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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Saratow - Sardanapal
Saratow. 1) Gouvernement im südöstl. Teil
des Europäischen Rußlands, zu den sog. Wolga-
gouvernements gehörig, grenzt im N. an das Gou-
vernement Simbirsk, im O. an Samara und Astra-
chan, im S. an Astrachan und das Donische Gebiet,
im W. an Woronesch, Tambow und Pensa und hat
844N),9 c^in mit 2 580 000 E., d. i. 31 E. auf
1 qkin. Die Oberfläche ist im N., besonders längs
der Wolga, erhöht und hügelig, im S. Steppe und
ganz waldlos. Die Wolga bildet die Ostgrenze auf
750 km. Choper, Mjcdwcdiza, Ilowlja gehen zum
Don. Der Boden ist im N. Schwarzerde, im S.
Lehm mit Sand gemischt. Klimatisch finden scharfe
Übergänge von Wärme zu Kälte statt. Unter der
Bevölkerung sind viele Kleinrussen, ferner Mord-
winen, Tataren, Tschuwaschen und gegen 120 000
deutsche Kolonisten. In kirchlicher Beziehung bildet
S. die Eparchie Saratow-Zarizyn der Russischen
Kirche mit einem Bischof an der Spitze. Bedeutend
ist der Ackerbau; 1880-88 wurden durchschnittlich
jährlich gecrntet: Noggen 5,06, Weizen 0,93, .Hafer
3,03 Mill. Tschetwert. Ferner werden gebaut Hirse,
Sonnenblumen, Leinsamen, Tabak, Senf, Melonen,
Gemüse, Obst. Bedeutend ist auch die Viehzucht (1888:
587 728 Pferde, 554000 Stück Zornvieh, 1538000
Schafe). Ferner wird betrieben Fischerei und Schiff-
bau. Es giebt 1300 Fabriken mit 31 Mill. Rubel
Produktion, darunter 45 Branntweinbrennereien
(14,ii), Mühlen (10,00), 142 Ölmühlen (1,82 Mill.
Rubel Produktion) u. a. Beträchtlich ist die Ausfuhr
von Getreide, Spiritus, Talg, Wolle, Tabak u. a.
Die wichtigsten Flusihäfen sind S., Zarizyn, Kamy-
schin, Valaschow und Serepta. Es giebt 420 Kni
Eisenbahnen: ferner 12 Mittelschulen für Knaben,
5 für Mädchen, 2 Special-, 691 niedere und Ele-
mentarschulen. S. besteht aus 10 Kreisen: S., Atkar,
Valaschow, Chwalinsk, Kamyschin, Kusnezk, Pe-
trowsk, Serdobsk, Wolsk und Zarizyn. Die deut-
schen Kolonisten sind 1763 von Katbarina II. be-
rufen worden. - 2) Kreis im östl. Teil des Gou-
vernements S., hat 7987,i (jkm, 286193 E. -
Z) Hauptstadt des Gouvernements und des Kreises
S., am rechten Ufer der hier 4,5 kin breiten Wolga,
gegenüber der am andern Ufer liegenden Slobode
Pokrowskaja, die als eine Art Vorstadt von S. gel-
ten kann, sowie an der Eisenbahn Koslow-S. und
der im Bau begriffenen Linie S.-Uralsk. S. erhebt
sich amphitheatralisch in einem Thalkessel und ist
von 200 in hohen Bergen umgeben, deren Abhänge
mit Gärten bedeckt sind. Es ist Sitz des Gouver-
neurs und des Bischofs und hat (1893) 123230 E.,
24 russ., 2 kath., 1 cvang. Kirche, 1 Nonnenkloster,
1 Mofchce, 1 Knaben-, 1 Mädchengymnasium, Real-
schule, Institut adliger Töchter, ein orthodoxes und
ein kath. Geistliches Seminar, das Radischtschewsche
Museum (gegründet 1885), 2 Theater, 7 russ.,
1 deutsche ("Friedensbote auf Berg- und Wiesen-
seite der Wolga", monatlich) Zeitung, 7 Banken,
über 100Fabriken (Ölmühlen, Tabakfabriken,Braue-
reien u. a.), Flußhafen, sehr umfangreichen Handel
mit Getreide, Salz (vom Eltonsee) und Fischen. -
S. wurde ursprünglich links an der Wolga, an der
Mündung der Saratowka und erst 1605 an der
jetzigen Stelle angelegt. s^rawak.
