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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlan - Schlangen
sie verdankt ihre Entstehung dem Verwesen orga-
nischer Substanzen und der daraus erfolgenden Gas-
entwicklung, wie es z. V. bei den Mudlumps ge-
nannten Inselchcn des Mississippideltas der Fall ist.
Schlan, czech. 81an). 1) Bezirkshauptmann-
schaft in Böhmen, hat 766,28 hkinund (18M 9350?
(45997 männl.,47 510weibl.) czech.E. in 122 Gemein-
den mit 175 Ortschaften und umfaßt die Gcrichts-
bezirke S., Neu-Straschitz und Welwarn. - 2) S.,
czech. 3!.^^, Königl. Stadt und Sitz der Bezirks-
hauptmannschaft, eines Bezirksgerichts (254,24 c^Icin,
46 897 czech. E.) und Revierbergamtcs. an der Linie
Prag-Brür-Moldau der Prag-Durer Eisenbahn, bat
(1890)9115czech.E.,got.Dechanteikircke(14.Jahrh.),
Franziskanerklostcr, Ratbaus (18. Iabrb.), czcch.
Staatsobergymnasium; Ackerbau-, Musikschule, Ge-
werbe- und Handelsschule, Armen-, kranken-, Sie-
chenhaus, Gasanstalt: grofte Baumwollspinnerei,
Maschincnfabriken,Eisen- und Metallgießerei,Drabt-
seilspinncrei, Chemische Fabrik, Dampfmüblen und
Steinkohlenbergbau. In der Nabe V a d S t e r n b c r g.
Schlange, Reptil, s. Schlangen. S. ist auch
älterer Ausdruck für Schlauch bei Feuerspritzen, sowie
für gewisse Geschütze (s. d., Tertfig. 3).
Schlange, Sternbild zu beiden Seiten des Äqua-
tors. Sein hellster Stern ist 2. Größe. Das Stern-
bild enthält den veränderlichen Stern 15, der inner-
halb 356 Tagen zwischen 6. und 11. Größe schwankt.
Schlangen (0pliiäm, se^sut"^), eine sehr gut
in sich abgeschlossene Ordnung der Reptilien, ob-
gleich eine Anzahl fußloser Echsen (s. d.) in Körper-
gestalt und Lebensweise den ^. sehr ähnlich sind.
Charaktere der S. sind die außerordentliche Beweg-
lichkeit und Verschiebbarkeit der Gesichts- und Gau-
menknochen, sowie das vollständige Fehlen äußer-
lich hervortretender Gliedmaßcn' bei etlichen Riesen-
schlangen hat man zwei kleine griffelförmige Knochen
in der Nähe des Afters als Reste hinterer Ertremi-
tätcn erkannt. Ziemlich allgemein gültige Merkmale
der S. sind noch die lange, äußerst bewegliche, an
der Spitze tief gespaltene Zunge und der Mangel
einer.Harnblase; ebenso fehlen Augenlider und ein
äußerlich sichtbares Gehörorgan. Bedingt durch die
Abwesenheit der Extremitäten, erhält der Schlangen-
körper ein von vorn bis bintcn gleichartiges Aus-
sehen; eine Bildung vonKörperrcgionen, wie sie sonst
bei den Wirbeltieren vorhanden ist, ist bier kaum be-
merkbar. Nur der Kopf hebt sich überall deutlich vom
übrigen Leibe ab, während der Schwanz oft nur durch
die Lage der queren Afterspalte in seinem Beginn
angezeigt wird. Zwischen Kopf und Schwanz dehnt
sich der Leib aus, oft ansehnlich lang und drehrund,
selten seitlich zusammengedrückt; Hals, Rumpf, Len-
den u. s. w. sind nicht trennbar. Der Kopf ist im
Vergleich zum übrigen Körper sehr klein, spitzer oder
stumpfer dreieckig; die Knochen des Gesichts, nament-
lich die Kiefer, sind nur durch elastische Sehnen
und Bänder verbunden und gestatten so cine außer-
ordentlich ausgiebige gegenseitige Verschiebung, was
für die Art und Weise der Nahrnngsaufnahme bei
den S. von größter Bedeutung ist. Dielinterkiefer,
durch ein mächtig entwickeltes Quadrat- und Schup-
pendem mit dem Schädel verbunden, sind vorn voll-
ständig getrennt und unabhängig voneinander be-
weglich. Die Vezahmmg bcstebt aus zahlreichen
spitzen und nach hinten gekrümmten Hakenzähnen,
die auch auf den Knochen des Mundhöhlendaches
sitzen. Bei den Giftschlangen (s. d.) nehmen die Zähne
