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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlözer - Schluckenau
stoteles" (Halle 1873), "David Strauß als Roman-
tiker des Heidentums" (ebd. 1878), "Die Osterbot-
schaft und die Visionshypothcfe" (ebd. 1886), "Kom-
pendium dcr biblischen Theologie des Alten und
Neuen Testaments" (Lpz. 1889, hg. von E. Kühn)-
von seinen orientalistischen Werken: "Die Inschrift
Eschmunazars, des Königs der Sidonier" (Halle
1868), "Die Siegessäule Mcsas" (ebd. 1870). In
weitern Kreisen wurde S. namentlich durch sein Auf-
treten gegen den Ultramontanismus bekannt; sein
Werk "^i-a8niu8 reäivivug 8iv6 äs curin. romana du-
cu8yu6 in8aual)i1i" (2 Tle., Halle 1883-89), dessen
erster Teil bereits 1881 als Universitätsprogramm
erschienen und vom Pfarrer Iacobi ins Teutsche
übersetzt war: "Der deutsche Gewissenskampf gegen
den Vatikanismus" (ebd. 1882), rief im preuß.
Landtag heftige Angriffe Windthorsts und der
Centrumspartei gegen S. und die thcol. Fakultät
in Halle hervor; vgl. Iacobi, Professor S., die
Hallesche Universität und die Centrumspartei
(2. Aufl., ebd. 1882). Als Vorsitzender der von
der Eisenacher Konferenz deutscher Kirchenregimen-
ter eingesetzten Kommission zur Revision der deut-
schen Lutherbibel verfaßte S. die Schrift: "Wider
Kliefoth und Luthardt. In Sachen der Lutberbibel"
(Halle 1885). Aus dcr Zeit seines Aufenthalts im
Orient stammen die "Ghasclen vom Bosporus"
(Konstantin. 1854). - Vgl. Brandt, Zur Erinne-
rung an Konst. S. (in den "Deutsch-evang. Blät-
tern", Halle 1889).
Schlözer, Aug. Ludw. von, Geschichtsforscher
und Publizist, geb. 5. Juli 1735 zu Gaggstedt in der
Grasschaft Hobenlohe-Kirchberg, studierte in Witten-
berg und Göttingen Theologie und oricnt. Sprachen,
ging 1755 nach Schweden und kehrte 1759 nach
Göttingen zurück, um Medizin zu studieren. 1761
begab er sich mit dem russ. Rcichshistoriographen
Müller nach Petersburg, leitete hier seit 1762 die
Rasumowskijsche Erziehungsanstalt und kehrte 1769
als Professor dcr Politik nach Göttingcn zurück.
1804 wurde S. vom Kaiser Alexander in den russ.
Adelstand erhoben und zum Gcheimrat ernannt.
1805 trat er in den Ruhestand und starb 9. Sept.
1809. S. sckrieb in schwed. Sprache "Versuch einer
Handelsgeschichte" (Stockh. 1758), ferner "Allge-
meine nordifche Geschichte" (2 Bde., Halle 1772) und
die Übersetzung des russ. Chronisten Nestor bis zum
1.980 (5 Bde., Gott. 1802-9). Weite Verbreitung
fand auch sein "Neu verändertes Rußland" (unter
dem Pseudonym Haigold, Riga 1768). Für eine
geistvollere und lebendigere Behandlung dcr Univer-
salgeschichte brach er durch seine "Weltgeschichte im
Auszuge und Zusammenhange" (2. Aufl., 2 Bde.,
Gott. 1792-1801) sowie durch eine "Vorbereitung
zur Weltgeschichte für Kinder" (6. Aufl. mit einem
2. Teil, ebd. 1806) die Bahn. Zugleich erwarb er sich
besonderes Verdienst dadurch, daß er Begriff und Um-
fang dcr Statistik genauer bestimmte. Als Politiker
wirkte er besonders durch seinen "Briefwechsel, meist
histor. und polit. Inhalts" (10 Bde., Gott. 1776-
82) ebenso furchtlos als einflußreich.- Vgl. Öffent-
liches und Privatleben, von ihm selbst geschrieben
(hg. von scincm Sohne Christian von S., 2 Bde.,
Lpz. 1828); Zermclo, August Ludwig S. (Berl.
1875); Wcsenoonck, Die Begründung dcr neuern
deutschen Geschichtschreibung durch Gatterer und ^.
(Lpz. 1876).
