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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Scheurl - Schibboleth

den J. 1882-85 schuf er im Justizgebäude zu Cassel vier Wandgemälde (die Kardinaltugenden allegorisch darstellend), 1889-91 im Rathaus zu Berlin mehrere Wandgemälde histor. und allegorischen Inhalts. S. ist seit 1880 königl. Professor, seit 1889 Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin.

Scheurl, Christoph Gottlieb Adolf, Freiherr von, Jurist, geb. 7. Jan. 1811 zu Nürnberg, studierte zu Erlangen und München, vorzugsweise unter Puchta, die Rechte, habilitierte sich 1836 zu Erlangen und wurde hier 1840 außerord., 1845 ord. Professor der Rechte. 1856 wurde er von der Erlanger theol. Fakultät zum Doktor der Theologie ernannt. 1881 trat er in den Ruhestand; 1884 wurde er in den bayr. Freiherrnstand erhoben und starb 24. Jan. 1893 in Erlangen. Seine Hauptwerke auf dem Gebiete des röm. Rechts sind: "Lehrbuch der Institutionen" (Erlangen 1850; 8. Aufl. 1883), die "Beiträge zur Bearbeitung des röm. Rechts" (2 Bde., ebd. 1852-71) und "Weitere Beiträge zur Bearbeitung des röm. Rechts" (2 Hefte, ebd. 1884-86). Ferner sind zu nennen: "Zur Lehre vom Kirchenregiment" (Erlangen 1862), "Bekenntniskirche und Landeskirche" (ebd. 1868), "Sammlung kirchenrechtlicher Abhandlungen" (4 Tle., ebd. 1872-73), "Die Entwicklung des kirchlichen Eheschließungsrechts" (ebd. 1877), "Das gemeine deutsche Eherecht" (ebd. 1882). Seit 1857 war er Mitherausgeber der "Zeitschrift für Protestantismus und Kirche". - Vgl. die Biographie S.s von A. von Staeblin (Lpz. 1893).

Scheu vor dem Leeren (lat. horror vacui), s. Leere.

Scheveningen (spr. sche-), Fischerdorf in der niederländ. Provinz Südholland, eins der besuchtesten Seebäder der Nordsee, 2 km nordwestlich vom Haag, wohin eine schöne Allee, ein Kanal, Pferde-, Dampf- und elektrische Bahnen führen, in der ersten Reihe der Dünen gelegen, zählt 17277 E. S. wird seines starken Wellenschlags wegen jährlich von etwa 20000 Badegästen besucht, hat viele große Gasthöfe; der bedeutendste ist das 1886 nach einem Brande neu aufgeführte Kurhaus. Bei den Stürmen Dez. 1894 und Jan. 1895 hat die Dünenreihe sehr gelitten. Vor S. siegten 8. Aug. 1653 die Engländer über die holländ. Flotte unter Tromp.

Schewtschenko, auch Szewczenko geschrieben, Taras Grigorjewitsch, kleinruss. Dichter, geb. 9. März (25. Febr.) 1814 im Dorfe Morinzy (Gouvernement Kiew) als Leibeigener, kam 1832 zu einem Petersburger Maler in die Lehre und besuchte dann die Kunstakademie, wo er Schüler Brülows war. Er ging darauf Studien halber nach Kleinrußland, zog sich aber durch seine polit. Dichtungen und seine Teilnahme an der panslawistischen Cyrillo-Methodiusschen Brüderschaft eine Anklage zu, wurde unter die Soldaten gesteckt und nach Orenburg, dann von 1850 an nach der Festung Nowo-Petrowsk geschickt. Erst 1857 freigegeben, begab er sich nach Petersburg. 1859 besuchte er Kleinrußland zum letztenmal. Er starb 10. März (26. Febr.) 1861 in Petersburg. Seine Leiche wurde nach Kleinrußland gebracht und dort bei der Stadt Kanew (Gouvernement Kiew), am Zusammenfluß des Dnjepr und der Kanewka, begraben. Von seinen Werken ist das berühmteste die erste Sammlung seiner Gedichte, die 1840 u. d. T. "Kobzar" (der Kobzaspieler, Volkssänger) erschien, und darunter wieder besonders "Katerina" und "Die Magd". Ein histor. Epos "Die Hajdamaken" fand weniger Anklang. Seine Gedichte, Novellen und

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Erzählungen in (groß-) russ. Sprache wurden herausgegeben von der Redaktion des "Kiewer Altertums" (Kiew 1888). - Vgl. Obrist, T. G. Szewczenko (Czernowitz 1870, mit Übersetzungsproben).