des Oberkiefers eine besondere Entwicklung und
Form an. Da Extremitäten und deren Gürtel feh-
len, besteht das ganze übrige Skelett nur aus einer
oft sehr hohen Zahl von Wirbeln (mindestens 100,
höchstens 400), die bis zum Schwanz hin Rippen
^ tragen und eine ausgiebige Beweglichkeit gegenein-
! ander besitzen (immer greift ein vorderer kugelförmi-
^ ger Gelcnkkopf eines Wirbels in eine entsprechende
i Vertiefung amHintcrende des vorhergehenden). Die
! Rippen sind die einzigen Vewegungsorgane der S.;
! sie werden, durch Muskeln beweglich, gegen kleineUn-
! cbenbeiten der Unterlage gedrückt und ermöglichen
durch Zusammenwirken mit den übrigen eine schlän-
i gelndc Vorwärtsbewegung des Körpers. Unterstützt
^ wird diese Tbätigkeit der Rippen durch die Beschaffen-
heit des Schuppenkleides auf der Bauchseite, das
aus breiten, quer verlaufenden, nach hinten ab-
stehenden Schildern gebildet wird. Auf dem übrigen
Körper sind die schuppen kleiner, dachziegelförmig
übereinander liegend, mit glatter oder gekielter Ober-
fläche, auf dem Kopfe können sie sich zu sog. Schil-
dern verbreitern, deren Form und Zahl für die Syste-
matik von Bedeutung ist. Die Färbung richtet sich
vielfach nach der Umgebung und wechselt oft bei
derselben Art außerordentlich, meist ist sie dunkel und
trübe, kann aber auch mitunter sehr lebhaft und bunt
werden (Prunkottern und Korallenschlangen; s. Tafel:
Giftschlangen, Fig. 6). Die innere Organi-
sation erleidet durch die Verlängerung des Körpers
manckerlei Modifikationen, indem einmal alle Or-
gane sehr in die Länge gestreckt erscheinen, und
andererseits die in der Zweizahl vorhandenen teil-
weise reduziert werden und nur einfach vorhanden
bleiben sz. V. Lunge), oder aber aus ihrer Lagerung
nebeneinander in eine solche hintereinander über-
gehen (Nieren, Geschlechtsdrüsen).
Die S. finden sich in 240 Gattungen mit gegen
1000 Arten auf der gesamten Erde mit Ausnahme der
polaren Regionen; ihre bei weitem größte Ausbil-
dung, was Zahl, Größe und Farbe anlangt, erreichen
sie in den Tropen. Sie bewohnen in der Mehrzahl die
flache Erde, und zwar in fruchtbaren Gegenden in der
Nabe des Wassers oder an öden und verlassenen Lo-
kalitäten; andere leben in Wäldern auf Bäumen und
einige wenige, die dann einen flossenartig verbreiterten
Schwanz besitzen, sogar im Meere (s. Meerschlangen).
In der Ruhe liegen sie gewöhnlich spiralig zusammen-
gerollt mit dem Kopf oben in der Mitte; werden sie
beunruhigt, so erheben sie den Vorderteil des Körpers
mit dem Kopfe senkrecht und warten die Näherknnft
des Feindes oder der Beute ab. Durch blitzschnelles
Geradestrccken des Leibes vermögen sie dann den Kopf
oft ziemlich weit vorzuwerfen, ja selbst einen kleinen
Sprung auszuführen und dabei entweder den töd-
lichen Biß auszuteilen oder die Beute zu ergreifen.
Sie nähren sich ausschließlich von ledenden Tieren,
Säugetieren, Vögeln, Fröschen, Fischen, und einige
von Vogelciern, manche von ihresgleichen, kleinere
auch von Weichtieren und Insekten. Die Beute wird
entweder lebendig verzehrt oder vorher, sei es dnrch
den giftigen Biß, sei es durch Erdrücken getötet und
dann ganz, mit Haut und Haar, verzehrt, wozu die
Erweiterungsfähigkeit des Rachens unerläßliche Be-
dingung ist. Die Verdanung geschieht ziemlich
langsam, so daß das Bedürfnis nach Nahrung erst
nach längerer Zeit wiederkehrt. Die S. sind vielfach
Nachttiere, lieben aber die Wärme und verfallen
während der kältern Jahreszeit, in den Tropen
während des heißesten Teiles der Trockenperiode,
in einen lethargischen Zustand, aus dem sie bei der