Seine Tochter Dorothea, verehelichte Bürger-
meister Rodde zu Lübeck, geb. 10. Aug. 1770, aus-
gezeichnet durch Schönheit (röm. Büste von Trippel)
und gelehrte Kenntnisse, bearbeitete die russ. Münz-
gesckichte in den trockensten Reduktionen, erhielt
1787 die Doktorwürde und starb 12. Juli 1825 in
Avignon. - Vgl. Reuter, Dorothea S. (Gott. 1887).
Schlözer, Kurd von, deutscher Diplomat und Ge-
schichtschreiber, Enkel des Aug. Ludw. von S., geb.
5. Jan. 1822 zu Lübeck, wo sein Vater, Karl von
S., russ. Generalkonsul war, widmete sich seit 1841
erst zu Göttingen, später zu Bonn und Berlin orient.
und bistor. Studien. Nachdem er eine Schrift über
den ältern arab. Reisenden Abu-Dolef (Berl. 1845)
veröffentlicht hatte, ging er nach Paris, um die
dortigen Archive zu benutzen. 1850 trat er in das
preuß. Ministerium des Äußern, war 1857-69
Legationsfekretär in Petersburg, Kopenhagen, Rom,
ging dann als Geschäftsträger nach Mexiko und
wurde 1871 deutfcher Gesandter in Washington.
1882 wurde er preuß. Gesandter beim päpstl. Stuhl
und als solcher der erfolgreiche Vermittler zwischen
Regierung und Kurie bei den Verhandlungen über
die Revision der Maigesetzgebung und die Besetzung
erledigter Bistümer. Zum Wirkl.Geheimrat ernannt,
erhielt er 1892 den Abschied und starb 13. Mai 1894
in Berlin. Von seinen anziehend geschriebenen
bistor. Arbeiten sind zu nennen: "Choiseul und seine
Zeit" (Berl. 1849; 2. Aufl. 1857), "Geschichte der
deutschen Ostseeländer" (3 Bde., ebd. 1850-53),
"General Graf Chasot. Zur Geschichte Friedrichs
d. Gr. und seiner Zeit" (ebd. 1856; 2. Aufl. 1878),
"Die Familie von Meyern" (ebd. 1855), "Friedrich
d. Gr. und Katharina II." (ebd. 1859).
Schlucht, s. Thal.
Schlächtern. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Cassel, hat 462,72 ykm und (1890) 28497 (13976
männl., 14 521 weibl.) E., 4 Städte, 42 Landgemein-
den und 9 Gutsbczirke. - 2) Kreisstadt im Kreis
S., an dcr Einmündung des Elmbachs in die Kinzig
und der Linie Bcbra-Frankfurt a. M. der Preuß.
Staatsbalmen, Sitz des Landratsamtes und eines
Amtsgerichts (Landgericht Hanau), hat (1890) 2674
(5., darunter 143 Katholiken und 361 Israeliten,
Postamt zweiter 5tlasse, Telegraph, ein ehemaliges,
zur Zcit dcs Vonifatius gestiftetes Kloster, jetzt
Schule, Progymnasium, evang. Schullehrerseminar
mit Präparandenanstalt, Krankenhaus, Spital,
Krcissparkasse und städtische Spar-und Vorschußkasse.
- Vgl. I. Kullmann, Urkundliche Geschichte des
Klosters E. (Cass. 1878).
Schlucken, auch Schluckfer oder Schlucksen
(3inFu!w8), bezeichnet ein eigentümlich schallendes,
unwillkürliches, krampfhaftes Einatmen, das durch
stoßweise crfolgendeZusammenziehungen desZwerch-
fclls hervorgebracht wird, infolge deren die Luft in
besonderer Art tönend durch die Stimmritze einströmt.
Dieser Zwcrchfellskrampf findet sich nach Überladung
oder Erkältung des Magens, bei Entzündungen des
Bauchfells, abcr auch infolge von Neizung der
Zwcrchfellsncrven, die vom Gehirn oder Rücken-
mark aus (wie z. B. bei der Hysterie) oder durch Re-
flex von entferntern Nervenpartien her bedingt fein
kann. Gegen schwere Fälle werden starke Riech-
mittel, Senfteige auf die Magengegend, eiskalter
Cbampagner sowie die Anwendung der Elektricität
und der narkotischen Mittel empfohlen. Das
Schluchzen, das sich zum heftigen Weinen gesellt,
beruht auf hastigen Zwerchfellskontraktionen.
Schluckenau, czech. öwkuov. i) Bezirkshaupt
Mannschaft in Böhmen, hat 190,84 ykm und (1890)