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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Saragossa
13 Bezirke und 308 Gemeinden. - 2) Hauptstadt
des Königreichs Aragonien und der Provinz S.,
184 m u.d.M., am rechten Ufer des hier durch
Sandbänke in seichte Arme geteilten Ebro, wo ihm
derHuerva und links der Gal-
XIZ^ lego zugehen, mit einer Eiscn-
^^ bahngitterbrücke und einer
167 in langen Steinbrücke von
sieben Bogen über den Ebro
nach denl regelmäßig gebau-
ten, von Handwerkern bewohn-
ten Arrabal (d. h. Vorstadt), am
Kanal von Aragonicn oder Kai-
serkanal, in fruchtbarer, künst-
lich bewässerter, mit Öl- und Maulbcerbäumen be-
deckter Huerta mit vielen Landhäusern, liegt an den
Linien Barcelona-Lerida-S.-Pamplona-Irun der
Nordbabn, Madrid-S. (341. Ivin) und Tarragona-
Caspc-S. (258 Km) der Vtadrid-S.-Alicantebahn
sowie an der anfangs am Huerva hinauf führenden
Schmalspurbahn nach Carincna (46 kni). S. ist von
alten Mauern mit Türmen und acht Thoren umge-
ben, von der im W. gelegenen Citadell", Castillo de
Aljafcria, init Bastionen (seit Philipp V.), der ehe-
maligen Residenz der maur. und christl. Könige,
spätern Sitz und Gefängnis der Inquisition, und den
Batterien des ehemaligen Klosters San Engracia
beherrscht, mit Ausnahme der nach der Zerstörung
von 1808 und 1809 regelmäßig aufgebauten und
mit stattlichen Häusern versehenen Teilen ein Gewirr
von engen, finstern Gassen, durch das die krumm-
linige Hauptstraße, Calle de Corso, führt, ist Sitz des
einer Filiale der Bank von Spanien und hat (1887)
92 407 (45 471 männl. und 46 936 weibl.) E., 7832
mehr als 1877. Die Stadt hat 38 Plätze, 21 Kir-
chen, 12 Nonnen- (früher auch 28 Mönchs-) Klöster,
mehrere Hospitäler, die 1666 gegründete Casa de Mi-
sericordia (Versorganstalt für Arme), Theater, Kaser-
nen und schöne Promenaden, wie den Salon de San
Engracia vor dem neuen gleichnamigen Thore und
die prachtvolle vierfache Ulmcnallee, die hinauf zum
Montc-Torreo führt, mit einem im Renaissancestil
erbauten ehemaligen Kloster und einer Kuppelkirche.
Von Gebäuden sind zu nennen: die große got.
Kathedrale San Salvador (La Sco) mit Kuppel
über dem Querschiff, als dreischiffige Halle 1316 be-
gonnen, nach 100 Jahren vollendet, hat seit 1547
fünf düstere Schiffe, crbielt im 18. Jahrh, eine alter-
tümliche Facade mit korinth. Säulen, enthält einen
Altar aus 'Alabaster (15. Jahrh.) und das Grab-
mal von Peter Arbues; die zweite Kathedrale de
la Virgcn (Nuestra Scüora del Pilar) ist im Epät-
renaissancestil 1681 von Franc. Herrcra erbaut und
hat hinter dem Hochaltar einen Marmortempel, in
dem auf einer Iaspissäule ein wuuderthätiges Bild
der heiligen Jungfrau steht, zu dem viel gewall-
fahrtet wird; die Kirche des Klosters San Engracia
enthält das Grabmal des Geschichtschreibers Gero-
nimo Zurita; der achteckige Neue Turm (Torre
Nueva) von 1504 ist der höchste (84 ni) der Stadt,
hängt nach <^W. fast 2 in über und trägt eine 250 Ctr. !
schwere Ilbrglocke; der got. Vörsenpalast (Lonja) !
von 1541 hat eine prächtige, von 50 dor. Säulen j
getragene Halle und der erzbischöfl. Palast. !
Unterrichts an st alt en sind: die 1474 ge- !
stiftete Universität im schönen neuen Gebäude (der ^
alte Bau ist von 1593) mit vier Fakultäten und
einer Notariatsschule, 44 Profesforcn, gegen 800 !
