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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Scheer - Scheffel
nett Christians VIII. ein; zeitweilig Amtmann in
Sonderburg und Norburg, dann Deputierter in der
Ständekammcr, blieb er auf dän. Seite, als die Er-
hebung Schleswig-Holsteins März 1848 begann.
Nach Wiederherstellung der dän. Herrschaft 1852
vorläufig mit der Civilverwaltung Holsteins be-
traut, 1853 Oberpräsident in Altona und Mitglied
und Präsident der Holstein. Ständeversammlung,
trat er hier an die Spitze der Opposition gegen die
Maßnahmen der dän. Negierung. Nachdem er bei
dem Frieden zu Wien zu Rate gezogen war, erlies;
er mit 16 Genossen an die Höfe der beiden Groß-
mächte eine Adresse, die den engsten Anschluß an
Preußen für wünschenswert erklärte (22. Dez. 1864).
Beim Beginn des Krieges 1866 ward er von der
preuß. Negierung zum Oberpräsidenten vonSckles-
wig-Holstein ernannt; seit 1868 fübrte er gleich-
zeitig das Amt eines Kurators der Kieler Universi-
tät. Am 1. Sept. 1874 trat er in den Ruhestand.
Schon vorher war er zum Mitglied des preuß.
Herrenhauses ernannt worden. Nach dem Tode
seines Vrudersohnes ward er Inhaber des Fa-
milienfidei'kommisses in Holstein (Sierhagen) und
in Dünemark und dän. Lehnsgraf; auch erhielt er
den preuß. Grafentitel. Er starb ?. Juli 1892 in
Varese in der Lombardei.
Scheer, Stadt im Oberamt Saalgau des würt-
temb. Donaukreises, rechts an der Donau, an der
Linie Ulm-Immendingen der Württcmb. Staats-
dabnen, hat (1890) 1115 E., darunter 36 Evange-
lische, ein Schloß der fürstl. thurn- und tarischen
Standesherrschaft Friedberg-Scheer; 2 Holzstoff-
fabriken, Cellulose- und Papierfabrik, Brauerei und
Landwirtschaft.
Scheeren, in der Zwickauer Gegend Bezeichnung
der den Kohlenflözen teils parallel eingelagerten,
teils regellos dieselben durchsetzenden und verun-
reinigenden Bergmittel. In Westfalen nennt man
diese Mittel Packen.
Scheeren, Inselform, s. Schären.
Scheerer, Theod., Chemiker und Mineralog,
geb. 28. Aug. 1813 in Berlin, studierte daselbst und
in Freiberg, war 1833-39 Hüttenmeister in Mo-
dum (Norwegen), 1841-47 Lektor der Mineralogie
in Kristiania, seit 1848 Professor der Chemie an der
Bergakademie in Freiberg und siedelte 1872 nach
Dresden über, wo er 18. Juli 1875 starb. Er lieferte
eine große Zahl von chem. Untersuchungen der ver-
schiedensten Mineralien und Gesteine. Seine Haupt-
werke sind: "Lehrbuch der Metallurgie" (2 Bde.,
Vraunschw. 1846 -53), "Der Paramorphismus"
(ebd. 1854), "Lötrohrbuch" (2. Aufl., ebd. 1857).
Schefer, Leop., Dichter, geb. 30. Juli 1784 zu
Muskau in der Oberlausitz, besuchte das Gymna-
sium zu Vautzen und beschäftigte sich hierauf in der
Heimat mit Mathematik, Philosophie und dem Stu-
dium der griech. und orient. Dichter. 1808 ernannte
ilm Fürst Pückler-Muskau zum Generaldirektor sei-
ner Besitzungen. 1816-21 bereiste S. den Orient
und hielt sich auch längere Zeit in Wien auf, wo er
Musik und Medizin studierte. Seit 1821 lebte er
wieder in Muskau als Generalbevollmächtigter.
Durch die 1845 erfolgte Veräußerung der Herrfchaft
dieser Stelle verlustig gegangen, lebte er in bedräng-
ten Verhältnissen; er starb 16. Febr. 1862 zu Muskau.
