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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlankjungfern - Schlechta
I5^n.), der seinen Namen von dem bunten Pelz mit
scharf abgesetzten Farben erhalten hat; sein Gesicht
ist gelblich, die Oberschenkel und Hände rußschwarz,
Unterschenkel und ein Halsband rotbraun, die Unter-
arme, das Kinn und die Wangen weiß. Er bewohnt
Eochinchina. Die zweite Gattung der S. umfaßt
die Stummel äffen (l^oloduL), deren Arten sich
durch die fehlenden Daumen der Vorderhand aus-
zeichnen; sie bewohnen die Wälder des tropischen
Afrika. Der bekannteste und zugleich der schönste
aller Affen überhaupt ist der Guereza (Ooloduä
ßu6i-6?H I^"</??., f. Taf. III, Fig. 4), eine in den Hoch-
wäldern Alicssiniens (vielleicht auch am Kilima-
Ndfcharo) in einer Zone von 2 - 3000 ni Höhe
lebende Art, die dort von Rüppell entdeckt wurde. !
Der schlanke, behende und mutige Affe ist schwarz, mit !
nacktem Gesicht und langem, mit einer Haarquastc ^
versehenem Schwänze. Um die Stirn, die Wangen
und die Kehle bis zu den Lippen zieht sich eine
weiße Binde. Bei den Männchen bildet sich mit
zunehmendem Alter ein aus langen Seidenhaaren
gebildeter Behang aus, der in schön geschwungener
Linie sich von dem Halse an längs der Seiten bis
zum Kreuz fortsetzt und über den Körper herunter-
hängt. Bei den lebhaften Bewegungen des Assen
flattert dieser Behang wie ein zerschlissener Mantel
um ihn her. Lebende Exemplare wurden erst neuer-
dings nach Europa gebracht, hielten sich aber, wie
alle S., nur kurze Zeit. Die Abessinier benutzen seine
Haut zu Überzügen für ihre Schilde.
Schlankjungfern (^Frion, s. Tafel -.Libellen,
Fig. 5, 6, 7, 9, 10, II u. 12), Gattung der Li-
bellen (s. d.) mit schmalen, an der Basis gestielten
Flügeln, farblos glasig, grobmaschig genetzt, Beine
kurz. Die Larven sind lang, schmal, fast cylindrisch.
In Deutschland giebt es viele Arten.
Schlanklori, Affenart, s. Lori.
Schlaraffenland, das märchenhafte glückselige
Land, wo Milch und Honig fließt, wo die gebrate-
nen Tauben dem Schläfer in den Mund fliegen und
die Bratwürste an den Zäunen wachsen, wo Faul-
heit die höchste Tugend ist und Fleiß das schlimmste
Laster. Das S. ist nicht rein deutschen Ursprungs,
wenn auch Schlaraffe selbst (mittelhochdeutsch siür-
ktks) ein deutsches Wort für faule und dumme Men-
schen ist. Die Griechen dachten sich solch Wunderland
entweder im vergangenen goldenen Zeitalter oder
auf den Infeln der Seligen (Lucian) oder nach mär-
chenhaften Reiseberichten in Indien. Die ital. Cuc-
cagna (s. d.), frz. M)'8 äe Ooc^no (vielleicht Kuchen-
land), ist dasselbe wie unser S., das auch in der
nordischen (^age vom Reiche König Frutes ein
Scitenstück hat. Die erste ausführlichere Schilde-
rung des S. in deutscher Sprache gab Hans Sachs
(1530). - Vgl. Pöschcl im 5. Bande der "Veitrüge
zur Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur"
(Halle 1878). l(s- d.).
Schlattner Artikel, Symbol der Wiedertäufer
Schlauben, eine Art der Vernsteinstücke (s. Bern-
stein, Bd. 2, S. 839 d).
Schlauch, früher Schlange, leicht biegsame
Röhre aus Lcder, Kautschuk, Guttapercha oder Hanf,
die zu Wasser- und Gasleitungen, als wasserdichte
Umhüllung von Zündschnüren, im Feuerlöschwesen
(s. Feuerspritzenfchlauch), im chem. Laboratorium
u. s. w. Verwendung finden. Über Herstellung der
Gummischläuche s. Gummiwarcnfabrikation.