Studenten und einer (zugleich Provinzial-) Bi-
bliothek mit 30 000 Bänden (darunter 22 Inku-
nabeln) und 31 Handschriften; eine Akademie der
schönen Künste (seit 1776), Tierarzneischule, zwei
Priesterseminare, Colcgios und Institutos für hö-
bern Unterricht; eine ökonomische Gesellschaft mit
Lchrstühlen für Landwirtschaft, Nationalökonomie,
Botanik, Chemie und Mathematik, eine jurist. sowie
eine mcdiz.-chirurg.-pharmaceutische Akademie, eine
Erziehungsanstalt für arme Kinder und mehrere
Elementarschulen.
Handel und Industrie. Neben dem Monte-
Torrero liegt der Hafen am Kaiserkanal, ein Haupt-
stapelplatz mit Magazinen, Tavernen und ziemlich
lebhaftem Verkehr. Die früher blübende Industrie
ist zurückgegangen; sie liefert noch Mehl, Salpeter,
Tuch, Seiden- und Leinenwaren, Sandalen, Hüte,
Knöpfe, Seife und Schokolade.
Geschichte. S., ursprünglich 8^äud3., eine Stadt
der ibcr. Ilcrgeten, wurde 45 v. Chr. durch Cäsar
zerstört, seit 27 v. Chr. als röm. Kolonie ((^olonw
('^68^1-03. ^U^n3t3. 8ÄiänI)H, gewöbnlich (^65I.r-
lniFUßta) eine bedeutende Stadt und 255 nachweis-
lich Sitz eines Bischofs. 409 wurde S. von den Van-
dalen, 452 den Sueven, 475 von Eurich, König der
Westgoten, genommen, erreichte aber ibre jetzige
Größe erst durch die Mauren, welche die Stadt 715
eroberten und 1017 zum Hauptort eines eigenen
Reichs "Saragostha" (Sarakosza) machten. 780
nahm der Omajjade Abd er-Rabmän nach zwei-
jähriger Belagerung das aufständische S. im Sturm.
Am 18. Dez. 1118 von Alfons I. erobert und statt
Huesca zur Hauptstadt von Aragonien erhoben,
wuchs sie in kurzem zur bedeutendsten Stadt des
christl. Spaniens empor. Unter Pedro III. erwarben
die Cortes Aragoniens durch das Generalprivi-
legium von S. 1283 Bestätigung aller srühern Frei-
heiten sowie wesentlichen Anteil an der Regierung.
1317 wurde das Bistum zum Erzbistum erhoben,
jedoch nach Vereinigung der Kronen Aragonien und
Castilien hörte S. auf, Residenz des Hofs zu sein,
und sank immer mehr herab. Philipp V. wurde dort
20. Aug. 1710 vom Erzherzog Karl geschlagen.
Als die Franzosen im Mal 1808 sich Madrids be-
mächtigt hatten, wurde der span. General Mori in S.
zum Oberbefehlshaber ernannt, der sofort Palafox
herbeirief. Kaum war dieser in den Kriegsrat ein-
getreten, so zwang das Volk den Kriegsrat, ihn zum
Gencralkapitün zu ernennen, und ganz Aragonien
erkannte ihn als Statthalter an. Mit größtem
Eifer wurde die Verteidigung vorbereitet. Der
franz. General Lefebvre schlug 16. Juni die Truppen
von Palasor, worauf die Stadt eingeschlossen und
3. Aug. beschossen wurde. Schon 4. Aug. drangen
die Franzosen in das Kloster San Engracia ein;
doch begann nunmehr der Kampf im Innern. Trotz
aller Anstrengungen war es dem Feinde vom 4. bis
14. Aug. nicht möglich, mehr als vier Häuser zu
uehmcn, und da gleichzeitig der Rückzug des franz.
Heers auf Vittoria erfolgte, so sah sich der General
Vcrdier, der an Lesebvres stelle getreten war, ge-
nötigt, in der Nacht vom 15. Aug. die Velag.crung
aufzubeben. Doch schon 20. Dez. begann eine zweite
Belagerung. Die Stadt war inzwischen besestigt
und ihre Besatzung auf 30 000 Mann gebracht wor-
den. Das ebenso starke Velagerungsheer wurde von
Monccy und Mortier geführt. Vom 9. bis 27. Jan.
1809 hatten 50 schwere Geschütze drei große Breschen
geöffnet, durch die die Franzosen eindrangen, die sich