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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schirmer (Wilh.) - Schirrmacher
Schirmer, Wilh., Landschaftsmaler, geb. 6. Mai
1802 zu Berlin, war Schüler Schadows, dem er aber
nicht nach Düsseldorf folgte. Nachdem er die I.
1827 - 30 in Italien zugebracht, gründete er zu
Berlin ein Atelier, in dem sich bald eine ansehnliche
Zahl von Schülern sammelte. 1835 ward er ordent-
liches Mitglied der Akademie der Künste und 1839
Professor. 1845 nahm er einen zweiten cinjäbrigcn
Aufenthalt in Italien. In seinen meist dem Süden
entnommenen Bildern, in denen architektonische
Staffage vorherrscht, steigert sich die südl. Farben-
glut mebr und mehr bis zum Phantastischen. Seine
koloristischen Eigenschaften weiß S. auch auf das
Wandbild zu übertragen, wie im Albrecktschlosse bei
Dresden uuo im Kronprinzenpalais zu Berlin. Un-
ter den landschaftlichen Darstellungen, mit denen
als Wandgemälde einige Abteilungen des Neuen
Museums in Berlin geschmückt sind, gehören seine
Ansichten aus Ägypten und Griechenland zu den
besten. Die Nationalgalerie zu Berlin besitzt von
ihm Tassos Haus in Sorrent (1837), Italienischer
Park (1856) und Strand bei Neapel (1861). Er starb
auf der Rückreise von seinem dritten ital. Studien-
aufenthalt 8. Juni 1866 zu Nvon am Genfer See.
Schirmfabrikation, die Herstellung von Schir-
men (s. d.), war ursprünglich ein Nebengewerbe der
Drechslerei, die uoch gegenwärtig die Stocke dazu
anfertigt, soweit sie nicht von Eisen sind. Sie ent-
wickelte sich allmählich zur Selbständigkeit, und Mitte
des 19. Jahrh, trat der Fabrikbetrieb neben den
Handwerkbetrieb. 1882 waren in Deutschland in
der Schirm- und Stockfabrikation thätig 2319 Be-
triebe (2450 Haupt- und 469 Nebenbetricbe), in
denen zusammen 6737 Personen, darunter 2062
weibliche, beschäftigt waren. Von diesen Betrieben
befanden sich 345 in Berlin, 480 in Bayern, 321 im
Rheinland, 127 in Hamburg. Au Großbetrieben
giebt es 24 in Berlin, einige in Köln, Königsberg,
München, Vreslau. Sehr leistungsfähig sind auch
die Mittelbetriebe (bis 10 Arbeiter). Häufig besteht
die S. nur im Zusammenstellen der in Special-
fabriken hergestellten Teile des Schirms und im
Fertigmachen desselben. So werden Stöcke gemacht
in Berlin, Celle, Liegnitz, Schirmgcstelle aus Eisen
ldie frühern aus Fischbein, Rohr u. a. sind ver-
drängt) in Ohligs-Wald. Zu Überzügen werden
verwendet: Seide, Halbseide (Helvetia, Gloria,
Austria u. a.), Wolle, Baumwolle, Halbwolle (Za-
nella). Die Regenschirme unterscheiden sich unter-
einander nur durch die verwendeten Stoffe zu den
Bestandteilen und mehr oder weniger gute oder
elegante Arbeit. Die Sonnenschirme zerfallen
in Nn-tout-ca8 (s. d.) aus glatten Stoffen, und
konfektionierte (Volant-) Schirme mit Spitzen, Schlei-
fen, Vouquets u. s. w. Specialitäten sind Touristen-,
Skat-, Stockschirme u. dgl. Die Einfuhr in Deutsch-
land betrug 1894: 65 Doppelcentner (gegen 50 im
1.1893), die Ausfuhr (fast in alle Länder/besonders
aber in die Niederlande, Schweden, Belgien, Nor-
wegen, Schweiz, Britisch-Ostindien, Venezuela)
1893:1286000 M. Wert. - Vgl. Deutsche Echirm-
macherzeitung (Lpz. 1834 fg.).
