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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlesische Kriege

men bedrängten franz. Generale den König um Hilfe ersuchten, ergriff dieser gern den Anlaß, um die unhaltbare Stellung in Mähren aufzugeben. Das preuß. Heer rückte Anfang April in das östl. Böhmen ein. Nunmehr entschied sich der König zum Angriff auf das gegen Prag marschierende Heer des Prinzen von Lothringen und schlug ihn 17. Mai 1742 bei Chotusitz (s. d.). Hierauf zeigte sich Maria Theresia zum Frieden bereit; auch Friedrich sehnte sich, von der Verbindung mit den Franzosen loszukommen. So kam 11. Juni 1742 der Präliminarfriede von Breslau (s. d., Bd. 3, S. 514 b) zu stande, dem 28. Juli der definitive Friede von Berlin folgte.

Zweiter Schlesischer Krieg (1744-45). Mit Besorgnis sah Friedrich die überraschend schnellen Fortschritte, die nach dem Frieden die Waffen Maria Theresias und ihrer Verbündeten machten. (S. Österreichischer Erbfolgekrieg.) Sein Versuch, die deutschen Staaten unter der militär. Hegemonie Preußens zu vereinigen (s. Friedrich II., Bd. 7, S. 338 a) und dem bedrängten Kaiser in Deutschland Hilfe zu schaffen, scheiterte, und da er sich selbst in dem Besitz von Schlesien bedroht glaubte, so nahm er neue Verhandlungen mit Frankreich auf. Sein Abgesandter Graf Rothenburg verstand es, Ludwig XV. zur offenen Kriegserklärung an Österreich und zu einem neuen Bündnis mit Preußen zu bewegen. Am 5. Juni 1744 wurde in Versailles der Vertrag unterzeichnet. Friedrich verhieß, mit 80000 Mann "kaiserl. Hilfsvölker" in Böhmen einzubrechen; als Entschädigung wurde ihm das nordöstl. Böhmen, insbesondere der Kreis Königgrätz, in Aussicht gestellt. Gleichzeitig hatte sich Friedrich auch mit Karl VII., mit Kurpfalz und mit Hessen-Cassel durch die Frankfurter Union (s. d.) vom 22. Mai 1744 verbündet. Obschon der König nur in dem Falle zum Kriege verpflichtet war, wenn Frankreich durch einen Bund mit Rußland ihm den Rücken deckte, so entschied er sich doch im Hochsommer 1744, trotz der feindseligen Haltung Rußlands, zu sofortigem Angriff auf Österreich; denn er befürchtete, daß die Franzosen infolge des Einbruchs der Österreicher in das Elsaß einen voreiligen Frieden abschließen und Preußen im Stich lassen könnten. Im Aug. 1744 drangen 80000 Mann durch Sachsen und durch Schlesien in Böhmen ein. Am 16. Sept. wurde Prag erobert. Friedrich rückte weiter moldauaufwärts, auch Tabor, Budweis, Frauenberg fielen; doch die Saumseligkeit seiner Verbündeten durchkreuzte des Königs Pläne, ganz Böhmen in Besitz zu nehmen. Prinz Karl von Lothringen konnte ganz unbelästigt den Rhein überschreiten und seine Truppen in Eilmärschen durch Süddeutschland nach Böhmen führen. Aus Bayern und Ungarn stießen weitere österr. Heerhaufen hinzu, durch das Vogtland zog ein sächs. Hilfskorps herbei. Friedrich sah sich plötzlich allein der gesamten feindlichen Macht gegenüber. Er hatte versäumt, die Pässe des Böhmerwaldes besetzen zu lassen. Dem Marschall Traun gelang es, die preuß. Rückzugsstraße zu bedrohen; durch geschickte Manöver, durch Abschneiden der Lebensmittel drängte er den König von einer Position in die andere zurück. Vergebens bemühte sich Friedrich, den Gegner zu einer Schlacht zu verleiten. Die feindselige Gesinnung des böhm. Landvolks, Krankheit und Desertion unter den Truppen, Mangel der Verpflegung brachten das preuß. Heer in eine immer üblere