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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schneider (Hermann) - Schneider (Louis)
feiert wurde. Nur "Das Weltgericht" wird jetzt noch
ausnahmsweise aufgeführt. Für eine längere Tauer
feblte den Werken S.s die Tiefe und Durchbildung.
Doch kommt ihm das Verdienst zu, den Sinn für
das Oratorium wach gehalten zu haben. Er teilt
es mit Löwe und Spohr, die er durch die feurige
dramat. Natur überragte, aber in der musikalischen
Selbständigkeit nicht erreichte. Unter seinen ge-
druckten Werken (105) befinden sich auch mebrere
tbeoretisch-didaktische, wie "Elcmcntarübungen im
Gesänge", "Handbuch des Organisten" u. s. w. Als
Lcdrcr in der von ihm 1831 errichteten, 1846 aber
aufgegebenen Dessauer Musikschule hat S. mit
großem Erfolg gewirkt. - Vql. Kempe, F. S. als
Mensch und Künstler (Dessau 1859; 2. Ausg., Verl.
1864); Hosaus, F. S. und F. Nochlitz (Dessau
1885). - Sein Bruder Johann Gottlob S.,
geb. 28. Nov. 1789 zu Alt - Gersdorf bei Mau,
war seit 1811 Organist an der Universitütskirche zu
Leipzig, ging 1812 als Organist nach Görlitz, wurde
1825 .Hoforganist in Dresden und starb daselbst
13. April 1864. S. hat sich als vorzüglicher Orgel-
spieler und Orgelkomponist bekannt gemacht.
Schneider, Hermann, Maler, geb. 16. Juni
1846 zu München, besuchte die dortige Akademie,
1866 - 67 das Atelier Pilotys. Mehrere Jahre
verweilte er dann in Italien, besonders in Rom;
er lebt in München. Auster Vegleitbildern zu ro-
mantischen Dichtungen in den "Fliegenden Blät-
tern" schuf S. besonders Gemälde histor. Genres;
zu nennen sind: Die letzten Stunden der Herzogin
von Burgund; Abundantia; Wein, Weib und Ge-
sang; Mozart und seine Schwester am Klavier; Van
Dyck malt die Kinder Karls I. von England (1876);
Rencontre auf dem Meere; Zug Kaiser Karls V.
nach dem Kloster San Duste; Tanzstunde im Dio-
nysostcmpel.
Schneider, Joh. Gottlob, Philolog und Kenner
der Naturwissenschaften, geb. 18. Jan. 1750 zu
Kollmen bei Würzen in Sachsen (daher 8axo), er-
hielt auf der Universität zu Leipzig seine gelehrte
Bildung, wurde 1776 Professor der alten Sprachen
und der Beredsamkeit an der Universität zu Frank-
furt a. O., 1811 bei deren Verlegung nach Brcslau
als Oberbibliothekar mit dorthin versetzt und starb
hier 12. Jan. 1822. Unter seinen Schriften sind
hervorzuheben: die Bearbeitung von Alians "1)6
nawi'H HninicTiiuin" (2 Bde., Lpz. 1784), von Ni-
kandcrs "^.lexi^I^i-maca" (Halle 1792) und dessen
"^Iieriaca" (Lpz. 1816), der "Zei-iptor^ rei ru-
8tica6" (4 Bde., ebd. 1794-97), der Werke des
Xenophon(4Vde., ebd. 1801 fg.; neue Ausgabe von
Vorncmann und A. Sauppe, 6 Bde., 1825-49),
der "^i-Fonkutica" des Orpheus (Jena 1803), des
Vitruvius (3 Bde., Lpz. 1808), der Aristotelischen
"^olitica" (2 Bde., Franks, a. O. 1809), "HiLtoria
Ü6 Hnimlüidu8" (4 Bde., Lpz. 1812) und "Oecouo-
inic^" (cbd. 1815), der "i^^Lica ot meteorolo^ic^"
des Epikurus (ebd. 1813), des Oppian (ebd. 1813),
des Asop (Vrcsl. 1812) und des Theophrastus (in
Gemeinschaft mit Link, 5 Bde., LpZ. 1818-21). Viel
Verdienste erwarb er sich durch sein großes "Kriti-
sches griech.-deutsches Wörterbuch" (2'Bde., Züllich.
1797-98; 3. Aufl., 2 Bde., nebst Supplementen,
Lpz. 1819 -21). Von seinen naturhistor. Unter-
suchungen verdienen Erwähnung die "Iciiti^olo^ias
vLtermn 8p6ciminH" (Franks. 1782), die "Litterar.
