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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlierbach - Schlik
Schlierbach, Dorf bei Heidelberg (f. d., Bd. 8,
S.954K). ^Seydel(s.d.).
Schlierbach, Max, Pseudonym für Max
Schlierenmethode, ein von Töpler (1859-64)
erfundenes optisches Verfahren zur Untersuchung
von optischem Glas oder den daraus verfertigten
Platten, Prismen, Linsen u. dgl. m. in Bezug auf
ihre innere Reinheit. Llhnliche weniger vollkommene
Methoden wurden schon von Huyghens und Fou-
cault angewendet. Die Stellen (oft Streifen) in
einem Glase, die eine andere Dichte als die ganze
Glasmasse besitzen, heißen gewöhnlich Schlieren.
Dieselben fallen zuweilen dem Auge ohne weiteres
auf, meist müssen sie aber erst durch Kunstgriffe gefucht
werden. Die Optiker verfolgen hierbei verfchiedcne
Methoden (schiefe Beleuchtung, Betrachten im Halb-
schatten u. s. w.). Keine derselben reicht so weit,
auch die feinsten Abweichungen der Dichte und mit-
hin des Brechungsvermögens erkennen zu lasfen.
Die Töplersche Erfindung beruht auf folgendem
Grundgedanken. EineLinsel^I^(s.nachstehendeFigur)
von großer Brennweite entwerfe von einer kleinen
Lichtquelle ^ ein Bild ^/. Bringt man die Pupille
des Auges nach ^/, fo sieht man 1^ ganz hell, weil
von jeder Stelle der Linse Licht ins Auge gelangt.
Faßt man aber das Bild ^/ mit einer Blendung L
hart am Rande derselben ab, so erscheint 1^ ganz
dunkel, wenn die Linse vollkommen ist. Enthält die-
selbe aber etwa eine stärker brechende Stelle bei N,
so lenkt diese das Licht nach unten an der Blendung
vorbei ins Auge, das nun dieselbe deutlich hell auf
dunklem Grunde wahrnimmt. Letzteres tritt auch
ein, wenn eine ebene fchlierige Glasplatte vor 1^
gestellt, oder durch Erwärmung, Gasausströmung
u. dgl. auch nur eine optische Ungleichmäßigkeit in
der Luft bei 1^ eingeführt wird. Alle folche Stö-
rungen machen sich dem Auge hinter L, das noch
durch ein Fernrohr bewaffnet, oder durch eine
photogr. Kammer ersetzt werden kann, optisch be-
merkbar. Töpler gelang es, bei Momentbeleuchtung
durch den elektrischen Funken die durch die elektri-
schen Entladungen erzeugten Explosionswellen in
der Luft zu sehen. Mach hat diese Untersuchungen
weiter geführt und die betreffenden Erscheinungen
auch photographisch fixiert. Auch ein fliegendes Ge-
schoß erzeugt Wellen in der Luft, die sich, wie Mach
und Salcher gezeigt haben, auf diese Weise studieren
lassen. (Vgl. die Tafel: Schall, Fig. 1 u. 2.)
Der Schlierenapparat ist in wissenschaftlicher und
praktischer Beziehung wichtig, dennoch wenden ihn
die Optiker, wegen seiner für gewöhnliche Fälle zu
hohen Empfindlichkeit und wegen der Umständlich-
keit bei seinem Gebrauch, nur sehr selten an; sür die
Prüsung höchst seiner optischer Gläser giebt es jedoch
kein geeigneteres Instrument. Mach hat ferner ge-
zeigt, daß man die Anordnung des Schlierenappa-
rates mit einer geringen Modifikation auch zur
Untersuchung der Doppelbrechung der Körper, z. V.
optischer Gläser, verwenden kann, wenn man das
Licht von ^. durch ein Nicolsches Prisma treten
läßt, zwischen ^/, und das Auge ein zweites, zu
ersterm gekreuztes Nicol setzt und das zu unter-
suchende Objekt vor I.I. stellt. - Vgl. Töpler, Be-
obachtungen nach einer neuen optischen Methode
(Bonn 1864).