Schewwal (arab.), der Name des zehnten Monats im mohammed. Mondjahr, hat 29 Tage.

Schi, chines. Buddhapriester, s. Fa-Hien.

Schiaparelli (spr. ski-), Giovanni Virginio, ital. Astronom, geb. 14. März 1835 zu Savigliano in Piemont, studierte in Turin Mathematik, darauf in Berlin unter Encke Astronomie und ging dann einige Zeit nach Pulkowa, wo er unter W. Struve astron. Studien oblag. 1859 nach Italien zurückgekehrt, wurde er zum zweiten Astronomen der Sternwarte in Mailand und 1862 zum Direktor derselben ernannt. Als er 1866 die Bahnen der Sternschnuppenschwärme untersuchte, entdeckte er, daß zwischen Kometen und Sternschnuppen eine Beziehung stattfindet, indem nämlich die Bahnen einiger Sternschnuppenschwärme mit denen einiger Kometen gleich sind; eine eingehendere Untersuchung dieses Gegenstandes führte ihn zu der jetzt von den Astronomen allgemein angenommenen Theorie, daß die Sternschnuppen als ein Produkt der mechan. Teilung und allmählichen Zerstreuung der Kometen anzusehen sind. über diesen Gegenstand veröffentlichte er außer mehrern Abhandlungen ein größeres Werk "Note e reflessioni sulla teoria astronomica delle stelle cadenti" (deutsch von G. von Boguslawski: "Entwurf einer astron. Theorie der Sternschnuppen", Stettin 1871). Außer verschiedenen Arbeiten auf dem Gebiete der Meteorologie, über Geschichte der Astronomie und über Doppelsterne erschienen von ihm "I precursori di Copernico nell'antichità" (Mail. 1876; deutsch von Curtze: "Die Vorläufer des Kopernikus im Altertum", Lpz. 1876). Die Oberfläche des Mars, besonders die rätselhaften Linien (Kanäle) auf diesem Planeten sind von ihm auf Grund eigener Beobachtungen in mehrern für die Topographie des Mars äußerst wertvollen Abhandlungen beschrieben worden (in den "Atti dell' Accademia dei Lincei", 1878, 1881 und 1886). In der letzten Zeit hat S. durch mehrjährige Beobachtungen bewiesen, daß für Merkur und sehr wahrscheinlich auch für Venus die Umlaufszeit gleich der Periode der Achsendrehung ist, woraus folgt, daß diese Planeten beständig eine und dieselbe Seite der Sonne zukehren müssen, ähnlich wie der Mond immer der Erde dieselbe Seite zukehrt.

Schiavōne (spr. skiaw-), Andrea, eigentlich Medola oder Meldolla, ital. Maler und Kupferstecher, geb. angeblich 1522 zu Sebenico in Dalmatien, gest. 1582 zu Venedig, entlehnte von seiner slaw. Abkunft seinen Beinamen. Seine ersten Studien machte er nach den Kupferstichen des Parmeggianino, studierte hierauf die Werke Giorgiones und Tizians und suchte die Anmut des erstern und die Farbengebung des letztern zu vereinigen. Eigentümlich sind ihm die großen Massen von Helldunkel und ein weicher, saftiger Pinsel. Die meisten seiner Werke finden sich in Venedig, dann im übrigen Italien und in Frankreich; einige auch in deutschen Galerien, z. B. zu Dresden (Heilige Familie, Leichnam Christi). Die kaiserl. Galerie zu Wien besitzt sein Selbstporträt und 12 andere Werke; die Eremitage zu Petersburg: Jupiter und Io, in herrlicher Landschaft.

Schibbōleth (hebr.), ein Wort oder eine Ausdrucksweise, woran man die Zugehörigkeit zu einer Partei erkennt, oder wobei sich verrät, daß jemand