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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schlesinger; Schlesisch; Schlesische Buchdruckerei

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Schlesinger - Schlesische Buchdruckerei

Jägerndorf und Troppau die wichtigsten waren. Im Laufe des 14. Jahrh. gingen die Eroberungen in Großpolen sämtlich wieder verloren. Durch die Teilungen geschwächt (es bestanden zu Anfang des 14. Jahrh. in S. 17 regierende Fürstenhäuser), unter sich in stetem Kriege begriffen, gerieten die schles. Fürsten in die Abhängigkeit Böhmens und begaben sich seit 1327 allmählich alle, teils freiwillig, teils gezwungen, mit Ausnahme zweier, unter die Lehnshoheit König Johanns von Böhmen. Sein Sohn und Nachfolger Kaiser Karl IV. wußte durch seine Gemahlin Anna sich das Erbfolgerecht auch in den beiden noch übrigen Fürstentümern Jauer und Schweidnitz zu verschaffen, und S. teilte von nun an, nachdem die Könige von Polen 1335 und 1338 (wie nachher wieder 1356 und 1372) auf das Land Verzicht geleistet, die Schicksale der Krone Böhmen, sehr zum Vorteil für Handel und Wohlstand des Landes. Leinweberei und Bergbau entwickelten sich namentlich seit dem 15. Jahrh. Unter der böhm. Herrschaft breiteten sich Luthers, Calvins und Schwenkfelds Lehren aus, und deren Anhänger erhielten zum Teil Freiheit zur Ausübung ihres Gottesdienstes. Die Reformation wurde von den schles. Herzögen begünstigt, von den habsburg. Kaisern aber, die durch einen Oberlandeshauptmann das Land regierten, in den an sie heimgefallenen Gebietsteilen auf alle Weise verhindert. Wie von den hussitischen Unruhen und Verwüstungen, die auch den nationalen Gegensatz zwischen S. und Böhmen wieder weckten, so litt S. auch von den Kriegszügen Georg Podiebrads, des Königs Matthias von Ungarn und Wladislaws von Polen und den Schrecknissen des Dreißigjährigen Krieges.

Ferdinand I. that viel für die innere Verwaltung S.s. Unter Kaiser Matthias erhielten S. und die Lausitzen eine eigene Kanzlei in Breslau. Seit 1648 aber wurden die Jesuiten zugelassen, alle evang. Kirchen, mit Ausnahme einiger Friedenskirchen, geschlossen, die Protestanten gedrückt und dieses Verfahren auch, als 1675 mit Herzog Georg Wilhelm von Brieg und Liegnitz der letzte piastische Herzog starb, auf die nunmehr an den Kaiser gefallenen letzten Herzogtümer Liegnitz, Wohlan und Brieg ausgedehnt. Einige Milderung erhielten die Protestanten erst durch die von Karl XII. von Schweden in dem Altranstädter Vertrag von 1707 ihnen ausbedungenen Begünstigungen, infolge deren den Protestanten, außer Zusicherung der Wiederteilnahme an öffentlichen Ämtern, 121 Kirchen zurückgegeben und die Erbauung von 6 neuen Kirchen (Gnadenkirchen) gestattet wurde. Unter Karl VI. jedoch erneuerten sich die Bedrückungen wieder. Zugleich verloren die Fürsten- und Landtage ihr Ansehen völlig, und die Steuern wurden willkürlich erhoben. Diese Umstände waren es vorzüglich, die König Friedrich II. von Preußen, als er nach Maria Theresias Thronbesteigung, gestützt auf die Erbverbrüderung Joachims II. von Brandenburg mit Herzog Friedrich II. von Liegnitz, Brieg und Wohlau, 1740 auf S. Anspruch erhob, die Eroberung dieser Provinz vielfach erleichterten. (S. Schlesische Kriege.) Durch den Frieden von Breslau (28. Juli 1742) wurde ganz Ober- und Niederschlesien nebst der Grafschaft Glatz, mit Ausnahme von Teschen, Troppau und der Lande jenseit der Oppa, an Preußen abgetreten.

S. ward zwar seit seiner Vereinigung mit Böhmen zu Deutschland gerechnet, stand aber nie in unmittelbarer Verbindung mit dem Deutschen Reich, nur in einzelnen Landesteilen waren im 14. Jahrh. vorübergehend Reichslehen gewesen.

