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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Scheffer - Scheffler (Aug. Christian Wilh. Herm.)
S. in Thüringen auf, seit 1866 lebte er wieder teils
in Karlsruhe, teils auf seiner Villa Seehalde
bei Radolfzell am Untersee, ohne öffentliches Amt.
1876 erhob ihn der Großherzog von Baden in
den erblichen Adelsstand. Er starb 9. April 1886
in Karlsruhe. 1891 wurde S. auf der Großen
Terrasse des Heidelberger Schlosses ein Dentinal,
1892 ein anderes in Karlsruhe vor der Kunstschule
errichtet. In S. erlebte die Romantik des Vagan-
tentums, des Waldes und des Zechens ihre fröh-
lichste und glänzendste Nachblüte: seine archaisierende
Manier wird durch burschikose Neigungen glücklich
gemildert; vor allem aber ist er ein urgcsunder, le-
bensfreudiger Poet voll Kraft und Phantasie.
Sein erstes erfolgreiches größeres episches Ge-
dicht: "Der Trompeter von Sükkingen" (Stuttg.
1854; 201. Aufl. 1892; illustriert von Ä. von Werner,
3. Aufl., ebd. 1890; als Oper verarbeitet von Nud.
Bunge, komponiert von Victor E.Ncßlcr), entstand
' 1853 in Sorrent und auf der Insel Capri, enthält
srische deutsche und ital. Genrebilder und Kabinetts-
stücke eines an.Hoffmanns "Kater Murr" anknüpfen-
den Humors. Der histor. Noman "Ekkcbard" (Franks.
1855; 139. Aufl., Stuttg. 1891; Illustrationen
dazu von E. Kämpsfer, Münch. 1884), sowie die
Novelle "Iuniperus. Geschichte eines Kreuzfah-
rers" (Stuttg. 1866; illustriert von A. von Werner,
5. Aufl. 1891) gewähren ein treues Bild mittelalter-
licher Zustände. Einen mehr an die altdeutschen
Minnesänger erinnernden Ton hat die Gedichtsamm-
lung "FrauAventiure. Lieder aus Heinr. von Ofter-
dingens Zeit" (Stuttg. 1861; 17. Aufl. 1892; illu-
striert von A. von Werner), während "6^uä6liinrl8,
Lieder aus dem Engern und Weitern" (58. Aufl.,
ebd. 1894; illustriert von A.von Werner) durch ihren
kernigen Humor erfreuen und den studentischen Ton
aufs Glücklichste treffen; hier erschienen zuerst die
Lieder vom Rodensteiner. Weniger passen die alter-
tümlichen Initialen der S.schen Poesie für die
"Bergpsalmen" (Stuttg. 1870; illustriert von A.
von Werner, 5. Aufl. 1888; Prachtausgabe, 3. Aufl.
1883). Eine neue Dichtung "Waldeinsamkeit", 12
landschaftliche Stimmungsbilder nach Gemälden
von Julius Marak, erschien 1877 zu Wien (5. Aufl.,
Stuttg. 1889); ferner "Hugideo" (7. Aufl., ebd.
1892), "Das Waltarilied, verdeutscht" (illustriert
von Alb. Vaur, ebd. 1875). Aus dem Nachlasse
erschienen: die in den fünszigcr Jahren in Zeitschrif-
ten einzeln gedruckten "Neifebilder" (mit einem
Vorwort hg. von Johs. Prölß, Stuttg. 1887), "Fünf
Dichtungen" (ebd. 1888), "Gedichte" (ebd. 1888;
4. Aufl. 1889) und "Aus Heimat und Fremde.
Lieder und Gedichte" (ebd. 1892). Ein Scheffel-
bund besteht seit 1890 in Wien; er gab ein
"Scheffel-Gedenkbuch" heraus (Wien 1890) und
veröffentlicht seit 1891 als Jahrbuch "Nicht rasten
und nicht rosten!" - Vgl. Ruhcmann, Ios. Vict.
von S. (Stuttg. 1886); Zernin, Erinnerungen an
Joseph Victor von S. (2. Aufl., Darmst. 1887);
Pilz, Victor von S. (Lpz. 1887); Johs. Prölß, S.s
Leben und Dichten (Berl. 1887).
Scheffer, Ary, nicderländ.-franz. Maler, geb.
12. Febr. 1795 zu Dordrecht, empfing seinen ersten
Unterricht in Amsterdam und begab sich dann nach
Paris, wo er 1812 bei P. Guerin als Lehrling ein-
trat, jedoch von dem Einflüsse des Meisters, der die
akademische Manier der Davidschen Schule in ihrer
äußersten Spitze vertrat, ziemlich unberührt blieb.
