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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schnelligkeit - Schnellpresse
Schnelligkeit einer Bewegung, soviel wie Ge-
schwindigkeit is. d.).
Schnellkäfer, Schmiede (Ni^tei-iäas), eine
sehr zahlreiche (in mehr als 3000 Arten) über die
ganze Erde verbreitete Familie von Käfern, die eine
schlanke, gestreckte Gestalt, etwas niedergedrückte
Flügeldecken, ein gewölbtes großes Brustschild,
ziemlich lange gesägte, bei den Männchen nicht selten
gekämmte Fühler und kurze Beine besitzen. Ihren
deutschen und wissenschaftlichen Namen Matsi-, der
sich Aufschwingende) haben die S. von der Fähig-
keit, sich, wenn sie auf den Rücken zu liegen gekom-
men sind, kräftig in die Höhe zu schnellen und dann
wieder auf die Beine niederzufallen. Der vordere
freiere Brustabschnitt ist mit der dahinter befindlichen
Mittelbrust sehr gelenkig verbunden und läuft auf
der Unterseite in einen Stachel aus, der in einer
Grube der Mittelbrust liegt. Wird ein solcher Käfer
aus den Rücken gelegt, so stemmt er den hintern
Teü seines Hinterleibes und den vordern seines
Brustschildes derart gegen die Unterlage, daß er
wie geknickt erscheint und den Boden nur an zwei
Punkten berührt; dabei ist der Bruststachel aus sei-
ner Grube heraus an den Rand der Mittelbrust
getreten. Nun drückt der Käfer mit großer Muskel-
kraft denselben plötzlich wieder in die Grube zurück,
dadurch erhält der Körper einen Stoß, Hinterleibs-
spitze und Brustschildvorderteil heben sich plötzlich
von der Unterlage, die jetzt von dem Vorderrand
der Flügeldecken und dem Hinterrand des Brust-
schildes mit so bedeutender Gewalt berührt wird,
daß der Käfer durch den Rückstoß in die Höhe ge-
worfen wird. Amputiert man den Bruststachel, so
hört die Schnellfähigkeit auf. Zu den S. gehören
^1g.u3 1aot6!i8 Z^FcH. (f. Tafel: KäferI, Fig. 10)
aus Indien und (^nieera. Q0di1i8 ^at/-. (Fig. 11)
von Madagaskar.
Schnellkraft, soviel wie Elasticität (s. d.>.
Schnelllot, s. Löten.
Schnellphotographie, s. Ferrotypie.
Schnellpökeln, s. Fleischkonservierung.
Schnellpresse, eine durch mechan. Betriebskraft
in Bewegung gefetzte Druckmaschine, welche die Form
selbstthätig färbt und den eingelegten Bogen be-
druckt und auslegt. Schon 1790 nahm der Engländer
Will. Nicholson das Patent auf eine S. Die Aus-
führung gelang aber erst dem deutschen Buchdrucker
Friedrich König (s. d.), der im Verein mit Andr.
Friedr. Bauer in London 10. März 1810 das erste
Patent für eine Flachdruckpresse (mit Tiegeldruck)
nahm, dann die erste einfache Cylinderdruckmaschine
(patentiert 30. Okt. 1811) erfand, der bald darauf
die doppelte Cylindermaschine (1814) sowie die Ein-
richtung zum Druck auf beiden Seiten folgte. Als
weitere Verbesserungen gingen hieraus die Schön-
und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache
Druckmaschine und die Doppelmaschine hervor. Die
Fabrik von König & Bauer wurde 1817 nach Oberzell
oei Würzburg verlegt; andere Fabriken in Deutsch-
land errichteten Helbig <k Müller in Wien, Schuh-
macher in Hamburg, Sigl in Berlin, Reichenbach in
Augsburg (jetzt Maschinenfabrik Augsburg), Klein,
Forst H Bohn Nachfolger in Johannisberg am
Rhein u. a. Die einfache S. führt unter Bedienung
eines Burschen oder Mädchens die Arbeiten von zwei
Druckern mit mehr als fünffacher Schnelligkeit aus.
