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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schöninghsdorf - Schönn
Etaatsbahnen, Sitz eincs Amtsgerichts (Landgericht
Braunschweig), hat (1890) 7593 E., darunter 250
Katholiken und 30 Israeliten, Postamt erster Klasse,
Telegraph, Fernsprecheinrichtung, St. Vinccnzkirche,
St. Lorenzkirche, ehemaliges Augustincrkloster, 1120
von Bischof Reinhardt von Halberstadt geweiht,
zwei herzogl. Domänen, Rittergut, Solbad, Progym-
nasium, höhere Mädchenschule, Wasserleitung, Gas-
werk, eine staatliche Saline mit Steinsalzlager (600 m
tief); Fabriken für Chemikalien, Drahtseilbahnen,
Molkerei- und landwirtschaftliche Maschinen, Farben
und Vitriol, drei Ziegeleien, Steinbrüche, Vieh-
Handel, Iabrmärkte; in der Nähe fünf Zucker-
fabriken und bedeutende Braunkohlengruben.
Schöninghsdorf, von Hauptmann Schöningh
bei Meppen begründete Moorkolonie (s. Fehn- und
Moorkolonien, Bd. 6, S. 631 ll).
Schölnt, ein Salz, das bei Staßfurt den auf
den Salzlagerstätten vorkommenden Kainit über-
krustet und aus diesem durch Abgabe des darin
enthaltenen Chlormagnesiums entstanden ist. Es
hat die chcm. Formel I^c^ -N^O^ 4- 61^0.
Schön-jang, chines. 3tame der Stadt Muk-
den (s. d.). ^S. 1012H).
Schönkranz, chinesischer, s. ^3t6r (Bd. 1,
Schönlanke, Stadt im Kreis Czarnikau des
prcuß. Reg.-Bez. Vrombcrg, an der Linie Ber-
lin-Kreuz der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines
Amtsgerichts (LandgerichtSchneidcmühl),bat(1890)
4113 6., darunter 948 Katholiken und 482 Israe-
liten, Postamt zweiter Klasse mit Zweigstelle, Tele-
graph, cvang. und kath. Kirche, Realschule; Woll-
spinnerei, Cigarrenfabrikation und Schuhmacherei.
Das anstoßende Dorf S. hat 1259 E.
Schönleber, Gustav, Landschaftsmaler, geb.
3. Dez. 1851 zu Bictigheim. Bei Kurtz in Stutt-
gart, dann bei Lier in München gebildet, vollendete
er seine Studien auf Reifen in der Normanoie, in
Belgien und Holland wie in Obcritalien, welchen
Gebieten auch nächst seinem Heimatlande der größte
Teil seiner Gemälde entnommen ist. Zu nennen
sind: Fischmarkt in Danzig, Hafen von Ostcnoe
(1879), Rotterdam, Holländisches Dorf (Münchener
Pinakothek), Ebbe in Vlissingen (1881: Dresdener
Galerie), Abend in Dordrecht, Aus einer schwä'b.
Reichsstadt, Frühjahr in Schwaben, Hockwasser am
Neä'ar,San Lazzaro (Mannheim, Städtische Galerie),
Punta da Madonnetta (München, Neue Pinakothek),
Hafen von Genua, Quinto al Märe und Der Strand
vonRecco. S. ist auch als Radierer und für den Holz-
schnitt thätig. 1880 wurde er als Professor an die
Kunstschule zu Karlsruhe berufen, wo er noch wirkt.
Schönlein, Joh. Lukas, Arzt und Kliniker, geb.
30. Nov. 1793 zu Vambcrg, bcfuchte feit 1811 die
Universität zu Landshut und seit 1813 die zu Würz-
burg; 1819 habilitierte er sich zu Würzburg als
Privatdoecnt und wurde hier 1820 auherord., 1824
ord. Professor der Therapie und Klinik und dirigie-
render Arzt am Iuliushospital. In dieser Stellung
begründete er seinen großen Ruf als Arzt und Leh-
rer. Jedoch mit der bayr. Regierung in Disharmo-
nie, ging er 1833 als Professor der Klinik nach Zü-
rich, 1839 nach Berlin. Er begann hier im Mai
1840 als Professor der Patbologie und Therapie
und Direktor der mediz. Klinik der Universität seine
Wirksamkeit und wurde zum prcuh. Geh. Ober-
medizinalrat, vortragenden Rat im Ministerium
des Unterrichts, der geistlichen und Medizinalange-
legcnhciten sowie zum Leibarzt des Königs Friedrich
Wilhelm IV. ernannt. Als solcher stand er dem
Könige anfangs auch in dessen letzter Krankheit zur
Seite, entzweite sich aber mit den andern Leib-
ärzten über Wefen und Vehandlungsweise des Lei-
dens und legte deshalb 1859 alle feine Amter nieder.
