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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schleswig-Holsteinsche Missionsgesellschaft - Schleuder
(244,63 km), mit den Zweigbahnen St. Margarethen-
Vrunsbüttel (westl. Viündung des Nordostseekanals),
St. Michaelisdonn-Marne, Marne-Fricdrichskoog
(nur für Güter) und Vredebro-Lügumkloster, ehe-
malige Privatbahn, wurde 1890 vom preuß. Staate
erworben. Die S. M. ist aus dem Unternehmen
der Glückstadt-Elmshorner Eisenbahn hervorgegan-
gen, deren Strecken Glückstadt-Elmshorn 1845,
<>>lückstadt-Itzehoe 1857 und Itzehoe-Hcide 1878 er-
öffnet wurden. Am 1. Jan. 1879 nahm die Glück-
stadt-Elmshorner Eisendahn die Bezeichnung ".hol-
steinische Marschbahn" an, und seit 1. Jan. 1888
beißt die Firma S. M., nachdem die Fortsetzung
von .Heide nach der Landesgrenze bei Ribe 1887 er-
öffnet war. (S. Preußische Eisenbahnen, Vd. 13,
S. 428.) Die S. M. untersteht der königl. Eisen-
bahndirektion zu Altona.
Schleswig - Holsteinsche Mifsionsgesell-
schaft, evangelisch-lutherische, 1877 ,;u Vreck-
lum begründete Gesellschaft, mit eigenem Missions-
baus. Sie begann 1881 ihre Arbeit im nördl. Te-
lugu- und südl. Urijagcbiet in Vorderindien und
batte 1894 auf 6 Stationen 10 europ. Missionare,
24 eingeborene Gehilfen, 195Hcidenchristen und 236
Schüler. Die Ausgaben betrugen 55754 M. Ihr
Organ ist das "Schleswig-Holsteinsche Missions-
blatt" (Brccklum). ^Eisenbahn.
Schleswigsche Eisenbahn, s. Altona Kieler
Schlettau. 1) S. im Erzgebirge, Etadt in
der Amtshauptmannschaft Annaberg der sächs.Kreis-
bauptmannschaftZwickau, links an derZschopau und
den Nebenlinien Schwarzenberg-Annaberg und S.-
Obcrcrottendorf (6,5 km) der Sächs. Staatsbabnen,
bat (1890) 3061 E., darunter 64 Katholiken, Post,
Telegraph, Fernsprecheinrichtung; Fabrikation von
Posamenten, Pappen, Kartonnagen, Patronen-
toffcrn, Eifenkurzwaren, landwirtschaftlichen und
andern Maschinen, Sargverzierungen, Holzstoff,
Knochenpräparaten, Leim und Knochenfett, ferner
Handel mit Spitzen und eine bedeutende Landwirt-
schaft (etwa 1400 iia Flnr). Auf dein südlich gelegenen
Sckeibenberg große Vasalt-und Sandgruben. -
2) S. an der Saale, Dorf im preuß. Reg.-Vez.
und Kreis Merseburg, unweit der Saale, an der
Linie Halle-Nordhaufen-Casfel und der Nebenlinie
S.-Lauchstädt-Schafstüdt(imBau)derPreuß.Staats-
bcchnen, hat (1890) 512 E., Postagentur, Fernsprech-
verbindung und Vraunkohlengrube.
Schletterer, Hans Michel, Musikschriftsteller,
geb. 29. Mai 1824 zu Ansbach, bildete sich in
(5affel und Leipzig zum Musiker aus, wurde 1847
Musikdirektor in Zweibrücken, 1854 Univcrsitäts-
musikdirektor in Heidelberg, 1858 Kapellmeister an
den prot. Kirchen in Augsburg, wo er 1866 den
Oratorienverein, 1873 eine Musikschule begründete
und 4. Juni 1893 starb. S. schrieb: "Das deutsche
Singspiel" (Augsb. 1863), "Joh. Fricdr. Neichardt"
iebd. 1865), "Übersichtliche Darstellung der Ge-
schichte der kirchlichen Dichtung und geistlichen Musik"
(Nördl. 1866), "Geschichte der geistlichen Dichtung
und kirchlichen Tonkunst" (Vd. 1, Hannov. 1869),
"Die Entstehuug der Oper" (Nördl. 1873), "Richard
Wagners Vühnenfestspicl" (ebd. 1877), "Studien
zur Geschichte der franz. Musik" (3 Bde., Verl. 1883
-85; neue Ausg. ml Bd., 1887) u.a. Als Kompo-
nist hat S. einige Gesangswerke veröffentlicht.
