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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Samoa-Inseln
fruchtbaren Boden und eine reiche Tropenvegeta-
tion aus. Die Samoagruppe gehört zu den er-
giebigsten und anmutigsten Inseln der Südsee.
Das Klima ist tropisch. Die Temperatur des
wärmsten Monats (Dezember) ist in Apia 26,7°, des
kältesten (Juli) 24,i° 0. Östl. Winde herrschen vor,
nur im Sommer (vom November bis April) kommen
westliche mit Regen vor; der Februar und März
sind reich an verheerenden Orkanen. Sehr groß ist
die Feuchtigkeit. Die Tierwelt ist nur spärlich ver-
treten; von einheimischen Säugetieren giebt es nur
Hunde und Schweine, von Vögeln nur Papageien
und Tauben. Den größten Tierrcichtum hingegen
bietet das Meer mit seiner unendlichen Fischfauna,
den Schildkröten, dem Trepang und Perlmutter-
muscheln. Die Flora ist die gewöhnliche der Süd-
seeinseln; die Vegetation die denkbar üppigste. Ihr
ist auch die Bedeutung zuzuschreiben, welche die S.
für den Handel erlangt haben. In erster Linie ist
es die in Plantagen wachsende Kokospalme, dann
Baumwolle und Kaffee fowie frische Früchte, welche
fast ausschließlich den Export ausmachen. Neuer-
dings pflanzt man Kakao. Eingeführt werden haupt-
sächlich Manufaktur-, Eisen-, Leder-, Kurz- und
Galanteriewaren, Waffen und Munition, Chemika-
lien und Droguen, Schiffsbedürfnisse, Steinkohlen
und Vier. Die Deutsche Handels- und Plantagcn-
gesellschaft der Südseeinscln, die Nachfolgerin des
Hamburger Kaufmanns Godesfroy (s. d.), welche ihre
Hauptagentur in Apia auf Upolu hat, hatte 1885 für
den von ihr versorgten Teil der Südsee eine Gesamt-
einfuhr imWerte von 1207 700 M.undeineAusfuhr
im Werte von 2129 000 M. zu verzeichnen; 1884 be-
liefen sich beide Werte auf 985112 und 2640696 M.
Nach der von der Landkommission veröffentlichten
Schätzung besitzen an Land: die Deutschen 30375 Ka,
davon 3200 lia, mit 2000 Arbeitern unter Kultur, die
Engländer 14580 da, darunter nur 3001i^ in Kultur,
die Amerikaner 8100 Ka, aber nur unkultiviertes
Gebiet, und verschiedene andere Nationalitäten zu-
sammen ungefähr 2000 Im. Die Bevölkerung besteht,
abgesehen von etwa 400 weißen Fremden und un-
gefähr 1000 Plantagenarbeitcrn, die von andern
Südseeinseln hierher gebracht wurden, aus 36000
Eingeborenen polynes. Rasse, welche sich zum vor-
wiegend prot. Christentum bekennen; sie sind hell-
farbig, kräftig und schön gebaut, reinlich und sitten-
strenger als die meisten der andern von Europäern
"civilisierten" Inselgruppen. (E. Tafel: Austra-
lische Völkertypen, Fig. 6 u.12.) Im äußern
wie im Vildungsstande den Tonga-Insulanern ziem-
lich ähnlich, stehen sie diesen auch an Kunstfertigkeit
nicht nach, treiben jedoch weniger Landbau.
Entdeckt wurden die S. 1722 vom Holländer Rog-
gevccn, der sie Vaumannsinseln nannte; Vougain-
ville erforschte sie 1768 näher und nannte sie Navi-
gatoreninseln. 1830 begann der Missionar Williams
mit der Einführung des Christentums. Ihm folgten
1836 sechs Glaubensboten der Londoner Missions-
gefellfchaft, und feitdcm sind die Inseln ein Haupt-
feld der Missionsthäügkeit in der Südsee geworden.
