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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schaf
für 50 llF) bezahlt wird. 2) Hochfeine bis mittel-
feine Tuchwolle liefernde Schläge, kräftiger und
schwerer, Beine kurz und stark, diese fowie Gesicht
aut bewachsen, an Hals und Körper sind Falten; die
Wolle ist länger und kräftiger als die der vorigen,
bat Edelglanz und ist sehr gesucht. Diese Schafe
haben sehr zur Veredelung der austral., afrik. und
südamerik. Rassen beigetragen; hierher gehört das
deutsche Edelschaf. 3) Stoffwolle liefernde Schläge,
noch größere und schwerere Merinos als die vorigen,
häufig mitRambouillottypus und mit noch längerer,
edler und haltbarer Wolle. 4) Kammwolle tragende
Schlüge, und zwar der kleinere deutsche Typus und
der größere französische, der aber in ganz Nord-
deutschland in bester Güte verbreitet ist; ja es wer-
den sogar Zuchttiere ins Ausland verkauft. Sie
machen schon größere Ansprüche an Futter als die
vorigen. Man hat Tiere mit Falten, bei denen mehr
Wert auf die Wolle, und solche ohne Falten, bei
denen mehr Wert auf die Fleischproduktion gelegt
wird. In ersterer Hinsicht unterscheidet man Schläge
mit feiner, mittelfeiner und gröberer Kammwolle, bei
denen die Quantität in umgekehrtem Verhältnis zur
Qualität steht. Die letzten nähern sich schon den
Fleischrassen. - V. Fleischschafe. 1) Engl. Rassen,
a. Weißköpsige: Leicester-, Lincoln-, Cotwoldrasse
und Kreuzungen dieser mit deutschen Marschschafen,
d. kurzwollige: Southdownschaf, Hampshiredown-
fchaf, Orfordfhiredownschaf und Sbropfhireschaf.
Das Hampfhiredownschaf (f. Taf. I, Fig. 1) ist
größer und kräftiger als das Southdownschaf (s. d.),
aber nicht fo gefällig in der Form. Es ist frühreif,
mastfühig und febr widerstandsfähig gegen rauhes
Klima (deshalb "Schaf der Zukunft" genannt). Es
erreicht mit IV2 Jahren ein durchschnittliches Ge-
wicht von 65 bis 75 KZ, die Wolle ist mittellang
und nicht sehr fein. Das Oxfordshiredownschaf
ist ein Kreuzungsprodukt zwischen Hampshire- und
Southdownschaf einer- und Böcken der Cotwoldrasse
andererseits; es ist größer als alle andern Down-
schafe und wiegt mit 12-14 Monaten bis zu 80 K3.
Das Shropshireschaf eignet sich zum Übergang
von der Woll- zur Fleischzucht; die Wolle ist dicht,
das Gewicht der Mutterschafe 65-70kF. 2) Deutsche
Rassen, a. Bessere Schläge: das württemb. Fein-
bastardschaf, ein Kreuzungsprodukt zwischen Merino
und deutschem Landschaf; das Rauhbastard- und
Frankenschaf, Kreuzung zwischen deutschem Land-
schaf und franz. Merino, und das Rhönschaf.
d. Minderwertige Zuchten: das hannov., rhein.,
Hess., lippische Vagas- und Leineschaf, sodann das
Heideschaf (Heidfchnucke) und das ostfries. Milchschaf.
Der engl. fchweren Fleischrasse nähern sich die Me-
rinofleischschafe sog. Vehmerscher Richtung.
Das Schaf ist gleichwie das Rind über den größ-
ten Teil des Erdbodens verbreitet. Besonders
empfindlich ist es gegen anhaltende Nässe und
feuchte Nabrung. Es liebt die trocknen Höhen-
weiden, erhält sich noch in Höhen, wo das Rind
seine Nahrung nicht mehr findet, und verträgt jedes
mittlere Klima. Nach Geschlecht und Alter der
Schafe sind folgende Bezeichnungen im Gebrauch:
für männliche Tiere: Bock, Star, Widder (lat.
ari68); für verschnittene männliche Tiere: Ham-
mel, Schöps, Kappe; für weibliche Tiere:
Mutterschaf, Zibbe (Zippe); für junge Tiere
bis zum ersten Jahre: Lamm (Bock-, Mutter- oder
Zibbenlamm), im zweiten Jahre Zeitschaf oder
Zeitbock; ehe sie bleibende Zähne haben, Jung-
vieh; dann wird der Geschlechtsbezeichnung das
Beiwort "alt" zugefügt; also "alte Böcke", "alte Müt-
ter". Das zum Abschaffen lVerkauf oder Schlachten)
bestimmte ausgeschossene Vieh heißt Mer;- oder
Brackvieh; die nicht trächtig gewordenen Mutter-
tiere heißen Gelt- oder Güstvieh.
