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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schottland

bevölkerte Teil Großbritanniens, besteht aus einer kahlen, von Torfmooren und Sümpfen eingenommenen Hochebene von 150 bis 425 m Meereshöhe, auf welcher zahlreiche Gipfel emporsteigen. Die höchsten sind der Ben-Dearg (1081 m), der Ben-Wyvis (1045 m); viele andere erreichen zwischen 900 und 1000 m Höhe. Etwas niedriger sind die Gipfel in den nördlichsten Teilen, in Sutherland. Kaum ein Zwanzigstel des Landes ist eben, hauptsächlich an der Ostküste, wo die welligen Ebenen von Caithneß und von Cromarty einiger Kultur Raum geben. Der wunderbare Wechsel von mächtigen Bergen, von burggekrönten Hügeln, von tiefen Felsschluchten (Glens), von offenen Thälern (Straths oder Carses), besonders an der Ostseite, von malerischen Felsenküsten, von Seen, Flüssen und Wasserfällen verleiben S. die Reize höchster Romantik.

Geologisches. Im äußersten Nordwesten und auf den Hebriden herrscht archaisches Gestein vor, an der Nordostspitze, am Moray-Firth und im Strathmore alter roter Sandstein, sonst fast durchweg die silurische und die devonische Formation mit Graniteinschaltungen, die ihre heutige Gestalt weniger den Faltungen und Verwerfungen als der Denudation verdankt. Der Caledonische Kanal bezeichnet eine Hauptspalte. Spätere Einbrüche trennten die Hebriden ab, ein Vorgang, der durch das Auftreten eruptiver Thätigkeit an der Westküste gekennzeichnet wird. Eine Trennung des Gebietes in zwei Teile bewirkt die Mulde zwischen Glasgow und Edinburgh, wo durch Denudation die jüngern Kohlen in der Mitte bloßgelegt sind, während Devon und Silur die Ränder bilden. Erhalten haben sich hier auch alte Eruptivmassen. Die Spuren der diluvialen Eiszeiten sind die sog. Kames, Stirnmoränen, die wie Dämme die Moorlandschaften durchziehen, sowie die meisten Seen.

Bewässerung. Fast alle Flüsse entspringen im Gebirge, haben einen viel raschern Lauf als die Englands, steigen oft plötzlich an und sind viel weniger zur Schiffahrt geeignet. Die bedeutendsten sind im Osten der Tweed, der Forth, der bedeutendste von allen, der Tay, der Dee von Aberdeen, der Don, der Spey, der schönste von allen, der Neß und der Findhorn; im Westen ist nur der Clyde wichtig. (S. die Einzelartikel.) Die zahlreichen Landseen (Lochs) sind teils Süßwasserseen, teils tief in das Land eindringende Seearme, durch großen Umfang oder reizende Umgebung, fast alle durch außerordentlichen Fischreichtum ausgezeichnet. Sie bedecken insgesamt 1665 qkm. Die bedeutendsten der Süßwasserseen sind der Lomond (mit mehr als 30 Inseln), der Awe und der Neß (s. d.), ferner der Loch Shin, der im nördl. Hochland eine von NW. nach SO. gerichtete Spalte bezeichnet, Loch Maree, Loch Tay, Arkaig, Shiel, Lochy, Laggan und Morar. Der einzige bedeutendere See im Tieflande ist der historisch berühmte Loch Leven in Kinroß (s. d.). Der Loch Neß, Oich und Lochy sind durch den Caledonischen Kanal (s. d.) verbunden; außer diesem sind wichtig: der Forth-Clydekanal (s. Forth) mit dem Unionkanal, der Aberdeenkanal (30 km) und der 1793-1801 erbaute Crinan-Kanal in Argyle. Im ganzen giebt es 245 km Kanäle, von denen 134 km den Eisenbahngesellschaften gehören.

