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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlangenhalsvogel - Schlankaffen

regt es Brennen und Blasenbildung, seine ganze furchtbare Wirkung offenbart es aber erst, wenn es direkt ins Blut übergeführt worden ist. Das Blut eines durch Schlangenbiß gestorbenen Tiers, einem andern eingespritzt, ruft auch bei diesem dieselben Vergiftungserscheinungen hervor. Diese letztern haben wahrscheinlich in einer mehr oder minder rasch verlaufenden Zersetzung des Blutes ihre Ursache. Die Einzelheiten in ihrem Auftreten, ihrer Stärke und ihrem Verlaufe sind nicht nur nach den betreffenden Schlangenarten verschieden, sondern hängen auch von Temperatur, Klima u. s. w. ab und äußern sich vor allem bei Warmblütern viel heftiger als bei Kaltblütern. Die am häufigsten auftretenden Vergiftungserscheinungen sind Ermüdung mit raschem Sinken aller Kräfte, begleitet von Erbrechen und von Blutungen aus Nase, Mund und Ohren; mit unerträglichen Schmerzen verbundene Anschwellung des gebissenen Gliedes, die sich oft auf die benachbarten Teile und schließlich auf den ganzen Körper verbreitet; in andern Fällen äußerste Unruhe, heftiges Atmen, Krämpfe und Muskelzuckungen, unfreiwillige Entleerungen und schließlich, oft nach wenigen Minuten oder einigen Stunden, Tod unter Bewußtlosigkeit oder fürchterlichen Schmerzen. Auch gehen die Leichen derart Vergifteter viel schneller in Verwesung über als andere. Die Bißwunde selbst ist klein und zeigt nur zwei unscheinbare, wie durch den Stich feiner Nadeln hervorgebrachte Löcher. Die Mittel gegen S. sind sehr zahlreich, ihr Nutzen ist zumeist jedoch illusorisch. Das Sicherste ist unter allen Umständen, den Übertritt des Giftes in das Blut möglichst zu verhindern, also direkt nach dem Bisse das verwundete Glied gründlich, womöglich mehreremal zu unterbinden, ferner die Wunde zu erweitern und dadurch den Blutausfluß zu verstärken, wobei Aussaugen viel hilft. Ausbrennen der Wunde mit glühendem Eisen oder brennender Cigarre wird ebenfalls empfohlen. Als innerliche Mittel giebt man Brechmittel. Eine unübertreffliche Wirkung hat nach neuern Erfahrungen der Alkohol (Rum, Cognac, Nordhäuser, besonders Champagner u. s. w.); ein gründlicher Rausch begegnet den Wirkungen des Schlangenbisses erfolgreicher als alle andern Mittel. Professor de Lacerda empfiehlt übermangansaures Kali in einprozentiger filtrierter Lösung wiederholt in kurzen Zeiträumen in der Umgebung der Bißwunde unter die Haut einzuspritzen.

Schlangenhalsvogel (Plotus), ein aus vier Arten bestehendes, in tropischen und subtropischen Ländern beider Hemisphären vorkommendes Geschlecht der Vögel aus der Familie der Ruderfüßler, mit kleinem nacktwangigem Kopfe, spitzem geradem Schnabel, sehr langem und dünnem Halse, langem zwölffederigem Schwanz. Die vier Arten bewohnen die süßen Gewässer der warmen Teile der Alten und Neuen Welt und tauchen sehr geschickt nach Fischen. Die bekannteste ist der amerik. Anhinga (Plotus Anhinga L., s. Tafel: Schwimmvögel Ⅳ, Fig. 6). Diesen sieht man auch zuweilen in der Gefangenschaft, wo er, mit kleinern Flußfischen ernährt, sich lange Jahre hindurch hält.

Schlangeninsel, grch. Phidonisi, Kalkfelsinsel, 42 km östlich von der Kiliamündung der Donau im Schwarzen Meer, zu Rumänien gehörig, 1 qkm groß, 42 m hoch, mit Leuchtturm.

Schlangeninsel, Insel der kleinen Antillen, s. Anguilla.

