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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schollenbrecher - Scholz (Adolf Heinr. Wilh. von)
richten und so auf ihre Beute lauern. Nur wenn die
Scholle aufgestört wird, richtet sie ihren Körper ver-
tikal und schießt eine Strecke pfeilschnell fort, geht
dann in langsame, wellenförmige Bewegung über
und senkt sich endlich wieder auf den Boden nieder.
Der Rumpf besteht wesentlich aus dem Schwänze, da
die Eingeweidehohle unmittelbar hinter dem Kopse
nur einen kleinen Raum einnimmt und der After
unter der Kehle liegt. Alle Fische dieser Familie leben
im Meere; doch kommen einige auch in das Wasser
aroher Flußmündungen, und der Flunder steigt die
Müsse so weit hinauf, daß er schon bei Trier in der
Mosel, bei Mainz im Nbein, bei Klingenberg in Fran-
ken im Main und bei Meißen in der Elbe gefangen
wurde. Sie halten sich meist in Gesellschaften zu-
sammen, haben ein sehr zähes Leben und ein meist
sehr wohlschmeckendes Fleisch, das eine gesunde und
angenehme Nahrung abgicbt. Einige gehören sogar
zu den leckersten Seefischen. Die größte Zahl der
Arten findet sich in den gemäßigten Breiten. Nack
den Flossen und Zähnen zerfallen die S. in mehrere
Gattungen. Die eigentliche Gattung S. (?1at683^)
hat einen ovalen oder fast rautenförmigen Körper,
Rücken- und Afterflosse reichen nicht ganz bis zur
Schwanzstosse, die Augen stehen meist auf der rech-
ten Seite und die Zähne sind stumpf-schneidend.
Der in Nord- und Ostsee wohnende Platteis oder
die gemeine Scholle (I>l6ui-0U6ct63 p^teäs^ ^).,
s. Tafel: Fische II, Fig. 12) ist meist auf braunem
Grunde goldgelb gesteckt und bat4-7 Höcker binter
den Augen. Ihr zartes, wohlschmeckendes Fleisck ist
sehr geschätzt, es wird auch gesalzen und getrocknet.
Nicht ganz so schmackhaft ist der ihr ähnliche Flun-
der oder Sandbutt (?i6uron6ct68 Ü63U8 ^>.,
s. Fig. 13), der an den Küsten der Nord- und eines
Teils der Ostsee außerordentlich häufig ist und 31
-72 cin lang wird. Ihm fehlen die goldfarbigen
Flecke der Scholle, an den Flossen und der Seiten-
linie trägt er dornige Warzen. Man genießt ibn
srisch und geräuchert. Die in der Nord- und Ostsee
lebende Kliesche (?i6ui-0N6ct68 limanäa. ^., s.
Fig. 14) ist wie eine Feile rauh, etwa 30 cm lang
und nur hier und da durch Wohlgeschmack und Zart-
heit des Fleisches ausgezeichnet, aber seltener. Die
Pole, Aalbutt oder Hundszunge (li6ui-oii6c-
t63 cvnoßi038U8 ^.) Zeichnet sich durch ansehnliche
Größe und verwaschene Marmorierung auf gelb-
braunem Grunde aus.
Die Gattung Butt (^1i0indu8) ist von der vori-
gen durch hechelformige, spitzige Zähne und die
meistens auf der linken Seite stehenden Augen ver-
schieden. Der in der Nord- und Ostsee, aber auch
im Mittelmeer lebende, durch einzelne rauhe Sckup-
penbuckel leicht kenntliche Steindutt oderTurb ot
Muoindu8 !icu1(^tu8 ^cm<Mc5) war schon bei den
alten Griechen und Römern bekannt und ist stets
geschätzt worden. Gewöhnlich wiegt er 2,5-5 kF;
doch sind auch schon Exemplare von 75, ja selbst von
80 icF gefangen worden. Noch größer als die vorige
Art gewöhnlich ist der in großen Tiefen der Nordsee
vorkommende Heil- oder Heilig butt (Hippo
glo83u8 vuI^Äli8 F'Vom.), der 2-2,5 in, ja selbst bis
4m lang werden soll. Der Glattbutt, Brill,
Viereck (1lN0inIni3 1^6vi3 _At"l<Met) ist noch ge-
meiner als der Eteinbutt, aber bei weitem nicht von
gleichem Wohlgeschmack. Er ist völlig glatt und
seine dunklere Seite braun und gelb marmoriert. Die
Gattung Sohle (8oi6a) hat eine längliche, zungen-
förmige Gestalt, und die Rücken- und Afterflosse
BrockhauZ' Konversations-Lc>xikon. 14. Aufl. XIV.
reichen völlig bis zur Schwanzflosse. Zu ihr gehört
die an den meisten Küsten Europas lebende ge-
meine Seezunge oder Zunge (8oi6H vul^rig
Att6,iF6?), die treffliches Fleisch hat.
