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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlachtsteuer - Schlaf
dem russ. Heroldsamte Adelsbriefe aufweisen konnten,
wodurch die Zahl der Adligen sehr beschränkt wor-
Schlachtfteuer, s. Fleischstcuer. ften ist.
Schlachtzwang, die durch die Gemeindebe-
hörde angeordnete Bestimmung, daß alle Tiere in
einem öffentlichen Schlacktbause geschlachtet werden
müssen. Der S. steht im Gegensatz zu der früher
allgemein und jetzt noch an manchen Orten üblichen
Zausschlächterei, wobei jeder Fleischer sein eigenes
Schlachthaus besitzt. Der S. kann in Preußen,
Meiningen, Schaumburg - Lippe, Lippe - Detmold,
Reuß älterer und jüngerer Linie und Sckwarzburg-
Rudolstadt auf Grund besonderer Schlachtbausgesetzc
(s. Schlachthaus) erlassen werden. - Vgl. Ostertag,
Handbuch der Fleischbeschau ß.Aufl., Stuttg.1895).
Schlacke, in der Metallurgie der bei den meisten
Schmelzprozessen sich ergebende steinige oder email-
artige Abfall, der sich neben oder über dem ge-
schmolzenen Metalle ansammelt. Beim Erschmelzen
der Nohmetalle (in Schachtöfen) aus den Erzen ent-
stehen sie durch Verschmelzung der den letztern bei-
gemengten Gesteinsarten (teils Gangart, teils Zu-
schläge), beim Umschmelzen der Metalle aber durch
Oxydation derselben und durch Oxydation der in
ihnen enthaltenen Verunreinigungen (Silicium,
Phosphor, Schwefel, fremde Metalle). Man kann die
S. einteilen in Silikatschlacken (z. B. die Hoch-
ofenschlacke, s. d.), Phosphatschlacken (wie die
Thomasschlacke, s. d.),in welchen die Kieselsäure
zum Teil durch Phosphorsäure ersetzt ist, und Oxyd -
schlacken, in welchen verhältnismäßig nur unbe-
deutende Mengen von Kieselsäure und Phosphor-
säure auftreten. Die meisten S. sind Silikate, und
ihre Beschaffenheit hängt zum Teil ab von ihrem
relativen Gehalt an Kieselsäure. In Bezug hierauf
teilt man sie ein in Subsilikate, von der chem.
Formel3N0-3i02,Singulosilikate (2N0-8iO.),
Sesquisilikate (^O-ZsiO-), Visilikate
(KO-äiO.) und Trisilikate(2U0-38i02). Von
Glas unterscheiden sich die Silikatschlacken in der
Zusammensetzung durch geringern Gehalt an Kiesel-
säure und Mangel an Alkalien. (S. Glas, Bd. 8,
S. 37 d.) Die anders geartete Zusammensetzung
bewirkt auch, daß diese Silikate sich nicht wie Glas
in zähflüssigem Zustande verarbeiten lassen. S., die
aus dem geschmolzenen Zustande in den starren plötz-
lich übergehen, heißen frisch, solche aber, die all-
mühlich erstarren, werden saiger genannt. Die sehr
verschiedene Farbe der S. hängt hauptsächlich von
ihrerZusammcnsetzung ab, wechselt aber mit dcrTem-
peratur ihres Entstehens. Die Schmelztemperatur
der S. liegt gewöhnlich tiefer als die Entstehungs-
tempcratur; S. schmelzen, ein bestimmtes Silikat
vorausgesetzt, im allgemeinen um so leichter, je mehr
Vasen darin enthalten sind. Unter den verschiedenen
Silikaten sind aber diejenigen, deren Zusammen-
setzung der eines Visilikates nahe kommt, am leichte-
sten schmelzbar. Manchmal erstarren die S. in schön
ausgebildeten Krystallen. Die größte Menge S.
wird in den Eisenwerken gewonnen. Ursprünglich
wurden dieselben als wertloser Abfall auf die Halde
qeworfen; gegenwärtig bemüht man sich mit Er-
folg, dieselben für verschiedene Industriezweige
nutzbar zu machen. Metallreiche S. (z. B. Eisen-
frischschlacken) werden dem Hüttenprozeß wieder zu-
geführt; metallarme dagegen für Zwecke der Land-
wirtschaft, des Hoch- und Straßenbaues verwendet.
(S. Schlackenwolle, Metallpflaster.) ^ ... .