Sarawak, brit. Protektorat auf Vorneo, s. Se-
Sarazenen, im Altertum die Araber eines
Teils der syr. Wüste des nordwcstl. Arabiens und
der Tihwüste. Bei den Byzantinern und im all-
gemeinen bei den christl. Schriftstellern des Mittcl-
altcrs hat der Begriff der S. einen weitern Umfang
und wird auf das ganze Volk der Araber ausge-
dehnt. Später erstreckt sich die Benennung S. auf
alle Mohammedaner, auch Türken, und endlich im
allgemeinen auf alle nichtchristl. Völker, gegen
welche die Kreuzzüge unternommen wurden. Die
Ableitung des Wortes ist dunkel; es wird gewöhn-
lich mit arab. 8cdai-ki, d. i. östlich, erklärt.
Sarbsker See, Strandsee in der preuh. Pro-
vinz Pommern, östlich von Leba, steht mit dem
Lebasee in Flußverbindung und erhält von Osten
her das Flüßchen Chaust.
Sarca, der Oberlauf des Mincio (s. d.).
Sarcagruppe, Teil der Ostalpen (s. d., S. 698 d).
Sarcerius, Erasmus, luth. Theolog, geb. 1501
zu Annaberg im süchs. Erzgebirge (daher sein latini-
sierter Beiname Annämontanus), studierte zu
Wittenberg, wurde zuerst Konrektor in Lübeck, dann
Lehrer in Rostock, Wien, Graz und wieder in Lübeck
und endlich Rektor in Siegen. Als solcher führte
er die Reformation und Neuorganisation der Kirche
in Nassau durch. Infolge des Interims (s. d.) seiner
Stelle enthoben, ging er 1549 als Prediger an die
Thomaskirche nach Leipzig, 1553 als General-
supcrintendent nach Eisleben, 1559 als Prediger
an die Johanniskirche nach Magdeburg, wo er
28. Nov. 1559 starb. In den theol. Streitigkeiten
nach Luthers Tode stand er auf der Seite der streng
luth. Partei. Seine Schriften sind teils pädagogi-
schen, teils praktisch theol. Inhalts.
3a.roiäiürni3 nis1a.nonota, s. Glanzgans.
Sarcme, eine Vaktericnform, die sich durch ihr
eigenartiges Wachstum auszeichnet; die kleinen kegel-
förmigen Einzclkokken teilen sich nämlich nach allen
drei Dimensionen und bleiben dann in Form klein-
ster Häufchen von der Gestalt kreuzweise geschnürter
Warenballen nebeneinander liegen. Die S. finden
sich in mehrern Arten in der Luft, wachsen unter Bil-
dung von verschiedenen (gelben, roten) Farbstoffen auf
verschiedenen Nährboden bei niedriger Temperatur
und Sauerstosfzutritt. Bei Magenkranken (Magen-
erweiterung, chronischem Katarrh) können sie im Ma-
gensaft gedeihen, der nicht mehr normal zufammen-
gefetzt ist, und finden sich daher darin oft in großen
Massen, ohne aber weitere Schädlichkeiten zu ver-
anlassen (Magensarcine, 3arcin^ ventriculi).
3aroooa.rpiuni (grch.), Fruchtfleisch.
Sarcocele, Sarcolemma ..., s. Sarko___
3a.roopIiki.Fa., s. Fleischfliege.
3a.roopkH-I.1i3, Alge, s. 8ciii^m6nia.
3HroopL^11a. psnstra.118, s Sandfloh.
3a.roopts8, 5a.rooptiäa.o, s. Krätzmilben.
3a.roorlia.inp1in3, Gciergattung, s. Kondor.
Sarda, Sardschu, Nebenfluß des Ganges,
Sardam, s^Zaandam. ^s. Ghagra.
Sardanapal, griech. Form für das hebr. Osnap-
par (Esra 4,10), assyr. Assurbanipal oder Aschschur-
banabal, der letzte und einer der mächtigsten der bis
jetzt bekannten assyr. Könige, 668-626 v. Chr.,
Sohn des Asarhaddon, kam noch zu Lebzeiten
seines Vaters zur Regierung. Seine ersten Unter-
nehmungen waren gegen Ägypten gerichtet, wo er
über Tirhaka und über Nut-Ammon Siege davon-
trug. Er unterstützte fernerbin Gygcs, König von
Lydien, gegen die ihn vom Norden her bedrängen-
den Kimmericr, und kämpfte im Osten siegreich gegen
die Mannäer. Folgenreich waren seine wiederholten
Kämpse mit den Elamitern und den mit ihnen ver-
bündeten Chaldäern, die zunächst mit der vollstän-