Klima, Flora und Fauna. Das Klima ist im wesentlichen durch die Meeresnähe bedingt. Kühle, regenreiche Sommer, milde Winter, stets trüber Himmel sind die Regel. Die Januarisothermen durchziehen das Land von N. nach S., und zwar schneidet die von 4,5° C. die Hebriden und Cantire, die von 4° geht in Schlangenwindung von den Shetlandinseln zur Westküste, dann nach Liverpool und London, während die Masse des Innern bis an den Ostrand 3,5° C. zeigt. Im Juli dagegen ist S. weniger warm als England; die Isothermen ziehen von W. nach O., indem sie im Innern des Landes nach N. zu ansteigen; die von 15,5° trifft den südlichsten Teil; Dumfries im W. und Aberdeen im O. haben 15°, die Nordküste 13,5, die Shetlandinseln 12° C. Westl. Luftströmungen herrschen vor; gewaltige Regenfälle (bis 4000 mm an der Westküste), plötzliche Stürme sind häufig. - Die Vegetation entspricht der des mittlern Skandinavien, da die Buche schon südwärts zurückbleibt, ebenso die Eiche von den Grampians an; nur die Kiefer mit Birke geht bis 59° nördl. Br. Üppig gedeiht im feuchten Bergklima das gewöhnliche Heidekraut, Calluna vulgaris Salisb. Auf den Berggipfeln sind arktische Arten verbreitet. - Die mitteleurop. Tierwelt, welche an Artenzahl von Südosten nach Nordwesten stetig abnimmt, betritt in vielen ihrer Mitglieder den schott. Boden nicht mehr, andere sind hier im Lauf der Zeiten eher als auf dem Kontinent ausgerottet. Doch finden sich im Hochland auch Formen, welche selbst England abgehen, so eine Lokalrasse des Schneehuhns (Lagopus scoticus Gray), welche im Winter nicht weih wird, eine Reihe arktischer Wasservögel und Insekten. Die Flüsse und Bergseen sind reich an edlen Fischen, welche oft auch lokale Rassen nordischer Formen von Lachsen und Saiblingen sind. Die Fauna des Meers an den Küsten ist infolge der vorherrschenden Entwicklung von Felsen sehr reichhaltig.

Bevölkerung. S. zählte 1801: 1,61, 1821: 2,09, 1851: 2,88, 1881: 3,73 Mill. E. 1891 ergab die Zählung 4025647 E., d. i. 51 auf 1 qkm. Davon waren 1942717 männl., 2082930 weibl. E. Die Zahl der bewohnten Häuser betrug 817568. Von den Städten hatten 34 über 10000 E. und zwar hatten 18: 10-20000, 9: 20-50000, 3: 50-100000 und 4 über 100000 E. Die städtische Bevölkerung beträgt über 47 Proz. der Gesamteinwohnerzahl. Die größte Stadt ist Glasgow mit (1894) 686820 E.; die Hauptstadt Edinburgh zählt nur 270588 E. Auch hier zeigt sich die Anziehungskraft der Städte: die Landbevölkerung hat 1881-91 um 5,33 Proz. abgenommen, die der Dörfer um 4, die der Städte um 14,1 Proz. zugenommen. Nach dem Beruf gliederte sich die Bevölkerung folgendermaßen:

Berufe Männliche Weibliche Zusammen

Freie Berufe 75532 35787 111319

Handel 170676 10276 180952

Persönliche Dienstleistung 13102 190051 203153

Landwirtschaft 219042 30082 249124

Industrie 742036 290368 1032404

Unbeschäftigt oder unproduktiv 722329 1526366 2248695

Gesamtbevölkerung 1942717 2082930 4025647

Die kelt. Bestandteile der Bevölkerung haben sich im Nordwesten und auf den Hebriden erhalten. Auf den Orkney-Inseln, den Shetlands und in Caithneß finden sich altnord. Elemente. Das Englische dringt aber immer mehr vor. Die Schotten, besonders die Hochländer oder Bergschotten, sind tapfer, gastfrei, wohlwollend, dabei stolz auf ihren Stamm (Clan) und ebenso haushälterisch wie die