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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schiedsspruch - Schiefer
Juan-Streite zwischen England und den Vereinig- I
ten Staaten erließ der Deutsche Kaiser 21. Okt.
1872 den Schiedsspruch. Auch Angebörige eines
dritten Staates, Gesandte, Rechtsgelehrte, Richter
sind wiederholt zu Schiedsrichtern bestellt worden.
Die im Mittelalter oft angerufene religiöse Autori-
tät des Papstes ist auch neuerdings um den Sckieds-
spruch zwischen Deutschland und Spanien üder die
Karolinen 1885 angegangen worden. Den ro'm.
156cup6i-atm-68 entsprechen die manchmal, besonders
von England und den Vereinigten Staaten, bestellten
schiedsrichterlichen Kommissionen aus Angebörigen
beider Staaten, jedoch mit einem Obmann aus einem
dritten Staate. (Vgl. Holtzendorff, Handbuch des
Völkerrechts, IV, Verl. 1888, S. 30 fg.) Ganz eigen-
tümlich war das durch den Vertrag von Wasbington
<s. oben) eingesetzte Schiedsgericht. Die Negierungen
von Italien, Brasilien und der Schweiz hatten je
einen Schiedsrichter zu ernennen, welche mit je
einem von beiden Streitteilen Bestellten vereinigt
das Schiedsgericht bilden sollten; und zwar batte
dies auf Grund einer durch Denkschriften vorberei-
teten mündlich kontradiktorischen Verbandlung zu
erkennen, als deren Ort Genf bestimmt war. - Vgl.
Lindheimer, Das Schiedsgericht im modernen Civil-
prozeß (2. Aufl., Wien 1894). - Über Schiedsrichter
bei Truppenübungen s. Manöver.
Schiedsspruch, s. Schiedsrichter.
Schiedsvertrag. Alle Differenzen, welcke zwi-
scben den Streitenden durch einen Vertrag ausge-
glichen werden können (auch Ehrenbändel; Streit,
wer Sieger im Wettkampf sei; vermögensrccktlicke
und völkerrechtliche Differenzen), können so ausge-
tragen werden, daß sich Parteien von vornberein
oder nach Ausbruch der Differenz der Entscheidung
eines oder mehrerer Schiedsrichter, event, eines von
diesen zu wählenden Obmanns durch einen S.
unterwerfen. (S. Schiedsrichter.) Über den Unter-
schied des S. vom Vertrag auf den Ausspruch von
Arbitratoren s. Arbitrium.
Schiefblatt, Pflanze, s. L^onia.
Schiefe Ebene, eine zur Horizontalebene ge-
neigte Ebene. Liegt ein schwerer Körper auf einer
solchen geneigten Ebene, so kann man sich dessen
Gewicht in zwei Komponenten zerlegt denken, wovon
die eine als Druck senkrecht gegen die Fläcke wirksam
bleibt, die andere aber ein Hinabgleiten des Kör-
pers längs der Fläche zu erzeugen strebt, dem sich
nur die Reibung entgegensetzt. Von der Größe
des Winkels, den die S. E. mit der horizontalen
einschließt, hängt die verhältnismäßige Größe der
beiden erwähnten Kräfte ab. Es genügt, die längs
der Ebene wirksame Kraft, die kleiner ist als das
Gewicht, durch eine Gegenkraft aufzuheben, um den
schweren Körper im Gleichgewicht zu balten; eine
etwas größere Gegenkraft führt den Körper sogar
aufwärts. Hieraus ergiebt sich der praktische Vor-
teil der S. E. Man nennt in der Mechanik jede all-
gemeine Vorrichtung, an der ein oder mehrere
Kräfte schief gegen eine glatte Ebene wirken, eine
S. E. und zählt dieselbe zu den sog. einfachen Ma-
schinen. (S. Maschine.) In der praktischen Me-
chanik wird die S. E. vielfach zur Hcrvorbringuug
von Bewegungen sowie zur Ausübung von Druck
augewendet; dies geschieht meist in der Weise, daß
man sie als Keil (s. d.) oder als Sckraube (s. d.)
ausführt. Da bei einem auf einer S. E. herab-
rolleuden Körper in jedem Augenblick derselbe
Bruchteil der Schwerkraft in der Bewegungsrich-
tung wirkt, so ist die Bewegung als ein verzögerter
Fall zu betrachten.
