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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Santi - Santiago de Compostela
Santi, Giovanni, umbrischer Vtaler, der Vater
Raffaels, stammte aus Colbordolo imHerzogtuni
Urbino, lebte aber seit 1450 bis zu seinem Tode
1494 in Urbino. Sein Vorbild, wenn nicht sein
Lehrer scheint Melozzo da ForN gewesen zu sein.
Doch hat er, wie die von ihm verfaßte, in der Vati-
kanischen Bibliothek aufbewahrte "Reimchronik"
(hg. von Holtzingcr, Stuttg. 1894) lehrt, auch die
Werke vieler anderer Maler, vor allem Mantegnas
kennen gelernt. Er selbst hat es freilich nie zu be-
deutenden Leistungen gebracht; seine Bilder wirken
trotz sorgfältiger Ausführung ziemlich trocken und
sind künstlich komponiert. Die bedeutendsten sind
die Fresken (Madonna mit Heiligen) in San Do-
menico zu Cagli, die Madonna in Sta. Croce zu
Fano und das Martyrium des heil. Sebastian in
San Scbastiano zu Urbino.
Santi, Raffacl, ital. Maler, s. Naffael Santi.
Santiago, auch Camisayaco, linker Neben-
stuß des Amazoncnstroms, mündet am Pongo de
Manscriche, wird mit Kähnen befahren, Dampfer
werden dm-ch starken Strom zurückgebalten.
Santiago. 1) Provinz der Republik Chile, er-
streckt sich vom Abhang der Anden über das große
Längenthal und die Küstencordillcren bis zum Meere,
zwischen Aconcagua und Valparaiso im N., O'Hig-
gins und Colchagua (Rio Rapel) im S. und zählt
auf 13 527 hkm <1894) 401561 E., d. i. 30 E. auf
1 ykm, wovon fast die Hälfte auf die Hauptstadt
entfallen. Hauptfluß ist der Rio Maipo mit dem Rio
Deso. Der höchste Berg ist der Cerro de San Jose"
(6096 m) an der argentin. Grenze. Fast alle Pro-
dukte des wohl angebauten Landes gehen nach Val-
paraiso. - 2) S. deChile, Hauptstadt der Republik
Chile, liegt 33" 26' 42" südl. Br. und 70" 40' 36"
westl. L., 560 m ü. d. M., am Gebirgsstrom Mapocho,
der im Sommer fast wasfcrlecr ist, bei der Schnce-
schmelze und anhaltendem Regen aber enorme
Wasscrmcngen herabwälzt, in einer fruchtbaren, gut
angebauten Ebene. (S. den Plan: Valparaiso
und Santiago, beim Artikel Valparaifo.) Die
mittlere Temperatur beträgt 13,4° 0 (mittlere Som-
mertemperatur 18,66°, Wintertcmperatur 7,82°). Die
22 Regentage im Jahr liefern nur 419 min Nieder-
schlage, und die Luft ist meist sehr trocken, der Himmel
stets heiter. Die Bevölkerung betrug 1885:189 392,
1895 etwa 250000 E. Auffallend ist die große Sterb-
lichkeit der Kinder der ärmern Volksklasse, welche
nur eine geringe Beimischung von weißem Blut hat.
Beträchtlich ist die Anzahl der Fremden, Deutscher,
Franzosen, Engländer, Nordamerikaner, Italiener,
Argentinier, dazu kommen einige Spanier, einzelne
Chinesen; Neger fehlen fast gänzlich.
Die Stadt ist in regelmäßige Quadrate geteilt, die
hänser sind einstöckig und von Adobes (Luftziegeln)
gebaut, feit einigen Jahren sind aber trotz der Erd-
bebengcfahr viele Privathüuser von gebrannten
Steinen und selbst dreistöckig errichtet worden. In
der Mitte der Stadt liegt der isolierte Andesithügel
(60 m) Sta. Lucia mit Anlagen. Von öffentlichen
Gebäuden sind zu erwähnen die unter dem General-
kapitän O'Higgins erbaute Moneda (115 m lang
und 150 m tief), welche die Münze, die Wohnung
des Präsidenten, Ministerien, Hauptstaatskasse und
Bureaus anderer Behörden enthält; das Kongreß-
gebäude, 1858 begonnen, für Senat und Depu-
tiertenkammer auf dem Platz des ehemaligen Ie-
suitenklosters, das Stadthaus Casa de la Munici-
palidad, die Intendencia und das Postgebäude,
welche drei die Nordseite des Hauptplatzes Plaza de
la Independencia einnehmen; die Westseite wird
von der stattlichen, seit 1750 nach dem Muster der
St. Johanniskirche erbauten Kathedrale und dem
crzbischöfl. Palast gebildet; die beiden andern Seiten
enthalten im Erdgeschoß Arkaden und bedeckte Ga-
lerien mit Läden. Von den 20 Kirchen ist außer
der Kathedrale zu erwähnen die prachtvolle Kirche
der Recoleta dominica in der Vorstadt Cbimba mit
weißen Marmorsäulen und die renovierte Kirche der
Nonnen von Sta. Clara. Sehenswert ist der Haupt-
markt, Plaza de Abastos, von bedeckten Markthallen
umgeben, und das Schlachthaus.