Litteratur. Sommersberg, Silesiacarum rerum scriptores (3 Bde., Lpz. 1729-32) und die Berichtigungen und Ergänzungen dazu von Sachs von Löwenheim; ferner Wuttke, König Friedrichs d. Gr. Besitzergreifung von S. (2 Bde., ebd. 1842-43); Scriptores rerum Silesiacarum (Bd. 1-15, Bresl. 1835-95); Codex diplomaticus Silesiae (Bd. 1-16, ebd. 1857-92); Stenzel, Geschichte von S. (Bd. 1, ebd. 1853); S.s Vorzeit in Bild und Schrift, hg. von Luchs (2 Bde., ebd. 1868-75); Grotefend, Stammtafeln der schles. Fürsten bis 1740 (ebd. 1875); Lehns- und Besitzurkunden S.s und seiner einzelnen Fürstentümer im Mittelalter, hg. von Grünhagen und Markgraf (2 Bde., Lpz. 1881-83); Grünhagen, Geschichte S.s (2 Bde., Gotha 1884-86); ders., S. unter Friedrich d. Gr. (2 Bde., Bresl. 1890-92); Ziegler, Die Gegenreformation in S. (Halle 1888); Rachfahl, Die Organisation der Gesamtstaatsverwaltung S.s vor dem Dreißigjährigen Krieg (Lpz. 1894; Bd. 13 der Staats-und socialwissenschaftlichen Forschungen, hg. von Schmoller); Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Altertum S.s (Bresl. 1856 fg.).

Schlesinger, Ludw., Historiker, geb. 13. Okt. 1838 zu Oberleutensdorf, war vier Jahre Professor an der ersten deutschen Staatsrealschule in Prag, dann sieben Jahre Direktor der Oberrealschule in Leitmeritz und ist seit 1876 Direktor des deutschen Mädchenlyceums in Prag. S. ist Mitglied des böhm. Landtags und wurde 1885 in den Landesausschuß gewählt. Er war der erste, der in Wählerversammlungen auf die Notwendigkeit der Trennung der Administration, Justiz u. s. w. auf Grund der beiden Sprachgebiete im Lande drang und ein entsprechendes Programm ausarbeitete. S. war Mitglied der sog. Wiener Ausgleichskonferenzen im Jan. und April 1890. Als Historiker trat er der czech. Auffassung der böhm. Geschichte entgegen und brachte den hervorragenden Anteil des deutsch-böhm. Stammes an der Geschichte und Kulturentwicklung Böhmens zur Geltung. Er schrieb: "Geschichte Böhmens" (2. Aufl., Lpz. 1870), "Stadtbuch von Brüx" (Prag 1875), "Die Historien des Magister Johannes Leonis" (Brüx 1877), "Die Nationalitätsverhältnisse Böhmens" (Stuttg. 1886), "Das Urkundenbuch der Stadt Saaz" (Prag 1891) und gab "Deutsche Chroniken aus Böhmen" (Bd. 1-3, Chroniken der Städte Elbogen, Trautenau und Eger, ebd. 1879-84) heraus. Von 1870 bis 1892 redigierte er die "Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen", den er 1861 gründete und seit 1880 leitet.

Schlesinger, Siegmund, Schriftsteller, geb. 15. Juni 1832 in Waag-Neustadl (Ungarn), studierte in Wien, wurde 1855 Redacteur an der "Morgenpost" und 1867 am "Neuen Wiener Tageblatt". S. schrieb Lust- und Schauspiele. Den größten Erfolg hatte er mit einaktigen Lustspielen, wie "Mit der Feder", "Gustel von Blasewitz", "Ein Opfer der Wissenschaft", "Wenn man nicht tanzt" u. s. w.

Schlesisch, s. Deutsche Mundarten (Bd. 5, S. 32 b).

Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt, vormals S. Schottländer in Breslau, seit 1889 im Besitz einer Aktiengesellschaft, begründet 1876 von Salo Schottländer, geb. 19. Juni 1844, Rittergutsbesitzer und Amtsvorsteher in Benkwitz bei Breslau, seit 1893 Vorstand der Aktiengesellschaft. Der Verlag umfaßt haupt-^[folgende Seite]