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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schmerling - Schmerz
aber sich durch die ganz oben auf dem schuppenlosen
Kopfe stehenden Augen, enge Kiemenspalten und sehr
kleine Rumpfschuppen unterscheiden. Der Mund ist
mit wulstigen Lippen und Bartfäden besetzt. Sie
halten sich am Grunde der Gewässer auf. Es giebt
in Deutschland drei Arten: der Schlammpeitz-
ker, Schlammbeißer, Wetterfisch, Biß-
gurre (Ooditig loLLiliä!>.), mit 10 Bartfäden, aal-
förmigem, 30 cni langem Körper, der häufig Luft zu
wirklicher Atmung in den Darm schluckt, bei trübem
Wetter und Gewitter gern an die Oberfläche kommt
und daher oft als Wetterprophet in Gläsern gehal-
ten wird; derSteinpitzger oder die Dorngrun-
del(0oditi8 taeniH^.), ebenfalls mit aalförmigem,
sehr schlüpfrigem, aber kleinerm Körper und sechs
Bartfäden, beide in schlammigen Gewässern und
ihres Fleisches wegen wenig geschätzt; und die
eigentliche Bartgrundel oder Schmerle (Ooditig
darwwiN 2.., s.'Tafel: Fische I, Fig. 9), mit kur-
zem Körper und sechs Bartfäden, die bis 15 cra lang
wird, klare Gewässer mit steinigem Grunde liebt
und ihres zarten Fleisches wegen geschätzt ist. Sie
laicht im April und Mai.
Schmerling, Pilz, s. Schmeerling.
Schmerling, Anton, Ritter von, österr. Staats-
mann, geb. 23. Aug. 1805 zu Wien, studierte die
Rechte daselbst, trat 1829 bei dem Landgericht in
Wien in den Staatsdienst, wurde 1842 zum Rat
und 1846 zum Appellationsgerichtsrat befördert.
Als Gegner des Metternichschen Systems in die
Bewegung der Märztage 1848 verflochten, wurde
er von der österr. Regierung als ihr Vertrauens-
mann zu den Veratungen über einen deutschen Ver-
fassungsentwurf nach Frankfurt gesandt, wo er die
Ausarbeitung des Siebzehner-Entwurfs im Sinne
der österr. Hegemonie beeinflußte. In die deutsche
Nationalversammlung gewühlt, schloß er sich den
Verfechtern der konstitutionellen Monarchie an und
wurde von dem zum Reichsverweser gewählten Erz-
herzog Johann 15. Juli zum Reichsminister ernannt.
Die Verwerfung des Malmö'er Waffenstillstands in
der Nationalversammlung veranlaßte mit den übri-
gen Ministern auch S. zum Rücktritt. Doch behielt
er, als die Bildung eines neuen Ministeriums auf
Schwierigkeiten stieß, die Leitung der Geschäfte und
wurde 24. Sept. von neuem definitiv zum Reichs-
minister ernannt, sah sich aber bald heftigen An-
griffen von feiten der Linken ausgesetzt und ent-
zweite sich auch seit dem Beginn der Verfassungs-
beratung mit einem großen Teile seiner bisherigen
Freunde, indem er der Richtung auf die preuh.
Hegemonie immer offener entgegentrat. Er legte
daher 15. Dez. 1848 fein Ministerium nieder und
begab sich nach Olmütz und Wien, wo er bereits
zinn Abgeordneten in die österr. Neichsversammlung
gewählt war. Die österr. Regierung übertrug ihm
sodann durch seine Ernennung zum Bevollmächtigten
bei der Centralgewalt die Leitung der österr. In-
teressen in Frankfurt. Als Führer der Asterreicher
in der Nationalversammlung und einer der thätig-
sten Organisatoren der Großdeutschen Partei arbei-
tete er nun eifrig dem preuß. Kaisertum entgegen.
Nach der Erwählung König Friedrich Wilhelms IV.
zum Deutschen Kaiser kehrte er April 1849 nach
Wien zurück, wo er im Juli als Iustizminister ins
Kabinett Schwarzenberg trat. In dieser Stellung
brachte er das öffentliche und mündliche Gerichts-
verfahren zur Durchführung, nahm aber 1851 seine
Entlassung, weil er sich mit der Restaurationspolitik
Schwarzenbergs nicht im Einklang befand, und er-
hielt hierauf das Amt eines Senatspräsidenten des
Obersten Gerichts- und Kassationshofs.