Sie scheidet sich in drei Hauptteile: das Fundament,
den Druckcylinder und das Farbewerk. Auf dem
Fundament, einer eisernen Platte, die durch den Me-
chanismus der Maschine eine regelmäßig wagerecht
bin und her gehende Bewegung erhält, liegt die
Schriftform; über dieser, auf der Mitte ihres Weges,
befindet sich der Druckcylinder, eine eiserne, mit Pa-
pier und Stoff überzogene Walze, welche durch Ein-
greifen in eine am Fundament befestigte Zahnstange
eine mit der Vewegungsgeschwindigkeit der Form ge-
nau Schritt haltende drehende Bewegung erhält, so
lange, als die Form sich in hingehender Bewegung
unter dem Druckcylinder befindet, während letzterer
für den Rückgang festgestellt wird. über diesen Cy-
linder und einige hölzerne Nebenwalzen gehen Leit-
bänder, um den Bogen auf den Cylinder und nach
erfolgtem Druck wieder abzuführen. Vor dem Cy-
linder liegt der Schwärzapparat, eine eiserne Farbe-
walze, die von einem Farbebehälter bei jedem Spiel
der Maschine die Farbe an mehrere Verteilungs-
walzen abgiebt. Durch die umdrehende Bewegung
der sämtlichen sich berührenden Walzen, die bei
einigen mit einer seitlich hin und her gehenden Be-
wegung verbunden ist, verteilt sich die Farbe, bis
sie als eine gleichmäßige Schicht auf 2-4 mit ela-
stischer Komposition überzogene Holzwalzen und von
da auf die Letternform übertragen wird.
Vor dem Druck steht die Form am Anfange ihrer
Bahn. Während des Ganges der Maschine legt ein
Bursche oder ein Mädchen an bestimmte Marken auf
den Druckcylinder einen Bogen Papier an, der durch
die Greifer des Druckcylinders erfaßt und von diesem
der Form zugeführt wird. Unterdes ist die Form
unter dem Schwärzapparat durchgegangen, hat dort
von den Schwürzwalzen die Farbe empfangen und
langt unter dem Druckcylinder gleichzeitig mit dem
zu druckenden Bogen an. Letzterer empfängt wäh-
rend des Durchgangs zwischen Cylinder und Form
den Abdruck und wird nach vollendetem Druck und
während die Form noch weiter über den Druckcylinder
hinausgeht durch Leitbänder zu einer Tafel am Ende
der Maschine geführt, wo ihn eine zweite Person ab-
nimmt. Das Ablegen der bedruckten Bogen kann
durch einen mechan. Auslegeapparat auch von der S.
selbstthätig bewirkt werden. Die Form beginnt hier-
auf ihren Mückgang. Der Druckcylinder läßt sie ver-
möge einer Abplattung während seines Stillstandes
unter sich durchgehen, und sie gelangt so wieder an
den Ausgangspunkt, um dieselbe Manipulation zu
wiederholen. Eine solche einfach wirkende S. liefert
1000-1400 Abdrücke in der Stunde und bedruckt den
Bogen nur auf einer Seite. Bald baute man aber
Toppelschnellpressen. Die jetzt gebräuchlichsten be-
drucken mit zwei Druckcylindern von einer Form
stündlich etwa 2400 Bogen; dabei sind außer dem
Maschinenmeister nur zwei Anleger erforderlich. Die
Doppelmaschine für Illustrationsdruck mit schwin-
gendem Druckcvlinder von Klein, Forst & Bohn
Nachfolger in Johannisberg (s. Tafel: Schnell-
pressen I, Fig. 3) ist sehr kräftig und exakt gebaut;
dieselbe hat nur einen Druckcylinder, dieser ist bei dem
Hin- und Nückgange des Fundaments in Bewegung
^ und liefert bei jeder Schwingung einen Abdruck. Fer-
' ner brachte man es auch dahin, sog. vollständige oder
! Komplettmaschinen herzustellen, die den Bogen
umscklagen, auf beiden Seiten bedrucken und fo 900
-1000 Bogen in der Stunde auf beiden Seiten be-
^ druckt liefern. Hierbei findet indes ein Abschwärzen
! des Widerdrucks statt. Deshalb wird gleichzeitig mit
^ jedem weihen Bogen ein Makulaturbogen durch die
Maschine geleitet, der sich beim Widerdruck auf den
Druckcylinder unter den ersten Abdruck legt und so
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