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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Santo Domingo (Republik)
Die Berge des Landes, größtenteils von dem cen-
tralen Gebirge Eibao (s. Ha'iti) anslanfend, bieten
fast überall znr Kultur geeigneten Boden. Die
Ebenen, von schiffbaren Flüssen durchströmt, ge-
boren zu den fruchtbarsten Gefilden (VeFag) der
<3rde, in denen Zuckerrohr, Kaffee, Gewürz, Indigo,
Tabak u. s. w. in größter Fülle erzeugt werden könn-
ten. Dazu kommt der überschwengliche Reichtum
herrlicher Wälder von Gelb-, Blau-, Mahagoni-
und Schiffbauhölzern bis zu den Gipfeln der Berge.
Auch birgt der Boden Gold, Silber, Quecksilber,
Zinn, Eisen, Kupfer, Schwefel, Steinkoblen, Mar-
mor, Chalcedon u. s. w. Aber zur Ausbeutung
dieser Bodenschätze hat es bisher, bei der Unsicher-
heit der polit. Verhältnisse, an Kapitalien und selbst
an Arbeitskrast gefehlt. Die Einfuhr betrug (1892)
498 000, die Ausfuhr 450 000 Pfd. St. Im Aug.
1887 wurde die 115 1<m lange Eisenbahnlinie La
Vega-Sanchez eröffnet. Neben dieser Linie ist zwi-
schen Puerto-Plata und derHauptstadt Telegraph in
Betrieb. Die Staatskirche, an deren Spitze ein Erz-
bischof steht, ist die römisch-katholische, indes besteht
Religionsfreiheit. Die Civilehe ist eingeführt. Sehr
groß ist die Schuldenlast. Der Kongreß (22 Mit-
glieder), Präsident und Vicepräsident werden alle
vier Jahre indirekt gewählt. Das Wappen ist in
Blau und Silber quadriert, mit vier zu je zweien
schrüggekreuzten Fahnen, auf deren Kreuzung^ ein
aufgeschlagenes Buch liegt, auf dessen einer Seite
.loan. Oiia^. V., auf der andern I^uc. Olillp. V. steht;
über dem Buch ein rotes Kreuz. Das Spruchband
zeigt die Devise: vios, I^ti-ia, I^idertaä. Die Lan-
desfarben sind Weiß, Rot, Blau. Die Flagge wird
durch ein weißes Kreuz in vier, je zwei blaue und
rote, sich entsprechende Rechtecke geteilt. (S. Tafel:
Flaggen der Secstaaten, Bd. 6, S. 862.)
Geschichtliches. Die 27. Febr. 1844 von einer
revolutionären Junta unter dem Kreolen Iimenez
proklamierte Republik S. D., deren erster Präsident
Don Pedro Santana wurde, bewahrte unter franz.
Protektorat ibre Unabhängigkeit gegen die Nachbar-
republik Hcü'ti (s. d.), von der sie sich getrennt hatte,
und erhielt durch eine konstituierende Versamm-
lung 18. Nov. 1844 ihre neue Verfassung. Unter
Santanas Nachfolger, Iimcncz, fielen die haiti-
schen Negerhorden unter Soulouque 1849 in das
Land, worauf General Santana als Diktator an
die Spitze des Heers berufen wurde und 22. April
1849 durch feinen Sieg bei Savana-Numero dem
Kriege ein Ende machte. Als aber Iimenez, im ge-
bciiuen Einverständnis mit Eoulouque, zu dessen
Gunsten einen Aufstand in der Hauptstadt erregte,
belagerte Santana ihn und zwang ihn 24. Mai zur
Kapitulation. Der Diktator legte darauf sein Amt
nieder, und Vonaventura Vaez wurde Präsident.
Im Mai 1850 schloß die Republik einen Handels-
und Schiffahrtsvertrag mit Großbritannien, das
ebenso wie Frankreich und die Vereinigten Staaten
ihre Selbständigkeit anerkannte. Ein wiederholter
Angriff Soulouques wurde 1850 zurückgewiesen.