Lage. Anfang Dezember waren die Preußen aus Böhmen hinausgeworfen; die Hälfte der Truppen war verloren, die nach Schlesien geretteten Reste in traurigstem Zustande. Die österr. Heeresleitung ging sofort zur Offensive über, Oberschlesien ward von leichten Truppen überschwemmt. Durch die Quadrupelallianz von Warschau schlossen sich im Jan. 1745 Österreich, Sachsen-Polen, England-Hannover und Holland zusammen und verabredeten eine Teilung der preuß. Monarchie. Mit rücksichtsloser Energie, aber auch mit größter Umsicht und Sorgfalt bereitete Friedrich alles vor, um den siegesgewissen Gegner mit einem Schlage zu zerschmettern. Kleine glückliche Gefechte bei Ratibor, Habelschwerdt und Landeshut hoben den Mut der Truppen. Es glückte dem König, das österr.-sächs. Heer unter dem Prinzen von Lothringen durch die absichtlich unbesetzt gelassenen Pässe nach Mittelschlesien hineinzulocken. Nachdem Zieten die Vereinigung des Korps unter Markgraf Karl mit der königl. Armee ermöglicht hatte, überraschte Friedrich 4. Juni die ahnungslosen Sachsen und Österreicher bei Hohenfriedeberg (s. d.) und erfocht einen glänzenden Sieg. Er folgte dem weichenden Gegner nach Böhmen hinein, beschränkte sich jedoch auf die Besetzung der östl. Grenzbezirke. Zwischen Preußen und England wurden nun zu Hannover 26. Aug. die Grundlagen eines Friedensvertrages festgestellt. König Georg verhieß, die Herstellung des status quo ante bei den Höfen von Wien und Dresden durchzusetzen. Friedrich versah sich nicht mehr eines weitern Kampfes, schickte von seinem Heere einen beträchtlichen Teil nach Sachsen und Schlesien zurück und stand mit nur 22000 Mann in der Gegend von Trautenau den Österreichern gegenüber, die ihm um mehr als die Hälfte überlegen waren. Prinz Karl von Lothringen überraschte den König in einer ungünstigen Stellung und eröffnete 30. Sept. bei Soor den Angriff auf die Preußen, wurde aber von diesen trotz größter Schwierigkeiten in die Flucht getrieben. Auch jetzt beharrten die Österreicher und Sachsen bei dem Plan, noch einen Winterfeldzug zu unternehmen und den Krieg in die altpreuß. Lande hinüberzuspielen. Von Sachsen her sollte eine verbündete Armee in die Marken eindringen, während das nach der Lausitz vorgehende Heer des Prinzen von Lothringen den preuß. Truppen in Schlesien den Rückweg nach Brandenburg verlegen sollte. Friedrich erfuhr von diesem bedrohlichen Projekt durch den schwed. Gesandten in Berlin, sammelte sofort seine Truppen in Schlesien und ließ ein zweites Armeekorps bei Halle unter dem Fürsten Leopold von Dessau zusammenziehen. Die Vorhut des königl. Heers brach in die Lausitz ein und warf bei Katholisch-Hennersdorf 23. Nov. die Spitzen der Armee Karls von Lothringen zurück. Eilends trat dieser den Rückmarsch nach Böhmen an. Am 15. Dez. griff Leopold von Dessau die sächs. Hauptarmee unter Rutowski bei Kesselsdorf an und brachte den Sachsen so starke Verluste bei, daß eine zweite Schlacht von dem österr. und sächs. Heerführer nicht mehr gewagt wurde. Friedrich vereinigte sich mit dein Korps des Dessauers und hielt 18. Dez. seinen Einzug in Dresden. Er war trotz der letzten Erfolge bereit, den Frieden auf Grund des Statusquo anzunehmen; hingegen blieb Maria Theresia der Versöhnung mit Preußen noch immer abgeneigt. Sie sandte dem Unterhändler in Dresden, dem Grafen Harrach, Befehl, statt mit Preußen vielmehr mit dem franz. Gesandten abzuschließen. Doch dieser Befehl