Er zog sich nach Bamberg zurück, wo er 23. Jan.
1864 starb. Am 30. Nov. 1874 wurde sein Denkmal
(Kolossalbüste von Zumbusch in Wien) in Bamberg
enthüllt. In Würzburg gründete S. die sog. Natur-
historische Schule, welche im Gegensatz zu der damali-
gen naturphilos. Richtung der Medizin die Physik.
Hilfsmittel, Perkufsionund Auskultation, überhaupt
die exakten Forschungsmethoden am Krankenbett in
Anwendung zu bringen lehrte. Außerdem ist er als
der Schöpfer eines die Krankheiten nach Art der Na-
turgeschichte in Klassen, Familien, Gruppen und Ar-
ten einteilenden nosologischen Systems zu betrachten.
Durch seine Entdeckung des Favuspilzes (^cliorion
Zciweiiieinii) wurde er der eigentliche Begründer der
j Lehre von den Dcrmatomykoscn. Einige seiner Zu-
börcr veröffentlichten, zum Teil gegen feinen Willen,
feine "Allgemeine und fpecielle Pathologie und The-
rapie" (nach Vorlesungen bearbeitet, 4 Bde., Würzb.
! 1832; 4. Aufl. 1839), "Krankheitsfamilie der Typhen"
(Zür. 1840) und "Klinische Vorträge im Charite'-
krankcnhause zu Berlin" (1. und 2. Heft, Verl. 1842;
3. Aufl. 1844; 3. Heft, 1844). - Vgl. Virchow, Ge-
dächtnisrede auf ^.(Berl. 1865); Nothlauf, Johann
Lukas S. (Bamb. 1874).
Schönlinde, czech. I^räänü. I^pa, Stadt in der
österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gcrichts-
bezirk Rumburg in Böhmen, an der Linie Prag-
Georgswalde-Ebersbach der Vöhm. Nordbahn, hat
5205, als Gemeinde 6843 deutsche E., schöne Kirche,
hobere Bürgerschule, Fachschule für Wirkerei; Noll-
und Baumwollwebereien, mechan. und Handwebe-
^ reicn, Strumpf- und Zwirnfabriken, Bleichereien
' und Färbereien.
! Schonn, Alois, Genrcmaler, geb. 11. März 1826
! in Wien, bildete sich dafelbst seit 1846 an der Aka-
demie unter Führich und L. Ruß aus. Während des
l Revolutionsjahres kämpfte er in Südtirol mit. Das
^ künstlerische Ergebnis dieser Kriegszeit war das Ge-
mälde Rückkehr aus dem Gefecht bei Ponte tedesco,
! dem Der Sturm auf Lodrone (im Besitz des Kaisers
^ von Österreich) und Der Auszug der Tiroler Studen-
! tcn 1848 (Museum in Innsbruck) folgten. Hierauf
^ begab er sich auf den ungar. Kriegsschauplatz, ent-
ging aher als vermeintlicher Spion mit genauer Not
der Hinrichtung durch die Ungarn. 1850 begab sich
S. nach Paris, um bei Horace Vernet zu studieren.
Eine Orientreise (1852) und eine Reise nach Ungarn
i und dessen Ncbcnländern (1856) gaben ihm reichen
! Stoff. Seine farbenprächtigen Bilder schildern das
! Volksleben des Orients wie Italiens. Von erstern
! sind hcrvorzubcben: Abend am Nil, Ägyptische
Dame, Mädchen auf dem Sklavenmarkt in Siut,
Die Kolosse von Theben (für den Kaiser von Mexiko
gemalt), Arabischer Märchenerzähler, Türkisches
Weinlesefest. Von ital. Motiven sind die bekannte-
' sten: Fischmarkt von Chioggia, Volkstheater in
Ehioggia; dazu kommt die Genuesische Küste (Kaiser
von Österreich) und Volksfest auf Capri. Die Ga-
lerie der Wiener Akademie besitzt: Gänsemarkt von
Krakau. Zu den neuesten Bildern des Künstlers ge-
hört das koloristisch ausgezeichnete Atelier des Künst-
lers, Markt auf der Freiung, Obstmarkt auf dem
i Schanzt (beide im Auftrage der Stadt Wien gemalt).
! S. lebt in Wien.