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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schiffahrtsabgaben - Schiffahrtsgesetze
Zeit die Hamburg-Amerikanische Paketfahrt-Aktien-
Gesellschaft (s.d.) ans. Unzählige andere Dampfer-
gesellschaften entstanden in allen Seestaaten: ebenso
Fischereigesellschaften znm Betrieb der Hochseefische-
rei. Näheres über den Bestand der Handelsflotten
in den verschiedenen Staaten findet sich in den Ein-
zelartikeln. (S. auch Handelsmarine und Dampf-
schiffahrt.)
Vgl. Du Sein, llizwii-s äs 1a inai-in6 ä6 tous
l68 P6UP168 (Bd. 1, Par. 1803): Gelcich, Stndien
über die Entwicklungsgeschichte der S. (Laibach
1882); von Henk und Niethe, Zur See (2. Aufl.,
Hamb. 1890,1891); Friedrickson, Geschichte der S.
(ebd. 1890); Batsch, Nautische Rückblicke (Berl.
l.892); Naineri, I^a marina m^rcaiitilL ^erniÄnioÄ
(Rom 1892); 3ieveillöre, I.g. conliuete äs i'Ocöau
(Par. und Nancy 1891).
Schiffahrtsabgaben, Abgaben, welche für
Benutzung der Schisfahrtsanstalten in den Häfen
und auf Wasserstraßen von den Seeschiffen oder deren
Ladungen erhoben werden. Eine wichtige Art der-
selben sind die Hafengelder (s. d.). Außerdem
kommen namentlich vor Lotsen-, Tonnen-, Leucht-
feuer-, Quarantäne-, Brücken- und Schleusengelder.
Alle diese Forderungen gewähren nach deutschem
Rechte den Forderungsberechtigten die Rechte eines
Schiffsgläubigers (s. d.). Nach Art. 54 der Deutschen
Rcichsverfassung dürfen die Abgaben für Benutzung
der Schiffahrtsanstalten in den Seehäfen, für die
Benutzung der zur Erleichterung des Verkehrs auf
den natürlichen Wasserstraßen bestimmten Anstalten
sowie für die Vefahrung der künstlichen Wasserstraßen
die zur Unterhaltung und gewöhnlichen Herstellung
der Anstalten und Anlagen erforderlichen Kosten
nicht übersteigen. Die Kauffahrteischiffe sämtlicher
deutscher Aundesstaaten müssen gleichmäßig behan-
delt und zugelassen werden. Das Recht, auf fremde
Schiffe oder deren Ladungen andere oder höhere
Abgaben zu legen, steht keinem Einzelstaate, sondern
nur dem Reiche zu. Die S. sind als gewöhnliche
Unkosten der Schiffahrt in Ermangelung einer ent-
gegenstehenden Abrede regelmäßig von dem Ver-
frachter zu tragen.
FürdieV innen schiff ah rt kommen die Abgaben
hauptsächlich beiden Kanälen, den künstlichen Wasser-
straßen, in Betracht. Die Tarife in Deutschland
sind sehr verschieden, auf den märkischen Wasser-
straßen z. V. sehr hohe. Belgien besitzt seit dem
l. Juni 1886 einen einheitlichen Abgabentarif auf
sämtlichen staatlichen Wasserwegen. Es bestehen
nur zwei Tarife: einer auf den Kanälen und der
andere auf den kanalisierten Flüssen. In Frank-
reich sind durch Gesetze vom 21. Dez. 1879 und
19. Febr. 1880 alle S. auf den Wasserwegen, die
fast alle (93 Proz. sämtlicher vorhandenen) Eigen-
tum des Staates sind, abgeschafft worden. Die
Tarife haben, wie in Belgien, die Gütertonnenzahl
und die Fahrllänge zur Grundlage. In Ruhland
werden die Abgaben in Prozenten vom Werte der
transportierten Güter berechnet, ohne daß die Länge
des zu durchlaufenden Transportwegs dabei irgend-
wie in Betracht kommt. In Holland werden die
Abgaben meistens pro Kubikmeter und Schleuse er-
hoben; in Asterreich auf der Donau in Prozenten
von dem Vruttofrachtertrage. Die Abgaben auf den
Kanälen Englands sind höher als irgendwo anders.
