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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schibkapaß - Schichtlinien
nicht der Partei angehört, welcker er sich zuzählt.
Der Ausdruck schreibt sich aus der Erzählung des
Richterbuchs (Kap. 12) von der Vesiegung der
Ephraimiten durch die von Iephta geführten Gilea-
diter her; die Gileaditer besetzten die Iordanfurten,
um den flüchtigen Ephraimiten den Weg zu verlegen.
Sie ließen jeden, der die Furt passieren wollte, das
Wort S. aussprechen und erkannten die Epbraimi-
ten daran, daß diese nach einer Eigentümlichkeit
ibres Dialekts dafür Sibboleth sagten. Tas
Wort bedeutet wahrscheinlich Strömung, Flut.
Schibkapaß, s. Schipkapaß.
Schichau, Ferdinand, Begründer der Maschinen-
fabrik und Schiffswerst in Elbing, geb. 30. Jan.
1814 in Elbing, studierte auf der Gewerbeakademie
in Berlin und begründete 1837 das Schichauwerk.
Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich die
Maschinenfabrik und Schiffswerft, dann die Loko-
motivfabrik und Kesselschmiede in Elbing, wozu
später noch eine Schiffswerft für größere Schiffe in
Danzig und ein Dock nebst Reparaturwerkstätte in
Pillau hinzukamen. 1811 baute E. den ersten deut-
schen Dampfbagger, 1855 den ersten preuß. Sckrau-
ben-Seedampfer Borussia. Die erste auf dem europ.
Kontinent gebaute Dreifach-Expansionsmaschine
wurde 1882 von S. fertig gestellt. Tas bis jetzt
schnellste Schiff der Welt, das russ. Hockseetorpedo-
boot Adler von 27,4 Seemeilen Geschwindigkeit, ist
auf der Sckichauschen Werft gebaut. Seit 1877 er-
zielte das Schichauwerk im Torpedobootbau so große
Erfolge, daß die meisten Seestaaten der Erde, außer
Deutschland auch Italien, Österreich, Rußland, die
Türkei, Japan und Ehina bereits im ganzen etwa
200 Torpedoboote und Torpedo kreuz er von der
Firma bezogen haben. Der deutsche Kreuzer Gesion,
die österr. Schiffe Miramar und Pelikan sowie zwei
große Seedampfer des Norddeutschen Llond sind
ebenfalls bei S. gebaut. Im ganzen wurden bis-
her 590 See- und Flußdampfer und 1580 Dampf-
maschinen von 950000 indizierten Pferdestärken
Leistung auf dem Echickauwerke gebaut.
Schicht, in der Geologie, s. Schichtung.
Schicht, ursprünglich der vierte Teil des Gruben-
eigentums, d. h. 32 Kuxe von 128. Jetzt bedeutet
S. die Arbeitszeit, z.V. sechs-, acht-, zehn- oder
zwölfstündige S.; Tagschicht, Nachtschicht.
Schicht, neutrale,s. Festigkeit lBd. 6, S. 701a).
Schicht, Joh. Gottfr., Kirchenkomponist, geb.
29. Sept. 1753 zu Reichenau beiZittau, studierte
seit 1776 zu Leipzig die Rechte, ging aber auf Kil-
lers Anraten zur Musik über. Er besaß viel Fertig-
keit und großen Umfang der Stimme und bildete
sich nach und nach znm vorzüglichen Gesanglehrer
aus. 1785 zum Musikdirektor bei dem Großen Kon-
zert in Leipzig erwählt, vermählte er sich mit der
Konzertsängerin Valdesturla und wurde 1810 Kan-
tor an der Thomasschule und Musikdirektor an den
beiden Hauptkirchcn zu Leipzig, wo er 16. Febr.
1823 starb. Von S.s Kompositionen wurden früber
besonders geschützt sein "16 Denin" nach Klopstocks
Worten, sowie das von Nochlitz gedicktcte Orato-
rium "Das Ende des Gerechten". Von seinen mehr
als 40 Motetten sind besonders "Nach einer Prü-
fung kurzer Tage", "Jesus meine Zuversicht" und
"Meine Lebenszeit verstreicht" weit verbreitet. Nicht
minder bekannt ist sein "Allgemeines Choralbuch"
(3 Bde., Lpz. 1820).
Schichtenköpfe, im Bergwesen, s. Ausgehendes.
