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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schlesische Dichterschulen; Schlesische Eisen- und Stahl-Berufsgenossenschaft; Schlesische Gebirgsbahn; Schlesische Kriege

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Schlesische Dichterschulen - Schlesische Kriege

sächlich Romane und Novellen, aber auch Nationalökonomie, Geschichte und andere Wissenschaften, Ariosts "Rasenden Roland", illustriert von Doré, die Monatsrevue "Nord und Süd" (hg. von Paul Lindau, 1877 fg.), die "Deutsche Bücherei" (1882 fg.) und mehrere Wochenschriften. Mit den technischen Zweigen sind verbunden Schriftgießerei, Stereotypie, Galvanoplastik, Chromolithographie und Buchbinderei. Die Firma hat 15 Buchdruck-, 17 Steindruckpressen und beschäftigt über 200 Personen. Das Grundkapital beträgt 1,5 Mill. M. in 1500 Aktien.

Schlesische Dichterschulen, s. Deutsche Litteratur (Bd. 5, S. 10 b).

Schlesische Eisen- und Stahl-Berufsgenossenschaft für die preuß. Provinzen Posen und Schlesien. Sitz ist Breslau, Sitz der 2 Sektionen: Breslau und Beuthen in Oberschlesien. Ende 1893 bestanden 1256 Betriebe mit 69174 versicherten Personen, deren anzurechnende Jahreslöhne 46931512 M. (678,45 M. auf den Kopf) betrugen. Die Jahreseinnahmen beliefen sich auf 706467 M., die Ausgaben auf 671759 M., der Reservefonds (Ende 1893) auf 1461275 M. Entschädigt wurden (1893) 576 Unfälle (8,3 auf 1000 versicherte Personen), darunter 45 Unfälle mit tödlichem Ausgang, 12 mit völliger Erwerbsunfähigkeit. Die Summe der gezahlten Entschädigungen, einschließlich der Renten für Unfälle aus frühern Jahren, betrug (1893) 425943 M. (S. Berufsgenossenschaft.)

Schlesische Gebirgsbahn, preuß. Staatseisenbahn von Kohlfurt und Görlitz über Lauban und Hirschberg nach Waldenburg in Schlesien, 150,5 km, 1865-67 eröffnet.

Schlesische Kriege, Bezeichnung der drei Kriege, die König Friedrich II. von Preußen gegen Maria Theresia und ihre Bundesgenossen 1740-63 um den Besitz von Schlesien geführt hat und die mit dem Ergebnis schlossen, daß Preußen endgültig in den Besitz der bis 1740 österr. Provinz Schlesien gelangte. Die zwei ersten S. K. bilden einen Teil des Österreichischen Erbfolgekrieges (s. d.), der dritte heißt gewöhnlich der Siebenjährige Krieg (s. d.).

Erster Schlesischer Krieg (1740-42). Als mit dem Tode Kaiser Karls VI. 20. Okt. 1740 das Haus Habsburg im Mannsstamm ausstarb, erkannte Friedrich II. von Preußen sofort, daß jetzt der günstige Augenblick gekommen sei, um Vergeltung zu fordern für die Unbill, die Friedrich Wilhelm I. in der jülich-bergischen Erbschaftssache durch das Haus Habsburg erlitten hatte, und um die alten Ansprüche Preußens auf die Fürstentümer Jägerndorf, Liegnitz, Brieg und Wohlau durchzusetzen. Der König beschloß, in Wien eine Unterhandlung anzuknüpfen, um, wenn möglich, auf friedlichem Wege zu einer Verständigung zu gelangen, zugleich aber auch sofort auf Schlesien Hand zu legen.