Schiffahrts - Berufsgenofsenschaften. 1)
Westdeutsche Vinnenschisfahrts - Verufs-
genossenschaft für das Gebiet des Rheins und
seiner Nebenflüsse sowie der übrigen westlich und
südlich von der Elbe und ihren Nebenflüssen belege-
ncn Gewässer (Donau, Ems, Weser u. s. w.) und
zwar: prcuß. Reg.-Bez. Hannover, Hildesbeim,
Osnabrück, Aurich, Lüneburg (ohne die Kreise Dan-
nenbcrg, Harburg, Lüneburg, Winsen, Vleckcde,
Nlzen, Lückow), Stade (ohne die Kreise Stade,
Kehdingen, Iork, Ncubaus a. d. Oste, Vremervörde),
Provinzen Westfalen, Hessen-Nassau, Rheinland, die
Hohenzollernschen Lande, Reg.-Bez. Erfurt (Kreis
Schleusingen), ferner für Bayern, Württemberg,
Baden, Hessen, Sachsen-Weimar (Verwaltungsbezirk
Eisenach), Oldenburg (ohne Fürstentum Lübeck),
Braunschweig, Sachsen-Meiningen (ohne Kreis
Saatfeld), Sachscn-Coburg-Gotha, Waldeck, Lippe,
Schaumburg-Lippc, Bremen und Elsaß-Lothringen.
Sitz ist Duisburg; Sitz der vier Sektionen: Mann-
deim, Mainz, Ruhrort, Bremen. 2) Elbschiff-
fahrts-Bcrufsgenossenschaft für das König'
reich Sachsen, die Provinz Sachsen (ohne Kreis
Schlcusingen), Sachsen-Weimar (ohne Verwaltungs-
bezirk Eisenach), Sachsen-Meiningen (Kreis Saal-
feld), Sachsen-Altenburg, Anhalt, Schwarzburg-
Eondershausen und -Rudolstadt, Neuß älterer und
jüngerer Linie, Reg.-Bez. Potsdam (Kreise Stadt-
kreis Potsdam, Ost- und Westhavelland, Ost- und
Westprignitz, Zauch-Velzig), die Provinz Schleswig-
Holstein, Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz, Ham-
burg, Lübeck und Fürstentum Lübeck, Reg.-Bez.
Lüneburg (Kreise Dannenberg, Harburg, Lüneburg,
Winsen, Bleckede, ülzcn, Lüchow), Reg.-Vez. Stade
(Kreise Etade, Kehdingen, Iork, Neuhaus a. O.,
Vrcmcrvörde). Sitz ist Magdeburg; ohne Scltions-
bildung. 3) Ostdentsche Vinnenschiffahrts-
Verufsgenossenschaft für die preuß. Provinzen
Ost- und Westpreußen, Brandenburg mit Berlin
(ohne die Kreise Stadtkreis Potsdam, Ost- und
Westhavelland, Stadtkreis Spandau, Ost- und West-
prignitz, Zanch-Belzig), Pommern, Posen, Schle-
sien). Sitz ist Vromberg; ohne Sektionsbildung.
Das Geschäftsjahr 1893 ergab folgende Zahlen:
!
^ Ve-
^1 triebe
sicherte
Per"
sonen
1 !324i!i2072
4887 19480
Anzu-
rech-
nende
Jahres^
löhne
Mill.M.
10,915
13,963
8026!21561 10,034
Iah-
res-
lohn
pro
Kopf
M. I
Ein-
nahme
M.
904 262782
717
465
177299
Aus-
gabe
M.
304724 270512 527 828
Reserve-
fonds am
Jahres-
schluß
M.
222925 447866
138758 244853
An Unfällen waren von den 3 S. zu entschädigen:
! Entschädigte Unfälle
Nr.
über-
haupt
115
179
120
auf
1000 Ver-
sichertc
9,53
9,19
5,5?
Gezahlte
Ent-
schädigungen'
M.
125 067
162 946
80 283
Unfälle mit
tödlichem voller Er-
werbsun-
fähigkeit
43
36
34
2
16
4
* Einschließlich der für Unfälle aus frühern Jahren ge-
zahlten Renten.
Mit Einschluß dieser 414 gelangten 1786 Unfälle
(34 auf 1000 versicherte Personen) zur Anzeige.
Schiffahrtsgefetze, gesetzliche Normen, welche
sich auf die Schiffahrt beziehen. Eins der berühmte-
sten ist die engl. Navigationsakte (s. d.). Nach der
Reichsverfassung (Art. 4, Ziff. 9) unterliegt der