Da das Diplom vom 20. Okt. 1860 überall den
ungünstigsten Eindruck hervorrief, trat S. 13. Dez.
als Staatsminister ins Kabinett, um den Übergang
Österreichs zu einem konstitutionellen Staate leiten
zu helfen. Das Staatsgrundgesetz vom 26. Febr.
1861 für die Reichs- und Landtagsvertretungen war
vornehmlich sein Werk. Doch war S. bei dem hart-
näckigen Widerstände der auf den Dualismus Hin-
arbeitendenungar. Landesvertretung nicht imstande,
den einheitlichen Verfassungsstaat durchzuführen.
Da er infolgedessen auch das Vertrauen der Krone
verlor, reichte er 27. Juli 1865 seine Entlassung
ein und machte Belcredi Platz. An demselben Tage
übernahm er das Amt eines ersten Präsidenten
des Obersten Gerichtshofs. 1861-65 war S. Mit-
glied des böhm. Landtags; 1861-67 vertrat er
auch die Stadt Wien im niederösterr. Landtage.
Am 1. April 1867 ernannte ihn der Kaiser zum
lebenslänglichen Mitgliede des Herrenhauses. Seit
1879 war er daselbst der Führer der Opposition und
einer der hervorragendsten Sprecher gegen das den
Föderalismus fördernde System des Grafen Taaffe
und trat Okt. 1886 mit einer Erklärung gegen die
Sprachenverordnung des Iustizministers Prazak auf.
Am 11. Nov. 1891 wurde ihm wegen seines hohen
Alters sein Abschiedsgesuch bewilligt. Er starb
23. Mai 1893 in Wien. - Vgl. A. von Arneth,
Anton Ritter von S. Episoden aus seinem Leben
1835, 1848-49 (Prag und Wien 1895).
Schmerschlechte, im Bergbau, s. Schlechte.
Schmerz, eine unangenehme Empfindung be-
stimmter Qualität, die durch die Erregung sen-
sibler Nerven hervorgerufen wird und je nach der
Art der Neizung als steckender, bohrender, bren-
nender, beißender u. s. w. S. auftritt. In Bezug auf
die Entstehung des S. stehen sich verschiedene An-
sichten gegenüber. Nach der einen läßt sich S. durch
Reizung jedes sensiblen Nerven erzeugen, sobald
nur die Intensität der Erregung, die Lebhaftigkeit
des Eingriffs groß genug ist. Nach der andern ist
die Entstehung des S. an bestimmte Nerven, sog.
Schmerznerven gebunden, während noch so starke
Reizung anderer, etwa der Temperaturnerven, falls
sie auf diese beschränkt bleibt, keinen S. zur Folge hat.
Ferner sehen einige in dem S. nur einen hohen Grad
der Unlust, also eines Gesühls, während andere ihn
als eine nur vorzugsweise mit Unannehmlichkeit ver-
bundene Empfindung auffassen. Hiernach richtet sich
auch die Deutung der Analgesie (s. d. und Gemein-
gefühl). Die Pathologie unterfcheidet den organisch
bedingten S. (d. h. den durch krankhafte Zustände
anderer Gebilde, besonders durch Entzündungen her-
vorgerufenen) von dem Nervenschmerz. (S. Neural-
gien.) Ihrer physiol. Bedeutung nach zerfallen die
i^chmerzempfindungen in lokale(perip herische),
bei denen der S. wirklich an die Stelle verlegt wird,
wo die abnorme Erregung des Nerven erfolgt,
excentrische, wo die Erregung im nervösen
Centralorgan oder an irgend einer Stelle eines
Nerven stattfindet, aber der S. in das peripherische
Ende lokalisiert wird, und endlich in irradiierte
(sympathische), bei denen die Erregung eines
Empsindungsnerven durch das Gehirn cdcr Rücken-
mark auf einen andern, oft weit entfernten Nerven
übertragen wird; so entstehen oft durch Irradia-
tion (Mitempsindung) heftige Knieschmerzen bei