Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

434
Schiff (Fahrzeug)
fahrer und .Handelsmarine). Erstere werden in S.
für den Küstenkrieg und S. für den Kreuzerkneg
geteilt. Zum Küstenkrieg dienen Hochsee-Panzer-
schiffe und Küsten-Panzerschiffe als Schlachtschiffe,
ferner Kreuzer und Avisos als Aufklärungsschiffe,
fernerTorpedobootszerstörcr und Torpedoboote beim
Torpedokampf. Im Krcuzerkrieg werden Panzer-
kreuzer, geschützte Kreuzer und kleinere gewöhnliche
Kreuzer und Kanonenboote verwendet. Die Bezeich-
nungen Fregatten (s. d.) und Korvetten (s. d.) kom-
men nur uoch bei Schulschiffen und in einzelnen
Marinen auch bei Kreuzern alter Art vor.
Die Tafel: Schiffstypen I: Kriegsschiffe,
veranschaulicht die hauptsächlichsten Kriegsschiffs-
typen der deutschen Reichs- und einzelne der österr.
und franz. Marine. Fig. 1 ist ein Brust wehrturm-
s ch iff neuester Art mit drei Panzertürmen zu je zwei
26 cin-Geschützen; Geschütze und Kuppeln sind auf
einer Drehscheibe drehbar. Die Schnellladekanonen
stehen in den Decksaufbauten', das S. hat Gürtel-
panzer und Panzerdeck von Nickelstahl. Fig. 2 ist
cinBatterieschiff ältester Art; viele schwere Ge-
schütze mit kleinem Vestreichungswinkel, Gürtelpanzer
und Panzer bestehen aus Compoundplatten. Fig. 3
ist ein Kasemattschiff älterer Art; nur die Eck-
geschütze haben großen Bestreichnngswinkel für Vug-
und Heckfeuer, Gürtel und Kasematte hat Walzeisen-
panzer. Fig. 4 ist ein modernes Barbetteturm-
schiff mit zwei Panzertürmen und Gürtelpanzer
sowie Panzerdeck aus Nickelstahl; der vordere Turm
dat zwei, der hintere ein 24 cni-Geschütz. Fig. 5 ist
cin Kasemattschiff neuerer Art (früher Panzer-
korvette genannt) mit günstiger Geschützaufstellung;
sechs Geschütze in der Panzerkasematte, zwei oben dar-
über mit sehr großem Vestrcichungswinkel, es können
je vier schwere Geschütze nach vorn, nach jeder Seite,
nach hinten feuern. Fig. 6 ist ein mit Panzerdeck,
Korkgürtel und Kofferdamm in der Wasserlinie ge-
schützter Kreuzer; sechs Geschütze in Schwalben-
nestern mit großem Schußfeld und acht Geschütze in
der Breitseite, starke Maschinen, große Geschwindig-
keit, großer Kohlenvorrat. Fig. 7 ist die kaiserliche
Jacht mit Wohnräumen für die kaiserl. Familie;
große Geschwindigkeit (22 Seemeilen), dient im Kriege
als Aviso für größere Kommandostübe und führt
dann 15 Schnellfeuerkanonen. Fig. 8 ist ein Pan-
zerkanonenboot mit einem langen 21 oiu-Ge-
schütz; Panzergürtel und Panzerdeck, gute Geschwin-
digkeit (16 Seemeilen). Fig. 9 ist ein alter Kreuzer
III. Klasse; ungeschütztes eisernes S., Geschütze alter
Art in der Breitseite auf Oberdeck, kleine Geschwin-
digkeit (14 Seemeilen), geringer Kohlenvorrat. Die
^. Fig. 1-9 gehören der deutschen Kriegsflotte an.
Fig. 10 ist ein österr. Kasemattschiff mit fechs
24 oin-Geschützen; Kasematte und Gürtel gepanzert.
Fig. 11, ein österr. Panzerkreuzer, ist ein S. ge-
mischten Systems; je ein24cni'GeschützinVarbette-
turm, vier15"n-Kanonen in Kasemattepforten, vier
15 cin in Ausbautürmchen, 20 leichte Geschütze,
Gürtel, Varbcttetürme und deren Unterbau stark,
Panzerdeck leicht gepanzert, große Geschwindigkeit
(19 Seemeilen), zwei armierte Gefechtsmasten,
Nammfteven, sechs Torpedolancierrohre. Fig. 12
ist ein franz. Glattdeckskreuzer 1. Klasse, mit
Panzerdeck, Korkgürtel und Kofferdamm geschützt;
acht Kanonen in Schwalbennestern mit großem
Schuhfeld, große Geschwindigkeit (19 Seemeilen).