Schlettstadt. 1) Kreis im Bezirk Unterelsaß,
hat 635,48 hkin, (1890) 70 719 (34534 männl.,
36185 weibl.) E. in 63 Gemeinden und zerfällt in
die 4 Kantone Varr, Markolsheim, S. und Weiler.
- 2) Hauptstadt des Kreifes S. und des Kantons
S. (19 936 E.), an der III und den Linien Straß-
burg-Vafel, S.-Zabern (65,3 kin) und der Neben-
linie S.-Markirch (21,5 km) der Elsaß-Lothr. Eisen-
bahnen, Sitz der Krcisdirektion,
eines Amtsgerichts (Landge-
richt Colmar) und Hauptsteuer-
amtes, hat (1890) 9418 E.,
darunter 1094 Evangelische
und 282 Israeliten, in Gar-
nison das Iägerbataillon Nr. 8,
Postamt erster Klasse, Tele-
graph, Reste der alten Befesti-
gungen, 2 kath., eine evang. Kirche, Synagoge,
alte Bürgerhäuser (15. und 16. Jahrh.), Gymna-
sium, Lehrerinnenseminar, städtische Vibliotbek,
Theater, Vürgerspital, Waisenanstalt für Mäd-
chen; Drahtwebereien, Gerberei, Ziegeleien, Säge-
und Lohmühlen, Landwirtschaft, Obst- und Weinbau
und Handel mit landwirtschaftlichen Produkteu. -
S. (Selatstat 728) war zur Zeit der Merowinger
königl. Mcierhof und später Kaiserpfalz. ^216 mit
Mauern umgeben und später Freie Reichsstadt, trat
S. in den Bund der zehn elsäss. Reichsstädte. Der
deutsche Humauismus fand in S. eine Blütestä'tte.
Im 15. Jahrh, gründete Ludwig Dringenbcrg hier
eine Gelehrtenschule, die Erasmus besuchte und aus
der Iak.Wimpfeling, Beatus Rhenanus, M. Vucer,
Jak. Spiegel u. a. hervorgingen. 1632 wurde S.
von den Schweden, 1634 von den Franzosen genom-
men, denen die Stadt im Westfälischen Frieden ver-
blieb. Die geschleiften Befestigungen erneuerte Vau-
ban 1676. Im 1.1814 wnrde S. von "den Bayern,
1815 von den Österreichern belagert, aber nicht ein-
genommen. Im Deutsch-Französischen Krieg ergab
sich S. nach kurzer Beschießung 24. Okt. 1870. Seit-
dem ist S. als Festung aufgegeben. - Vgl. Dorlan,
5>'otico8 iii8wi-i(iii68 8ur 8. (Colmar 1843); Wolff,
Geschichte des Bombardements von S. (Berl. 1874);
Nanmann, Die Eroberung von S. (ebd. 1876).
Schleuder, verbreitete Wurfwaffe des Alter-
tums , auch im Mittelaltcr vielfach angewendet.
Sie bestand aus einem rundlichen, zur Aufnahme
des Geschosses bestimmten Lederstück, an welchem
zwei Riemen bescstigt waren, die der Schlcudercr
in die Hand nahm und deren einen er während des
Herausschwingens losließ, so daß das Geschoß durch
die Schwungkraft (Centrifugalkraft) fortgefchleudert
wurde. Vei den Griechen hieß die S. Sphendone
und wird schon von Homer erwähnt. Vei den Rö-
mern unterscheidet man zwei Arten von S.'. die ge-
wöhnliche, oben beschriebene, die vor dem Werfen
über dem Kopf geschwungen wurde (tmläa), und die
in der Kaiserzeit aufgekommene Strickschleuder
(iastid^nZ), bei der die Schleudervorrichtung an
einem über 1 m langen Stab befestigt war und die
bloß geschnellt wurde. Aus beiden Arten wurden
runde Kiesel oder auch eichelförmige mit einem
Stachel verfehene Bleikugeln (Fianä63^ Eicheln) mit
einer folchen Heftigkeit geworfen, daß sie Helme und
Schilde zerschlugen. Die Schleuderer, bei den
Griechen Sphendone'ten, bei den Römern Fun-
ditores genannt, gehörten zum leichten Fußvolk.
Berühmt als Schleuderer waren uutcr anderm die
Akarnanen, die Rhodier und ganz besonders die
Bewohner der Valearischen Inseln; in den karthag.
und röm. Heeren spielten die balearischen Schleu-
dcrer eine Rolle. Nach dem Princip der S. waren