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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlegel (Dorothea von) - Schlegel (Friedr. von)
seiner Bearbeitung sanskr. Texte erschien 1823 "Na-
^avad-t^ita", eine Episode aus dem Epos "Na^d-
karata", mit lat. Übersetzung (2. Aufl., von Chr.
Lassen besorgt, Bonn 1846); später ließ er den An-
fang einer Ausgabe des epischen Gedichts "R^mH-
Ma" (Bd. 1 u. 2, ebd. 1829-38) und im Verein mit
Lassen eine Ausgabe des "HitopHäc^a" (ebd. 1829
-31) folgen. Seine orient. Studien führten ihn
nach Frankreich und 1823 nach England. Nach
seiner Rückkehr übernahm er auch die Aufsicht über
das Museum vaterländischer Altertümer. In Ber-
lin hielt er 1827 die auch im Druck erschienenen
"Vorlesungen über Theorie und Geschichte der bil-
denden Künste" (Berl. 1827). Diesen folgten seine
"Kritischen Schriften" (2 Bde., ebd. 1828) und die
an Mackintosh gerichteten "1^60x10113 8nr 1'etnäo
668 1KNZU63 H8iH^i(iu68" (Bonn und Par. 1832).
In feinen fpätern Gedichten und Schriften wandte
er sich energisch, oft boshaft spottend, gegen feiuc
ehemaligen Genossen der Romantischen Schule, wie
auch gegen Schiller, Goethe und selbst gegen seinen
Bruder Friedrich. S. starb 12. Mai 1845 zu Bonn.
Ein mehr nachschaffender als schaffender Geist, hat
S. gerade durch seine Gabe, sich in andere Dichter-
gestalten einzuleben, auf dem Gebiet der Litteratur-
geschichte, ästhetischen Kritik und Nbersetznng sich
bleibende Verdienste erworben, ja ganz neue Wege
gewiesen. Böcking besorgte eine Ausgabe von S.s
"Sämtlichen Werken" (12 Bde., Lpz. 1840-47), der
sich die "d^uvi-68, ecrites en li-an^is" (3 Bde.,
Lpz. 1846) und die "OpusculH latina" (ebd. 1848)
anschlössen. Eine neue Auswahl seiner Gedichte er-
schien 1854 (ebd.), eine Auswahl aus seinen Werken,
hg. von Walzet, in Kürschners "Deutscher National-
litteratur". - Vgl. Pichtos, Die Ästhetik A. W. von
S.s in ihrer geschichtlichen Entwicklung (Berl. 1894).
Schlegel, Dorothea von, eigentlich Veronika,
Gattin von Friedr. von S., Tochter Moses Men-
delssohns, geb. 24. Okt. 1763 in Berlin, vermählte
sich jung mit dem Bankier Simon Veit, von dem
sie sich 1798 scheiden ließ. Sie lebte seitdem in
enger Gemeinschaft mit Friedrich von S., der sich
1804 in Paris mit ihr vermählte, nachdem sie dort
zum Protestantismus übergetreten war. Dorothea
war eine geistreiche, aber excentrische Frau; sie ist die
Verfasserin einiger von Friedrich S. herausgegebenen
Schriften, des unvollendeten Romans "Florentin"
(Bd. 1, Lüb. 1799), des ersten Bandes der "Samm-
lung romantischer Dichtungen des Mittclalters"
(2 Bde., Lpz. 1804) und der Rittergeschichte "Lother
uud Maller" (Franks. 1806). Sie starb 3. Aug. 1839
in Frankfurt a. M. Aus ihrer ersten Ehe stammt
der Maler Philipp Veit. - Vgl. Naich, Dorothea
von S. und deren Söhne Johannes und Philipp
Veit. Briefwechsel (2 Bde., Mainz 1881).
Schlegel, Fricdr. von, Ästhetiker und Litterar-
historiker, Bruder von Aug. Wilh. von S., geb.