Schlierfee, Dorf im Bezirksamt Miesbach des
bayr. Reg.-Bez. Oberbayern, am Nordufer des S.
(2,7 km lang, 1 km breit, 54 in tief), am Rande der
Alpen, an der Linie Holzkirchen-S. (24,9 km) der
Bayr. Staatsbahnen, hat (1890) 730, als Gemeinde
1825 E., darunter 39 Evangelische, Post, Telegraph,
Seebäder, warme Bäder; Cement- und Glasfabrika-
tion, Dampfsägewerk, und wird als Kurort befucht.
Vefonders bekannt ist S. in neuerer Zeit durch sein
Bauerntheater geworden, dessen Mitglieder auch
Gastreisen unternehmen. j^S. 662 a).
Schließapparat, s. Vuchdruckerkunst (Bd. 3,
Schließkopf, s. Nieten.
Schließlein, Dreschlein, s. Flachs, i
Schließmohn, s. I^Mvei-.
Schließmundfchnecken (Olauäilia), ein sehr
artenreiches, die Alte Welt, besonders Südosteuropa
bewohnendes Geschlecht von Felsen und Baumrin-
den liebenden Echnirkelschnecken (s. d.) von hoher
Spindelform, die meist linksgewundene, fein lüngs-
gerippte Schalen besitzen, an deren Mündung zwi-
schen zwei vorspringenden Falten und einen Umgang
von der Mündung entfernt ein an einem elastischen
Stielchen festgewachsenes Kalkplättchen (das sog.
01au8i1ium), das beim Zurückziehen des Tiers das
Gehäuse abschließt, sich befindet. Von den 25 deut-
schen Arten ist lülauZilia diMcata. ^/. eine der
häufigsten; sie wird 15-20 mm lang und bewohnt
wie ihre Verwandten moosige Felsen, Vaumstrünke
und alte Mauern.
Schließmuskel (spinncter, OonZtricwr), kräf-
tiger, ringförmig angeordneter Muskel, der eine der
natürlichen Körperöffnungen (Mund, Augenlider,
Harnblafenhals, Scheide, After) umgiebt und durch
seine willkürliche Zusammenziehung die betreffende
Öffnung verschließt. (S. Muskeln.) Lähmung der
S. bewirkt immer schwere Funktionsstörungen (Spei-
chel- oder Thränenstuß, unwillkürlichen Stuhl- oder
Harnabgang).
Schließzellen, s. Epidermis (Bd. 6, S. 203 d).
Schlik, Franz, Graf von S. zu Basfano und
Weißkirchen, österr. General der Kavallerie, geb.
23. Mai 1789 zu Prag, trat 1809 als Lieutenant
in das Regiment Albrecht-Kürassiere, nahm 1812,
als Österreich sich mit Frankreich verbündete, den
Abschied, bis die Kriegserklärung gegen Napoleon
Aug. 1813 ihn wieder zu den Waffen rief. Als
Rittmeisterund Ordonnanzoffizier des Kaifers Franz
nahm er an den Schlachten der Hauptarmee rühm-
lichen Anteil, zuletzt bei Wachau, wo er das rechte
Auge verlor; doch nahm er an dem Feldzuge von 1814
wieder teil. Im Frieden stieg er bis 1844 zum Feld-
marfchalllieutenant. Nach der Wiener Revolution
von 1848 wurde er Kommandant von Krakau, Ende
November aber zum Befehlshaber eines Korps von
8000 Mann ernannt, das bei Dukla in Galizien
zum Einmarsch nach Oberungarn versammelt ward.
Mit diesem schwachen Korps erkämpfte er gegen
überlegene Streitkräfte der aufständischen Ungarn
Sieg auf Sieg, gewann dann mit der Hauptarmee
des Fürsten Windifchgrütz vereinigt die Schlacht
von Käpolna; darauf befreite er den Vanus bei
Isasze'g. Nach der Unterwerfung Ungarns wurde
S. General der Kavallerie, Kommandant des 2. Ar-
meekorps und Höchstkommandierender in Mähren.