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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schleißheim - Schlempe
nants Vergcr, trat dann in die Admiralität als De-
cernent zurück, welche Stellung er bis 1869 beklei-
dete, nachdem er 1868 zum Korvettenkapitän ernannt
war. Als Kommandant der Arkona unternabm er
dann eine Reise in das Mittelmeer zur Begleitung
des Kronprinzen von Preußen bei Eröffnung des
Eueskanals und fodann nach Westindien, Süd- und
Nordamerika und nach den Azoren. Von 1871 bis
1874 trat er wieder als Decernent in die Admira-
lität zurück, erhielt alsdann als Kapitän zur See
den Befthl über die gedeckte Korvette Gazelle (s. d.)
und unternahm mit ihr 1874-76 eine zweijäbrige
wissenschaftliche Expedition um die Erde. Nach
seiner Rückkehr wurde S. Vorstand des Hydrogra-
phischen Amtes der Admiralität, 1876 Mitglied des
Centraldirektoriums der Vermessungen im preuß.
Staat, 1881 ständiger Beisitzer des kaiserl. Obcr-
seeamtes, 1883 Konteradmiral und nahn: 1886 sei-
nen Abschied aus der Marine und erhielt den Cba-
raktcr als Viceadmiral. S. war längere Jahre hin-
durch Vorsitzender der Gesellschaft für Erdkunde in
Berlin und der Afrikanischen Gesellschaft in Deutsch-
land. Vom Frühjahr 1886 bis Mai 1883 war er
im Dienste der Deutschen Neuguinea-Compagnie,
die ihn zu ihrem obersten Vertreter in den: unter
Verwaltung der Compagnie stehenden Schutzgebiet
mit dem Titel Landeshauptmann ernannte. Zwci
Jahre hindurch war er unter schwierigen Verhält-
nissen für die Entwicklung des Schutzgebietes thätig.
Schleißheim,ein königlich bayr.Lustschloft,14^m
nordwestlich von München, an der Linie München-
Landshut-Regensburg derBayr. Staatsbahnen, be-
steht aus einer ältern und einer neuern Anlage. Im
ältern Schlosse, von Herzog Nilhelm V. herrührend,
befindet sich ^etzt die Verwaltung des Staatsgutes
S. mit Remontedepot, bedeutendem Torfstich und
großer Landwirtschaft. Die höhere landwirtschaft-
liche Lehranstalt ist 1850 nach Landsbcrg verlegt.
Hinter dem ältern Schlosse der Prachtbau des neuen
Schlosses, von Kurfürst Max Emanuel 1634-1700
nach Plänen ital. Baumeister aufgeführt und 1726
vollendet. Das Stiegenbaus, eins der prächtigsten
in Europa, wurde von König Ludwig I. ergänzt.
Die Gemäldegalerie zählt 1600 Gemälde, darunter
sehr viele kostbare aus den altdeutschen und spätern
Schulen; ferner die Originalmodelle vieler in Mün-
chen stehender Monumente bayr. Fürsten. - Vgl.
Mayerhofer, S., eine geschichtliche Federzeichnung
(Vamb. 1890).
Schleitheim. 1) Bezirk im schweiz. Kanton
Schaffhansen, hat 43,6 hkm und (1888) 40417 E.,
darunter 129 Katholiken, in 3 Gemeinden. -
2) Marktstecken und Kauptort des Bezirks S., an
der Straße von Schaffhausen nach Freiburg i. Br.,
bat (1888) 2268 E., darunter 66 Katholiken, Post,
Telegraph, Realschule; Lcinenspinnerei und -Weberei,
Gipsfabrikation und -Handel, Holzindustrie, Sand-
steinbrüche, Gips- und Schneidemühlen, Holzhandel.
Schleiz. 1) Landratsamtsbezirk im Fürstentum
Reuß jüngerer Linie, hat 541,4<> ^km, 85 Gemeinden
und (1890) 38 612 (18 557 männl., 20 055 weibl.)
E., darunter 181 Katholiken, 5968 bewobnte Wohn-
häuser, 8166 Haushaltungen und Anstalten und
umfaßt die Amtsgcrichtsbezirke S., Lobenstein und
Hirschberg. - 2) Kreisstadt im Landratsamtsbezirk
S., zweite Residenzstadt des Fürstentums, am Flüh-
chen Wiesenthal, in fruchtbarer Umgebung, an der
Nebenlinie Schönberg-S. (14,9 km) der Eächs.
Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines
Amtsgerichts (Landgericht Gcra) und der fürstl.
Kammer, zerfällt in Alt-, Neu- und Heinrichsstadt
und hat (1890) 4928 E., darunter 26 Katholiken,
Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrich-
tung, Pfarrkirche zu St. Georg, spätgot. Vergkirche,
fürstl. Residcnzschloß mit Kirche und Bibliothek,
Gymnasium, Landeslehrer-
scminar, Landestaubstummen-
anstalt, Holzschnitzschule, Be-
zirksarmen- und -Arbeitshaus,
Waisen- und Krankenhaus;
Woll- und Baumwollweberci,
l^trumpfwirkerei, Gerberei,
Brauerei, Fabrikation vonMe-
tallwarcn (Lampen), Spiel-
waren und Lebkuchen. - S.,
ursprünglich ein slaw. Ort und vom 13. bis 16. Jahrh.
Sitz einer Niederlassung des Deutschen Ritterordens,
hatte bereits im 13. Jahrh, städtische Verfassung
und erhielt 1492 die ersten umfassenden Statuten.
1837 und 1856 litt es durch Feuer. 2 kin süd-
lich Lustschloß Heinrichsruhe und der Lustort Ere-
mitage, 7 km westlich das alte Schloß Burgk an
der Saale, mit Amtsgericht und einer großen
Schneidemühle. Bei S. faud 9. Okt. 1806 e'in Ge-
fecht zwischen Franzosen und Preußen unter Tauen-
zien statt. - Vgl. Alberti, Geschichte des deutschen
Hauses zu S. (Schleiz 1877).
Schlema. 1) Ob erschl cm a, Dorf in der Amts-
hauptmannschaft Schwarzcnberg der sächs. Kreis-
bauptmannschaft Zwickail, an der Nebenlinie Nieder-
schlema-Schnecbcrg (5,2 km) der Sächs. Staatsbah-
nen, hat (1890) 1908 E., darunter 58 Katholiken,
Post, Telegraph', ein königl. Vlanfarbenwerk, das
im Verband mit dem Vlaufarbenwerk Pfannenstiel
Vlausarbenprodukte, Kobalt, Nickelpräparate und
Wismutmetall herstellt, Maschinenstickerei, 2 Vunt-
papicrfabriken, Papier- und Pappenfabrik und Gra-
nitstcinbrüche. - 2) Niederschlema, Dorf eben-
daselbst, mit Obcrschlema zusammenhängend, an der
Zwickauer Mulde, an der Linie Werdau-Schwarzen-
berg und der Nebenlinie Nicderschlcma-Schneeberg
darunter 43 Katholiken, Post, Telegraph, Fern-
sprecheinrichtung, Rittergut; 2 Maschinenfabriken,
Eisengießerei, 2 Holzstoff- und Papierfabriken und
4 Holzschleifereien.
Schlemihl oder Schlemiel ljüd.-deutsch, ver-
kürzt aus dem hebr. 8c1i6wmi^I, "Gottesfreund"), im
Rotwelsch (s. d.) gebräuchliche Bezeichnung für Pech-
vogel, Unstern. Allgemein bekannt wurde der Name
durch A. von Chamissos Werk "Peter Schlemihl".
Schlemmscher Kanal ((^n^i3 sctiiemmü),
ein nach dem Anatomen Friedrich Schlemm (gest.
27. Mai 1858 zu Berlin) benanntes, feines venöses
Blutgefäß, das ringförmig die harte Augcnhaut
(Zclei'otic^) nahe am Hornhautfalze durchzieht.
Schlempe, dcr nach dem Abdestillieren des Al-
kohols aus der vergorenen Flüssigkeit verbleibende
Rückstand. (S. Spiritusfabrikation.) Da die S.
außer der durch die Gärung zerstörten und in Al-
kohol übergeführten Stärke alle in den Rohstoffen
der Spiritusfabrikation enthaltenen Nährstoffe (Ei-
weiß und fonslige stickstoffhaltige Bestandteile,
Fette, Aschcnbestandtcile) enthält, ist sie ein sehr
geschätztes Futtermittel, namentlich für Mastvieh
und Milchkübc. Die S. von 100 1<F verarbeiteten
Kartoffeln enthält 2,5 kz stickstoffhaltige Stoffe,
0,3 KZ Fette, 4 I53 stickstofffreie Extraktstoffe; die S.