10. März 1772 zu Hannover, war ursprünglich zum
Kaufmann bestimmt, widmete sich fpäter in Göt-
tingen, dann feit 1791 in Leipzig dem Studium der
Philologie, bis er 1794 zu feiner Schwester nach
Dresden übersiedelte. 1796 folgte er feinem Bruder
nach Jena, wo er sich befonders an Fichte anschloß,
aber mit Schiller, den er scharf angriff, heftig ver-
feindete; 1797 lieh er sich in Berlin nieder. S. be-
gann mit vortrefflichen Studien zur griech. Littcratur-
gefchichte ("Geschichte der Poesie der Griechen und
Römer", Verl. 1798, unvollendet). Aber eine durch
und durch aphoristische Natur, gelangt er zu keinen
größern Werken. Nm so reicher sprudelt es von
Fragmenten und Ideen, die er in dem von ihm mit
seinem Bruder 1798-1800 als Organ der Roman-
tischen Schule herausgegebenen "Athenäum" nieder-
legte. Seine Unfähigkeit zu gcfchlosfcner Produktion
bewies peinlich der vielbesprochene unvollendete
Roman "Lucinde" (Bd. 1, Verl. 1799; hg. und fort-
gesetzt von Christern, Hamb. 1842), in dem er sein
Verhältnis zu seiner Freundin (s. Schlegel, Dorothea
von) in kühler Schamlosigkeit darstellte. Sein Freund
Schleiermacher suchte das allseitig scharf verurteilte
Werk in seinen "Briefen über die Lucinde" zu retten.
1799 siedelte S. wieder nach Jena über, wo er mit
geringem Beifall philos. Vorlesungen hielt. Als
Dichter versuchte er sich in den mannigfaltigsten
Formen ("Gedichte", Verl. 1809). In feinem ab-
furden Trauerspiel "Marcos" (ebd. 1802) sind antike
und romantische Elemente seltsam vermischt. 1802
reiste er nach Paris, wo er Vorlesungen über Philo-
sophie hielt, die Monatsschrift "Europa" (2 Bde.,
Frankf. 1803) herausgab und sich mit der Kunst
und den roman. Sprachen, besonders aber mit der
ind. Sprache und Litteratur beschäftigte. Die
Früchte diefes Studiums legte er in der Schrift
"Über die Sprache und Weisheit der Indier"
(Heidelb. 1808) nieder. In Köln, wo S. feit 1804
lebte, trat er 1808 mit feiner Gattin zur kath. Kirche
über, ein Schritt, der den Konvertiten zum ent-
fchicdenen Gegner religiöser und polir. Freiheit
machte. 1808 wendete sich S. nach Wien. Im Feld-
zuge von 1809 befand er sich als kaiserl. Hofsekretär
im Hauptquartier des Erzherzogs Karl und wirkte
durch kraftvolle Proklamationen auf den Geist der
Nation. Später hielt er zu Wien Vorlesungen, die
u. d. T. "Vorlesungen über die neuere Geschichte"
(Wien 1811) und "Geschichte der alten und neuen
Litteratur" (2 Bde., ebd. 1815; 2. Aufl. 1847) im
Druck erschienen und seine neuen Anschauungen
über Politik und Religion zum Ausdruck brachten.
Durch mehrere diplomat. Schriften erwarb er sich
Metternichs Vertrauen, wurde 1815 Legationsrat
der österr. Gesandtschaft bei dem Deutschen Bun-
destage, kehrte jedoch Anfang 1818 nach Wien zu-
rück, von wo er 1819 eine Reife nach Italien machte.
In Wien unternahm er 1812-13 die Monatsschrift
"Deutsches Museum", später die Zeitschrift "Con-
cordia" (Wien 1820-23) und hielt 1827 öffentliche
Vorträge über "Philosophie des Lebens" (ebd. 1828),
1828 über "Philosophie der Geschichte" (2 Bde.,
ebd. 1829); Ende 1828 ging er nach Dresden, wo
er ebenfalls eine Reihe von Vorträgen hielt, die
u. d. T. "Philos. Vorlesungen, insbesondere über die
Philosophie der Sprache und des Wortes" (ebd.
1830) erschienen. Er starb daselbst 12. Jan. 1829.
S. wurde durch die reiche Beweglichkeit und Frucht-
barkeit seines Geistes der doktrinäre Begründer der
sog. Romantischen Schule. Er ficht sür den Idealis-
mus der freien Perfönlichkeit, für die Universalität
des modernen Poet. Schaffens, wie er sie in Goethe
verwirklicht fand. Er unterfcheidet scharf die Gren-
zen der antiken und der modern romantischen Kunst.
Aber er ist mit seinen Paradoxicn, mit seiner auf-
lösenden Ironie, mit seiner fragmentarischen Manier-
nur ein wichtiges Ferment der neuen Richtung; ev
selbst ist ganz unschöpfcrisch. - Seine prosaischen
Iugendschnften gab heraus I. Minor: "Friedrich S.
1794-1802" (Wien 1882). S. selbst besorgte eine
unvollständige Ausgabe seiner nun meist völlig um-
gearbeiteten "Sämtlichen Werke" (10Bde., Wien