Schirmglas, ein von Richard Zsigmondy
angegebenes, für dunkle Wärmestrahlen besonders
undurchlässiges, aber durchsichtiges Glas, das zur
Herstellung von Ofenschirmen, Lampenschirmen,
Schutzbrillen gegen Feuersglut, für Glasdachziegel,
Deckglas von Treibhüufern u. dgl. geeignet ist. Die
Eigenschaft hoher Absorption für dunkle Wärme-
strahlen verdankt das S. einem geringen Gehalt
an Eisenorydul, der ihm eine bläulichgrüne Fär-
bung erteilt Während Spiegelglas von 8 mm. Dicke
etwa 60 Proz. der strahlenden Wärme eines Argand-
brenncrs hindurchläßt, läßt gleichdickes S. nur
0,7 Proz. durch. Durch Einschalten einer Platte
aus S. konnte die Wirkung einer hellbrennenden
Petroleumlampe auf ein in der Nähe hängendes,
berußtes Thermometer so sehr geschwächt werden,
daß die Quecksilbersäule desselben von 39 auf 22" 6.
siel. - Vgl. Zsigmondy in Dinglers "Polytech-
nischem Journal" (1893).
Schirmpalme, s. lüor^iia.
Schirmfchlagbetrieb, eigentlich jeder Femel-
schlagbetrieb (s. d.), da das alte Holz der Verjün-
gungsklasse (s. d.) einen Schirm- oder Schutzbestand
sür den jungen Nachwuchs bildet, im engern Sinne
dagegen ein solcher Femelschlagbetrieb, bei dem die
Begründung des jungen Bestandes nicht durch den
von den Mutterbäumen abfallenden Samen erwar-
tet, sondern durch künstliche Untersaat oder Unter-
pstanzung bewirkt wird. Als Schutzhölzer eignen
sich besonders lichtkronige Holzarten, wie Eichen,
Kiefern, Lärchen, Birken. Anwendung findet er vor-
züglich bei der Begründung von Buchen- und Tan-
nenbeständen, weil diese Holzarten Schatten ver-
tragen, aber in der Jugend sehr empfindlich gegen
Frost und Dürre sind, für andere Holzarten nur dort,
wo die gänzliche Entblößung des Bodens Nachteile
befürchten läßt, oder wo der kahle Abtrieb der Be-
stünde allgemeine Gefahren herbeiführen kann, wie
in Schutzwaldungen am Meeresufcr, an den Rän-
dern großer Binnengewässer, im Hochgebirge.
Schirmvögel, s. Negenschirmvögel.
Schirmvogt, soviel wie Kirchenvogt (s. d.).
Schirre-churschid (pers., "Sonne und Löwe"),
das pcrs. Wappen.
Schirren, Karl Christian Gerhard, Historiker
und Publizist, geb. 20. Nov. 1826 zu Riga, studierte
Geschichte zu Dorpat, wo er auch, nach siebenjähriger
Thätigkeit in Riga, 1856 Professor der Geschichte
wurde. Gegen Samarins Angriff auf die Rechte des
Landes warS.s "Livländ. Antwort" (1.-3. Aufl.,
Lpz. 1869) gerichtet. Wegen dieser Schrift von der
russ. Regierung abgesetzt, siedelte S. nach Deutsch-
land über und widmete sich archivalischen Studien,
bis er 1874 als Professor der Geschichte nach Kiel
kam. Er veröffentlichte eine lat. Dissertation über
Iordanes und Cassiodor (Dorpat 1858), "Veitrag
zum Verständnis des I.ider (^6Q8U8 vanias" (in
den "Hl6M0ir63" der Petersburger Akademie der
Wissenschaften, 1859), "Quellen zur Geschichte des
Untergangs livländ. Selbständigkeit" (11 Bde.,
Reval 1861-85), "Recesse der livländ. Landtage
1681-1711" (Dorpat 1865), "Beiträge zur Kritik
älterer Holstein. Gcschichtsquellen" (Kiel 1876) u. a.
Schirrholz, s. Sattelholz.
Schirrmacher, Friedr. Wilh., Historiker, geb.
28. April 1821 zu Danzig, studierte in Berlin und
Bonn Philosophie und Geschichte, war von 1849 bis
185-1 Hilfslehrer am Friedrichs-Wcrderschen Gym-
nasium zu Berlin, dann Professor der Geschichte an
der Ritterakadomie zu Liegnitz und wurde 1866 in
gleicher Eigenschaft nach Rostock berufen, wo er zu-
gleich erster Universitätsbibliothekar sowie Direktor
des Historischen Seminars und des Münzkabinetts ist.
S. veröffentlichte: "Geschichte Kaiser Friedrichs II."
(4 Bde., Gott. 1859-65), "Urkundenbuch der Stadt
Liegnitz" (Liegn. 1866), "Die letzten hohenstaufen"
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