S.s Poet. und musikalische Erstlinge, die "Ge-
dichte mit Kompositionen" (Berl. 1811), wurden
von dem Grafen Pückler herausgegeben, der lange
für den Verfasser galt. Später wandte sich S. der
Novelle zu. Die geheimsten Motive menschlichen
Thuns, das tiefere Seelenleben und Schilderungen
weiblicher Naturen bilden meist den Kern seiner Er-
zählungen, die sich aber auch in seltsam romantischen
Stimmungsbildern gefallen, während Handlnng
und Zeichnung zurücktritt. S.s Novellen erfchienen
gesammelt u. d. T. "Novellen" (5 Bde., Lvz. 1825
-29), "Neue Novellen" (4 Bde., ebd. 1831-35),
"Lavabecbcr" (2 Bde., Etuttg. 1833), "Kleine Ro-
mane" (6Vde.,Vunzl.1836-39), "GöttlicheKomödie
in Rom" (2. Aufl., Cottb. 1843), die gegen das
Missionswesen gerichtete pikante Novelle "Die Ei-
bvlle von Mantua" (Hamb. 1853) u. a. Hindert
schon in ihnen S.s durch seine Vorliebe für den
Orient genährter optimistischer Pantheismus die
kräftige Gestaltung und Entwicklung, so macht sich
die Starrheit und Einseitigkeit seiner Weltanschauung
nicht minder fühlbar in seiner der Lebenspraris zu-
gewendeten Lyrik. Schon 1828 war von S. eine
Sammlung "Kleine lyrische Werke", später seine
"Gedichte" (3. Aufl., Verl. 1847) erschienen. Erfolg-
reicher aber und bedeutender war sein "Laienbrevier"
(2 Bde., Verl. 1834 - 35 u. ö., auch in Reclams
"Universalbibliothek"), dem "Der Weltpriester"
(Nürnb. 1846) und "Hausreden" (Dess. 1854 u. ö.)
folgten. Es sind dies spruchartige Gedichte ethischen
und religiösen Inhalts, die zwar reich sind an Poet.
Schönheiten, in denen aber die üppige Vilderfülle
und der strömende Erguß der Rede jede Geschlossen-
beit und Notwendigkeit des Gedankenganges sprengt.
Auch in dem anonym erschienenen "Hafis in Hellas"
(Hamb. 1853) und dem "Koran der Liebe" (ebd. 1854)
blieb S. dieser Art treu. Von seinen orient. Nei-
gungen, die er mit Nückcrt teilt, zeugen "Mahomets
türk. Himmelsbriefe" (Berl. 1840). S. felbst veran-
staltete eine Auswahl seiner Werke (12 Bde., Verl.
1845; 2. Aufl. 1857). Aus seinem Nachlaß gab Gott-
schall heraus: "Für Haus und Herz. Letzte Klänge"
(Lpz. 1867). Als Musiker schrieb S. Lieder, Sin-
fonien strengen Stils, Ouvertüren und Capriccios
für das Pianoforte. Sein "Buch des Lebens und
der Liebe" gab in 2. Auflage Moschkau (Lpz. 1877)
bcraus. Auf Grund seines Nachlasses veröffentlichte
Vrenning die Biographie "Leopold S." (Brem.1884).
Scheffel, bis 1872 in verschiedenen deutschen
Staaten ein Maß für schüttbare feste Körper (Ge-
treide u. s. w.). Am wichtigsten waren der preu-
ßiscke S. von 54,962 1, der Dresdener oder süch-
siscbe S. von 103,8291 und das bayr. Schäffel (das
Schaff) von 222,358 1. (S. Metze.) In einigen
Gegenden Norddeutfchlands war bis 1872 der S.
(nämlick der S. Landes oder Ausfaat) auch ein
Feldmaß, fo im Königreich Sachsen und in Lippe-
Detmold. 1872 - 84 war der S. deutsches Reichs-
maß von 501. - In Dänemark ist der S. - ^ Korn-
tonnc (^ Tönde) ^ 17,3901. Der noch in Südafrika
übliche alte Amsterdamer S. enthält 27,8ii 1.
Scheffel, Ios. Victor von, Dichter, geb. 16.Febr.
1826 zu Karlsruhe, wo sein Vater als bad. Major
und Baurat lebte, besuchte bis 1843 das Lyceum
seiner Vaterstadt, studierte 1843 - 47 in München,
Heidelberg und Berlin die Rechtswissenschaften und
german. Philologie und Litteratur, war 1848-52
Referendar und Dienstverweser zu Säckingen, gab
dann den Staatsdienst auf, unternahm 1852-53
eine längere Reife nach Italien und lebte fpäter teils
in Heidelberg, teils in München. Auch war er eine
Zeit lang Vorstand der Bibliothek des Fürsten von
Fürstenbcrg in Donaueschingen. 1859-60 hielt sich