Am 16. Dez. 1740 überschritt das preuß. Heer die schles. Grenze und nahm schnell die ganze Provinz in Besitz, nur die Festungen Glogau, Brieg, Neisse leisteten Widerstand. Die prot. Bevölkerung begrüßte die Preußen als Befreier von dem harten religiösen Druck, unter dem sie bisher gelitten hatte. Die Unterhandlungen, die in Wien der Gesandte von Borcke und Graf Gotter angeknüpft hatten, blieben ohne Erfolg. Hofrat von Bartenstein bewog die Königin Maria Theresia, alle von preuß. Seite gemachten Vorschläge auf Abtretung Schlesiens gegen Garantie der Pragmatischen Sanktion schroff abzulehnen. König Georg II. von England zeigte sich auf Österreichs Unterstützungsgesuch eifrig bestrebt, zwischen England, Hannover, Holland, Sachsen und Rußland eine Allianz wider Preußen zu stande zu bringen. Inzwischen hatte der Erbprinz Leopold von Dessau in der Nacht zum 9. März 1741 die Festung Glogau mit Sturm genommen; die preuß. Hauptarmee unter Schwerin war bis an die Pässe von Oberschlesien, bis nach Jägerndorf, vorgerückt; aber das in Böhmen gesammelte österr. Heer unter Neipperg überschritt bei Freudenthal das Gebirge, marschierte auf Neisse und verlegte den Preußen die Rückzugsstraße nach Breslau, wurde jedoch durch den Sieg der Preußen bei Mollwitz 10. April zurückgeworfen; einige Wochen später kapitulierte die Festung Brieg. Diese Erfolge vereitelten auch die gegen Friedrich II. geplante Koalition, zu der schon die Verhandlungen in Dresden begonnen hatten. England, Holland, Rußland, nicht weniger als Frankreich, Bauern und Sachsen umwarben jetzt den König. Die Engländer wollten zwischen Preußen und Österreich vermitteln, während Franzosen und Bayern, die im Begriff standen, den Kampf um das österr. Erbe zu beginnen, Preußen als Bundesgenossen zu gewinnen trachteten. Friedrich hielt sich vorerst zurück und lehnte die Anträge des Marschalls Belle-Isle ab; er ließ sich durch den brit. Gesandten Hyndford bestimmen, an die Königin Maria Theresia die Anfrage zu richten, ob sie gewillt sein würde, Niederschlesien mit Breslau abzutreten. Da Maria Theresia diese Zumutung entschieden zurückwies, schloß Friedrich nunmehr 5. Juni 1741 in Breslau ein Defensivbündnis auf 15 Jahre mit Frankreich. Friedrich aber mußte bald inne werden, daß Frankreich, von Eifersucht gegen das aufstrebende Preußen erfüllt, Österreich zu erhalten, Bayern und Sachsen zu verstärken gedachte, um diese als Gegengewicht gegen Preußen zu benutzen und um ungestört an der deutschen Westgrenze selbst seine Macht erweitern zu können. Vom Juni bis Aug. 1741 bezog Friedrich das Lager bei Strehlen und widmete sich der Ausbildung der preuß. Reiterei. Am 10. Aug. wurde Breslau besetzt; Anfang September suchte der König den Marschall Neipperg zu einer neuen Schlacht zu nötigen, um endlich in den Besitz von Neisse zu gelangen. Der Versuch mißglückte, und Friedrich ließ sich zu Unterhandlungen mit Neipperg verleiten. Am 9. Okt. wurde die Konvention von Kleinschnellendorf abgeschlossen. Der König verhieß die Feindseligkeiten gegen Maria Theresia einzustellen; er erhielt dagegen Niederschlesien und Breslau; nach einer kurzen Scheinbelagerung sollte auch Neisse ihm übergeben werden. Da aber die Konvention von der österr. Regierung nicht, wie ausbedungen, geheimgehalten wurde, so begann der König im Winter, nachdem 26. Nov. Prag von den Franzosen, Sachsen und Bayern gestürmt worden war, den Krieg gegen Österreich von neuem. Schwerin drang in Mähren ein; 26. Dez. fiel Olmütz. Im Verein mit einem sächs. Korps gingen die Preußen Anfang 1742 weiter vor, um den Bayern Luft zu machen, deren Land von den Österreichern unter Khevenbüller erobert war. Schon streiften die preuß. Husaren bis in die Nähe von Wien; dann aber erhoben sich Schwierigkeiten bei der Verpflegung; die Sachsen zeigten sich unzuverlässig, die leichten ungar. Truppen thaten dem Heere vielen Abbruch, eine Schlacht, die Friedrich herbeizuführen wünschte, ward von den Österreichern vermieden. Als die in Böh-^[folgende Seite]