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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schottische Philosophie

von W. Hamilton besorgten Bearbeitung noch heute ein Lieblingsbuch des schott. Landvolks.

Unter den schott. Nachfolgern und Nachahmern des Dichters Chaucer glänzen im 15. Jahrh. der König Jakob I. (gest. 1437) als Verfasser des "King's Quair" sowie Robert Henryson (gest. um 1506), von welchem das Schäfergedicht "Robene and Makyne" sowie auch "The testament of Cresseid", eine Fortsetzung von Chaucers "Troylus and Cresseid", und eine Reihe humoristischer Fabeln stammen. Diese überragte zu Anfang des 16. Jahrh. William Dunbar (s. d.), dessen Hauptwerke in allegorischen und moralischen Gedichten bestehen. Gleichzeitig mit Dunbar wirkte als Dichter Gavin Douglas (s. d., Bd. 5, S. 466 b), Bischof von Dunkeld (gest. 1522), bekannt als Übersetzer der Äneide. Alexander Scots Liebesgedichte erwarben ihm den Beinamen des schott. Anakreon. Sir David Lyndsay (gest. 1555) schrieb gegen den kath. Klerus gerichtete satir. Gedichte, wie "Kittie's confession" (1541); in dem satir. Drama "The three estates", welches 1535 öffentlich aufgeführt wurde, wagte er sogar, König, Adel und Geistlichkeit gleichmäßig zu verspotten ("Poetical works", hg. von George Chalmers, 3 Bde., Lond. 1806; Ausg. von Small für die Early Text Society, ebd. 1865-71). Aus dem 15. und 16. Jahrh. stammen außerdem viele der heute noch sehr verbreiteten schott. Balladen. Während der ganzen zweiten Hälfte des 16. Jahrh. war das Land von innern Fehden zerrissen, die alle Poesie verscheuchten, und der starre Geist des Calvinismus, der sich mit der Reformation festsetzte, ließ das Drama nicht aufkommen, auf welchem Gebiet die engl. Dichter so große Erfolge errangen. Sir Richard Maitland (gest. 1586) und Alexander Hume (gest. 1609) schrieben nur religiöse und moralische Gedichte, Alexander Montgomerie eine ziemlich schwache Allegorie "The cherrie and the slae" (1597), die sich indes durch Glätte der Diktion und ansprechenden Versbau empfiehlt. Das bedeutendste Prosawerk dieser bewegten Zeit war die "History of the Reformation in Scotland" von John Knox (gest. 1572), dem berühmten schott. Prediger und Reformator. Nachdem Jakob VI., der selbst sich als Dichter versucht hatte, als Jakob I. den engl. Thron bestiegen hatte, hörten die Gebildeten Schottlands, die stets das Lateinische bevorzugt hatten, ganz auf, zu ihren schriftstellerischen Arbeiten sich der heimatlichen Mundart zu bedienen. Arthur Johnstone und einige andere schrieben nach Buchanans (s. d.) Beispiel lat. Verse; Sir Robert Ayton (gest. 1638), William Drummond (gest. 1649) und alle übrigen schott. Dichter des 17. Jahrh. schlossen sich der gleichzeitigen engl. Dichterschule an. Während daher die engl. Sprache immer sorgfältiger bearbeitet wurde, sank das Schottische zu einer lingua rustica herab, der man in der Litteratur keinen Platz mehr gönnte.

