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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlagschatten - Schlammvulkane
Schlagschatten, s. Schatten.
Schlagschatz, s. Münze (Bd. 12, S. 84a).
Schlagsilber, s. Zinn.
Schlagstuhl, Gurtenschlagstock, s. Gurte.
Schlagwaffen, Nahwafjen, Handwaffen,
sind im Gegensatz zu Hieb- und Stichwaffen be-
stimmt, den Gegner zu zerschmettern. Hierher gehört
die älteste Form der Waffe überhaupt, die Keule
(s. d.), serner der Kolben (s. d.), der Morgenstern
(s. d.) und der Strcithammer (s. d.). ^heimmittel.
Schlagwaffer, s. Aromatische Mittel und Ge-
Schlagweifer Hochwaldbetrieb, forstliche
Betriebsart, bei der sich die jährlichen Fällungeil
nur über einen den Holzbedarf eines oder mehrerer
Jahre deckenden Teil der Vetriebsklasse (s. d.) er-
strecken und auf diesem Teile ein möglichst gleich-
alteriger Bestand nachgezogen wird. Die Räumung
der Althölzer erfolgt auf einmal oder allmählich,
aber vollständig, höchstens bleiben einzeln oder horst-
weise einige Bäume, sog. überhaltcr (s. d.) oder
Waldrechter, für einen zweiten Umtricb stehen. Die
Verjüngung erfolgt durch künstliche oder natürliche
Besamung oder durch Pflanzung. Zu unterscheiden
Kahlschlagbetrieb (s. d.) und Plenterschlag-
oder Femelschlagbetrieb (s. d.).
Schlagweite, elektrische, der größte Abstand
zweier Körper, bei dem sich ihre elektrischen Ladungen
in Form eines elektrischen Funkens ausgleichen. Je
höher die elektrische Spannung oder die Potential-
differenz (s. Elektrisches Potential) zwischen den ent-
gegengesetzten elektrischen Körpern ist, desto größer
kann auch die S. sein. Die S. einer Leidener Flasche
wächst ungefähr proportional der in dieselbe ge-
ladenen Elektricitätsmenge und demnach auch pro-
portional dem Potential. Die S. gestattet daher,
auf die Stärke der elektrischen Ladung der sich ent-
ladenden elektrischen Körper zu schließen.
Schlagwerk, eine ähnlich dem Fallwerk (s. d.)
wirkende, aber noch einfachere Vorrichtung zum
Stanzen, bei der die Patrize an einem vertikal ge-
führten Teil fest ist, auf den Hammcrschläge gegeben
werden. - über das S. einer Uhr s. Uhren.
Schlagwetter, s. Schlagende Wetter.
Schlamm, in der Aufbereitung der Erze soviel
wie Schlich (s. d.).
Schlammbäder, s. Moorbäder.
Schlammbeißer, Süßwasserfisch, s. Schmerlen.
Schlämmen, ein Mittel, um specifisch leichte
Körper von schweren, feinere von gröbern in Flüssig-
keiten (meist Wasser) zu scheiden. Das in der Technik
gebräuchlichste Schlämmverfahren, besonders für
Thon, Erze u. s. w., besteht in einem Ausrühren
feingepochter oder gemahlener Massen in Wasser
und Verteilen derselben unter fortwährender Wasser-
zuführung in einer Neihe untereinander verbun-
dener Kästen (Schlammkasten, Schlammfang,
Mehlführung), in denen sich die festen Teile je
nach Korngröße oder specifischem Gewicht absetzen.
Bei der mechan. Vodcnanalyse werden Apparate
angewendet, bei denen das S. des Fcinbodens durch
einen von unten nach oben gerichteten Stoß des
Wassers geschieht. Hierzu findet Verwendung der
Hilgardsche, Nöbelsche und Schönesche Schlämm-
apparat. - Im Bauwesen nennt man S. auch das
Grundieren der Wände mit Schlämmkreide (s. d.).
Schlammerde, s. Erden.
Schlammfang, s. Schlämmen und Gully.