Schlauch, Laurenz, Kardinal, Bischof von Groß-
wardcin, geb. 27. März 1824 zu Neu-Arad ssemeser
Komitat), studierte in Arad, Szegedin, Temesvär
und Pest, wurde 1847 zum Priester geweiht, 1851
Professor am bischöfl. Seminar zu Temesvär, 1859
Pfarrer zu Mcrczidorf, 18(53 Pfarrer und Dechant
in Gyarmatha, 1872 Domherr in Temesvär, 1873
Bischof von Szathmär,1887 Bischof zu Großwardein
und 1893 Kardinal. Er ist k. k. Wirkl. Geheimrat,
seit 1886 püpstl. Graf und Thronsteher. S. zeichnete
sich schon frühzeitig durch litterar. Leistungen auf
tirchcnhistor. und kirchcnrechtlichem Gebiete aus.
Auch nahm er lebhaften Anteil an den Bewegungen
zur Schaffung einer kath. Kirchenautonomie (l868
-71). Ein glänzender Redner und unerschrockener
Verteidiger konservativ-kirchlicher Principien, übt
er gegenwärtig in Ungarn einen bedeutenden Ein-
fluß aus. l(s. d.).
Schlauche, in der Schweiz soviel wie Klamm
Schläuche, Utrikeln, s. Insektenfressende
Schlauchhöhlen, s. Höhlen. ^Pflanzen.
Schlauchpilze, s. Ascomyceten.
Schlauchwagen, s. Feuerwehr-Fahrgeräte und
Gartengeräte (Bd. 7, S. 557 a).
Schlawa, Stadt im Kreis Freistadt des prcuß.
Reg.-Bez. Liegnitz, am Schlawer See (11 km
lang, 3 Icin bre'it), hat (1890) 827 E., darunter 203
Katholiken, Post, Telegraph, evang. und kath. Kirche.
Schlawe. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Köslin,
bat 1584 ^m und (1890) 73 234 (34 977 männl.,
38 257 weibl.) E., 4 Städte, 129 Landgemeinden
und 90 Gutsbezirte. - 2) Kreisstadt im Kreis E.,
links an der Wipper, an der Linie Stettin-Danzig
und der Nebenlinie Rügenwalde-Vütow der Preuß.
Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines
Amtsgerichts (Landgericht Stolp) und Steueramtes,
hat (1890) 5431 E., darunter 102 Katholiken und
163 Israeliten, in Garnison die 1. Eskadron des
Husarenregiments FürstBlüchervon Wahlstatt Nr. 5,
Postamt erster Klasse und Zweigstelle, Telegraph,
Warcndepot der Reichsbank, zwei alte Thore, Ma-
rienkirche (14. Jahrh.), Rathaus (1768), Progymna-
sium, private höhere Mädchenschule, Krankenhaus,
Armen- und Arbeitshaus, St. Georgenhospital,
Wasserleitung, Stadt- und Kreissparkasse, Vorschuß-
verein; je zwei Eisengießereien, Gerbereien, Schlos-
sereien, Brauereien und Ziegeleien, Fabriken für
Glasuren und t)fen, Wurst und Fleischwaren und
Cement-Dachplatten sowie eine Dampsmolkerei.
Schlawenzütz, s. Slawentzitz.
Schlechta, Ottokar Maria, Freiherr von, Ritter
zu Nssehrd, Orientalist, geb. 20. Juli 1825 zu
Wien, trat 1842 in die Orientalische Akademie da-
selbst und wurde 1848 Attache' der östcrr. Inter-
nuntiatur zu Konstantinopcl. 1860 kehrte er aus
Konstantinopel nach Wien zurück, wo er 1861 zum
Wirtl. Legationsrat und Direktor der Orientalischen
Akademie ernannt wurde. Seit 1870 fungierte S.
als Diplomat, Agent und Generalkonsul in Buka-
rest, später als Hofrat im Wiener Ministerium der
auswärtigen Angelegenheiten und trat 1882 als
außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter
Minister in den Ruhestand. Er starb 18. Dez^ 1894
in Wien. Eine von ihm zusammengebrachte wert-
volle Sammlung orient. Manuskripte wurde der
kaiserl. Bibliothek einverleibt. S. war ein vor-
züglicher Kenner der pers. und türk. Sprache.
Er gab den "Frühlingsyartcn" des pers. Dichters
Dschami mit deutscher Übersetzung (Wien 1846)
sowie Übertragungen von Saadis "Fruchtgarten"
(ebd. 1852) und Ibn-Icmins "Bruchstücken" (ebd.