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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sand (nautisch) - Sandberger
Sand, nautischer Ausdruck sür Sandbänke,
s. Bank lgeogr.).
Sand, George, Pseudonym der franz. Roman-
schriftstellerin Dudevant (s. d.).
Sand, Karl Ludw., der Mörder Kotzebues, geb.
5. Okt. 1795 zu Wunsiedel, studierte zu Tübingen
seit 1814 Theologie und trat 1815 als Kadett unter
die freiwilligen bayr. Jäger des Nezatkreises, kam
aber nicht ins Gefecht. Nach dem Frieden setzte er
seine Studien zu Erlangen fort. Schon srüh zeigte
er eine schwärmerisch überreizte Begeisterung für Nc-
ligion und Vaterland. Als Mitglied der Jenaer
Burschenschaft gehörte er zu den Ordnern des Wart-
burgfestes und zu dem engern Kreise, der sich um den
Fanatiker Karl Follen bildete. Ein Streit des Pro-
fessors Luden mit A. von Kotzebue (s. d.) und eine
gegen die akademische Freiheit gerichtete Schrift
Eturdzas, deren Abfassung man Kotzebue zuschrieb,
reiften in S. den Entschluß, Kotzebue zu ermorden
und dadurch Deutschland von seinem, wie er meinte,
schlimmsten Feinde zu befreien. Er verlieh 9. März
1819 Jena, kam am 23. nach Mannheim, fuchte am
Nachmittag Kotzebue auf und stich ihm mit den
Worten: "Hier, du Verräter des Vaterlandes!"
einen Dolch ins Herz. Nachdem S. die Strafte er-
reicht hatte, verwuudete er sich selbst gefährlich in
der Brust. Man schaffte ihn ins Hospital und
5. April ins Zuchthaus. Das Mannheimer Hof-
gericht fprach 5. Mai 1820 das Todesurteil über
ihn aus, das dann 20. Mai mit dem Schwert voll-
zogen wurde. Seme That wurde die Veranlassung
strenger Überwachung der deutschen Universitäten.
(S. Burschenschaft, Demagog und Karlsbader Be-
schlüsse.) - Vgl. Hohnhorst, Vollständige Übersicht
der gegen S. geführten Untersuchung (Stuttg. 1820);
Aktenauszüge aus dem Uutersuchungsprozeß gegen
Karl Ludw. S. (Altenburg 1821); Noch acht Bei-
träge zur Geschichte Kotzebues und S.s (Mühlh.
1821); K. L. S., dargestellt durch seine Tagebücher
und Briese (Altenburg 1821).
Sanda (S anday), eine der Orkney-Inseln (s. d.).
Sandaale (^inmoä^tos), eine Gattung mariner
Knochensische, aus der Unterordnung der Weich-
flosser, mit langgestrecktem, sehr klein beschupptem
Körper, ohne Bauchflossen und mit verlängerter
After- und Rückenflosse; die Schnauze ist spitz, der
Oberkiefer kürzer als der Unterkiefer. Sie leben an
sandiger Küste innerhalb der Linie von Ebbe und
Flut und graben sich beim Eintritt der erstcrn mit
großer Schnelligkeit in den feuchten Sand ein. An
den europ. Küsten finden sich drei Arten, von denen
der bis 20 "n lang werdende kleine Sandaal oder
Tobiasfisch (^.inmoä^tsg ^ol"ianu8 ^.) der ge-
meinste ist und auch in der Ostsee vorkommt. Zu
derselben Familie gehört die Gattung der^iki-lräfei',
die durch ihre Lebensweise sich in anderer Hinsicht
auszeichnet. ^^aLker hält sich in der Kloake und
Wasserlunge der Seewalzen auf. - Verwandte For-
men gehören der Tiefseefauna an, nur die blinde
Gattuug I^icituZH lebt im Süßwasser der Höhlen
auf Cuba. Dorneo.