Bei Kanälen sind die S. E. oder geneigten
Ebenen Vorrichtungen, durch welche Schiffe zwischen
zwei Kanalbaltungen mittels Vabnen befördert wl'l-
den. Nuben sie dabei, wie bei den Schiffseisenbahnen,
unmittelbar auf Wagen, auf die das fchwimmende
Schiff fäbrt und die dann in die untere Kanal-
baltung binuutcrrollen oder in die obere hinaufge-
zogen werden, dann muß in dieser das Schiff dadurch
zum Schwimmen gebracht werden, daß die S. E.
böher als die obere Kanalhaltung geführt wird und
dann von dem so gebildeten Eckeitel in sie hinab-
reicht, oder dadurch, daß die S. E. in eine leere
Schleusenkammer vor der obern Haltung mündet,
die aus dieser nach Schluß des Unterthores gefüllt
wird, so 1788 bei Ketley sowie Coalsport in Eng-
land, 1825 beim Moriskanal und seit 1844 beim
Elbing-Oberländischen Kanal (s. d.), der seit den
neuesten Umbauten 99,4? m Höhe durch 5 S. E.
überwindet. Gelangt das Schiff in einen wasser-
gefüllten Kasten (cNi38on) mit beiderseitigen Ab-
schlußtboren, so wird dieser auf Rollen binunter und
hinauf bewegt, und es ist nur die Öffnung eines
seiner Tbore und des anstoßenden der betreffen-
den Kanalhaltung nötig, um das Schiff in dieser
schwimmen zu lassen (Monklandkanal in der Nähe
von Glasgow und Dodge- oder Georgetown-Schleuse
des Cbesapeake-Ohio-Kanals bei Washington). Eine
von der franz. Gefellfchaft A. Hallier und I. Dietz-
Mounin für den geplanten Donau-Oder-Kanal
projektierte S. E. soll mit 1100 in Länge 43,5 m
Höbe überwinden und zwei Schienenstränge tragen,
auf deren einem sich auf 168 Nädern ein wasserge-
fülltcr Kasten von 65,5 in Länge und 8,0 m abwärts
und auf deren anderm sich ein ebensolcher, von
jenem gezogen, aufwärts bewegt. Die Hinaufbe-
förderung des einen und event, gleichzeitig die Hinab-
beförderung eines andern soll dabei nur 30 Minuten
erfordern. - über die S. E. im Eifenbahnwesen
s. Seilebcnen.
Schiefelbein, Stadt, s. Schivelbein.
Schiefendfläche, s. Pinakoid.
Schiefer, Bezeichnung eines in dünnen, ebenen
Platten brechenden Gesteins, das diese Eigenschaft
wesentlich dem Umstände verdankt, daß darin blätt-
chenförmige oder lamellare Mineralpartikel (ins-
besondere glimmerigcr Natur) parallel gelagert sind.
Man unterscheidet Glimmerschiefer, Quarzschiefer,
Thonfchiefer, Mcrgelschiefer, Kalkfchiefer, Horn-
blendefchiefer u. s. w., die sich zum Teil zum Dach-
decken (s. Tackschiefer), zu Plattformen, Fußböden,
Altanen u. s. w. sowie zu Schrcibtafeln eignen.
Dacksckiefer sind vorzüglich gewisse dunkle, eben-
sckieferige, leicht spaltbare, im Thüringer Walde,
im Erzgebirge bei Lößnitz, am Harz, in den westfäl.
Nheingegendcn, in den Ardennen, Wales u. s. w.
vorkommende Varietäten des Thonschiefers (s. d.).
Kalksckiefer wird namentlich in der Grafschaft Pap-
penheim und im franz. Tepart. Aveyron bei Con-
flans, sckieferiger Zechstein im Mansfeldifchen,
Sandsteinschiefer am ^olling bei Holzminden, schie-
fcrigplattiger Phonolith im Velay und in der
Auvergne, Glimmer- und Quarzschicfer in den
Alpen, in Norwegen und Schweden zum Dachdecken
angewendet. Ein guter Dachschiefer muß sich leicht
! in dünne große Platten spalten lassen, darf das
i Wasser nicht zu stark einsaugen, muß frei von
! fremdartigen Einmengungen, die seine Verwitte-