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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schönborn (Friedrich, Graf) - Schönburg
Vicerektor und seit 1882 Rektor des fürst-erzbischöfl. !
Seminars in Prag. 1883 wurde er zum Bischof
von Budweis und 1885 zum Fürst-Erzbischof von
Prag ernannt, 1889 zum Kardinal erhoben. S. ist
auch Mitglied des Herrenhauses.
Schöltborn, Friedrich, Graf, österr. Staats-
mann, geb. 11. Sept. 1841 zu Dlaschkowitz in Böh-
men, wurde, nachdem er die juridischen Studien
absolviert und als Anhänger der czechisch-klerikalen
Partei sich bemerklich gemacht hatte, ohne je im
Staatsdienste thätig gewesen zu sein, 1884 zum
Statthalter von Mähren und 1888 zum Justiz-
minister ernannt. Als solcher erwarb er sich durch
strenge Unparteilichkeit auch die Achtung der Libe- ^
ralen, erregte aber, als er 1890 für den bö'hm. Aus- !
gleich eintrat und 1892 durch eine Verordnung die
Errichtung eines deutschen Bezirksgerichts in i
Weckelsdorf veranlaßte, den Unwillen der Jung- "
czcchen in dem Maße, daß sie beantragten, ihn in !
den Antlagezustand zu versetzen. Das Abgeord-
netenhaus lehnte diesen Antrag ab, und S. behielt
sein Portefeuille auch in dem 12. Nov. 1893 ge-
bildeten Koalitionsministerium Windischgrätz. S.
veröffentlichte mehrere Broschüren, darunter "Böh- ^
men und Osterreich" (Prag 1870), "Randglossen zum !
Entwurf eines neuen Strafgesetzes" <ebd. 1878)
und "Wirkungen der Neufchule" (ebd. 1881).
Schönborn, Johann Philipp von, aus altem ^
rheinländischem Geschlecht, das urkundlich schon im ,
12. Jahrh, zur unmittelbaren Reichsritterschaft ge- !
hörte, geb. 1605, wurde 1642 Fürstbischof zu Würz- !
bürg und 1647 Erzbischof und Kurfürst von Mainz, z
Bei der Krönung des Kaisers Leopold I. 1658 er- ,
neucrte er den schon bei der Krönung Ferdinands III.
aufgebrochenen Streit mit dem Erzbischof von Köln !
wegen des Vorrechts der Salbung des neuen Kai- >
sers und trat im fclben Jahre der Rheinischen Al-
lianz bei. Als ihm die Bewohner von Erfurt den ^
Gehorsam verweigerten, bemächtigte er sich mit Bei- !
Hilfe franz. und lothring. Truppen 1664 der Stadt.
Um Stadt und Kurfürstentum Mainz hat er sich
vielfache Verdienste erworben. Er starb 1673.
Schönbrunn, berühmtes kaiserl. Lustschloß in
Wien (XIII. Bezirk Hictzing), im Südwesten der
Stadt (s. Wien, Stadtplan), am Wienflüßchen, unter
Kaifer Leopold I. nach den Plänen von Fischer
von Erlach begonnen und unter Maria Theresia
1744-50 vom Baumeister Valmagini ausgebaut,
dient dem Hofe teilweise zum Sommeraufenthalt.
Das Schloß enthält großartige Parkanlagen (mit
dem Fasancngarten, der Menagerie u. s. w. 2670 m
lang, 1250 m breit, 196,6 lia groß), 1441 Zimmer
und Gemächer, darunter das Blaue Kabinett, ein
Lieblingsaufenthalt der Kaiserin Maria Theresia,
das Zimmer, in dem Napoleon I. 1809 wohnte und
sein Sohn, der Herzog von Reichstadt, 1832 starb,
und ein Theater. Sehenswert sind die Schloßkapelle,
die Große und Kleine Galerie mit Spiegelwänden
und den kunstvollen Kalkgemälden am Plasond, von
Gregor Guglielmi, die drei Landschaftszimmer, das
Zimmer mit den Hamiltonschen Gemälden und der
Cercmoniensaal. Zunächst am Schlosse befindet sich
die große Orangerie und andere Gartenanlagen mit
Marmorstatuen und Marmorgruppen. Der Park
enthält herrlicbe Alleen, mehrere Bassins, den Kaiser-
brunnen oder Schönen Brunnen, welcher dem Schloß
den Namen gegeben hat, Fasanerien, Tiergarten,
botan. Garten, auf der Höhe des Schönbrunner-
bergs die Gloriette, ein samt Seitenaufgängen 135 m
langes, 25 in hohes, 1775 aufgeführtes Pracht-
gebäude mit Kolonnade, Waldpartien u. s. w. -
S. war schon unter Kaiser Maximilian fürstl. Jagd-
schloß. In S. wurde 26. Dez. 1805 der Friede von
Preßburg (s. d.) bestätigt, 27. Dez. von Napoleon I.