Schlammfliegen (3i3.Iiäa6), eine zu den Platt-
flüglern (s. d.) gehörige Netzstüglerfamilie, mit wage-
recht gestelltem, flachem Kopf, borsten- oder faden-
förmigen Fühlern und durchsichtigen, in der Ruhe-
lage den Körper dachartig bedeckenden Flügeln. Die
Larven leben meist im Wasser und verpuppen sich
ohne Gespinst. Zu den S. gehört die gemeine
Schlamm fliege (siaiig lutariH ^>.), ein etwa
15 inin langes, düster gefärbtes Insekt, das im
Mai in der Nähe des Wassers träge an altem Holz-
werk oder Pflanzenstengeln sitzt, und die Kamel-
halsfliea, en (s. d.). Auch die Gattung Nri8tHii3
(s. d.) der Schwebfliegen (s. d.) wird Schlammfliege
genannt.
Schlammhüpfer, Fisch, s. Meergrundeln.
Schlammkasten, s. Schlämmen und Gully.
Schlämmkreide, Liane äo Nsuäon, VIanc ä?
^1-0768, durch Schlämmen (s. d.) von fremden Bei-
mischungen, Feuerstein, Sand u. s. w. befreite erdige
Kreide. Sie wird befonders auf der Insel Rügen
hergestellt und dient zum Grundieren der Wände,
zum Putzen und Polieren von Metallwaren, zur
Herstellung von Luft- und Wassermörtel, zu KiNen,
zur Gewinnung von Kohlensäure.
Schlammpeitzker, Fischart, f. Schmerlen.
Schlammregen, große, allein oder in Verbin-
dung mit Regenwasser niederfallende Mengen von
leichten Gegenständen aller Art, z. B. Staub, Or-
ganismen der Tier- und Pflanzenwelt u. s. w., die
durch Wetterfäulen, Wirbelstürme, vulkanische Aus-
brüche und andere Ursachen in die Höhe gehoben
und mehr oder weniger weit vom Wind fortgetragen
werden. So sollen auch Früchte, Getreide, Fische,
Frösche u. s. w. niedergefallen fein. Die Beimengung
von Staul) läßt das Regenwasser als Schlamm er-
scheinen. Solche S. sollen an der Westküste Afrikas
vielfach vorkommen. Bei geringen Beimengungen
von Staub, Blüten, Blutenstaub u. s. w. erscheint das
Regenwasscr gefärbt; man spricht dann von Blut-,
Tinten-, Ziegelstein-, Schwefelregen u. s. w.
Schlammschnecken, s. Süßwasserschnecken.
Schlammströme, s. Bergstürze.
Schlammteufel oder He llbender (Nsnopomg.
Hil6FiiNiii6U86 Aai^an), ein im südl. Nordamerika
heimischer, bis 60 cm lang werdender, dunkelschiefer-
grauer Verwandter des Riesensalamanders, der
mehrmals lebend nach Europa gebracht wurde. Er
ist sehr gefräßig, nährt sich von Würmern und kleinen
Fischen und wird von den Fischern seiner Heimat
fälschlich als giftig gefürchtet.
Schlammvulkane, auch Salfen oder Bolli-
tori, in Sicilien Macaluben (Maccaluben) ge-
uannt, sind flachkegelförmige, bis 250 m hohe Hügel,
aus deren Gipfel zeitweise thoniger Schlamm unter
vulkanähnlichen Erscheinungen hervorbricht. Bei
den S. ist aber der herausgestoßene Schlamm weiter
nichts als aufgeweichtes und vielleicht zum Teil
zersetztes, oft von Salzlösungen durchdrungenes,
thoniges Gestein sedimentären Ursprungs, das ent-
weder durch Wasserdämpfe oder durch gasförmige
Kohlenwasserstoffe emporgetrieben wird. Hiernach
unterscheidet man zwei Klassen von S. Die Dampf-
strahlen, welche die thonige Masse aufweichen und
emportreibcn, sind gewiß vulkanischen Ursprungs,
wie das Auftreten dieser Klasse von (sog. warmen)
S. auf Java und in Sicilien (der Macaluba bei
Girgenti und der Schlammvulkan von Paternö am
südl. Fuße des Ätna) beweist. Die zweite Klasse (die
sog. kalten S.) steht im Zusammenhang mit dem Vor-
handensein von Petroleum und Naphtha, wie die
! Vorkommnisse bei Baku am Kaspischen Meer, oder