Sandakan, Hafen der Stadt Elopura (s. d.) auf
Sandäle (grch.), eine schon im frühesten Alter-
tum übliche Fußbekleidung, ursprünglich eine Sohle
von Holz oder Vastgeflecht, die um den Oberfuh
mit Riemen befestigt wurde. Die einfachste Form
hieß Loisa und entfprach genau der noch heute bei
den Chinesen und Japanern gebräuchlichen Fußbe-
kleidung. Mit dem zunehmenden Luxus stieg die
Kostbarkeit der S.; man liebte sie besonders aus
purpurfarbigem Leder, deren Ricmenwerk reich mit
Stick- und Metallarbeit ausgestattet wurde. Eine
ganz andere Art, aus einer starken, oft dreifachen
Sohle bestehend, bei den Männern noch mit Nägeln
beschlagen und fester geschnürt, waren die sog. tyrrhe-
nischen S. In Rom trug man die S. nur im Hause
oder wenn man zum Mahle ging, wo ihre Entser-
nung leichter war als die des Schuhes. Auf der
Straße S. zu tragen, war unschicklich (in diesem Falle
bediente man sich als Fußbekleidung des (^icsuZ,
s. d.); unter Hadrian brach aber diese Sitte allgemein
durch. In Griechenland gab man der S. den Vor-
zug vor dem Schuh, jedoch überwiegend als Beklei-
dung der Frauen. Auch der Frauenpantoffel mit
Leder über den Zehen hieß S. Noch heute sind die S.
im Orient gewöhnlich. Auch nennt man S. die ge-
stickten Prachtsocken, welche die höhern kath. Geist-
lichen bei feierlichen Gelegenheiten zu tragen pflegen.
Ahnlich sind die noch erhaltenen, zum Krönungsornat
gehörenden S. der frühern deutschen Kaiser: von kar-
moisinrotem Seidenzeug mit goldcuem Stickwerk
(s. Tafel: Insignien, Fig. 7 u. 9).
San Daniele del Friuli, Hauptstadt des
Distrikts S. D. d. F. (31013 E.) der ital. Provinz
Udine in Venetien, 20 km im NW. von Udine, hat
(1881) 5765 E. und Getreidehandel.
Sandärach, s. Arsensulfür.
Sandärak, Sandarakharz, s. OaiiitriZ.
Sandaron, Harz, s. Kopal.
Sandau, Stadt im Kreis Ierichow II des preuß.
Reg.-Vez. Magdeburg, rechts an der Elbe, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Stendal), hat (1890)
1901 evang. E., Post, Telegraph, roman. Kirche,
um 1200 erbaut, 1854 von Adler nach dem ur-
sprünglichen Plane wiederhergestellt, Bürgerschule,
Krankenhaus und Ziegeleien.
Sandauge (?ai'HlF6 Ne^aera ^.), gemeiner
deutscher Tagfalter aus der Familie der 8^i'iäa6
(s. d.), 38-45 luni spannend, Flügel rötlich gelb,
vordere mit großem schwarzem, weißgekerntem Auge,
hintere oben mit drei bis fünf, unten mit sieben
kleinen schwarzen, Weißgekernten, gelb und braun
umringten Augen.
Sanday (spr. ßännde), eine der nordöstl. Orknev-
Inseln(s. d.). Auch zwei derHebrideninseln heißenS.
^a/tclb., hinter lat. naturwissenschaftlichen Na-
men Abkürzung für Fridolin Sandberger (s. d.).
Sandbach (spr. ßänndbetsch), Stadt in der engl.
Graffchaft Ehester, rechts vom Wheelock und am
Grand-Trunk-Kanal, im NO. von Crewe, hat (1891)
5824 E., Lateinschule; Seidenspinnerei, Wollweberei
sowie Alebrauerei.
Sandbad, mit feinem Sand gefüllte eiserne
Schalen, die im chcm. Laboratorium zum Erhitzen
solcher Gefäße dienen, die man nicht direkt mit der
Flamme erhitzen will. Über S. zu mediz. Zwecken
f. Bad (Bd. 2, S. 254 d).
Sandbänke, f. Bank.
Sandberg, Stadt im Kreis Gostyn des preuß.
Neg.-Bez. Posen, in hügeliger Gegend, an der
Nebenlinie Lissa - Iarotschin der Preuß. Etaats-
bahnen, hat (1890) 989 E., darunter 208 Evan-
gelische und 51 Israeliten, Post, Telegraph und
evang. Kirche.
Sandberger, Fridolin, Ritter von, Mineralog
uud Geognost, geb. 22. Nov. 1826 zu Dillenburg in
Nassau, studierte in Bonn, Heidelberg, Gießen und
Marburg, wurde 1849 von der herzogt. Regierung