Mit einfachen Genrebildern (1816-26) beginnend,
wendete er sich mit den Suliotischen Frauen (1827;
im Louvre) dem Interesse und der Stimmung der
Tagesgeschichte zu, indem er hauptsächlich durch die
Kraft des Ausdrucks und das Dramatifche des Mo-
ments wirkte. Später wählte S. vorzugsweise lyrisch
nachempfundene Gegenstände aus Dichterwerken
(Graf Eberhard der Greiner an der Leiche feines
Sohnes Ulrich, im Louvre; Darstellungen aus Goe-
thes "Faust", Mignon, Der Giaur nach Byron) oder
aus der Bibel, sich der Düsseldorfer Schule nähernd.
Die weiche Stimmung, die er in diefe zu legen ver-
stand, ergriff seine Zeit in hohem Grade und machte
seine Werke überall beliebt. Aber sie ging mehr
und mehr in haltloses Schmachten über und störte
die zeichnerisch und technisch stets sorgfältig und
sicher behandelten Arbeiten. Mit dem Wandel der
allgemeinen Geschmacksrichtung erblich denn auch
sein einst so weitreichender Ruhm. Die Historische
Galerie zu Versailles besitzt von ihm Darstellungen
aus der Geschichte des Frankenreichs sowie: Tod
Gastons de Foix in der Schlacht bei Ravenna. Er
starb 5. Juni 1858 zu Paris. - Vgl. Mrs. Grote,
^ msmoir ol tks lile ol ^.i^ 8. (2. Aufl., Lond.
1860); L. Vitct, Ary Echeffer-Album (Berl. 1861).
Scheffer, Henry, niederländ.-franz. Maler, Bru-
der des vorigen, geb. 27. Sept. 1798 im Haag.
Ebenfalls aus der Schule Gue'rins hervorgegangen,
nahm er feinen Bruder als Vorbild. Am besten
gelangen ihm genrehafte Arbeiten (Dichtcrstoffe, fo
z. V. aus "Hermann und Dorothea", fowie mittel-
alterliche Themen der Romantik). Seine Gefchichts-
bilder schildern meist Stoffe und Begebenheiten aus
der Vergangenheit Frankreichs, so: Protestanten-
versammlung bei der Zurücknahme des Edikts von
Nantes (1838), vielleicht sein bestes Gemälde; Ver-
haftung der Charlotte Corday, Philipp VI., Graf
von Valois, besiegt die aufständifchen Flandrer bei
Cassel, Ieanne d'Arc hebt die Belagerung von Or-
löans auf (letztere beide im Mufeum zu Versailles).
Auch im Vildnisfach hat er Gutes geleistet. Er
starb 15. März 1862 zu Paris.
Scheffer-Boichorft, Paul, Historiker, geb.
25. Mai 1813 zu Elberfeld, studierte in Innsbruck,
Göttingen und Berlin, war darauf in München mit
der Neubearbeitung von Vöhmers "I^6^68tH imperii
inä6 ad 1125 U8HU6 ad 1198" beschäftigt, lebte seit
1871 als Mitarbeiter der "^lonuinentg. öeriuHniHs"
in Berlin und wurde 1875 als außeroro. Professor
der Geschichte nach Gießen und 1876 als ord. Pro-
fessor nach Straßburg, 1890 nach Berlin berufen.
Er fchrieb unter anderm: "Kaiser Friedrichs I. letzter
Streit mit der Kurie" (Berl. 1866), "^niiNi63
i^atuerdrunneseZ" (Innsbr. 1870), "Herr Bern-
hard zur Lippe" (Detm. 1872), "Florentiner Stu-
dien" (Lpz. 1874), "Die Chronik des Dino Com-
pagni" (ebd. 1875), "Die Neuordnung der Papst-
wahl durch Nikolaus II." (Straßb. 1879), "Aus
Dantes Verbannung" (ebd. 1882), "Deutschland
und Philipp II. August von Frankreich. 1180-1214"
(in den "Forschungen zur deutschen Geschichte", Bd. 8,
Gott. 1868).
Scheffler, Aug. Christian Wilh. Herm., Inge-
nieur, Mathematiker und Physiker, geb. 10. Okt. 1820
zu Braunschweig, war seit 1846 als Vaukondukteur
thätig, wurde 1851 Finanzsekretär, 1853 Finanz-
assessor bei der herzogl. Eisenbahn- und Postdirek-
tion zu Braunschwcig, 1854 Baurat, 1870 Ober-
baurat. Unter den mathem. Arbeiten S.s sind
hervorzuheben: "Über das Verhältnis der Arith-