklengen,
weil sie nach vollständiger Reife von selbst (schon
am Baume) zerfallen; schwierig ist aber die Be-
freiung des Tannensamens von den fest anhaften-
den Flügeln und feine Reinigung. Außer fiskalischen
Kleug- und Darranstaltcn giebt es in Teutschland
und Österreich noch zahlreiche derartige Privatan-
stalten. Einige'der bedeutendsten sind: Kellers
Sohn in Darmstadt, Appel in Darmstadt, Stein-
gäßer in Miltenberg, Schott in Aschassenburg,
Stainer in Wiener-Neustadt u. s. w. 1 kl Fichten-
zapfen liefert 1,20-1,70 k^, 1 Kl Kiefernzapfen 0,75
-0,90 KZ, 1 Iii Lärchenzapfen 1,80-2,70 K3 reinen
entflügclten Samen. - Vgl. Gayer, Forstbeuutzung
(7. Aufl., Verl. 1888).
Samendrüsen, soviel wie Hoden (s. d.).
Samendüngung, s. Körnerdüngung.
Sameneiweiß, soviel wie Endosperm (s. d. und
Samenfäden, s. Samen. ^Samen).
Samenstuft, s. Pollutionen.
Samenhandel, s. Samenbau.
Samenhanf, weibliche Pflanze des Hanfs.
Samenholzbetrieb, s. Hochwaldbetricb.
^ Samenjahr, das Jahr, in dem Waldbäume, die
nicht alljährlich, sondern nur von Zeit zu Zeit Samen
haben, solchen tragen. Fast jährlich tragen nur Hain-
buche, Esche, Ahorn, Ulme, Birke, Erle, Linde, bald
reichlicher, bald weniger Samen. Tanne und Lärche
verhalten sich ähnlich. Fichte und Kiefer geben nur
alle 3-4Jahre, oft auch erst nach längcrn Zwischen-
räumen reiche Samcncrntcn. Seltener tritt ein S.
der Eichen ein, noch seltener ein solches der Buchen.
In den rauhcrn Gebirgen Deutschlands darf man
fast nur alle 10 Jahre auf ein ergiebiges Buchcn-
samenjahr rechnen. In südlichen, wärmcrn Gegen-
den kehren die S. öfter wieder als in Mittel- und
Norddcutschland; Eichen tragen in den Tonau-
ländern fast alljährlich Samen. Forstlich sind die
S. von besonderer Wichtigkeit dort, wo man im
Femelschlagbctrieb (s. d.) auf eine natürliche Be-
stands gründun g rechnet.
Samenkäfer (Nrucliidas), Familie der gcrad-
fühlerigen Rüsselkäfer, deren zahlreiche
Arten (in Europa gegen 40) von Pflan-
zensamen, namentlich gern von Hül-
scn^üchten leben, wodurch manche,
wie der Erbsenkäfer (NracliuZ pi3i
^., s. nebenstehende Abbildung), und
der ihm sehr ähnliche Vohnenkäfer
^ (Li'ucliu3 ruKmainiä Fc/i/l.) sehr schäd-
lich wirken können.
Samenkanalchen, s. Hoden.
Samenkern (embryologisch), s. Furchung.
Samenklenganstalt, s. Eamendarre.
Samenknofpe oder Eichen (Ovuwm), die den
Embryosack der Phanerogamen umschließenden Or-
gane. Sie en.^ichen an den Fruchtblättern und wer-
.V
den bei den Angiospermen vom Fruchtknoten um-
büllt, bei den Gymnospermen dagegen frei auf der
Oberfläche der Fruchtblätter entwickelt. Man unter-
scheidet an der S. zunächst einen Nabelstrang
(fnniculus), mittels dessen die S. mit dem Frucht-
blatte oder der sog. Placcnta oder dem Fruchtträger
zusammenhängen; ferner die Eihüllen oder Inte-
gumcnte (s. d.), von denen in der Regel zwei, eine
innere und eine äußere, vorhanden sind, und schließ-
lich den Knospenkcrn oder Eikern (inici6u8), an
dessen Scheitel sich der Embryosack mit der Eizelle
befindet. Die Stelle, wo der Nabelstrang mit dem
Eikern zusammenhängt, nennt man den Knospen-
grund oder clilüa^, die Öffnung, die die Integu-
mente an dem Scheitel des Eikerns bilden, um das
Eindringen des Pollenschlauchs zum Embryosack zu
ermöglichen, beißt die Mikropyle. Ist die Mikro-
pyle der Ansatzstelle des Nabelstranges gegenüber
gelegen, so bezeichnet man die S. als eine gerade
oder atrope, liegt dagegen die Mikropyle neben
dem Nabclstrang, so spricht man von einer um-
gekcbrtcn oder anatropen S., und ist schließlich
der Eikcrn in der Weise gekrümmt, daß der Knospen-
grund neben der Mikropyle zu liegen kommt, so
beißt die S. krummläufig oder campylotrop. Die
häufigste Form ist die anatrope; die atropen und
campylotropen S. kommen nur bei wenigen Fami-
lien vor; die atropen finden sich z. B. in der Fa-
milie der Pipcraceen, die campylotropen bei den
Chenopodiazeen, Gramineen u. a. Die S. entfpricht
dem Makrosporangium der heterosporen Krypto-
gamcn. (S. Generationswechsel.)
Samenkoller, s. Koller.
Samenkontrollstationen, Untersuchungsstel-
len zur Prüfung landwirtschaftlicher Sämereien
(beim Einkauf) ausKeimsühigkeit, Verunreinigungen
u. s. w. Sie finden sich meistens mit nock andern
Zwecken dienenden landwirtschaftlichen Versuchs-
stationen verbunden. Die S. sind als eine Schöpfung
Nobbes (s. d.) zu betrachten. lS. 630d).
Samenkörperchen, s. Befruchtung (Bd. 2,
Samenkulturstationen,Samenzüchtereienund
Handlungen, die echtes Saatgut von garantierter
Keimkraft und Gebrauchswert züchten und in den
Handel bringen. Auch größere Gutsbesitzer, die
sich der Erprobung verschiedener Kulturpflanzen-
varietäten (Getreide, Nüben, Kartoffeln) und Fort-
züchtung des als am besten Befundenen unterziehen,
nennen ihre Versuchsfelder S. Eine der bekannte-
sten Samenkulturstation ist die gräfl. H. Attemsche
zu St. Peter bei Graz, die alpines Saatgut von Klee,
Roggen, Hafer, ^toppelrüben, Kraut, Grasarten
u. s. w. züchtet, das in einem wärmern Klima aus-
gesät sich ausgezeichnet artet. Eine Kartoffelkul-
tur st a t i 0 n ist vom Verein der Spiritusfabrikanten
und Stärkcinteressenten in Berlin 1888 unter peku-
niärer Unterstützung der deutschen Bundesregierun-
gen ins Leben gerufen, sie nimmt die Prüfung älterer
und neuerer Kartoffelsorten für verschiedene Boden-
verhältnisse vor. - Vgl. Eckenbrecher, Berichte über
die Anbauversuche der deutschen Kartoffelkultur-
Station im 1.1888 fg. (Berlin).
Samenlappen, s. Kotyledonen.
Samenleisten (botan.), s. Gynäceum.
Samenleiter, s. Samen, Geschlechtsorgane
(Bd. 7, ^. 897 a) und Hoden.
Samenmantel (^rilwä), s. Samen.
Samenpatroneu, s.Spermatophoren und Kops-
füßer. ......- '"-' -^ ' ^"" -^<