Schlangenkraut, s. Calla.

Schlangenkrümmung, Rückgratsverkrümmung, s. Schiefwerden.

Schlangenlauch, Pflanze, s. Allium.

Schlangenmoos, Farngattung, s. Lycopodium.

Schlangenrohr, Blasinstrument, s. Serpent.

Schlangensäule, ein aus drei zusammengewundenen Schlangenleibern bestehendes Bronzedenkmal (5,5 m) auf dem At-Meidan in Konstantinopel, ursprünglich der Untersatz eines goldenen Dreifußes, den die griech. Staaten nach dem Siege bei Platää (479 v. Chr.) als Weihgeschenk in Delphi stifteten.

Schlangensterne (Ophiuridea), Seesterne mit langen, rollrunden Armen, die scharf gegen die Körperscheibe abgesetzt sind und in die keine Anhänge des Darmes eintreten. Die Ambulakralfurche (s. Stachelhäuter) liegt nicht offen, sondern ist von Hautschildern oder Haut überdeckt, zwischen denen an den Seiten die Füßchen hervortreten. Ein After fehlt und der Mund funktioniert zugleich als solcher. In der Familie der Ophiuridae, der eigentlichen S., sind die Arme einfach und nicht verzweigt, in der der Euryalidae oder Medusenhäupter sind sie meist verzweigt, nach dem Munde zu eingebogen und ihre Ambulakralfurche ist bloß von Haut überdeckt. Hierher gehört der Medusenkopf (Astrophyton caput Medusae Retzius, s. Tafel: Stachelhäuter Ⅰ, Fig. 4) aus den nördl. Meeren.

Schlangenstörche, s. Seriemas.

Schlangenträger, Sternbild, s. Ophiuchus.

Schlangenwurz, s. Calla, und Polygonum.

Schlangenwurzel, virginische, s. Aristolochia; rote S., s. Alkannawurzel.

Schlangenzungen (Glossopetra), s. Ichthyodonten.

Schlängerkiel, s. Kiel.

Schlängern, soviel wie Schlingern (s. d.).

Schlankaffen (Semnopithecidae), eine aus zwei Gattungen und 30 Arten bestehende Familie der altweltlichen Affen von schlanker Körperform, mit verhältnismäßig wenig vorspringender Schnauze, keinen oder nur gering entwickelten Backentaschen und Gesäßschwielen, mit einem zusammengesetzten Magen. Die Arten der einen Gattung (Semnopithecus) besitzen, wenn auch nur kurze, so doch deutlich entwickelte Daumen an den Vorderhänden und zeichnen sich oft durch eigentümliche Frisuren bildendes Wachstum ihrer Kopfhaare aus. Sie bewohnen Java, Borneo und ganz Ostindien bis zum Hochland von Tibet. Hierher gehört der Budeng (s. d., Semnopithecus maurus Desm.) und der Hanuman (s. d.), Hulman oder Hum-man (Semnopithecus entellus Wagn., s. Tafel: Affen der Alten Welt Ⅲ, Fig. 3), der heilige Affe der Inder, ein schönes Tier von ungefähr 0,65 m Körper- und 0,70 m Schwanzlänge, mit gelblichgrauem Pelz und schwarzem Gesicht und Händen, der Bengalen und Ceylon bewohnt, im Sommer hoch in die Gebirge hinaufwandert und im Winter wieder das Flachland aufsucht. Ein Bewohner von Borneo ist der Kahau oder Nasenaffe (Semnopithecus nasicus Cuv., s. Taf. Ⅳ, Fig. 5 a u. b), ein rotbrauner Schlankaffe von etwa 60 cm Körperlänge, dessen Gesicht in abenteuerlicher Weise durch eine 5 cm lange, bewegliche und verlängerbare Nase geziert wird. Ein zweiter Nasenaffe (Semnopithecus roxellana Milne Edw.) wurde neuerdings im Hochland von Moupin (32° nördl. Br.) in den höchsten Wäldern entdeckt. Eine andere Art der S. ist der Kleideraffe oder Duk (Semnopithecus nemaeus