Schollenbrecher, eine Art Äckerwalze (s. d.).
Schollenen, Felsschlucht im schweiz. Kanton
Uri (s. Neuß, Fluß). M. 353a).
Schollensteinbrech, Pflanzenart, s. s^xili-a^
Schöllkraut, Pflanzenart, s. ^klillonium.
Schölten, Job. Heinr., niederländischer prot.
Theolog, geb. 17. Aug. 1811 zu Vleuter bei Utrecht,
studierte daselbst, wurde 1838 Prediger in Meerkcrk,
1840 Professor der Theologie am Athenäum zu
Franeker, 1843 außerord., 1845 ord. Professor zu
Leiden, wo er, seit 1881 emeritiert, 10. April 1885
starb. S. war ein Vertreter der modernen Theo-
logie, das Haupt der kritischen Schule in Holland.
Er schrieb: "De äsi 61Z3. 1ioinin6iu amoi-O"
(Utrecht 1836), "D6 leer äer K66rvormä6 I(6l1i"
(2 Bde., Leid. 1848-50; 4. Aufl. 1861; deutsch von
Nippold in der "Zeitschrift für bistor. Theologie",
1865), "<368c1iieä6ni8 van 60(l8äi6N8t 6n >v)'8d6-
F66i-t6" lebd. 1853; 3. Aufl. 1863; deutsch von
Nedepenning, Elberf. 1868), "Inleiäin^ tot äs
8cw-it't6n ä63 ^1611^6 ^63tHiQ6nt8" (Leid. 1853;
2. Anfl. 1856; deutsck 1856), "1)6 vri'j6 nil" (ebd.
1859; dentsch von Manchot, Verl. 1874), "Ü6t
I>ÄNF6Ü6 naai- ^0dann63" (Leid. 1864; deutsch von
Lang, Verl. 1867), "v6 ouä8t6 ^6wiF6ni886n aan-
F3".1iä6 äß Lclii'iftSN 668 ^1611^6 ^68tÄIN6Nt8 "
(Leid. 1866; deutsch von Manchot, Brem. 1867),
"116t 0uä3t6 NvanZßlie" (Leid. 1868; deutsch von
Redepenning, Elberf. 1869), "v6 600^3 lormuls"
(Leid. 1869'; deutsch von Gubalke, Gotha 1885),
"llet ?Hii1wi8ck Nvan^ßlie" (Leid. 1870; deutsch
von Redepenning, Elberf. 1881), "18 ä6 äei-äs
I^vanZ6li3t ä6 8clir^v6r van ket doek ä6r Hau-
äLlinA6n" (Leid. 1873) und "Hi8toi-i8e1i-ci-iti8cN6
I)^äi'liZ6n naai' anI^iciinA van äs ni6u^v8t6 nvpo-
tU636aanFllanä6 ^62ii8 6ii ^anlu8)> (ebd.1882). Seine
eigene theol. Entwicklung beschrieb er in "^t'8c1i6iä3-
1-6(16 di^ 1i6t N66ri6^6n VÄI1 Ii6t Ii00Fi66rai-8amI)t"
(Leid. 1881). - Vgl. Kuenen, I^6V6N8d6ricIit van
8. (Amsterd. 1885).
Scholtz, Julius, Historienmaler, geb. 12. Febr.
1825 in Vreslau, studierte auf der Dresdener Aka-
demie und zeichnete sich zuerst durch das Gemälde:
Gastmahl der Generale Wallensteins (1861; Kunst-
balle in Karlsruhe) aus. Die Verbindung ge-
scbichtstreuer Charakteristik mit dem Element des
Sittenbildes, die hierin hervortritt, bildet auch den
Reiz seiner spätern Gemälde, unter denen Die
Musterung der Freiwilligen vor König Friedrich
Wilhelm III. in Vrcslau (einmal für das Museum
zu Vreslau, ein zweites Mal 1872 für die National-
galcrie in Berlin gemalt) besonders hervorzuheben
ist. S. wurde 1874 Professor an der Dresdener
Akademie und beteiligte sich an der Ausschmückung
der Albrechtsburg in Meißen mit acht 1880 voll-
endeten Wandgemälden aus dem Leben des Herzogs
Albrecht. Er starb 2. Juni 1893.
Scholz, Adolf Heinr. Wilh. von, preuß. Staats-
mann, geb. 1. Nov. 1833 zu Schwcidnitz, studierte
1851-54 in Berlin und Bonn die Rechte, arbeitete
dann ein Jahr lang als Auskultator am Kreisge-
richt zu Schweidnitz, kehrte hierauf nach Berlin zu-
rück und trat 1859 in die Verwaltungslaufbahn
über. In dieser war er bei den Negierungen zu
Tanzig, ^ppeln und Vreslau und dem Oberpräsi-
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