die Proklamation gegen die Dynastie Vourbon in
Neapel, 15. Mai 1809 dessen Aufruf an die Ungarn
erlassen. Am 14. Okt. 1809 wurde zu S. der den
Französisch-Österreichischen Krieg von 1809 (s. d.,
Bd. 7, S. 215 H) beendende Friede abgeschlossen. -
Vgl. Lerntner, Monographie des kaiserl. Lustschlosses
S. (Wien 1875); Weller, Die kaiserl. Burgen und
Schlösser in Wort und Bild (ebd. 1880); Kronfeld,
Das neue S. (2. Aufl., ebd. 1891).
Schönbuch, flache Vcrglandschaft auf der Grenze
des württemb. Neckar- und des Schwarzwaldkreises,
zwischen dem Neckar und dessen beiden linksseitigen
Zuflüssen Ammer und Aich, steigt im Westen bei
Herrenberg bis zu 565 m Höhe aus.
Schönburg, ein jetzt sürstl. und gräfl. Haus im
Königreich Sachsen. Die Besitzungen, im Umfange
von 582 hkm, sind teils Standes- oder Rezeßherr-
fchaftcn, teils Lehnherrschaften. Außerdem besitzt
das Haus S. ausgedehnte Besitzungen in Preu-
ßen, Osterreich und Bayern. Oft im Streite mit
den meißnischen Fürsten, übergaben die S., um
der Lanosässigkeit zu entgehen, der Krone Böhmen,
zu welcher sie schon im Lehnsverhältnis standen,,
auch ihre Stammgüter zu Lehn. Da sie aber ein-
zelne Rechte der ältern Landeshoheit durch Her-
kommen erlangt und außer den böhm. Lehen
viele altmcißmschen Rittergüter erworben hatten,
so entstanden daraus bei der völligen Ausbildung
der Landeshoheit der meißnischen Fürsten ver-
wickelte Verhältnisse, die durch die Reichsstandschaft
der Herren von S. nur noch schwieriger wur-
den. Sehr heftig wurden die Streitigkeiten, als das
Gesamthaus 1700 die rcichsgräfl. Würde erhielt.
Endlich kam der doppelte Rezeß vom 4. Mai 1740
zu stände, in welchem Sachsen die Reichsstandschaft
des gräfl. Haufes S. und dieses die sächs. Landes-
hoheit anerkannte, wobei den Grafen von S. mehrere
hoheitliche und andere wichtige Vorrechte von Sach-
fen gewährt wurden. Neue Streitigkeiten entstanden
1772 und führten durch die von feiten Österreichs
dem Hause S. gewährte Unterstützung 1776 sogar
zu feindlichen Schritten gegen Sachsen. Im Tesche-
ner Frieden überließ Böhmen feine lchnsherrlichen
Rechte über die drei fchönburgifchen Herrfchaften
an den Kurfürsten von Pfalzbayern, der sie an
Sachsen abtrat. Durch die Auflösung des Deutschen
Reichs erlosch zwar die Reichsstandschaft des Haufes
S., doch ließ König Friedrich August I. den Nezeß
von 1740 fortbestehen, und ein Bundestagsbeschluß
von 1828 sagte dem Hause S. außerdem die Rechte
der 1806 mittelbar gewordenen reichsständischen
Familien zu. Die Fürsten und Grafen von S.
gehören demnach zum hohen Adel. Die Staats-
reformcn in Sachfen (1831) führten 9. Okt. 1835
zu einem "C'rläuterungsrezeß". Weitere Verände-
rungen, besonders hinsichtlich der dem Hause vor-
behaltenen Teilnahme an der Iustizhohcit, machte
die Reorganisation der Gerichte erforderlich, die zu
dem Vertrage vom 22. Aug. 1862 führte. Durch
den Vertrag vom 29. Okt. 1878 übertrug schließlich
das Haus S. seine Gerichtsbarkeit gegen eine Ent-
schädigung von 1^/2 Mill. M. an den sächs. Staat.
- Vgl. Michaelis, Die staatsrechtlichen Verhält-
nisse der Fürsten und Grafen von S. (Gieß. 1861);