Nach Ablauf der Präsidentschaft Baez' 15. Febr.
1853 wurde General Santana wieder zum Präsi-
denten gewühlt; er schloß 2. Okt. 1854 mit den Ver-
einigten Staaten von Amerika einen Handelsver-
trag, der auch eine geheime Übereinkunft über die
Abtretung der Samanabai enthielt. England und
Frankreich protestierten jedoch dagegen und bewirk-
ten die Verwerfung des Vertrags durch den domi-
nicanischen Kongreß. Ein abermaliger Einfall des
Kaifers Soulouque zog dessen Niederlage nach sich,
so daß er Febr. 1857 unter Vermittelung Frankreichs
und Englands einen zweijährigen Waffenstillstand
schließen mußte. Präsident Santana hatte schon im
Juni 1856 abgedankt, und nach kurzer Zwischen-
regierung des Vicepräsidentcn Manuel de Negla-
Motta war ihm 6. Okt. 1856 abermals sein alter
Gegner Vaez gefolgt. Aber schon 2. Juli 1857
brach im Centrum des Landes ein Aufstand aus,
der damit endete, daß Vaez 12. Juni 1858 in S. D.
vor Santana kapitulierte, worauf dieser sich gegen
den Willen der Landesversammlung der höchsten
Gewalt bemächtigte, die er mit Willkür ausübte.
Am 18. Febr. 1850 hatte Spanien die Unabhängig-
keit der Dominicanischen Republik anerkannt, aber
dabei die sog. Klausel der Immatrikulation gemacht,
wonach geborene span. Unterthanen und deren Kin-
der, die in der Republik ansässig waren, ihre Natio-
nalität wiedergewinnen konnten, wenn sie ihre Na-
men in besondere Register eintragen ließen. Die
Elite der Bevölkerung beeilte sich, hiervon Gebrauch
zumachen, und als Santana dies mit Gewalt zu
hindern suchte, nahm Spanien eine drohende Hal-
tung an, so daß er sich zum Rücktritt bewogen fand.
Statt seiner erhielt Vaez aufs neue die Präsident-
schaft, und schloß sich der span. Partei entschieden an.
Nun knüpfte Santana mit der span. Regierung
selbst geheime Verhandlungen an, die dahin führten,
daß er in einer Proklamation vom 18. März 1861
die Vereinigung des dominicanischen Gebietes mit
der span. Monarchie verkündete. Am 19. Mai 1861
genehmigte die Königin von Spanien die Annexion.
Aber schon 16. Aug. 1863 kam eine Erhebung ge-
gen das span. Regiment zum Ausbruch. Zugleich
drangen dominicanische Flüchtlinge von Haiti aus
ein, schlugen 20. Aug. die span. Truppen und
zwangen 1. Sept. die Hauptstadt zur Übergabe.
Man proklamierte nun wieder die Republik und
setzte 14. Sept. eine provisorische Regierung ein, an
deren Spitze General Salcedo trat. Am 4. Okt. er-
oberten die Republikaner den wichtigen Hafen Puerto-
Plata bis auf die Citadelle, und die span. Truppen
sahen sich genötigt, ihren Rückzug in die Küstenplätze
zu nehmen. Da der Präsident Salcedo willkürlich
verfuhr und sich zur Ausgleichung mit den Spaniern
geneigt zeigte, entsetzte man ihn, und der General
Gaspar Polanco trat an seine Stelle. Am 4. Dez.
1864 erfocht der dominicanische General Cabral
einen großen Sieg über die Spanier bei La Canela
in der Gegend von Neyba, worauf ein span. Dekret
vom 5. Mai 1865 die Freigebung S. D.s erklärte
und Eabral provisorisch die Präsidentschaft über-
nahm. An seiner Stelle wurde 14. Nov. von einer
konstituierenden Versammlung einstimmig Baez ge-