Schlackenbeton, s. Gußmauerwerk.
Schlackenblöcke, Schlackencement, s. Hoch
Schlackenkrater, s. Krater. ^ofenschlacke.
Schlackenpflaster, Schlackensand, s. Hock
ofenschlacke. ^ofenschlacke).
Schlackenstein,soviel wie Schlackenziegel (s.Hoch-
Schlackenwälle, s. Heidenschanzen.
Schlackenwerth, czech. 08trov, Stadt in der
österr. Vezirkshauptmannschaft und dem Gerichts-
bezirk Karlsbad in Böhmen, an der Wistritz und der
Linie Prag-Eger der Buschtiehrader Eisenbahn und
der Lokalbahn S.-Ioachimsthal, hat (1890) 2463 E.,
elektrische Straßenbeleuchtung, got. Kirche, Piaristen-
kollegium (1666) mit Bibliothek; bedeutende Leder-
industrie, Porzellan-und Spitzenfabrik,Holzschleiferei
mit Pappenfabrikation, Brauereien und Ackerbau.
Die Domäne (3420 Ka) mit Schloß ist Eigentum
des Großherzogs von Toscana.
Schlackenwolle, ein aus Hochofenschlacke (s.d.)
erzeugtes Kunstprodukt, wird hergestellt durch Ein-
blafen von hochgespanntem Dampf in einen dünnen
Strahl frei heravfliehender gefchmolzener Hochofen-
schlacke. Die Schlacke wird dabei in feine Körnchen
zerteilt, deren jedes einen mehr oder minder langen
Schlackenfaden, wie einen Schweif nach sich zieht.
Diese Fäden bilden die S. Als schlechter Wärme-
leiter findet die ^. bisweilen als Wärmefchutzmittel
(s.d.) für Dampfleitungen Anwendung. Neuerdings
preßt man sie zwischen zwei Drahtnetze zu leicht bieg-
samen Platten von 2 bis 3 cin Durchmesser, die mit
Vorteil als Wandbekleidung für provisorische Bauten
in sehr heißen und sehr kalten Gegenden Verwendung
finden. Eine mit S. in 3-4 cin Dicke ausgekleidete
Holzthür setzt der Verbreitung einer Feuersbrunst viel
größern Widerstand entgegen als die dickste Eisenthür.
Schlackenziegel, s. Hochofenschlacke.
Schladaer Säuerling, Mineralquelle, s. Fran-
zensbad.
Schladen, Torf im Kreis Goslar des preuß.
Reg.-Bez. Hildesheim, an der Oker und der Linie
Vraunfchweig-Harzburg der Preuß. Staatsbabnen,
bat (1890) 2437 E., darunter 675 Katholiken, Post,
Telegraph, evang. und kath. Kirche, Schloß, Net-
tungshaus; Eisengießerei nebst Maschinen- und
Dampfkesselfabrik, Zuckerfabrik. ^S. 696 a).
Schladminger Alpen, s. Ostalpen (Bd. 12,
Schlaf (8oniQii8), derjenige Zustand, in dem die
bewußten Thätigkeiten des Körpers aufhören und
nur die unbewußten und unwillkürlichen Verrich-
tungen (Herzthätigkeit, Atmung, Verdauung) sick
noch vollziehen, über die Ursachen des S. und die
Vorgänge bei demselben ist im allgemeinen nock
wenig bekannt. Man weiß fast nur, daß durch den
S. Körper und Geist gekräftigt werden, und daß ihn
die Ermüdung herbeiruft. Der S. scheint demnach
durch Erschöpfung gewisser Organe, insbesondere
der nervösen Centralorgane bedingt zu sein, und
diese Erschöpfung scheint sich im S. wieder aus-
zugleichen. Die Unterschiede, die man über die Zu-
stände des Körpers im Wachen und Schlafen kennt,
reichen nicht aus, das Zustandekommen jener Aus-
gleichung zu erklären. Im S. wird das Gehirn
außerordentlich spärlich mit Blut versorgt, und alle
Verhältnisse, die das Gehirn blutarm machen, wirken
schlafmachend. Nach einer reichlichen Mahlzeit sam-
melt sich das Blut Vorzugsweife in den Bauch-
organen, während in das Gehirn weniger Blut
strömt, und es tritt Neigung zum S. ein. Starke
Blutverluste machen den ganzen Körper, somit auch