Geschichte. Eine staatliche Einheit hatten die
S. bis in die neueste Zeit hinein nicht gehabt;
die 10 Distrikte, in welche die Gruppe zerfällt,
standen fast stets selbständig und gleichberechtigt
unter ihren obersten Häuptlingen, den Tuis. Er-
warb im Laufe der häusigen innern und äußern
Kämpfe einer der Tuis einmal eine ausgedehntere
Macht und selbst den Königstitel von Samoa, so
war seine Macht doch nur eine scheinbare und durch
andere Tuis sowie durch die Vertretung der Vezirks-
ältesten (die Taimua) sowie durch die der Dorfälte-
sten (die Faipule) beschränkt. Seit der ersten Hälfte
dieses Jahrhunderts hatte eine Häuptlingsfamilie,
Malietoa, welche von der Infel Savaii stammt,
mehrere derartige Könige gegeben. 1868 wollten die
Kolonisten eine Verfassung einführen, nach welcher
neben einem Könige, Malietoa Laupepa, die Taimua
gewissermaßen als Oberhaus und die Faipule als
Unterhaus wirken sollte. Dies führte zum Kriege
und zur Aufstellung eines Gegenkönigs. Nach lan-
gen Kämpfen wurde 1873 eine Einigung dahin er-
zielt, daß die Negierungsgewalt lediglich in die
Hände der beiden Versammlungen gelegt wurde.
Diese erwählten zu ihrem Berater den amerik. Aben-
teurer Oberst Steinberger, dem es bald gelang,
alle Macht an sich zu reißen, und der diese Macht
dazu zu benutzen suchte, die Inselgruppe den Ame-
rikanern in die Hände zu spielen. Letzteres scheiterte
nur an dem Widerstände des Kongresses zu Washing-
ton. Nachdem es Steinberger, um die Macht der
Taimua und Faipule völlig zu brechen, gelungen
war, wieder einen jüngern Malietoa Talavou zum
Könige lind sich zu seinem Premierminister zu machen,
setzte er jegliche Rücksicht beiseite, so daß er die Mis-
sionare, die Europäer und bald auch Malietoa gegen
sich hatte. Nach einigen Wirren gelang es letzterm,
Steinberger außer Landes zu bringen. Doch hatte
dieser Erfolg für ihn die weitere unangenehme Kon-
sequenz, daß er selber wieder durch die Taimua und
Faipule abgesetzt wurde. Hiermit hörten indessen
die Bestrebungen, das Protektorat der Vereinigten
Staaten zu erlangen, nicht auf, der amerik. Konsul
Grifsin versuchte sogar einen Handstreich 1877,
wurde aber von seiner Regierung verleugnet und
abberufen. Ein Abgesandter der Taimua erreichte
Juni 1878 in Washington einen Freundschafts- und
Meistbegünstigungsvertrag, welcher unter anderm
den Amerikanern den auf der Tutuila-Insel ge-
legenen Hafen Pago-Pago zusprach. Dem energi-
schen Eingreifen des deutschen Kapitäns von Werner,
der vor Apia lag und welcher als Repressalie sofort
die beiden Häfen Saluafata und Falealili auf der
Infel Upolu besetzte, gelang es, gestützt auf Ver-
pflichtungen der samoanischen Regierung vom3. Juni
1877, unter dem 24. Jan. 1879 einen gleichlautenden
Vertrag und den Hafen Saluafata als Kohlenstation
zu erhalten. Auch England erzielte 28. Aug. 1879
einen ähnlichen Vertrag. Als die Deutsche Südsee-
gefcllfchaft in finanzielle Bedrängnis geraten war,
versuchte Bismarck, um nicht den Engländern den
Nutzen des bisher Erreichten überlassen zu müssen,
dem Reiche Garantien für die Südfeegesellschaft auf-
zuerlegen. Dcr Reichstag lehnte aber 1880 die Vor-
lage ab. Um Eifersüchteleien möglichst vorzubeugen,
einigten die drei beteiligten Mächte sich mit Malietoa
Laupepa, welcher 1880 zum König gewählt wurde,
namentlich über die Verwaltung des Distrikts Apia
dahin, daß an der Spitze derselben die dortigen Kon-
suln stehen sollten. Eine andere Partei wählte
Tamasese zum Gegenkönig, und da beide Könige
auf Upolu residierten, so wurde bei den verschie-
denen Überfällen u. s. w. auch das Eigentum der
Weißen, namentlich der Teutschen, nicht geschont.
Um dem ein Ende zu machen, wurde MaÜetoa im
Aug. 1887 auf ein dcutfches Kriegsschiff gefangen
gesetzt und nach Kamerun fortgeführt, während
Tamasese anerkannt wurde. Die Amerikaner ver-