Die Stadt ist Sitz des Präsidenten, der Ministerien,
des Appcllationsgerichts, höchsten Gerichts, eines
Erzbischofs, aller Gesandtschaften und Konsulate, dar-
unter auch eines deutschen. Die Universität, 1743 von
Jesuiten gegründet, die sür die beste Südamerikas
Wissenschaften, hat viele deutsche Docenten und über
1000 Studenten. Mit ihr ist eine Maler- und Bild-
hauerschule verbunden; für Musik existiert ein On-
86rvHt0i-io c!6 ^Iu8i('a. Der mediz. Unterricht wird
jetzt in derncu erbauten großen i^cueia äs insäicina,
mit Hospital, erteilt. Zu dem ältern Gymnasium,
Inätiwto nacionai, ist ein neues, von einem deut-
schen Direktor geleitetes I.icoo äs 8. mit deutschen
Professoren gekommen. Ein Instituto pkäaFoFico
(40 Schüler) hat nur deutsche Lehrer, auch die Lehrer-
seminare sind nach deutschem Muster eingerichtet.
Fachschulen sind: die Militärakademie, die Gewerbe-
schule, die höhere Ackerbauschule, eine Bergwerks-
schule, eine praktische Ackcrbauschule, eine Heb-
ammenschule. Für den Unterricht der Geistlichen
sorgt das erzbischöfl. Seminar. Unter den Privat-
schulcn sind die vornehmsten die der Jesuiten und der
Brüderschaft des Herzens Iefu (?aäi-63 ti'anc6368).
In der Quinta normal, einem Park, befindet sich
die neue Sternwarte, das naturhistor. Museum (in
einem palastähnlichen, 1875 für die Ausstellung er-
richteten Gebäude), der botan. und ein kleiner zoolog.
Garten. Die öffentliche Bibliothek zählt 70 000
Bände. Von wissenschaftlichen Vereinen ist die Me-
dizinische, die Pharmaceutische Gesellschaft und der
Deutsche Verein zu nennen. Die älteste polit. Zei-
tung ist "lli I^rrocarrii". Es giebt eine protestan-
tische, von Engländern, Nordamerikanern und prot.
Chilenen unterhaltene Kirche, eine deutsche prot. Ge-
meinde ist in der Bildung begriffen; auch besteht
eine Freimaurerloge. Zahlreiche Pferdeeisenbahnen
durchziehen Straßen; Telepbonlinien dienen dem
Verkehr im Innern. Eine Eisenbahn verbindet S.
über Quillota mit Valparaiso (184 km); sie entsendet
einen Zweig nach Sta. Rosa de los Andes, von
wo sie über die Cordillere bis Mendoza zum Anschluß
an die argentin. Bahnen weiter sortgesetzt wird. Nach
Talca, Concepcion und Valdivia führt die Haupt-
bahnlinie des Landes. Die Industrie ist nicht von
Bedeutung, zu nennen ist Maschinenbau, Tuchfabri-
kation, Mühlcnbetrieb und Bierbrauerei. Der Han-
del ist fast ganz in den Händen der Ausländer. -
Pedro de Valdivia gründete die Stadt 1541. Erd-
beben sind häusig gewesen, das letzte war 1822.
Santiago, Stadt in der westind. Republik Santo
Domingo auf Haiti, in der Vega Real, rechts am
Oberlaufe des Jaqui, hat etwa 10 000 E.; Gerbe-
reien fowie Handel und bedeutende Landwirtschaft.
Santiago de Compoftela, Bezirksstadt der
span. Provinz Coruna, die alte Hauptstadt des