Erst Allan Ramsay (s. d.) hob die schott. Sprache und Dichtkunst; der originelle Humor, seine malerischen Skizzen, in welchen sich die Sitten und Gebräuche seiner Landsleute abspiegelten, sowie die geschickte Behandlung der schott. Volkssprache brachten eine mächtige Wirkung hervor. Dem Englischen gegenüber, das unterdessen allgemeine Büchersprache geworden war, konnte zwar das Schottische im 18. Jahrh. nur auf eine bescheidene Stelle Anspruch machen. Aber der Anstoß war gegeben, und es fanden sich bald Nachahmer, welche die von Ramsay und seinem Freunde Robert Crawford (gest. 1733) eröffnete Bahn verfolgten. Robert Fergusson (gest. 1774) schrieb Satiren und poet. Schilderungen, die nur von Burns übertroffen wurden, Alexander Roß (gest. 1784) eine Idylle "The fortunate shepherd". Von großem Einfluß war die Veröffentlichung der "Reliques" von Percy (s. d.), die allgemeines Interesse an den reichen Schätzen schott. Volkspoesie wieder erweckten. David Herd veröffentlichte schon 1769 eine umfangreiche Sammlung "Scottish songs and ballads". 1771 erschien die herrliche Ballade "Auld Robin Gray", deren Verfasserin erst ein halbes Jahrhundert später in Lady Anne Barnard, Tochter des Grafen Balcarres (gest. 1825), bekannt wurde. Außerdem versuchten sich mit Glück als Liederdichter John Love (gest. 1798), John Skinner, Verfasser des "Tullochorum" (gest. 1807), Jane Elliot, Susanna Blamire (gest. 1794) und Alicia Cockburn (gest. 1794). Endlich veröffentlichte Robert Burns (s. d.) 1786 seine ersten Dichtungen, die nicht nur in Schottland, sondern auch in England mit Begeisterung aufgenommen wurden. Als Dichter gehört Burns allen Zeiten und allen Nationen an; in seiner Redeweise, seinen Empfindungen und selbst in seinen Vorurteilen aber ist er echter Schotte. Nur durch ihn ward es möglich, daß Walter Scott den schott. Dialekt in seinen Waverley-Romanen anwenden konnte.

Auf seine Landsleute übte Burns den belebendsten Einfluß aus, und viele eiferten ihm nach. Am nächsten kamen ihm vielleicht Alexander Wilson (gest. 1813) in dem "Watty and Meg" und John Mayne (gest. 1836) in dem "Siller Gun", das sich durch eine glückliche Mischung von Laune und Pathos empfiehlt, während der derbe Humor Sir Alexander Boswells oft in Roheit ausartet. Von den Liedern Robert Tannahills (gest. 1810) sind namentlich "The flower o' Dumblane" und "The Braes o' Balquhither" Eigentum des Volks geworden, und Hector Macneill (gest. 1818) stellte in "Scotland's skaith, or the history o' Will and Jean" das Nationallaster der Unmäßigkeit und seine traurigen Folgen in ergreifenden Zügen dar. Unter allen schott. Dichtern entwickelte James Hogg (s. d.) die glänzendste, wenn auch ungezügelte Phantasie. All an Cunningham (s. d.) und William Motherwell (gest. 1835) bearbeiteten nach dem Vorgange Scotts ("The minstrelsy of the Scottish border", 3 Bde., 1802) die alten Volkssagen, James Hislop (gest. 1827) feierte die Märtyrer des Covenant und Robert Nicoll (gest. 1837) schrieb didaktische Gedichte. Neuerdings erwarben sich große Popularität die Dichtungen Robert Gilfillans, John Wilsons und William Edmonstoune Aytouns (s. d.), dessen "Lays of the Scottish cavaliers" namentlich ein kräftiges Nationalgefühl atmen. Neben Aytoun ist am bekanntesten geworden Alexander Smith. - Vgl. Bonar, The poets and poetry of Scotland (Lond. 1864); Rogers, The Scottish ministrel (Edinb. 1873); Murray, The ballads and songs of Scotland in view of their influence on the character of the people (Lond. 1874); Roß, Scottish history and literature of the period of the Reformation (Glasgow 1884); J. S.^[John Stuart] Blackie, The language and literature of the Scottish Highlands (Edinb. 1876) und Scottish Song (ebd. 1889).

Schottische Philosophie oder Schottische Schule, die Lehre einer Anzahl in Schottland geborener und lehrender Philosophen, die sich mit