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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schottland

Engländer, aber unmäßiger im Genuß geistiger Getränke. Die Stammverschiedenheit der Hochländer und der Niederländer tritt noch in Sitten und Charakter hervor. Über die Sprache der Schotten in den Lowlands s. Englische Sprache, über die der Kelten in den Highlands s. Gälisch. Der Religion nach gehörten (1893) 612411 in 1353 Kirchspielen der Schottischen Kirche (s. d.) an. Von den übrigen kirchlichen Gemeinschaften sind die wichtigsten die Freie schott. Kirche (seit 1843) mit 343069 Mitgliedern und 1372060, die sie als Zugehörige betrachtet, ferner die Vereinigte presbyterianische Kirche, aus kleinern Sekten gebildet, mit 188706 Mitgliedern, sowie Methodisten, Baptisten, Independenten und Unitarier. Zur episkopalen Kirche gehört ein großer Teil des Adels, sie zählt 7 Bischöfe und etwa 80000 Angehörige. Die Katholiken haben besonders durch Zuwanderung aus Irland stark zugenommen. Sie haben 2 Erzbischöfe, 4 Bischöfe und etwa 365000 Angehörige. Was die Bewegung der Bevölkerung anlangt, so betrug die Zahl der Geburten 1890: 121530, 1891: 125986, 1892: 125011, 1893: 127040, die der Eheschließungen 27441, 27969, 28637 und 27090, die der Todesfälle 78978, 83573, 75568 und 79641. Im J. 1893 waren 7,4 Proz. der Geburten außerehelich, und zwar 3,3 Proz. auf den Shetlands, 4,9 in Roß und Cromarty, 15,1 in Wigtown. Die Zahl der Auswanderer betrug 1893: 22637, 1894: 14213. Für 93682 Arme werden jährlich 894500 Pfd. St. verausgabt.

S. zerfällt in 33 Grafschaften:

Grafschaften qkm Einw.

Shetland ) 28711

}2422

Orkney ) 30453

Caithneß 1844 37177

Sutherland 4885 21896

Roß und Cromarty 8159 78727

Inverneß 11021 90121

Nairn 556 9155

Elgin 1375 43471

Banff 1777 61684

Aberdeen 5101 284036

Kincardine 1004 35492

Forfar 2306 277735

Perth 6736 122185

Fife 1329 190365

Kinroß 201 6673

Clackmannan 129 33140

Stirling 1208 118021

Dumbarton 698 98014

Argyll 8429 74404

Bute 582 18404

Renfrew 657 230812

Ayr 2975 226386

Lanark 2302 1105899

Linlithgow 328 52808

Edinburgh 950 434276

Haddington 724 37377

Berwick 1202 32290

Peebles 922 14750

Selkirk 673 27712

Roxburgh 1734 53500

Dumfries 2856 74245

Kirkcudbright 2469 39985

Wigtown 1326 36062

Diese Grafschaften werden in 8 Divisions zusammengefaßt. (S. Großbritannien und Irland, Bd. 8, S. 400 b.)