Schichtenpfeiler, Art der Brückenpfeiler (s. d.).
Schichtenstörungen oder Dislokationen,
alle Lageveränderungen der sedimentären Gesteine,
die sich ursprünglich in mehr oder minder horizon-
talen Sckichten abgelagert hatten. Die Störung
kann ein Schichtensystem betreffen durch einseitige
Aufrichtung (s. d.),durch seitliche Zusammenschiebung
is. Falten) oder durch Verwerfungen und seitliche
Verschiebungen einzelner Teile einer ursprünglich
einheitlichen Masse (s. Verwerfung), oder durch Kom-
bination zweier oder mehrerer dieser Bewegungen.
Auck Eruptivgesteine können nach ibrer Ablagerung
von den gleicken Bewegungen betroffen worden sein,
sie sind in ihnen aber meist schwerer nachzuweisen.
Schichtlinien, Niveaulinien, Niveau-
kurven, .horizontalen, Isohypsen, in einer
Terrainzeichnung (s. d.) die Verbindungslinien der
Punkte von gleicher Höhe über dem Meeresspiegel.
Sie werden stets in bestimmten, gleichmüßigen
.yöbenabstanden (Aquidistanz) dargestellt. ^ Ihre
Entstehung beruht darauf, daß man sich die lln-
ebenbeiten der Erdoberflüche von dem Spiegel des
Meers oder von einem andern Nullpunkt ausge-
bend in Schichten von gleicher Höhe zerlegt denkt.
Da, wo die einzelnen Schnittflüchen dieser Schich-
ten die Abdünge der Berge u. s. w. durchschneiden,
entstehen die S., deren Projektion auf die Zeichen-
fläcke die Terrainzeicknung bildet. Den senkrechten
Abstand der einzelnen Schnittflächen voneinander,
d. b. also die Stärke oder Dicke der Schichten, nennt
man die Schichthöhe; dieselbe ist für die Aufnahmen
in Preußen auf 20, 10, 5, 2,5 und 1,^5 in festgesetzt.
Die einzelnen ^. bilden vielfach gewundene und bei
genügender Verlängerung in sich selbst zurücklau-
fende Linien. Die böher gelegenen werden immer
von den tiefern umschlossen, mit alleiniger Aus-
nabme der sog. Kesselbildungen, bei denen dieses
Verhältnis umgekehrt ist. Zur Bezeichnung solcher
Stellen werden dieselben in der Zeichnung stets
mit einem Pfeilstrich in der Richtung des Abfalls
versehen. Die S. treten um so weiter auseinander,
je flacker die Böschung des von ihnen eingeschlosse-
nen Bodenstücks ist. Eine in S. ausgeführte Ter-
rainzeicknung veranschaulicht also möglichst genau
nicht nur die Höhenverbältnisse selbst, sondern auch
die Vodengestaltung. Der innere Zusammenhang
der verschiedenen Bodenformen wird durch die zuerst
zu zeichnenden Geripplinien (s. d.) und Abfallslinien
(s. d.) festgelegt. Auf den Geripplinien liegen dann
stets die Wendepunkte im Verlaufe der S. und diese
stehen senkrecht auf den Abfallslinien. Die Terrain-
darstellung durch S. wurde zuerst 1771 von dem
Genfer Ingenieur Ducarla angegeben. In Preußen
! wurden S. zuerst 1840 bei Aufnahme der Rhein-
! Provinz angewendet; gegenwärtig sind dieselben bei
! den topogr. Arbeiten ausschließlich in Gebrauch.
Juden oceanographischen Karten werden
die Punkte gleicher Meerestiefe ebenfalls durch S.
! (Tiefcnlinien oder Iso bathen) verbunden,
i Wichtige S. in den Seekarten sind die Linien, bis
zu denen das Festland, Inseln, Bänke und Riffe bei
Niedrigwafser trocken fallen und die S., die den
Wasserstand bei höchster Flut anzeigen. Alle S. der
deutschen und engl. Seekarten beziehen sich auf die
Wassertiefen bei mittlerm Niedrigwasser, während
die S. der franz. Seekarten den niedrigsten Niedrig-
wasserstand zur Zeit der Äquinoktialspringfluten zu
Grunde legen. Zur Bezeichnung des Fahrwassers
werden gewöhnlich auf deutschen Seekarten die S.
gezogen, die 0, 5, 10, 20, 30, 40, 50,100 in u. s. w.