Die Alterserkennung bei den Schafen erfolgt
am sichersten an den Zähnen. Das Schaf hat im
Oberkiefer keine Sckneidezähne, sondern nur eine
knorplige Wulst, im Unterkiefer dagegen 8 Schneide-
zähne, außerdem 20 Backenzähne, je 5 auf jeder
Seite der beiden Kiefer. Sämtliche Zähne sind schon
bei der Geburt vorhanden oder kommen gleich in
den ersten Wochen. In einem Alter von 1 bis
1^/2 I- fallen die beiden vordersten Schneidezähne
aus und werden durch zwei andere, breitere und
schaufelartigere ersetzt; das Schaf wird dann Zwei-
schaufler, Zweizähner oder Jährling ge-
nannt. Im 3. Jahre werden die beiden zunächst
stehenden Mittelzähne ebenfalls durch größere er-
setzt, zwischen 3. und 4. Jahre die nächsten beiden
und im 5. auch die beiden Eckzähne; das Schaf heißt
so nacheinander Vierschaufler, Sechsschaufler
und Achtsch aufler oder Vollsetzer. Vom
6. Jahre, in dem die Zähne noch so weiß und gleicb-
mäßig, nur etwas länger sind als im 5., fallen die
Schaufelzähne in derselben Reihenfolge wieder aus
und auch die übrigen werden immer schadhafter.
Im 7. Jahre werden sie schon gelb und besonders
das Mittelpaar wird am obern Rande schartig; im
8. Jahre sind die Zähne ganz gelb und werden
immer schartiger; im 9. Jahre brechen die Kronen
der 4 mittelsten Zähne mehr oder weniger ab und
im 10. und 12. Jahre sind alle Zähne bis auf den
Stumpf abgebrochen. Doch bringen es die meisten
Schafe, selbst bei naturgemäßem Aufenthalte, höcb-
stens auf 9 bis 10 Jahre.
Die Schafe nützen durch ihre Wolle (s. d.), ihr
Fleisch, ihre Milch und ihren Dünger. Das Fleisch
der Schase bildet neben dem des Rindes den wich-
tigsten Teil der animalischen Nahrung des Men-
schen; viel wird aus Deutschland nach England und
Frankreich ausgeführt. Die Verwertung der Milch
der Schafe zu Käse pflegt namentlich auf den Wei-
den höherer Gebirge, am Mont-Dore, in den Ceven-
nen (Montpellier- und Roquefortkäse) und Arden-
nen, ital. Alpen, Karpaten u. s. w., aber auch auf
den Marschen (täglich 2 -5 Pfd. durchschnittlich)
betrieben zu werden. Der Schafdünger, aus dem
Stall oder vom Pferch (Hordenschlag, übernachten
der Schafherde auf einem umzäunten Felde), stebt
an Wert dem Rindviebdünger am nächsten. Die
hauptsächlichsten Krankheiten des Schafes sind:
Lungenseuche und Leberfäule, Pocken, Räude, Was-
sersucht, Milzbrand, Klauenseuche, Aufblähen, Dreh-
und Traberkrankbeit. Parasiten sind: Krätzmilbe,
Schaflausfliege, Schafbremse und Egelwürmer.
Die Schafzucht ist nächst der Rindviehzucht der
wichtigste Teil der landwirtschaftlichen Viehzucht.
Die Engländer, die schon zur Zeit der Königin Elisa-
beth als Schafzüchter in Ruf standen, sahen be-
sonders auf lange, zu Kammwollfabrikaten sich eig-
nende Wolle und auf fchmackhaftes, saftiges Fleisch,
und hielten daher die Züchtung von Kammwoll- und
Fleischschafen stets für vorteilhafter als die der Me-
rinos, obgleicb sie für Merinowolle jährlich große
Summen ins Ausland senden. In neuester Zeit hat
^ in Deutschland die feinwollige Schafzucht, welche
! bis zur Mitte des Jahrhunderts hier in hoher Blüte