Fig. 2, 3, 8 und 9 sind Einschrauben-, die ührigen
Doppelschraubenschiffe.
Ein S. mit drei Masten, an deren jedem sich
Stengen, Bramstengen und Rahen befinden, heißt
ein Vollschiff (f. Tafel: Schiffstypen II:
Handelsschiffe, Fig. 3). S. mit zwei vollen und
einem Mast, an dem sich keine Rahen, sondern nur
Gaffelfegel befinden, nennt man Barken (Fig. 4),
solche mit zwei vollen Masten Briggs (Fig. 5)
und mit einem vollen und einem oder zwei Bark-
masten Schoner (Fig. 6). Kutter (Fig. 7) und
Jacht (Fig. 8) sind einmastige S., die nur Küsten-
fahrt treiben und die man gewöhnlich mit dem
Namen "Fahrzeuge" bezeichnet.
Nach der Art der Fortbewegung teilt man die S.
in Segel- und Dampffchiffe ein; letztere sind Rad-
oder Schraubendampfer. Man verwendet die
Raddampfer nur noch für Flüsse oder kurze See-
fahrten, für längere Reifen jedoch Vorzugsweife den
Schraubendampfer (Taf. II, Fig. 1 u. 2; Lüngen-
fchnitt und Ansicht des Ober- und Hauptdecks eines
Doppelschrauben-Schnelldampfers giebt Tafel:
D ampfs chiffe l, Bd. 4, S. 746), dadie den Wellen-
bewegungen weniger ausgesetzte Schraube sich
besser bewährt und bei Kriegsschiffen vor feindlichen
Geschossen geschützt liegt. (S. auch Schnelldampfer.)
Eine dritte Art der Fortbewegung ist die der hydrau-
lischen Reaktion (s. Hydraulischer Propeller).
Die Kunst, den einzelnen Teilen eines S. die ge-
hörige Gestalt und Verbindung zu einem zweckmäßi-
gen Ganzen zu geben, nennt man Schiffbaukunst
(s. d.). Der zum Schiffbau eingerichtete Platz heißt
Werft (s. d.) und der Platz, wo ein einzelnes S.
gebaut wird, eine Helling (s. d.) oder ein Dock
(s. d.). Der Kiel (s. d.) eines zu erbauenden S.
wird auf die Stapelklötze (f. Stapel) gelegt und er-
hält zunächst die Spanten (s. d.) und bei eifernen
S. die Querschotten (s. d.) zwischen den Spanten
aufgefetzt. Dann werden die Decke eingebaut, die
Planken (s. d.) oder eiferne Außenhaut angebracht
und das hölzerne S. durch Kalfatern (s. d.), das
eiserne durch Vernieten und Vodenanstrich wasser-
dicht gemacht, auch die Planken gekupfert (s. Kupfern).
Hiernach findet der Stapellauf statt. Die Schiffs-
mafchine, Panzerplatten der Panzerfchisfe, Be-
mastung und Ausrüstung werden später angebracht.
Zum Ausbessern der S. unter Waffer werden jetzt
überall Docks benutzt, wenn die Reparaturen nicht
so geringfügiger Art sind, daß sie durch Taucher,
deren sich auf jedem größern Kriegsschiffe minde-
stens einer befindet, ausgeführt werden können.
Während man in frühern Zeiten als Material
zum Schiffbau ausfchliehlich Holz, dann Eifen ver-
wendete, benutzt man neuerdings immer mehr Stahl
dazu, der im Verhältnis zu feiner Stärke leichter
als Holz und Eifen ist, bei gleichen Dimensionen
mehr Ladungsraum giebt, haltbarer ist und sich
leichter reparieren läßt. Dagegen sinken die eiserner
und stählernen S. bei größern Verletzungen leichte
als hölzerne, und die Lecke lassen sich provisorisch nich
so gut stopfen wie bei diesen. Nm das Sinken bl
Beschädigungen des Bodens zu verhindern, giet
man den eisernen und stählernen S., namentlic
den gepanzerten, einen Doppelboden (s. d.), Wal
gange (s. d.), Korkgürtel und Kofferdämme (s. d
Längsschotten und Querschotten (s. d.). Gesunkei
S., die nicht zu tief liegen, verfucht man dur
Schließen aller Öffnungen, Auspumpen des inne
Raums und Unterbringen von Ketten zu heben.
Der deutsche Schiffbau beschäftigt etwa 5
Werften mit etwa 25000 Arbeitern, von den