Landwirtschaft und Fischerei. Von der Bodenfläche kommen auf das Ackerland und Weide 23, auf Wälle und Gebüsch 7, auf Gebirge, Heide und Wasser 70 Proz. Unter Anbau stehen im ganzen 4,44 Mill. Acres, d. i. 4,5 Proz. des gesamten Areals. Die fruchtbarsten Gebiete liegen am Firth of Forth und an der Ostküste bis zum Moray-Firth. In Fife sind 12, in Aberdeen 43, in Argyll aber 92, in Sutherland sogar 96 Proz. der Fläche Ödland. Die Landwirtschaft hat also in dem größten Teil des Landes mit Schwierigkeiten zu kämpfen, steht jedoch in Südschottland gegenwärtig auf einer fast höhern Stufe als in England. Hafer ist die Stapelware des Ackerbauers auch auf den Inseln und die Brotfrucht des Landmanns; Gerste wird meistens zum Branntweinbrennen benutzt. Kartoffeln werden viel gebaut, müssen aber auch eingeführt werden. Auch die Schafzucht, welche im ganzen der englischen nachsteht, hat sich bedeutend gehoben und sogar in die Hochlande verbreitet; man schätzt die Zahl der Schafe auf 7272864 Stück. Doch sind im Maximum in Ayr nur 16 Proz. Weiden. Übrigens wird auch in S., wie in England, bei der Schafzucht weniger auf Erzeugung von guter Wolle als von gutem Fleisch gesehen. Von Rindern (1201506 Stück) unterscheidet man verschiedene Stämme. Die Gallowayrinder, ohne Hörner, meist schwarz oder gefleckt, liefern vorzügliches Fleisch, weniger gute Butter. Die Rinder von Aberdeen, Fife, Ayr, Argyll und den Highlands haben Hörner von mittlerer Länge und liefern teilweise vorzügliches Fleisch und reichliche Milch. Clydesdale hat kleine, aber ausdauernde Ackerpferde, das Hochland Ponies, die jedoch hauptsächlich auf den Shetlandinseln vorkommen. Im ganzen schätzt man die Zahl der Pferde in S. nur auf 205707 Stück. Auch für Schweine wird nur die kleine Zahl von 148535 Stück angegeben. Die schönsten Waldungen (im ganzen 880000 Acres) enthält der östl. Teil der Hochlande. Hochwild und niederes Wild sind vorhanden sowie Wasser- und Seevögel in Menge, Eidergänse vorzüglich auf den Inseln. Was die Verteilung des Bodens anlangt, so herrscht hier in noch höherm Maße als in England und Irland Großgrundbesitz vor; 600 Besitzer haben vier Fünftel des Landes inne. Man rechnet 4741296 Holdings (Haushaltungen) von 50 bis 1000 Acres, auf 19 Jahre verpachtet und hauptsächlich dem Ackerbau und der Viehzucht gewidmet. Außerdem giebt es noch, besonders in den nordwestl. Hochlanden, eine Anzahl kleinerer Holdings, sog. Crofter-Holdings, für 40000 Familien. Die Landverhältnisse sind nach der alten Idee des Lehnswesens geregelt. Die großen adligen Familien (der Duke of Athol besitzt z. B. 194640, der Duke of Sutherland 176454 Acres in S.) sind die Eigentümer, das jeweilige Haupt derselben hat das Verfügungsrecht über Grund und Boden. Meist übergiebt er dasselbe an einen Vasallen in "Feu" oder "Feu Duty". Diese bestand früher in einer jährlichen Abgabe von Korn, Vieh u. s. w., seit Ende des 18. Jahrh. in einer jährlich in Geld zu entrichtenden Grundrente. Diese "Feu" stellt sich als eine Art beständiger und bedingungsloser Erbpacht dar. Solange der Lehnsmann (Feodar) oder seine Angehörigen den Grundzins regelmäßig entrichten, hat der Lehnsherr (Landlord) kein Recht, ihn an dem vollen Nießbrauch des Bodens, für Bauen, Ackerwirtschaft, Viehzucht, Vermieten u. s. w. zu hindern. Eine Menge Gesetze stellen die Rechte des Landlords, des Feodar und des von diesem abhängigen Abmieters (Tenant) fest. Die Feu-Charter läuft in der Regel auf 993 Jahre. Das Recht des Grabens nach Edelmetallen oder nützlichen Mineralien, wie z. B. Kohle, ist dem Landlord vorbehalten. Eine modifizierte Form dieser Erbpacht herrscht in Städten oder reich bevölkerten Distrikten: the Contract of Ground Annual. Die Fischerei ist bei der großen Küstenausdehnung sehr bedeutend. Die Fischerflotte von S. bestand 1893 aus 13491 Fahrzeugen mit 118327 t; 45141 Personen waren mit dem Fischfang beschäftigt. Der Heringsfang bildet, seit die Holländer aus dem Alleinbesitz desselben verdrängt wurden, eine Hauptbeschäftigung der Küstenbewohner, besonders im Westen, z. B. in Fraserburgh, Wick und Peterhead und auf den Orkney- und den Shetlandsinseln; drei Viertel des Ertrags (1892: 61249 t im Werte von 769938 Pfd. St.) gehen nach dem Kontinent, besonders nach Deutschland. Außerdem