Beiträge zur Naturgeschichte aus den alten Schrift-
stellern u. s. w." (ebd. 1786), ^mziIiidioi'UN pli)--
äioloFia" (2 Hefte, ebd. 1790-97), die "Historie
ampliidioi'uin naturaliZ et litsraria" (2 Hefte, Jena
1798-1801) und außerdem die "^ualLcw n.ä lii-
ätoi-iam rsi metailicas vkterum" (Franks. 1788). -
Vgl. Passow, Neinori". Xa)'83l6ri 6t äciineiäei'i
(Vresl. 1822).
Schneider, Karl, Schulmann und pädagogischer
Schriftsteller, geb. 25. April 1826 in Neusalz a. d.
Oder, studierte in Breslau Theologie und Philo-
sophie, war von 1849 bis 1852 Lehrer an einer pri-
vaten bo'bern Mädchenschule in Neisse, hierauf bis
1854 Rektor und Diakonus in Löwen, 1854-57
Lehrer am Gymnasium und Diakonus in Kroto-
schin, dann bis 1863 Pfarrer in Schroda. Er ging
1863 als Seminardirektor nach Bromberg, 1867 als
solcher und zugleick Waiscnhausdirettor nach Bunz-
lau und 1870 als Direktor des Seminars für Stadt-
schulen nach Berlin. 1872 trat er unter Minister
Falk als Hilfsarbeiter in das preuh. Kultusmini-
sterium und wurde 1873 zum Geh. Regierungsrat
ernannt. S. verfaßte die Allgemeinen Bestimmun-
gen vom 15. Okt. 1872 und hatte das preuß. Volks-
schul-, Seminar- und Madchenschulwesen, die Blin-
den- und Taubstummenanstalten u. s. w. unter sich.
S. schrieb: "Lehrbuch der Religion für die Ober-
klassen evang. Gymnasien" (Bielef. 1860), "Klaus
Harms, der evang. Prediger, Priester und Pastor"
(ebd. 1861), "Das sechste Gebot in der Volksschule"
(Berl. 1863), "Das erste Rcligionsbuch" (Pos. 1865;
4. Aufl., Verl. 1887), "Volksschule und Lehrer-
bildung in Frankreich" (Vieles. 1867), "G.H. Schu-
bert, ein Lebensbild" (2. Aufl., ebd. 1867), "Hand-
reichung der Kirche an die Schule" (ebd. 1867),
"Volksschulwescn und Lehrerbildung in Preußen"
(Berl. 1875), "Das Volksschulwesen im preuß.
Staate" (mit von Bremen, 3 Bde., ebd. 1886u. 1887).
Schneider, Louis, Schauspieler und Schrift-
steller, geb. 29. April 1805 zu Berlin, Sohn des
Komponisten Georg Abraham S. (1770-1839),
war zuuächst thätig auf kleinern Bühnen, dann Hof-
schauspieler und Sänger in Berlin, wo er 1845
Opcrnregisseur wurde. Seit 1848 lebte er in Pots-
dam als Sckriftsteller. Schon unter Friedrich Wil-
belm III. datte der begeisterte Royalist durch volks-
tümliche Militärschriftstellcrei (die Zeitschrift "Sol-
datenfrcund") das Wohlwollen des Königs ge-
wonnen. Friedrich Wilhelm IV. ernannte ihn zu
seinem Vorleser und zum Hofrat. König Wilhelm
bestätigte ihn in dem Amte und übertrug ihm auch
die Aussicht über die königl. Privatbibliothek. Bei
Ausbruch des Deutschen Krieges von 1866 wurde
5. dem großen Hauptquartier attachiert, von wo
aus er die offiziellen Berichte aus dem Hauptquar-
tier für den "Staats-Anzeiger" schrieb. Dieselbe
Thätigkeit entwickelte er während des Deutsch-
Französischen Krieges von 1870 und 1871. Er starb
16. Dez. 1878 in Potsdam. Unter S.s dramat.
Arbeiten, die meist auf ausländische Vorbilder
zurückgehen und sämtlich in dem von ihm unter dem
Pseudonym C. W. Voth herausgegebenen "Vühnen-
repertoire des Auslandes" erschienen, gefielen be-
sonders: das Vaudeville "Fröhlich" (mit Wollheim
bearbeitet), die Lustspiele "Die schöne Müllerin",
"Der Heiratsantrag auf Helgoland", "Ihr Bild",
die Operette "Der Schauspieldirektor", ferner "Der
reisende Student", "Der Kurmärker und die Pi-
carde", "Sie ist wahnsinnig", "Künstlers Erden-
wallen" u. s. w. Ferner schrieb er: "Schauspieler-
Novellen" (2 Bde., Verl. 1838), "Der böse Blick",